Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt

No. 11 – WANDEL

No. 11 – WANDEL

Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 11: Wandel. USA. Santa Monica, Kalifornien. 1979: Schatten auf Meer und Sand. Symbolbild. Alles im Leben verändert sich. Wandel ist machbar. Wir können ihn gestalten. Foto: Erich Hartmann / Magnum Photos / Agentur Focus
© Erich Hartmann / Magnum Photos / Agentur Focus

Editorial

Leben heißt Veränderung. Nichts bleibt, wie es ist. Wir wissen das und doch haben wir oft Angst, gewohnte Bahnen zu verlassen. Denn Wandel braucht Mut – und viele Wandel-Themen wirken bedrohlich. Klima, Demografie, Digitalisierung – all das wird unser Leben nachhaltig verändern.

Jede Veränderung abzulehnen, hieße gegen die Zeit zu leben. Wer erkennt, dass Veränderungen nötig sind, um das Gute zu bewahren, ist zum Wandel bereit. Sich dem Wandel zu stellen, muss deshalb nicht bedeuten, alles Vertraute über Bord zu werfen, sondern sich neue, angepasste Ziele zu setzen, also mit der Zeit zu leben.

Veränderung zwingt uns dazu, die eigene Komfortzone zu verlassen, neugierig zu bleiben und Unbekanntes zu wagen. Das eröffnet neue Möglichkeiten: Wir können uns neu erfinden, schlechte Gewohnheiten überwinden, eine sinnstiftende Tätigkeit beginnen, die Beziehungen zu unseren Liebsten stärken und dafür sorgen, dass etwas von uns bleibt.

Was sich wandelt, können wir gestalten. Das ist die gute Nachricht. Wie Wandel gelingen kann und wie daraus neue Chancen erwachsen, davon erzählen wir in dieser Ausgabe.

Susanne Anger

Sprecherin der Initiative
"Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum"

Menschen

„Nur eine vielfältige Welt ist eine stabile Welt“

Klaus Töpfer, 81, ist ein unermüdlicher Kämpfer für den Umwelt- und Klimaschutz. Im Interview erklärt der frühere Umweltminister, warum wir mit einer Wohlstandslüge leben und wie wir im offenen Dialog eine enkeltaugliche Welt gestalten können. Jungen Menschen rät er, nicht im Protest zu verharren, sondern die Zukunft mitzugestalten.

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Leben für Wandel: Porträt von Klaus Töpfer, Berlin 2019. Der frühere Umweltminister und Chef des UN-Umweltprogramms ist ein unermüdlicher Kämpfer für den Umwelt- und Klimaschutz. Ein Gespräch über ein Leben für den Wandel. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Peter Rigaud

Impulse

Vom Wissen zum Wandel

„Sei Du selbst die Veränderung, die Du dir wünschst für diese Welt“, forderte Mahatma Gandhi. Wandel beginnt im Kopf jedes Einzelnen, mit klaren Zielen und der Einsicht, dass Veränderungen auch positiv sein können. Ein kleiner Funke kann eine ganze Bewegung entfachen. So kann aus einer Idee Wirklichkeit werden.

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Vom Wissen zum Wandel: Pappschild mit der Aufschrift „Wake Up“ und einer gemalten Erde in Flammen bei Klimaproteste in Berlin. Wandel beginnt im Kopf jedes Einzelnen. Ein kleiner Funke kann eine ganze Bewegung entfachen. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Markus Spiske on Unsplash

Wissenswertes

In der Drehtür der Generationen

Diesen Moment erleben wohl alle erwachsenen Kinder irgendwann: Plötzlich sind die Eltern nicht mehr diejenigen, die Halt geben. Sie werden älter und brauchen selbst Unterstützung. Dann ist es Zeit, die Kinderrolle endgültig zu verlassen. Filiale Reife bedeutet, zu den Eltern eine neue Beziehung auf Augenhöhe zu entwickeln. Wie kann das gelingen?

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Wenn Eltern alt werden: Erwachsene Tochter umarmt ältere Mutter am Strand. Die Verletzlichkeit der Eltern erinnert an die eigene Endlichkeit. Wie entwickelt man eine Beziehung auf Augenhöhe, wenn Eltern älter werden? In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: davidpereiras/photocase.de

Unsere Lieblinge

Lesetipp

Lesetipp: Cover des Buches „102 grüne Karten zur Rettung der Welt“, Hg.: KATAPULT, erschienen im Suhrkamp Verlag, 2020.. In Prinzip Apfelbaum – Magazin über das, was bleibt. Ausgabe: Wandel

Aus einer Zahl wird ein Bild. Zum Beispiel 900 Millionen Hektar. So viel Wald müssten wir pflanzen, damit die Welt CO2-neutral wird. Das entspricht einem Quadrat von 3000 mal 3000 Kilometern, etwa so groß wie China. Zugegeben, ein ziemlich theoretisches Quadrat. Aber es zeigt: Vieles ist möglich! 102 Grafiken hat das KATAPULT-Magazin für sein zweites Buch zusammengetragen. Plastikmüll, Fahrradwege, der Pro-Kopf-CO2-Ausstoß. Die anschaulichen Karten machen Zusammenhänge begreifbar und verändern unsere Sicht auf die Welt. Auf einen Blick wird klar, wie dramatisch der Zustand der Erde ist – aber auch, wie leicht es wäre, ihn zu verbessern.

