Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt

No. 10 – LOSLASSEN

Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 10: Loslassen. England, Somerset, Quantock Hills, 1986: Mutter und dreijährige Tochter umarmen sich und wälzen sich im Herbstlaub. Symbolbild für das Loslassen und Verzeihen, für Abschied und Weitergeben. Foto: Stuart Franklin / Magnum Photos / Agentur Focus
© Stuart Franklin / Magnum Photos / Agentur Focus

Editorial

„Warum kann ich eigentlich so schwer loslassen?“, das habe ich mich schon oft gefragt. Alleine der Klang des Wortes löst einen inneren Widerstand aus, alles in mir sträubt sich dagegen. Denn gelernt habe ich: festzuhalten. Lieb gewonnene Dinge, vertraute Menschen, einen großen Traum, das Lebenswerk. Bedeutet Loslassen nicht, aufzugeben? Verliere ich also nicht etwas, wenn ich loslasse?

Umgekehrt weiß ich aber auch, wie befreiend und erfüllend das Loslassen sein kann: Wenn die Kinder wirklich selbstständig sind und ihre eigenen Wege gehen. Wenn der Keller fast leer ist, weil ich ihn endlich entrümpelt habe. Wenn ich mich – wenn auch schweren Herzens – von einem wichtigen Menschen getrennt habe, weil die Beziehung keine Zukunft hatte.

Am schwierigsten ist es wohl, sich selbst loszulassen. Umso mehr tröstete mich ein Gedanke aus unserem Magazinbeitrag „Keine Angst. Wir alle sterben sowieso“: Wer am Ende seines Lebens nichts – oder zumindest wenig – bedauern müsse, tue sich leichter damit, dem Abschied gelassen entgegenzusehen. „So leben, wie es einem gefällt. Weniger arbeiten. Gefühle zum Ausdruck bringen. Freundschaften pflegen. Sich mehr Freude gönnen.“ – Das gefällt mir und Ihnen hoffentlich auch. Davon erzählen alle unsere Beiträge in der einen oder anderen Weise.

Susanne Anger

Sprecherin der Initiative
„Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum"

Impulse

Keine Angst. Wir alle sterben sowieso.

Wir alle werden sterben. So viel ist sicher. Und doch hat der Tod keinen guten Stand. So gut es geht, wird er verdrängt. Wie wäre es, dem eigenen Lebensende gelassen entgegenzusehen? Das wird leichter, wenn man sich damit schon frühzeitig auseinandersetzt. Das heißt vor allem, sich dem Leben zu widmen, seinem Wert und Sinn.

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Keine Angst vor dem Tod: USA, New York City, 2003: Nach einer Beerdigung sammeln heitere Frauen Blumen vom Leichenwagen als Erinnerung an ihre Freundin. Symbolbild: Dem Tod gelassen entgegenzusehen, heißt, sich dem Leben zu widmen. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Paul Fusco/Magnum Photos/Agentur Focus

Wissenswertes

Für immer und unverzeihlich?

Familie bedeutet Liebe und Geborgenheit, oft aber auch Kränkungen und Ungerechtigkeit. Manche dieser Verletzungen begleiten uns über Jahre. Den eigenen Kindern oder auch den eigenen Eltern zu verzeihen, fällt nicht leicht. Doch es lohnt sich. Denn wer die Vergangenheit loslässt, kann nach vorne schauen und erlebt eine neue Freiheit.

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Verzeihen: Verblichenes Familienfoto, Vater, Mutter, Kind. Familie bedeutet oft auch Kränkung und Ungerechtigkeit. Den eigenen Kindern oder auch den eigenen Eltern zu verzeihen, fällt nicht leicht. Doch es lohnt sich. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: beaferreira78 via Twenty20

Menschen

Familie ist der
Kern von allem“

Die Führung an die nächste Generation abzugeben, fällt gerade in Familienbetrieben schwer. Beatrice Rodenstock kennt das aus der eigenen Familie. Aufgewachsen im Brillenimperium Rodenstock ist sie eine Expertin für das schwierige Gemisch aus familiären Bindungen und unternehmerischer Verantwortung. Ein Gespräch über die Kraft von Familie, das Festhalten und das Loslassen.

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Verantwortungsvolle Nachfolgeplanung: Porträt von Beatrice Rodenstock. Aufgewachsen im Brillenimperium weiß sie, wie schwer es Familienunternehmern fällt, das Lebenswerk an die nächste Generation abzugeben. Ein Gespräch über Familie, Loslassen und Gutes tun. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Stefanie Aumiller

Unsere Lieblinge

Lesetipp

Lesetipp: Cover des Buches „Jetzt noch nicht, aber irgendwann schon“ von Martin Simons, erschienen im Aufbau Verlag. In Prinzip Apfelbaum – Magazin über das, was bleibt. Ausgabe: Loslassen

Zehn Tage verbringt Martin Simons „mit geschärften Sinnen in einer Art Todeszone“. Er ist 44 Jahre alt, als bei ihm eine Hirnblutung festgestellt wird, die ihn jeden Moment töten kann. Ans Bett gefesselt auf der Intensivstation, in einem Schwebezustand zwischen Leben und Tod, versinkt er ganz in seinem Inneren und zieht Bilanz über sein bisheriges Leben. Was ihm gelungen ist, was nicht, wie viel Glück er hatte. Die unmittelbare Erfahrung der eigenen Vergänglichkeit ist für den Erzähler eine Befreiung, die ihn verändert. Er versöhnt sich innerlich mit seinen Eltern und spürt mehr denn je die Liebe zu seiner Frau und seinem Kind – der „innere Panzer“ ist aufgebrochen.

