"Die Balance zwischen Verteidigung und Entspannung"
Europa steht erneut vor großen Fragen von Krieg und Frieden. Was würden kluge Köpfe wie Albert Einstein, Mahatma Gandhi, Winston Churchill und Willy Brandt dazu sagen? Wir wagen ein Experiment: Aus Reden und Schriften der vier haben wir ein fiktives Streitgespräch zusammengestellt – anregende Gedanken zu Krieg und Frieden.
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Herr Einstein, Sie gelten als glühender Pazifist. Was treibt Sie an?
Albert Einstein: Heldentum auf Kommando, sinnlose Gewalttat und leidige Vaterländerei, wie glühend hasse ich sie, wie gemein und verächtlich erscheint mir der Krieg; ich möchte mich lieber in Stücke schlagen lassen, als mich an einem so elenden Tun zu beteiligen!
Herr Brandt, Sie haben den Friedensnobelpreis erhalten.
Willy Brandt: Ich gehöre zu einer Generation, die zweimal erlebt hat, dass und wie aus Krieg Hunger wird. Die Globalisierung von Gefahren und Herausforderungen – Krieg, Chaos, Selbstzerstörung – erfordert eine Art „Weltinnenpolitik“. […] Der Kampf um den Frieden, der Kampf gegen die Not fordern das Bewusstsein, dass wir in der „einen Welt“ zuletzt einem unteilbaren Schicksal unterliegen.
Würden Sie dem zustimmen, Herr Churchill?
Winston Churchill: Ohne eine wahrnehmbare Zunahme ihrer Tugenden und ohne den Vorteil einer weiseren Führung hält [die Menschheit] zum ersten Mal die Werkzeuge in Händen, die unfehlbar ihre eigene Vernichtung besiegeln können. […] Die Menschen würden gut daran tun, innezuhalten und über ihre neuen Verantwortungen nachzudenken.
Kniefall in Warschau: Bundeskanzler Willy Brandt 1970
Herr Gandhi, Sie setzen sich sogar für einen gewaltlosen Widerstand ein.
Mahatma Gandhi: Wofür ich eingetreten bin, ist die aus dem Herzen kommende Absage an die Gewalt und den konsequent aktiven Einsatz jener Kraft, die aus dieser großen Absage hervorgeht. […] Der [gewaltfreie Widerstand] ruft am Ende breiteste öffentliche Sympathie hervor. Die Leiden der Gewaltfreien haben bekanntlich die härtesten Herzen geschmolzen.
Eine friedliche, bessere Welt
Überall auf der Welt wünschen sich die Menschen, in Frieden zu leben. Die Welt zumindest ein Stück besser machen – das ist, was die Gründer des Magazins Prinzip Apfelbaum antreibt.
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Aber ist ein kategorischer Pazifismus denn überhaupt möglich?
Gandhi: Ich glaube, dass ich da, wo nur die Wahl besteht zwischen Feigheit und Gewalt, zur Gewalt raten würde. […] Ich würde lieber Indien zu den Waffen greifen sehen, um seine Ehre zu verteidigen, als dass es in Feigheit der Zeuge seiner eigenen Entehrung werden würde.
Einstein: Ich bin Pazifist – aber nicht Pazifist um jeden Preis. Meine Anschauungen decken sich nahezu mit denen Gandhis. […] Bis 1933 habe ich mich für die Verweigerung des Militärdienstes eingesetzt. Als aber der Faschismus aufkam, erkannte ich, dass dieser Standpunkt nicht aufrechtzuerhalten war, wenn nicht die Macht der Welt in die Hände der schlimmsten Feinde der Menschheit geraten soll. Gegen organisierte Macht gibt es nur organisierte Macht; ich sehe kein anderes Mittel, so ich es auch bedaure.
Deswegen haben Sie in mehreren Briefen US-Präsident Roosevelt empfohlen, eine Atombombe zu bauen. Haben Sie das später bereut?
Einstein: Hätte ich gewusst, dass die Deutschen nicht in der Lage waren, eine Atombombe zu bauen, dann hätte ich nie einen Finger gerührt.
Brandt: Es ist gewiss nicht leicht, die Balance zu halten zwischen Verteidigung und Entspannung. […] Wir dürfen uns keinem Wunschdenken hingeben, uns nicht in trügerischer Sicherheit wiegen. Wir müssen also beides tun: Die Verteidigungsbereitschaft intakt halten und gleichzeitig politisch nach Lösungen suchen für die großen Probleme unserer Zeit, hartnäckig und zielstrebig.
Curchill an der Front, 1944 in Italien
Aber was tun, wenn Ihnen ein existenzieller Krieg aufgezwungen wird?
Churchill: Ich habe nichts anzubieten außer Blut, Schweiß, Mühsal und Tränen. […] Wir werden bis zum Ende gehen. […] Wir werden uns niemals ergeben.
Was halten Sie davon, Herr Gandhi?
Gandhi: Das Ziel der Befreiung wird zum Hohn, wenn der Preis, der für die Freiheit bezahlt werden muss, die massenhafte Vernichtung derjenigen ist, die sich der Freiheit erfreuen sollen.
Was müssen wir also tun, um Frieden zu schaffen und zu erhalten?
Churchill: Nach dem zu schließen, was ich während des Krieges bei unseren russischen Freunden und Verbündeten gesehen habe, bewundern sie nichts so sehr wie Kraft und Macht, und nichts verachten sie so sehr wie militärische Schwäche. Aus diesem Grunde ist die alte Doktrin des Gleichgewichts der Mächte etwas Ungesundes. Wir können es uns nicht leisten, mit einer knappen Überlegenheit an Macht zufrieden zu sein, weil wir auf diese Weise Gefahr laufen, eine andere Macht in Versuchung zu führen, die Kraftprobe bestehen zu wollen.
Brandt: Von meiner Berliner Erfahrung ausgehend sagte ich, ein realistisches Selbstbewußtsein brauche die Fühlung mit dem politischen und weltanschaulichen Gegner nicht zu fürchten. Reden heiße aber doch auch verhandeln, mit der Bereitschaft zum Ausgleich, nicht zu einseitigen Konzessionen.
Gandhi: Es gibt keinen Weg zum Frieden, Frieden ist der Weg.
Einstein: Da wir als Wissenschaftler die tragische Bestimmung haben, die schaurige Wirksamkeit der Vernichtungsmethoden zu steigern, muss es unsere feierlichste und vornehmste Pflicht sein, nach besten Kräften zu verhindern, dass diese Waffen zu den brutalen Zwecken gebraucht werden, für die man sie erfand.
ZUSAMMENSTELLUNG: Lars Klaaßen
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Anmerkung
Der Autor hat die historischen Zitate mithilfe der KI Perplexity recherchiert und dabei ausschließlich auf verlässliche Quellen zugegriffen, unter anderem auf die Internetseiten des Bundestags, der Bundeszentrale für politische Bildung und der Nobel-Stiftung. Die einzelnen Aussagen sind aus ihrem Kontext herausgenommen und teils neu zusammengefügt. Wo Passagen ursprünglich nicht direkt aufeinander folgten, ist dies mit „[…]“ gekennzeichnet. Worte, die ergänzt wurden, um Aussagen verständlich zu machen, ohne deren Inhalt zu verändern stehen in eckigen Klammern. Die Rechtschreibung ist einheitlich auf den aktuellen Stand gebracht.