KATAPULT (Hg.): „102 grüne Karten zur Rettung der Welt“. Sachbuch. Suhrkamp, 2020. Gebunden, 203 Seiten. 22 Euro.

Berühmte Testamente: Der Hamburger Unternehmer und Stifter Kurt A. Körber, an einem Globus stehend. Sein Vermögen nutze er, um gesellschaftliche Veränderungen durch Dialog und Verständigung anzustoßen. Ein Testament für den guten Zweck. Prinzip Apfelbaum – Magazin über das, was bleibt. Ausgabe: Wandel. Foto: Körber-Stiftung
© Körber-Stiftung

Berühmte Testamente

Kurt A. Körber

Innovative Ideen – davon hatte Kurt A. Körber eine Menge. Als Unternehmer meldete er rund 200 Patente an. Als Stifter brachte er zahlreiche Programme auf den Weg, immer mit dem Ziel, gesellschaftliche Veränderungen durch Dialog und Verständigung anzustoßen. Nicht vergangene Verdienste wollte er auszeichnen, sondern „das Neue, das zur Bewährung Drängende“. Das Balancieren zwischen unternehmerischem Gewinn und Gemeinwohl begann früh. 1946 verließ der Ingenieur die sowjetische Besatzungszone, um in Hamburg neu anzufangen. Seine Hauni-Werke produzierten Zigarettenmaschinen und eroberten bald den Weltmarkt. 1957 gründete Körber die Hauni-Stiftung zum Wiederaufbau des Hamburger Thalia Theaters, 1959 dann die Kurt-A.-Körber-Stiftung. „Er hat die zweite Hälfte seines Arbeitstages darauf verwandt, mit dem in der ersten Hälfte erzielten Gewinn Gutes zu tun“, schrieb Altbundeskanzler Helmut Schmidt über seinen Freund. Durch sein Testament machte Kurt A. Körber seine Stiftung zur alleinigen Eigentümerin der Körber AG. Noch heute, 28 Jahre nach dem Tod des Stifters, erhält die Körber-Stiftung so eine jährliche Dividende von rund 19 Millionen Euro – ausschließlich für die gute Sache.

78.000.000

Die Zahl

Deutschland hat so viele Menschen wie nie zuvor. 83 Millionen sind es zurzeit. Und auch in den kommenden Jahren dürfte die Bevölkerungszahl weiter steigen. Doch spätestens 2032 ist damit voraussichtlich Schluss. Laut den Prognosen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung werden 2060 nur noch 78 Millionen Menschen in Deutschland leben. Wir werden weniger und wir werden älter. Ob Arbeitsmarkt, Renten oder schrumpfende Regionen – der demografische Wandel wird unsere Gesellschaft nachhaltig verändern.

Schon gewusst?

Wenn die Ehe scheitert

Wer sich das Ja-Wort gibt, hofft zumeist, die Liebe werde ewig halten. Die Statistik belegt anderes: Etwa 15 Jahre dauern Ehen hierzulande im Schnitt. Wollen verheiratete Paare getrennte Wege gehen, sollten sie eins bedenken: Erbansprüche, die Eheleute grundsätzlich gegenseitig haben, gelten auch dann noch, wenn man längst nicht mehr zusammen lebt. Das kann kuriose Folgen haben. Im Extremfall erbt nicht etwa ein neuer Lebenspartner, sondern selbst nach Jahren immer noch der Angetraute. Deshalb der Tipp: Ist die Ehe gescheitert, reicht man am besten sofort die Scheidung ein. Nur wenn die Scheidung beantragt ist oder der Antrag zugestellt wird, bevor man selbst stirbt, erlöschen gesetzliche Erbansprüche. Übrigens: Auch Ehegattentestamente sind unwirksam, sobald die Scheidung eingereicht ist. Lebt man nur getrennt, sollte notariell ein Widerruf erfolgen.

Michael Beuger, Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE

Ratgeber

Kleines Erbe: Nahaufnahme einer Hand, die ein Saatkorn in den Boden gibt. Symbolbild: Um mit dem Erbe Gutes zu tun, braucht es kein großes Vermögen. Als Testamentsspende oder Zustiftung können kleine Beträge viel bewirken. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: singkham via Twenty20

Kleines Erbe: Mit wenig viel Gutes bewirken

Immer mehr Menschen möchten mit ihrem Erbe auch einen gemeinnützigen Zweck unterstützen. Dafür braucht es kein großes Vermögen oder eine eigene Stiftung. Auch kleinere Beträge können Gutes bewirken – beispielsweise als Testamentsspende oder Zustiftung. Im persönlichen Gespräch geben Vereine und Stiftungen Rat.

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Kleines Erbe: Nahaufnahme einer Hand, die ein Saatkorn in den Boden gibt. Symbolbild: Um mit dem Erbe Gutes zu tun, braucht es kein großes Vermögen. Als Testamentsspende oder Zustiftung können kleine Beträge viel bewirken. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: singkham via Twenty20
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Kleines Erbe: Mit wenig viel Gutes bewirken

Immer mehr Menschen möchten mit ihrem Erbe auch einen gemeinnützigen Zweck unterstützen. Dafür braucht es kein großes Vermögen oder eine eigene Stiftung. Auch kleinere Beträge können Gutes bewirken – beispielsweise als Testamentsspende oder Zustiftung. Im persönlichen Gespräch geben Vereine und Stiftungen Rat.