Martin Simons: „Jetzt noch nicht, aber irgendwann schon“. Roman. Aufbau Verlag, 2019. Gebunden, 186 Seiten. 20 Euro.

45 %

Die Zahl

Loslassen fällt uns oft schwer. Lieber halten wir an schlechten Gewohnheiten und ungesunden Ritualen fest, als etwas Neues zu beginnen. Denn unser Gehirn liebt Routinen und wäre ohne sie überfordert. Die US-Psychologin Wendy Woods hat Studienteilnehmer gebeten, stündlich ihre Aktivitäten und Gedanken zu notieren. Das Ergebnis: Fast die Hälfte unserer täglichen Handlungen sind Gewohnheiten, die sich willentlich kaum kontrollieren lassen. Aber wir können sie austricksen: indem wir die alten Rituale durch neue ersetzen.

Berühmte Testamente: Gerd Bucerius auf einem Wahlplakat zur Bundestagswahl 1957. Der Verleger gründete 1971 die Zeit-Stiftung, der die Eheleute Ebelin und Gerd Bucerius ihr gesamtes Vermögen hinterließen. Ein Testatement für den guten Zweck. Prinzip Apfelbaum – Magazin über das, was bleibt. Ausgabe: Loslassen. Foto: Wikipedia Commons/KAS
© Wikipedia Commons/KAS

Berühmte Testamente

Ebelin und Gerd Bucerius

Als liberaler Querdenker, streitbar und zugleich tolerant, gehörte Gerd Bucerius zu den prägenden Persönlichkeiten der Nachkriegszeit. „Tun zu müssen, was andere sagen, ist mir mein Leben lang unerträglich gewesen“, bekannte er einmal. Neben seiner Karriere als Bausenator in Hamburg und als Bundestagsabgeordneter der CDU gründete Bucerius 1946 die Wochenzeitung Die Zeit, die ihm zur Lebensaufgabe wurde. An seiner Seite: Ebelin, seine couragierte und tatkräftige Frau. Sie war ab 1961 als Geschäftsführerin des Zeitverlags dafür zuständig, die Anzeigenkunden zu akquirieren – angesichts der Verluste, die das Blatt jahrzehntelang machte, eine wichtige Aufgabe. 1971 gründete Bucerius die Zeit-Stiftung, der beide Eheleute ihr gesamtes Vermögen hinterließen. Die gemeinnützige Stiftung fördert Innovationen in Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur sowie Bildung und Erziehung. Dabei setzt sie sich für eine liberal-weltoffene Zivilgesellschaft ein – ganz im Sinne des freien Geistes der Stifter.

Schon gewusst?

Wer entscheidet im Notfall?

Wer gesund ist, macht sich ungern Gedanken darüber, dass er einmal auf fremde Hilfe angewiesen sein könnte. Unfall, Krankheit, Alter: Rechtlich vorzusorgen, ist sehr wichtig. In einer Patientenverfügung lässt sich verbindlich regeln, welche ärztlichen Schritte in bestimmten Situationen gewünscht sind und welche nicht. Rundum vorgesorgt ist man damit aber noch nicht. Was viele nicht wissen: Ehepartner oder Kinder können nur dann rechtsverbindlich für andere entscheiden, wenn man sie dazu als Bevollmächtigte beauftragt oder, alternativ, als rechtliche Betreuer einsetzt. Die Möglichkeit, selbst zu bestimmen, sollte man sich nicht nehmen lassen. Wer keinerlei Vorsorge trifft, bekommt vom Gericht einen Betreuer bestellt.

Michael Beuger, Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE

Ratgeber

Wenn der Partner stirbt: Hand eines älteren Mannes auf einer Beerdigung. Wer den Lebenspartner verliert, muss den Alltag allein bewältigen. Welche Wege gibt es, um neuen Mut zufassen? Ein Ratgeber. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Craig Whitehead on Unsplash

Neuanfang: Wenn der Partner stirbt

Wer den Lebenspartner verliert, bleibt allein zurück. Alles Vertraute bricht weg. Doch der Verlust bietet auch die Chance zu etwas Neuem. Familie, Freunde, Hobbies – es gibt viele Wege, um neuen Mut zu fassen und ein Leben ohne den Partner zu finden. Dabei hilft es, Geduld zu haben und vor allem: die Trauer zuzulassen.