Kleinvieh macht auch Mist, sagt der Volksmund. Im eigenen Geldbeutel lässt sich diese Weisheit bestens bestätigen. Wenn es aber darum geht, anderen Menschen zu helfen oder über den Tod hinaus Gutes zu tun, sind viele eher skeptisch. In einer aktuellen Studie der Gesellschaft für Konsumforschung konnte sich zwar mehr als ein Viertel der Deutschen über 50 Jahre gut vorstellen, das eigene Erbe oder einen Teil davon einer gemeinnützigen Organisation zu hinterlassen. Bei Menschen ohne Kinder war es sogar jeder zweite. Andererseits hielt fast jeder Dritte das eigene Erbe für zu klein, um damit etwas bewegen zu können.

Kleines Erbe: Zwei Jugendliche stehen an einem Stehtisch und schreiben einen Brief beim Amnesty-Briefmarathon. Möglich auch durch kleine Beträge als Testamentsspende oder Zustiftung. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Amnesty

200 Euro können ein Leben retten

Doch das ist ein Irrtum, meint Sandra Lüderitz-Korte, bei Amnesty International für Erbschaften und Vermächtnisse zuständig. „Jede kleine Spende hilft uns weiter. Das zeigt sich an unseren Eilaktionen, die wir bei Menschenrechtsverletzungen starten. Eine solche Brief- oder E-Mailaktion, mit der wir einen der Verantwortlichen oder den Betroffenen selbst kontaktieren, kostet mindestens 180 Euro“, berichtet die Expertin. Mit einem Vermächtnis von 200 Euro kann man also vielleicht schon ein Menschenleben retten.

Vermächtnis für Gutes

Ein Vermächtnis ist nur in einem Testament oder Erbvertrag möglich. Sie können Teile Ihres Nachlasses an eine oder mehrere Personen, aber auch an Vereine oder Stiftungen verteilen, ohne diese als Erben einzusetzen. Wie Sie ein Vermächtnis für die Zukunft aufsetzen, um einen guten Zweck zu unterstützen, lesen Sie in unserem Ratgeber.

Ein anderes Beispiel sind die Kosten für die sogenannten Researcherinnen und Researcher. Diese ermitteln direkt vor Ort, reisen in die betroffenen Länder, sammeln Informationen, sprechen mit den Opfern von Menschenrechtsverletzungen, deren Angehörigen und anderen. Vor einer solchen Reise muss ein Sicherheitstraining absolviert werden. Das dauert in den meisten Fällen einen halben oder ganzen Tag, wobei eine Stunde Training mit etwa 120 Euro zu Buche schlägt. Das bedeutet: Wenn vier Menschen Amnesty jeweils 200 Euro hinterlassen, kann bereits eine Person gut vorbereitet zu Ermittlungen in ein Krisengebiet reisen.

Immer gerne anderen geholfen

„Geld, Auto, Kleider und all die anderen Besitztümer gehören uns doch eigentlich gar nicht, sondern sind uns nur geliehen“, meint Yvonne Kassowitz-Kretzschmar. Die 71-jährige Bayerin ist seit vielen Jahren engagiertes Mitglied bei Amnesty International. Anderen zu helfen, war ihr immer wichtig. Früher hat sie Gefangene besucht, die wenig Kontakt zur Außenwelt hatten. In einer Schule unterstützte sie die Pädagogen bei der Nachmittagsbetreuung. Vor einiger Zeit hat sie schließlich ihr Testament gemacht und Amnesty International als Alleinerbin eingesetzt. Dabei hat Yvonne Kassowitz-Kretzschmar als ehemalige Flugbegleiterin keine Reichtümer zu vererben. „Mir ist es immer gut gegangen. Ich war nie ernsthaft krank, habe eine schöne, warme Wohnung und genug zu essen. Ich will einfach etwas weitergeben, auch wenn die Summe nicht so groß sein wird.“

Kleines Erbe: Demonstranten der DUH begleiten die Verhandlungen über saubere Luft in deutschen Städten vor dem BVerwG in Leipzig, 2018. Ein Beispiel, wie kleine Beträge als Testamentsspende oder Zustiftung viel bewirken. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Lehmann/DUH

Wie ein letzter Gruß

Auch Annette Bernauer von der Deutschen Umwelthilfe ist den Menschen dankbar, die mit kleineren Beträgen helfen. „Als Verein sind wir verpflichtet, Reserven aufzubauen, um handlungsfähig zu bleiben“, sagt die Ansprechpartnerin für Großspenden und Erbschaften. Denn bei neuen Projekten muss die Umwelthilfe oft in Vorleistung gehen, bis öffentliche Gelder fließen oder Spenden mobilisiert sind. Oft geht der Verein ein erhebliches finanzielles Risiko ein, wenn er vor Gericht zieht und zur Klärung von Umwelt- und Verbraucherrechten auch den Weg durch mehrere Instanzen nicht scheut. Zum großen Teil stützt sich die Deutsche Umwelthilfe daher auf ihre Dauerspender und Fördermitglieder. Hinzu kommen aber immer häufiger Zuwendungen von Menschen, die mit ihrem Testament eine Botschaft verbinden. „Es sind oft treue Spenderinnen und Spender, die uns viele Jahre lang jeden Monat mit einem kleinen Betrag unterstützt hatten. Ich sehe die Testamentsspenden wie einen letzten Gruß. Die Menschen wollen, dass ihre Herzensangelegenheit tatkräftig weitergeht“, meint Bernauer.