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Wenn der Partner stirbt: Hand eines älteren Mannes auf einer Beerdigung. Wer den Lebenspartner verliert, muss den Alltag allein bewältigen. Welche Wege gibt es, um neuen Mut zufassen? Ein Ratgeber. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Craig Whitehead on Unsplash
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Neuanfang: Wenn der Partner stirbt

Wer den Lebenspartner verliert, bleibt allein zurück. Alles Vertraute bricht weg. Doch der Verlust bietet auch die Chance zu etwas Neuem. Familie, Freunde, Hobbies – es gibt viele Wege, um neuen Mut zu fassen und ein Leben ohne den Partner zu finden. Dabei hilft es, Geduld zu haben und vor allem: die Trauer zuzulassen.

Es sollte ein schöner Urlaub werden. Peter und Christine saßen in einem Café auf Mallorca, als sie merkte, dass etwas nicht stimmte. Der Kaffee schmeckte nicht, den Kuchen konnte sie kaum schlucken. Zurück in Deutschland bekam sie die Diagnose: Mandelkrebs. Es folgten zahlreiche Chemotherapien und medikamentöse Behandlungen. Christine verlor mehr als 20 Kilo Gewicht, Peter schob sie im Rollstuhl. Drei Jahre hofften, bangten und kämpften sie. Als Peter sie schließlich beerdigen musste, kamen in ihm zwiespältige Gefühle hoch: Er war schmerzerfüllt von Trauer, zugleich fühlte er sich erlöst. Er war wieder frei, um wie früher auch einmal eine Ausstellung zu besuchen. Doch der Weg in ein Leben ohne den Menschen, mit dem man viele Jahre den Alltag geteilt hat, ist nicht leicht.

Trauer ist individuell

Die Trauer um einen geliebten Menschen kann jeden treffen und gehört zum Leben dazu. Ähnlich wie bei anderen Krisen durchläuft man dabei mehrere Phasen. Am Anfang stehen Schock und Verleugnung. Allmählich brechen viele verschiedene Gefühle auf, die Gedanken kreisen immer wieder um den Verstorbenen. Dann beginnt langsam eine Neuorientierung, um am Ende ein neues Gleichgewicht zu finden. So kann typischerweise der Trauerprozess verlaufen – oder auch nicht. Denn grundsätzlich ist Trauer immer sehr individuell. Jeder Mensch trauert auf seine eigene Weise. Und auch Trauerphasen verlaufen nicht linear. Es ist vielmehr ein Pendeln zwischen Trost und Schmerz, auch zwischen Wut und Verzweiflung.

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Ein Pendeln zwischen Trost und Schmerz

Viele glauben, dass Trauer in festen Phasen verlaufen muss. Vergessen Sie die Theorie! Jeder erlebt den Abschied auf andere Weise. Aus der Psychologie kommen neue Modelle für die Trauerverarbeitung. Weiterlesen…

Trauer zulassen

Wichtig ist nur: Man muss die Trauer zulassen. Die Psychotherapeutin Doris Wolf, die seit 35 Jahren psychologische Hilfestellungen leistet, rät zuallererst, den Schmerz nicht mit Tabletten oder Alkohol zu betäuben. Hilfe finden Betroffene bei ehrenamtlichen oder professionellen Trauerbegleitern, wie sie etwa Hospizdienste oder Wohlfahrtsverbände vermitteln. An vielen Orten gibt es zudem Selbsthilfegruppen, in denen sich Trauernde austauschen können. Ob Trauer-Café, Trauer-Salon oder Trauer-Wanderung – in den Gruppen trifft man auf andere, die den Schmerz nachempfinden können, weil sie ähnliches erlebt haben.

Rückschläge akzeptieren

Gerade bei älteren Paaren und in langjährigen Ehen ist der Verlust groß: Man verliert nicht nur den Partner, sondern auch einen Freund und oftmals einen Teil von sich selbst. Nicht selten meinen Hinterbliebene dann: „Es hat alles keinen Sinn mehr.“ Um die Trauer zu bewältigen, müssen Hinterbliebene viel leisten: Sie müssen den Verlust als Realität anerkennen. Sie müssen lernen, den Schmerz auszuhalten und sich an eine Welt anpassen, in der der verstorbene Mensch fehlt. Und nicht zuletzt müssen sie sich vom Verstorbenen ablösen und sich neuen Bindungen öffnen. Rückschläge gehören zur Trauerarbeit ebenso dazu, wie das Durchleben sämtlicher Emotionen. Psychotherapeutin Doris Wolf sagt: „Die Trauerbewältigung gleicht einer Bergsteigung. Sie müssen im Tal beginnen und sich langsam emporarbeiten, bis Sie wieder eine neue Lebensperspektive für sich erkennen können.“