Spende oder Zustiftung

Eine Testamentsspende an einen gemeinnützigen Verein oder eine Stiftung fördert die konkrete Projektarbeit. Wie jede Spende wird sie zeitnah eingesetzt, um damit nachhaltig Gutes zu tun. Eine Zustiftung erhöht dauerhaft das Stiftungsvermögen. Zur Umsetzung des Stiftungszwecks werden ausschließlich die damit erwirtschafteten Erträge verwendet. Wie man ein Vermächtnis im Testament formuliert, erläutert u.a. die Initiative „Mein Erbe tut Gutes“ auf ihrer Internetseite.

Vereine und Stiftungen rechtzeitig ins Boot holen

Wer überlegt, einen Teil seines Vermögens einer gemeinnützigen Organisation oder einer Stiftung zu vermachen, sollte möglichst keinen Zweck für seine Spende festlegen. So kann der Empfänger freier über die Gelder verfügen. Denn wenn der Erbfall eintritt, gibt es vielleicht die Notlage oder das Projekt, das der Erblasser im Sinn hatte, schon nicht mehr. Auch an einen anderen Punkt sollten Testamentsspender denken. „Mir ist es am liebsten, wenn wir vorher informiert werden. Manchmal kommt ein Testament völlig überraschend zu uns und wir können uns nicht einmal bei der Spenderin oder dem Spender bedanken“, sagt Sandra Lüderitz-Korte von Amnesty International.

Und natürlich hat es ganz praktische Vorteile, die Organisationen rechtzeitig ins Boot zu holen: Sie können zum Beispiel rechtliche Beratung für das Verfassen eines Testaments vermitteln. Im persönlichen Gespräch lassen sich zudem Werte, Wünsche und Möglichkeiten der Hilfe abstimmen. In bestimmten Fällen übernehmen die Organisationen auch ganz oder anteilig die Anwalts- und Notarkosten. „Wir respektieren diese besonderen Geberinnen und Geber in ihrer vollen Entscheidungsfreiheit“, betont Annette Bernauer von der Deutschen Umwelthilfe. Wer mag, werde gerne mit einem öffentlichen Nachruf gewürdigt – zum Dank und um andere Menschen zu ähnlichen Taten zu ermutigen.

Rat und Orientierung

Rat und Service rund ums Erbe für den guten Zweck bietet die Initiative „Mein Erbe tut Gutes“. Hier finden Sie den persönlichen Kontakt zu vielen Organisationen und Stiftungen. Individuelle Fragen beantwortet die Initiative auch am Servicetelefon: (030) 29 77 24 36

TEXT: Angelika S. Friedl
FOTOS: singkham/Twenty20, Amnesty International, Lehmann/DUH

Nachhaltige Geldanlagen: Nahaufnahme einer Hand mit Setzling. Symbolbild. Wie legt man Geld nachhaltig an, ethisch, ökologisch, sozial? Hermann-Josef Tenhagen, Finanztip-Chefredakteur, gibt Rat. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: luxuz::./photocase.de

Nachhaltige Geldanlagen: In Wandel investieren

Mit Geld etwas Gutes tun: ethisch, sozial, ökologisch? Das versprechen nachhaltige Geldanlagen wie Windpark-Projekte, grüne ETFs oder Ökofonds. Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des gemeinnützigen Verbraucherportals Finanztip, erläutert im Interview, worauf es beim nachhaltigen Investment ankommt.

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Nachhaltige Geldanlagen: Nahaufnahme einer Hand mit Setzling. Symbolbild. Wie legt man Geld nachhaltig an, ethisch, ökologisch, sozial? Hermann-Josef Tenhagen, Finanztip-Chefredakteur, gibt Rat. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: luxuz::./photocase.de
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Nachhaltige Geldanlagen: In Wandel investieren

Mit Geld etwas Gutes tun: ethisch, sozial, ökologisch? Das versprechen nachhaltige Geldanlagen wie Windpark-Projekte, grüne ETFs oder Ökofonds. Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des gemeinnützigen Verbraucherportals Finanztip, erläutert im Interview, worauf es beim nachhaltigen Investment ankommt.

Nachhaltige Geldanlagen: Porträt von Hermann-Josef Tenhagen. ETFs, Windpark-Projekte, Ökofonds, Stifterdarlehen. Der Finanztip-Chefredakteur erklärt im Interview, worauf es bei nachhaltigen Geldanlagen ankommt. Ein Ratgeber. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Finanztip

Herr Tenhagen, immer mehr Menschen interessieren sich für Anlagemöglichkeiten und Finanzprodukte, die einen ökologischen, sozialen oder ethischen Mehrwert versprechen. Was sollte man dabei beachten?
Am Anfang steht die Frage, welche Ziele damit erreicht werden sollen. Möchte ich mein Geld anlegen und sicher sein, dass dies nicht mit schlimmen Praktiken verbunden ist, etwa Umweltzerstörung oder sozialer Ausbeutung? Oder möchte ich ganz konkrete Projekte fördern? Zu solchen inhaltlichen Aspekten kommen noch zwei weitere entscheidende Faktoren hinzu. Erstens die Rendite: Wie viel Gewinn erwarte ich? Je mehr es sein soll, desto größer werden die Risiken, die ich dafür eingehen muss. Zweitens die Zeit: Bis wann soll mein Geld beziehungsweise mein Gewinn wieder zu mir oder meinen Erben zurückfließen? Je langfristiger ich planen kann, desto größer werden die Möglichkeiten, zu investieren.