Wenn der Partner stirbt: Seniorin beim Wandern in den Bergen. Wer den Lebenspartner verliert, muss den Alltag allein bewältigen. Spaziergänge, Reisen, neue Hobbies – welche Wege gibt es, um neuen Mut zu fassen? Ein Ratgeber. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: nick4 via Twenty20

Für Körper und Geist sorgen

Jeder, der verlassen wurde, muss seine Art finden, mit der Trauer und dem Schmerz umzugehen. Das kann Schreiben sein, aber auch Tanzen, Malen oder Sport. Außerdem ist in dieser Zeit jede Form der Gemeinschaft wichtig: Familie, Freunde, Gleichgesinnte. Besonders die Wochenenden sollten ausgefüllt sein. Fehlt für viele Dinge die Kraft, kann ein Plan dabei helfen, das Nötigste zu regeln und den Alltag zu bewältigen. Dabei sollte man sich nur kleine Schritte vornehmen. Viele Trauernde vergessen zudem, auf den eigenen Körper zu achten. Besonders gesunde Ernährung, Spaziergänge, Entspannungsübungen können in der schwierigen Zeit wohltun.

Neues wagen

Auch wenn es sich zunächst nicht danach anfühlt – jeder Abschied bedeutet auch einen Aufbruch. Doch das zu erkennen, braucht Zeit und Geduld. Peter, der im November letzten Jahres seine Frau Christine beerdigt hat, meldete sich in der Trauerphase auf der Internetplattform verwitwet.de an. Dort kam er nicht nur mit anderen Verwitweten in Kontakt, sondern informierte sich auch über Aktivitäten in seiner Umgebung. Er lernte neue Leute kennen, die oft die gleiche Erfahrung gemacht hatten wie er selbst. Gemeinsam organisierten sie Ausflüge, Theaterbesuche, Kinoabende. Inzwischen geht Peter wieder in Ausstellungen und hat sein Hobby, die Fotografie. wiederentdeckt.

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Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 10: Loslassen. England, Somerset, Quantock Hills, 1986: Mutter und dreijährige Tochter umarmen sich und wälzen sich im Herbstlaub. Symbolbild für das Loslassen und Verzeihen, für Abschied und Weitergeben. Foto: Stuart Franklin / Magnum Photos / Agentur Focus

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Die Trauer zu Papier bringen

Die Gedanken und Gefühle nach einem Verlust aufzuschreiben, ist ein Weg, den die Journalistin Petra Mikutta gegangen ist. Sie verlor ihren Mann an einem Ostersonntag. Unerwartet. Er war gerade auf dem Weg zu ihr, als er plötzlich vom Fahrrad fiel. In ihrem Buch „Sie werden lachen. Mein Mann ist tot“ erzählt sie von Liebe und Verlust, vor allem davon, wie sie nach diesem Schicksal zurück ins Leben fand. Sie schreibt: „Doch es dauert nicht lange, wenige Tage, bis ich das erste Mal wieder lache. Monatelang erscheinen mir Fröhlichkeit unangebracht und Glück undenkbar. Doch jeder wird sich, wie ich, der Frage stellen müssen, wie man weiterleben will? Ich habe entschieden, mich nicht mit einem harten, nachtschwarzen Panzer gegen den Schmerz zu wappnen, sondern weich und offen zu bleiben.“ Ein Therapeut half Mikutta dabei, die Kraft aufzubringen, sich einzulassen. Auf Spaziergänge, auf Kinobesuche, auf Einladungen zum Essen, auf die Liebe zum Leben. Ihre Familie, Freunde und Bekannte haben ihre Tränen getrocknet, ihr Schweigen und ihre manchmal schroffen Zurückweisungen ertragen. Am Ende, meint Mikutta, liebe sie das Leben heute bewusster als zuvor.

Schwierige Tage meistern

Entscheidend ist es, sich Zeit zu geben, mit dem einschneidenden Ereignis fertig zu werden. Besonders das erste Jahr nach dem Tod ist für viele schwer. Alles findet zum ersten Mal ohne den Partner statt. Das einst gemeinsame Frühstück genauso wie Weihnachten, Geburtstage, Jahrestage. Sich mit Freunden und der Familie zu verabreden, gemeinsam an den Verstorbenen zu denken, zu reden, zu lachen und zu feiern, kann helfen, neue Rituale zu finden. Mit einem guten sozialen Umfeld gelingt es Trauernden leichter, zurück ins Leben zu finden. Man erkennt: Das halte ich aus. Peter hat schließlich auf einer Reise mit seiner Familie seine neue Lebensgefährtin kennengelernt.

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Wenn der Partner stirbt: Cover des Buches „Sie werden lachen. Mein Mann ist tot“ von Petra Mikutta, erschienen bei Knaus. Lesetipp. Welche Wege gibt es, um neuen Mut zu fassen? In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt.

Petra Mikutta: Sie werden lachen. Mein Mann ist tot. Dieses „Überlebensbuch“ stellt sich der Sterblichkeit und feiert das Leben. Denn der jederzeit mögliche Tod und alles Schmerzliche, das die Autorin beschreibt, wird überstrahlt vom Leuchten unserer Verbindungen zu denen, die wir lieben. Erschienen bei Knaus, 2015.

Text: Katja Hübner
Fotos: Craig Whitehead/Unsplash, Kay Fochtmann/Photocase, nick4/Twenty20, Stuart Franklin/Magnum Photos/Agentur Focus

Unternehmertestament: Hand eines Mannes am Steuer eines Bootes. Symbolbild. Wer ein Leben lang ein Unternehmen geführt hat, sollte die Nachfolge rechtzeitig regeln, für die Familie sorgen und vielleicht auch Gutes tun. Ein Ratgeber. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Nathan Lindahl on Unsplash

Lebenswerk: Nachfolge planen und Gutes tun

Wer ein Leben lang ein Unternehmen geführt hat, möchte sicher gehen, dass dieses nach dem eigenen Tod nicht zerfällt. Ein Unternehmertestament regelt die Nachfolge des Betriebs und sichert die Versorgung der Familie. Auch für die Gemeinschaft lässt sich etwas Gutes tun. Zum Beispiel mit einer Stiftung.

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Unternehmertestament: Hand eines Mannes am Steuer eines Bootes. Symbolbild. Wer ein Leben lang ein Unternehmen geführt hat, sollte die Nachfolge rechtzeitig regeln, für die Familie sorgen und vielleicht auch Gutes tun. Ein Ratgeber. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Nathan Lindahl on Unsplash
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Lebenswerk: Nachfolge planen und Gutes tun

Wer ein Leben lang ein Unternehmen geführt hat, möchte sicher gehen, dass dieses nach dem eigenen Tod nicht zerfällt. Ein Unternehmertestament regelt die Nachfolge des Betriebs und sichert die Versorgung der Familie. Auch für die Gemeinschaft lässt sich etwas Gutes tun. Zum Beispiel mit einer Stiftung.

Viele Unternehmer wollen ihr Vermögen nicht nur an die eigenen Kinder vererben, sondern auch der Gemeinschaft etwas zurückgeben. Manche spenden für die gute Sache, andere gründen eine eigene Stiftung. In dieser alten Tradition steht auch die Hermann-Neuhaus-Stiftung, die treuhänderisch von der Max-Planck-Förderstiftung verwaltet wird. Hermann Neuhaus, ein mittelständischer Unternehmer aus Herford, erlangte sein Vermögen durch einen Gegenstand, den wir alle kennen und nutzen – der dunkelgrauen SULO-Abfalltonne. Nach seinem Tod 2007 wurde aus seinem Vermächtnis die nach ihm benannte Stiftung gegründet. Neuhaus’ Ziel: über den Tod hinaus zu wirken. Seinem Willen entsprechend wird auch für seine Familie gesorgt, die Witwe abgesichert und die Enkel gefördert.

Wo ist das Erbe auf Dauer gut angelegt?

„Ihm war sehr wichtig, dass die Stiftung wirklich auf Dauer bestehen und wirken kann“, sagt der Münchner Wirtschaftsjurist Reinhard Pöllath, den Hermann Neuhaus als Testamentsvollstrecker bestimmt hatte. „Er hat sich auch andere Institutionen angeschaut. Überzeugt hat ihn dann der hervorragende Ruf von Max Planck“. Hermann Neuhaus ließ sich Zeit mit seiner Entscheidung und prüfte genau. So unterstützte er zunächst ein einzelnes Projekt am Max-Planck-Institut für Psychiatrie, dann ein weiteres am Max-Planck-Institut für Biochemie. Er besuchte die Institute, sprach mit den Forschenden, ließ sich ihre Vorgehensweise erläutern und über die Fortschritte unterrichten.

Unternehmertestament: Ein Mann am Steuer eines Bootes, das Ziel im Blick. Symbolbild. Wer ein Leben lang ein Unternehmen geführt hat, sollte die Nachfolge regeln, für die Familie sorgen und vielleicht auch Gutes tun. Ein Ratgeber. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Mael Balland on Unsplash

Risiko einer ungeregelten Nachfolge

Das Thema Testament steht – verständlicherweise – bei den meisten Menschen nicht an vorderster Stelle. Auch Unternehmer verschieben die Auseinandersetzung mit ihrer Nachfolge oft in eine fernere Zukunft. Ein folgenschweres Versäumnis: Wenn die Übergabe nicht geregelt ist, gerät mit dem plötzlichen Tod der Unternehmensführung auch die Existenz der Firma in Gefahr. Hohe Erbschaftssteuern können einen Betrieb in finanzielle Schwierigkeiten stürzen. Auch Ansprüche auf Pflichtteil und Zugewinnausgleich werden zum Problem, wenn das Erbe zum größten Teil aus der Firma besteht. Die Erben können in Streit über die Führung des Unternehmens geraten. Im schlimmsten Fall wird das Betriebsvermögen zersplittert.