„Zwei Fragen sind wichtig: Wie viel Gewinn erwarte ich? Und bis wann soll mein Geld zurückfließen?“


Woran kann ich erkennen, das mit meinem Geld keine Dinge finanziert werden, die meinen persönlichen Werten widersprechen?
Der Begriff Nachhaltigkeit ist nicht geschützt, kann bei Banken und Fondsgesellschaften also sehr unterschiedliche Geldanlagen umfassen. Nun kann ich mich für eine Beteiligung an einem konkreten Projekt entschließen, bei dem etwa die ökologische Ausrichtung außer Zweifel steht, zum Beispiel bei Wind- und Solarparks oder der Aufforstung neuer Wälder. Hierbei gibt es aber einiges zu bedenken: So wird in der Regel in solche Projekte langfristig investiert, kurzfristig kann ich mein Geld also nur schwer wieder zurückholen. Außerdem sind solche Investments meist riskant. Geht meine Unternehmung pleite, ist alles weg. Auf solche Art sollte also bloß Geld angelegt werden, auf das es einem persönlich nicht ankommt.

„Investments in konkrete Projekte sind meist riskant. Geht meine Unternehmung pleite, ist alles weg.“


Wie lässt das Risiko sich minimieren?
Besser ist es, sich über breit gestreute Aktienfonds an nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen zu beteiligen. Auf diese Weise verteilt sich das Anlagerisiko auf eine Vielzahl an Unternehmen und Branchen. Gleichzeitig sind die Anteile an dem Fonds Sondervermögen, und damit besser geschützt als andere Anlageformen wie unternehmerische Beteiligungen oder Nachrangdarlehen.

Wie unterscheiden sich nachhaltig orientierte von herkömmlichen Fonds?
Manche Investmentfonds schließen Unternehmen aus, die in umstrittenen Branchen tätig sind. Das können Alkohol oder Tabak, Kriegswaffen oder gentechnisch veränderte Lebensmittel sein. Außen vor sind oft auch Firmen, die Kinderarbeit zulassen oder ihr Geld mit Glücksspiel oder pornografischen Inhalten verdienen. Andere belassen nur die besten Unternehmen einer Branche im Fonds: etwa den besten der ökologisch zweifelhaften Erdölproduzenten, den besten der in Billiglohnländern produzierenden Textilkonzerne oder die Investmentbank, die am besten mit Mitarbeitern umgeht und die Management-Boni im Zaum hält.

„Manche Investmentfonds schließen umstrittene Branchen aus. Andere belassen nur die Besten einer Branche im Fonds.“


Die Kriterien erscheinen grobmaschig.
Es empfiehlt sich immer ein Blick auf die Details. Ein Fonds kann etwa einen Konzern wie Apple ausschließen, weil der Seltene Erden abbaut; Amazon, weil die mit der Gewerkschaft Probleme haben; Facebook wegen mangelndem Datenschutz. Stattdessen findet man darin vielleicht Konzerne wie Microsoft oder Nestlé. Generell gilt aber: Solche Kriterien sind schon mal ein guter erster Schritt, sozusagen „hellgrünes“ Investment. Gemessen am insgesamt investierten Vermögen bewegen sich selbst solche nachhaltigen Anlagen zwar bislang noch im einstelligen Prozentbereich. Aber die Möglichkeiten, auf diese Art bewusster zu investieren, werden mehr.

„Über kostengünstige, nachhaltig ausgerichtete ETFs lässt sich langfristig Vermögen aufbauen.“


Welche Art von Fonds empfehlen Sie als nachhaltige Geldanlage?
Eine einfache und günstige Art für Privatanleger, ethische Standards bei der Geldanlage zu berücksichtigen, sind sogenannte Aktien-Indexfonds (ETFs), die nachhaltig ausgerichtete Aktienindizes abbilden. Über kostengünstige ETFs, die einen breiten Marktindex nachbilden, lässt sich langfristig Vermögen aufbauen. Wir haben bei Finanztip in Langzeitanalysen die Ergebnisse solcher Fonds mit den Renditen klassischer Fonds verglichen und keinen Renditeunterschied festgestellt – vielleicht aber ein besseres Gewissen. Ein Sparer, der in der Vergangenheit beliebige 15 Jahre lang im Weltaktienindex investiert hat, hätte niemals Geld verloren.

Es ist unwahrscheinlich, dass ein Ökofonds besser abschneidet als ein nachhaltiger Marktindex.


Geht es auch noch konsequenter, also
„dunkelgrün“?
Bei sogenannten aktiven Fonds ist ein Fondsmanager dafür verantwortlich, die Aktien für den Fonds auszuwählen. Im Falle von Ökofonds sind das Aktien solcher Unternehmen, die er für besonders nachhaltig hält. Aber trifft dieser Fondsmanager am Ende bessere Entscheidungen im Vergleich zu einem breit gestreuten und nachhaltigen Aktienindex? In jedem Fall bezahlt man bei aktiv verwalteten Fonds höhere laufende Verwaltungsgebühren als bei einem Aktien-Indexfonds. Bekommt man die Fonds über einen Vermittler direkt von der Kapitalanlagegesellschaft, wird in der Regel ein sogenannter Ausgabeaufschlag fällig. All dies muss erst einmal wieder hereingeholt werden. Es ist unwahrscheinlich, dass solch ein Ökofonds besser abschneidet als ein nachhaltiger Marktindex. Wer will kann sich um all das auch selbst kümmern, dann wird die Geldanlage aber zum zeitaufwändigen Hobby.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur, Herausgeber und Geschäftsführer der gemeinnützigen Finanztip Verbraucherinformation GmbH: www.finanztip.de