Ohne Testament

Hinterlassen Unternehmerinnen oder Unternehmer kein Testament, gilt die gesetzliche Erbfolge. Alle Vermögenswerte, Rechtspositionen und Verbindlichkeiten gehen dann auf die Familie über. Alle Erben werden zu Miteigentümern – unabhängig davon, ob sie aktiv mitarbeiten oder nicht. Es droht Streit und die Zersplitterung des Betriebsvermögens.

Ganzheitlich planen: Testament, Ehevertrag und Gesellschaftsvertrag

Ein Unternehmertestament ist Ausdruck einer verantwortungsvollen Nachfolgeplanung. Es regelt die Fortführung der Firma und die Versorgung der Familie. Sind mehrere Erben vorhanden, muss eine Teilungsanordnung getroffen werden. Sie legt fest, wer was bekommt. Neben den Regelungen des Testaments sollte ein Unternehmer oder eine Unternehmerin zwei weitere Bereiche im Auge behalten: den Ehevertrag und den Gesellschaftsvertrag, wenn die Firma in der Rechtsform einer Gesellschaft geführt wird. Denn häufig stehen in Gesellschaftsverträgen spezielle Bestimmungen, die auch im Testament berücksichtigt werden müssen. Zentral: Im Testament sollte klar formuliert sein, wer das Unternehmen übernehmen soll. Gibt es niemanden, der die Firma weiterführen will oder kann, bleibt meist nur der Verkauf. Auch Hermann Neuhaus hat seine Firma veräußert, bevor er sein Testament verfasste.

Lassen Sie sich beraten

Beim Unternehmertestament lauern juristische und steuerrechtliche Fallen. Erbrechtsexperten der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge e.V. helfen dabei, alles so zu regeln, wie es dem eigenen Willen entspricht. Sie beraten auch, wie man etwa mit dem Testament Gutes hinterlassen kann.

Sinnvolle Alternative: eine Stiftung gründen

Eine Stiftung gründen kann fast jeder. Damit allein ist es aber nicht getan. „Wenn ich mein Geld einer Stiftung übertrage, übertrage ich es am Ende Menschen, die ich nicht kenne“, gibt Testamentsvollstrecker Reinhard Pöllath zu bedenken. „Die Stiftung ist zwar juristisch notwendig, aber für die Sache ist damit noch nichts passiert. Entscheidend ist, wer institutionell für die Stiftung verantwortlich ist und wer sie führt, damit sie auch noch in 100 Jahren kraftvoll wirken kann.“ Oftmals, warnt Pöllath, werde nicht genügend abgesichert, dass die Stiftung auch auf Dauer dem geplanten Zweck dienen kann. Dagegen hat der Unternehmer Neuhaus seine Nachfolge in der Stiftung kritisch ausgesucht und Jahre vor seinem Tod erprobt. Seine Stiftung ist eine Treuhandstiftung, die von einer anderen Stiftung verwaltet wird. Der Vorteil: Eine Treuhandstiftung braucht kein staatliches Anerkennungsverfahren, sie kann auch kostengünstiger arbeiten. „Hermann Neuhaus hat in seinem Testament die Vorgaben nicht ausformuliert. Er hat zum Beispiel weder eine Stiftungssatzung hinterlassen noch einen Stiftungsrat aufgestellt. Die Anordnungen zur Struktur der Stiftung umfassten gerade einmal zwölf Zeilen“, berichtet Pöllath. Die Stiftung „auf die Welt und ins Leben zu bringen“, das hat Neuhaus vertrauensvoll seinem Testamentsvollstrecker überlassen, der nun schon seit 2007 das Vermögen verwaltet. Erst im kommenden Jahr wird die Max-Planck-Förderstiftung das Ruder übernehmen.

Der Wissenschaft dienen

Der Gemeinschaft etwas hinterlassen, der Wissenschaft dienen – das Ziel hat Hermann Neuhaus erreicht. Der größere Teil des Vermögens der Max-Planck-Förderstiftung stammt aus seiner Stiftung. Zahlreiche Projekte wurden bereits unterstützt, wie zum Beispiel die Grundlagenforschung zur Kyrogenik oder zu neuen Krebstherapien. Ein besonderes Schmuckstück ist der historische Hörsaal des Harnack-Hauses, der Tagungsstätte der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin. Für die aufwändige Renovierung stellte die Hermann-Neuhaus-Stiftung fünf Millionen Euro bereit.

Rat und Orientierung

Rat und Orientierung zum gemeinnützigen Vererben gibt die Initiative „Mein Erbe tut Gutes“ auf Ihrer Internetseite. Hier lernen Sie auch Menschen kennen, die mit ihrem letzten Willen einen guten Zweck unterstützen.