Tipp: Stifterdarlehen

Auch mit einem Stifterdarlehen kann man Geld für einen guten Zweck arbeiten lassen. Dabei stellen Sie ihr Kapital einer Stiftung zinsfrei zur Verfügung; diese legt das Geld an und fördert aus den Erträgen ihre gemeinnützige Arbeit. Nach Ablauf der Darlehenslaufzeit erhalten Sie Ihr Geld vollständig zurück. Es ist auch möglich, die geliehene Summe in eine Spende oder Zustiftung umzuwandeln oder per Testament zu regeln, dass das Darlehen nach dem Tod als Zuwendung an die Stiftung übergeht.

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INTERVIEW: Lars Klaaßen
FOTOS: luxuz::./photocase.de, Finanztip

Nachhaltig leben: Frau greift nach Äpfel auf dem Wochenmarkt, über dem Arm ein Jutebeutel. Wandel beginnt mit kleinen Veränderungen. Nachhaltig zu leben, muss nicht Verzicht bedeuten. Tipps für den Alltag. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: estherhelen via Twenty20

Einfach besser: Tipps für einen grünen Alltag

Bahn statt Auto, Wind statt Kohle, regionales Gemüse statt Billigfleisch, weniger Müll, kein Plastik. Das klingt anstrengend? Keine Sorge. Nachhaltig zu leben, muss nicht gleich Verzicht bedeuten. Der große Wandel beginnt mit kleinen Veränderungen. Ein paar Dinge besser zu machen, ist einfacher, als man denkt.

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Nachhaltig leben: Frau greift nach Äpfel auf dem Wochenmarkt, über dem Arm ein Jutebeutel. Wandel beginnt mit kleinen Veränderungen. Nachhaltig zu leben, muss nicht Verzicht bedeuten. Tipps für den Alltag. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: estherhelen via Twenty20
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Einfach besser: Tipps für einen grünen Alltag

Bahn statt Auto, Wind statt Kohle, regionales Gemüse statt Billigfleisch, weniger Müll, kein Plastik. Das klingt anstrengend? Keine Sorge. Nachhaltig zu leben, muss nicht gleich Verzicht bedeuten. Der große Wandel beginnt mit kleinen Veränderungen. Ein paar Dinge besser zu machen, ist einfacher, als man denkt.

Im August 2018 protestierte Greta Thunberg zum ersten Mal vor dem schwedischen Parlament. Seitdem ist viel passiert: Den Schülerinnen und Schülern der Klimabewegung haben sich Millionen Menschen auf der ganzen Welt angeschlossen. Selbst „Omas for Future“ gehen inzwischen auf die Straße. Der Klimawandel ist zu einem der wichtigsten gesellschaftlichen Themen geworden.

Viele wollen auch im eigenen Alltag etwas verändern und auf eine nachhaltige Lebensweise umstellen. Aber womit beginnen? Was ist richtig oder falsch? Gerade, weil es so viele Möglichkeiten gibt, ist der Anfang leicht: Einfach loslegen, ist die Devise. Dabei lässt sich Lebensqualität gewinnen und Geld sparen.

Umweltbewusst unterwegs

Die drohende Klimakatastrophe hat vor allem einen Grund: Seit Beginn der Industrialisierung geben wir Menschen eine immer größere Menge Treibhausgase in die Atmosphäre, vor allem Kohlendioxid (CO2). Es verhindert, dass Wärme von der Erde ins Weltall entweicht. Ein großes Sorgenkind der hiesigen Klimaschützer bleibt der Verkehr. Allein Autoabgase machen laut Umweltbundesamt rund ein Fünftel der deutschen CO2-Emissionen aus.

Ökologischer Fußabdruck

Persönliche Öko-Erfolge lassen sich messen. Der CO2-Rechner des Umweltbundesamtes ermittelt den persönlichen CO2-Ausstoß über ein Jahr. Außerdem gibt es viele Umwelttipps für den Alltag.

Kürzere Wege zu Fuß, per Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erledigen, ist ein guter Anfang. Das ist zudem gesund und spart unnötige Spritkosten. Wenn Rad, Bus und Bahn das eigene Auto nicht ersetzen können, sollte es nicht gerade ein SUV sein, dessen Verbrauch viermal so groß ist wie der eines mittelgroßen PKW . Hybrid-Fahrzeuge oder reine E-Autos sind leiser und werden die Bilanz erheblich verbessern, wenn der Kohleanteil in unserem Strommix weiter sinkt. Und ist eine Reise mit dem Flugzeug nicht zu vermeiden, lässt sich das dabei verursachte CO2 kompensieren, indem man beispielsweise Klimaschutzprojekte fördert.

CO2 ausgleichen

Unvermeidbare Treibhausgas-Emissionen lassen sich kompensieren. Dazu wird für den CO2-Ausstoß ein Preis bestimmt, der gemeinnützige Klimaschutzprojekte unterstützt. Wie das funktioniert und welche Anbieter es gibt, hat u.a. das Verbraucherportal Utopia zusammengestellt.