Text: Angelika S. Friedl
Fotos: Nathan Lindahl/Unsplash, Mael Balland/Unsplash

Vorsorgen für den Notfall: Bootspoller umwickelt mit einem Seil. Symbolbild: Wer sich rechtzeitig mit dem eigenen Lebensende auseinandersetzt, lebt unbeschwerter. Alles Wichtige zu Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Testament. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Korre / Photocase.de

Gut geplant: Vorsorgen für den Notfall

„Darum wollte ich mich schon lange kümmern, aber...“ Viele drücken sich davor, über eine schwere Krankheit oder den eigenen Tod nachzudenken. Doch wer sich und seine Nächsten absichern will, sollte rechtzeitig vorsorgen. Mit Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Testament lebt es sich unbeschwerter. Ein Überblick.

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Vorsorgen für den Notfall: Bootspoller umwickelt mit einem Seil. Symbolbild: Wer sich rechtzeitig mit dem eigenen Lebensende auseinandersetzt, lebt unbeschwerter. Alles Wichtige zu Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Testament. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Korre / Photocase.de
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Gut geplant: Vorsorgen für den Notfall

„Darum wollte ich mich schon lange kümmern, aber...“ Viele drücken sich davor, über eine schwere Krankheit oder den eigenen Tod nachzudenken. Doch wer sich und seine Nächsten absichern will, sollte rechtzeitig vorsorgen. Mit Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Testament lebt es sich unbeschwerter. Ein Überblick.

Vor ein paar Tagen trudelte bei Carl F. ein Brief ein. Im Betreff stand fett gedruckt: „Organspende ja oder nein – Sie entscheiden!“ Der Brief kam von seiner Krankenkasse, zusammen dem Hinweis: „Ob Sie Organe und Gewebe spenden möchten, ist allein Ihre persönliche Entscheidung. Es kommt nur darauf an, dass im Fall der Fälle alle Beteiligten Bescheid wissen.“ Genau darum geht es bei jeder Vorsorge: Sie ist die selbstbestimmte Entscheidung zu Lebzeiten, nach der sich im Bedarfsfall alle zu richten haben.

Carl F. ist 16 Jahre alt. Bislang hat er sich kaum mit dem eigenen Tod beschäftigt. Und das geht nicht nur Jugendlichen so. Unabhängig vom Alter denken gesunde Menschen nur selten daran, dass das Leben einmal vorbei sein kann. Doch vor einem Unfall, einer schweren Krankheit oder den Folgen des Alters ist niemand gefeit. Wer entscheidet für mich, wenn ich selbst dazu nicht mehr in der Lage bin? Möchte ich unter allen Umständen wiederbelebt oder am Ende meines Lebens künstlich ernährt werden? Was möchte ich der Welt hinterlassen? Keine leichten Fragen. Doch wer sich ihnen stellt, kann unbeschwerter in die Zukunft blicken und nimmt Angehörigen schwierige Entscheidungen ab.

Patientenverfügung: Medizinische Maßnahmen regeln

Mit einer Patientenverfügung lässt sich festlegen, welche ärztlichen Maßnahmen in einer bestimmten Situation gewünscht und welche abgelehnt werden. Sie muss schriftlich verfasst sein und ist für Mediziner verbindlich. Deshalb sollte sie möglichst konkret formuliert sein. Pauschale Aussagen wie „keine lebenserhaltenden Maßnahmen“ sollten vermieden werden. Stattdessen sollte man deutlich machen, auf welche Situationen man sich bezieht, beispielsweise das Endstadium einer schweren Krankheit oder eine bleibende Hirnschädigung. Auch zu medizinischen Eingriffen wie künstlicher Ernährung und Beatmung, zu Schmerzbehandlung, Wiederbelebung oder Organspende sollte man sich klar äußern. Dazu gibt es gut formulierte Vordrucke oder Textbausteine, beispielsweise vom Bundesjustizministerium. Was sich hinter den medizinischen Fachbegriffen verbirgt und welche Folgen bestimmte Wünsche und Entscheidungen haben, können am besten Ärzte oder erfahrene Rechtsanwälte im persönlichen Gespräch erklären. Eine notarielle Beglaubigung ist nicht nötig, die eigene Unterschrift genügt.

Organspende und Patientenverfügung

Wer sich entschieden hat, Organe und Gewebe im Todesfall zu spenden, sollte seine Patientenverfügung prüfen. Manchmal können sich die Bestimmungen widersprechen, etwa wenn keine lebenserhaltenden Maßnahmen gewünscht werden. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung informiert und hilft, die Wünsche und Entscheidungen aufeinander abzustimmen.

Vorsorgevollmacht: Rechtliche Vertreter benennen

Die Patientenverfügung deckt die medizinischen Maßnahmen ab. Doch es gibt viele weitere Entscheidungen, die in einer Notsituation getroffen werden müssen. Wenn Betroffene selbst dazu nicht mehr in der Lage sind, wird vom Amtsgericht eine Betreuungsperson eingesetzt. Wer das verhindern will, erteilt eine Vorsorgevollmacht und benennt rechtzeitig einen oder mehrere Vertrauenspersonen, die die Wünsche der Betroffenen umsetzen: Sie sprechen mit Ärzten und Behörden, entscheiden über Behandlungen, erledigen Bankangelegenheiten, schließen einen Vertrag mit einem Heim ab oder kümmern sich um die Wohnung. Die Vollmacht kann entweder nur für bestimmte Bereiche oder für alle Angelegenheiten gelten. Sie sollte schriftlich verfasst und unterschrieben sein. Sinnvoll ist sie für jeden Erwachsenen, dringend notwendig für Verheiratete. Denn anders als viele denken, dürfen Eheleute – genau wie Kinder und andere Familienangehörigen – im Notfall nicht auto­matisch füreinander handeln.

Vorsorge und Patientenrechte

Alles Wissenswerte zu Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung erklärt das Bundesjustizministerium auf seiner Seite. Hier finden sich auch gut formulierte Formulare und Broschüren zum Download. Einen Wegweiser durch die Vorsorgedokumente bietet das „Vorsorge-Set“ von Stiftung Warentest.

Betreuungsverfügung: Rechtliche Betreuer bestimmen

Gibt es niemanden, dem man voll vertrauen möchte, ist eine Betreuungsverfügung eine Alternative. Sie legt fest, wer im Notfall als Betreuungsperson vom Vormundschaftsgericht bestellt werden soll – und gegebenenfalls wer ausdrücklich nicht. Anders als bei der weitreichenden Vorsorgevollmacht prüft das Gericht zunächst, ob die vorgeschlagene Person geeignet ist. Sie darf erst handeln, wenn sie vom Gericht bestellt wurde. Während Bevollmächtigte frei entscheiden können, werden Betreuungspersonen kontrolliert. In der Betreuungsverfügung lässt sich bestimmen, welche Wünsche und Gewohnheiten respektiert werden sollen, ob man etwa zu Hause oder in einem Pflegeheim versorgt werden möchte. Das Gericht überwacht dann, ob die Vorgaben eingehalten werden und kann die Betreuungsperson gegebenenfalls auch absetzen.

Beratung in der Nähe

Für alle, die sich weitergehend informieren möchten, bietet u.a. die Initiative „Mein Erbe tut Gutes“ Rat und Orientierung. Auf der Internetseite finden regelmäßig Termine für Informationsveranstaltungen im ganzen Bundesgebiet.

Testament: Den Nachlass regeln

Für alle, die ihren Nachlass nach eigenen Wünschen aufteilen möchten, gehört ein Testament zur Vorsorge. Erst das setzt die gesetzliche Erbfolge außer Kraft, die in erster Linie Ehe- und eingetragene Lebenspartner, Kinder und Enkel berücksichtigt. Nur wenige formale Dinge sind beim Schreiben des Testaments zu beachten: Damit es rechtsgültig ist, muss es vollständig handschriftlich verfasst, mit Ort und Datum versehen sowie mit vollem Namen unterschrieben werden. Wer sichergehen will, lässt sich fachanwaltlich beraten lassen.

Testament verfassen

Tipps, wie man ein Testament verfasst und worauf man dabei achten sollte, gibt u.a. die Initiative „Mein Erbe tut Gutes“. Kontakt zu Erbrechtsexperten in der Nähe finden Ratsuchende bei der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge e.V.

Für alles gilt: Sicher aufbewahren und aktuell halten

Egal ob Patientenverfügung, Organspende-Erklärung, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung oder Testament, zwei Dinge sollte man beachten: Zum einen sollten die Dokumente gut auffindbar sein. Ratsam ist es, Angehörige und Bevollmächtigte vorab nicht nur über die Entscheidungen, sondern auch über den Aufbewahrungsort zu informieren. Besser noch: Vorsorgedokumente im zentralen Vorsorgeregister und das Testamente im zentralen Testamentsregister zu hinterlegen. Zum anderen lassen sich sowohl Verfügungen und Vollmachten zur Vorsorge als auch das Testament jederzeit ändern, ergänzen oder für ungültig erklären. Ohnehin sollte man von Zeit zu Zeit prüfen, ob die Bestimmungen noch dem eigenen Willen entsprechen oder ob sie aktualisiert werden müssen.

Text: Katja Hübner
Fotos: Korre/Photocase.de

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Trinkwasser für Kinder in Haiti

Immer wieder wird Haiti von Erdbeben und Wirbelstürmen erfasst. Unter der schlechten Gesundheitslage und fehlendem Trinkwasser leiden besonders die Kinder. Die nph-Kinderhilfe schafft mit dem langfristig angelegten Projekt „Gesunde Schulen – starke Kinder“ neue Trinkwasseranlagen und entsendet mobile medizinische Teams in die Schulen. Davon profitieren die Kinder, ihre Eltern und ganze Gemeinden. Das Projekt konnte auch die Skala-Initiative der Unternehmerin Susanne Klatten überzeugen, die es mit 1,5 Millionen Euro fördert.

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