Energie sparen

CO2-Spitzenreiter in Deutschland ist mit 40 Prozent der Emissionen die Stromerzeugung. Der Grund: Kohlekraftwerke liefern immer noch den Großteil unseres Stroms. Das Heizen macht immerhin ein Sechstel des CO2-Austoßes aus. Dabei lassen sich gerade beim Energieverbrauch Umwelt und Geldbeutel gleichzeitig schonen. Komplett auf Ökostrom umzustellen, geht einfach und schnell online. Der direkte Vergleich zeigt, bei welchem Stromanbieter wie viel für den eigenen Verbrauch fällig wird. In einigen Regionen ist Ökostrom aus erneuerbaren Energien wie Wind oder Sonne sogar günstiger als ein konventioneller Strommix. Und wer sich in seinem Eigenheim über hohe Heizkosten ärgert, kann sich eine energieeffiziente Heizungsanlage zuzulegen, die auf Dauer hilft, die Ausgaben zu senken.

Energie sparen

Stromverbrauch, Heizkosten, energieeffizientes Bauen. Die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online bietet auf ihrer Webseite einfache Checks, praktische Tipps und vielfältige Informationen, die helfen, Energie zu sparen und das Klima zu schützen.

Nachhaltig leben: Nahaufnahme frisches Wurzelgemüse, Radieschen und Karotten. Wandel beginnt mit kleinen Veränderungen, zum Beispiel beim Einkauf. Bio-Gemüse, regional und saisonal ist eine Möglichkeit. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Caroline Attwood/Unsplash

Bio, regional und saisonal

Rund 15 Prozent unserer privaten CO2-Emissionen gehen auf das Konto unserer Ernährung. Doch die Frage, was auf unseren Teller kommt, entscheidet nicht nur über Klimabilanz, Umweltschutz und Tierhaltung. Produkte aus ökologischem Anbau sind oft auch besser für die Gesundheit. So gibt es erhebliche Unterschiede etwa bei der Herstellung von Fleisch: Beim Bio-Fleisch ist der Einsatz von Hormonen, Wachstums- und Leistungsförderern verboten, der vorbeugende Einsatz von Medikamenten und Antibiotika nicht erlaubt.

Bei vielen Obst-, Gemüse- und Getreideprodukten wurden Pestizidrückstände festgestellt, sogar solche, die in Deutschland gar nicht erlaubt seien, warnen Umweltschutzorganisationen. Besonders häufig betroffen: Tomaten, Trauben, Erdbeeren, Paprika. Bio-Siegel sichern höhere Standards, die regelmäßig kontrolliert werden. Ansonsten gilt: Auch Bio-Himbeeren im Winter sind eine Umweltsünde – weil sie mit dem Flugzeug aus dem Süden hierher gebracht werden müssen. Obst und Gemüse sollte daher immer saisonal und regional eingekauft werden. Am besten man gewöhnt sich an, beim Griff ins Regal auf das Ursprungsland zu achten. Müssen es wirklich Weintrauben aus Indien oder Äpfel aus Neuseeland sein?

Bewusst konsumieren

Einen guten Überblick über Nachhaltigkeits- und Bio-Siegel gibt das Portal Nachhaltiger Warenkorb, ein Projekt des Rats für Nachhaltige Entwicklung. Wie man Obst und Gemüse frisch und saisonal einkauft, erläutert die Verbraucherzentrale mit ihrem Saisonkalender.

Ressourcen schonen

Nachhaltiger Konsum bedeutet auch, darauf zu achten, wie ein Produkt hergestellt wurde, wie viel Wasser und Energie es für den Gebrauch benötigt und wie lange es hält. Nicht zuletzt sollten auch soziale Aspekte berücksichtigt werden, beispielsweise Kinderarbeit oder moderne Sklaverei. Wer langlebige Produkte kauft, muss dafür in der Regel zwar zunächst etwas mehr Geld auf den Tisch legen. Aber auf lange Sicht spart man dabei. Weil Billigangebote bei Kleidung, Möbeln und vielem anderen oft nicht lange halten, müssen sie häufiger nachgekauft werden. Beim Wegschmeißen und neu Kaufen zahlt am Ende auch die Umwelt drauf. Das gilt auch fürs Essen: Gut 85 Kilogramm Lebensmittel schmeißt jeder von uns jährlich in den Müll. Ein Großteil davon lässt sich sparen, wenn man in Maßen einkauft, Frisches richtig lagert und Reste verwertet.

Müll vermeiden

Fünf einfache Regeln, wie man überflüssiges Plastik im Alltag vermeiden kann, hat u.a. die Verbraucherzentrale zusammengestellt. Rezepte für übriggebliebene Lebensmittel bietet die BMEL-Initiative „Zu gut für die Tonne“ online und per App.

Es geht auch ohne Plastik

Stoffbeutel, die sich immer wieder verwenden lassen, sind besser als schnell reißende Plastiktüten. Auch Mehrwegglas statt Kunststoff, zum Beispiel für Joghurts, Wasser und Getränke, reduziert den Abfall. Im Supermarkt kann man Produkte, die in mehreren Schichten Plastik verpackt sind, getrost liegen lassen – es finden sich meistens bessere Alternativen im Regal. Das Gleiche gilt für Produkte aus recyceltem Material, wie etwa Mülltüten oder Toilettenpapier. Papier mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ besteht nicht nur zu 100 Prozent aus Altpapier, die Herstellung spart circa 70 Prozent Wasser und 60 Prozent Energie.

Zum Weiterlesen

Nachhaltig leben: Cover des Buches „Einfach nachhaltig leben“ von Julia Zohren. Lesetipp. Nachhaltig zu leben, klingt nach Verzicht. Doch es ist einfacher, als man denkt. Tipps für den Einstieg im Ratgeber. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: EMF Verlag/Zach Vessels on Unsplash

Julia Zohren: Einfach nachhaltig leben – 100 Tipps, die mit wenig Aufwand die Welt ein bisschen besser machen, versammelt Julia Zohren in ihrem Buch. Reste-Rezepte, grüne Banken, nachhaltige Geschenke, faire Mode, Insektenhotels, Reinigungsmittel. Dazu: wertvolles Wissen und wichtige Fakten. Erschienen bei EMF, 2019.

TEXT: Lars Klaaßen
FOTOS: estherhelen/Twenty20, Caroline Attwood/Unsplash, Zach Vessels/Unsplash, EMF Verlag

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Das tut gut: Die Menschenrechtskämpferin Aminatou Haidar aus Westsahara bei der Verleihung des Alternativen Nobelpreises in Stockholm, 2019. Die Right Livelihood Foundation ist Mitglied der Initiative

Preis für eine bessere Welt

Sie verteidigen Menschenrechte, bekämpfen Armut, stiften Frieden und schützen unsere Umwelt. 178 außergewöhnliche Persönlichkeiten und Organisationen wurden seit 1980 mit dem Right Livelihood Award ausgezeichnet, besser bekannt als „Alternativer Nobelpreis“. Das 40-jährige Bestehen wird in den kommenden Monaten mit Konferenzen in Bangkok, Addis Abeba und Medellín gefeiert, auf denen frühere Preisträgerinnen und Preisträger zusammenkommen. Sie alle verbindet ein Ziel: eine lebenswerte Zukunft für die kommenden Generationen zu gestalten.

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Das tut gut: Blut- und Plasmakonserven in einer speziellen Kühlbox für den Einsatz an Bord eines Hubschraubers. Das Verfahren wurde entwickelt von der DRF Luftrettung, Mitglied der Initiative

Blut und Plasma im Helicopter

Ein schwerer Unfall: Der Verletzte verliert große Mengen Blut. Dann ist schnelle Hilfe entscheidend. Bislang konnten Patienten zunächst nur mit einfachen Infusionslösungen versorgt werden. Die DRF Luftrettung hat nun mit Partnern in Greifswald und Mannheim ein Verfahren entwickelt, mit dem sich neben Blut- auch Plasmakonserven im Hubschrauber mitführen lassen. Im September konnte ein Heli der DRF Luftrettung erstmals einem Motorradfahrer mit einer Bluttransfusion direkt an der Unfallstelle das Leben retten.

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Das tut gut: Ausschnitt eines Kampagnenmotivs Das Deutsche Kinderhilfswerk gibt Tipps für den Umgang mit Kinderfotos im Netz. Das Motto: #DenkenFragenPosten. DKHW ist Mitglied der Initiative

Erst denken, dann posten

Niedliche Kinderfotos am Strand, auf dem Dreirad oder mit Geburtstagstorte – gepostet von Eltern und Großeltern. Schon Kleinkinder sind bei Facebook oder Instagram präsent, ohne dass sie selbst darüber entscheiden können. Auch auf WhatsApp sind Bilder schnell geteilt und weitergeleitet. Doch Kinder haben Persönlichkeitsrechte, die gewahrt werden müssen. Was ihre Eltern süß finden, ist ihnen selbst vielleicht peinlich. Das Deutsche Kinderhilfswerk gibt praktische Tipps, was man beachten sollten, bevor ein Kinderfoto geteilt wird.

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Das tut gut: Sielmanns Biotopverbund Bodensee in Überlingen, möglich auch durch Erbschaften und Vermächtnisse zum Ankauf wertvoller Flächen. Die Heinz Sielmann Stiftung ist Mitglied der Initiative

Naturlandschaften retten

Lebensräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu bewahren, ist eines der größten Ziele heutiger Naturschutzarbeit. Die Heinz Sielmann Stiftung setzt sich dafür ein, unzerschnittene Landschaften zu erhalten, Militär- und Industriebrachen zu renaturieren und Biotopverbünde zu schaffen. Möglich wird das auch durch Erbschaften und Vermächtnisse, mit denen die Stiftung jedes Jahr wertvolle Flächen ankauft, um diese zu schützen. In den mittlerweile über 13.000 Hektar Naturlandschaft erleben Besucher Artenvielfalt und facettenreiche Natur.

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Das tut gut: Schülerinnen der Hebammenschule von action medeor in Sierra Leone feiern ihren Abschluss. Das Medikamenten-Hilfswerk stärkt damit das Gesundheitssystem des Landes. action medeor Mitglied der Initiative

Hebammen für Sierra Leone

In kaum einem Land der Welt sterben so viele Mütter und Babys bei oder kurz nach der Geburt wie in Sierra Leone. Fast jede 17. Gebärende ist betroffen. Das liegt unter anderem am fehlenden medizinischen Personal; viele Helfer starben während der Ebola-Epidemie. Deswegen gründete action medeor vor zwei Jahren eine Hebammenschule im Süden des Landes. Gerade haben die ersten 49 Schülerinnen ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, weitere 100 befinden sich in Ausbildung. Eine gute Nachricht für die Frauen und Kinder im ganzen Land.

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