Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt

No. 2 – FAMILIE

Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 2: FAMILIE. Ein Kind turnt, die Füße in die Luft, den Kopf in den Kissen, auf seinem mit Blumenmuster bezogenem Bett herum. Familie, das bedeutet sich freuen, wetteifern, streiten, versöhnen. Foto: Paolo Pellegrin / Magnum Photos / Agentur Focus
© Paolo Pellegri / Magnum Photos / Agentur Focus

Editorial

Wenn Menschen in Deutschland gefragt werden, was ihnen das Wichtigste im Leben ist, dann antworten sie: die Familie. Und zu den größten Wünschen gehört eine glückliche Familie. Aber nun ist das mit der Familie so eine Sache. Aussuchen kann man sie sich ja bekanntlich nicht und deshalb steckt in den Familienbeziehungen genauso viel Potential für Liebe wie auch für Streit.

Familie ist immer eine Herausforderung. Das muss so sein, schließlich werden an diese besondere Form der Gemeinschaft die größten Erwartungen gestellt. Aber in jeder Familie, auch in der glücklichsten, gibt es Phasen, in denen es knirscht, kracht und Tränen fließen. Wenn die Kinder kommen und alles nicht so einfach ist, wie vorgestellt. Wenn sie gehen und im Alltag fehlen. Wenn keine Kinder kommen, obwohl sie sehnlich erwartet werden. Wenn sich die Familie trennt und neu sortiert. Wenn sie wächst und neue Familienmitglieder dazukommen. Und nicht zuletzt: Wenn die für immer gehen, die so viel bedeuten.

Die Familie stürzt uns in emotionale Höhen und Tiefen. Sie gibt Halt, Stärke und Orientierung, im Schlechten wie im Guten. Und wir wollen mit ihr im Reinen sein. Insbesondere im Alter, wenn wir die Dinge regeln, die uns wichtig im Leben sind. Um das Thema Familie geht es deshalb auch in dieser neuen Ausgabe unseres Magazins. Eine Ausgabe über gemeinsame Geschichte und gegenseitige Verantwortung, über das Wetteifern, Streiten und Versöhnen, und über das, was bleibt.

Susanne Anger

Sprecherin der Initiative
"Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum"

Impulse

Wie gut, dass es Oma und Opa gibt.

Nie zuvor waren sich Großeltern und Enkel so nah wie heute. Der Kontakt ist persönlicher, sie verstehen sich besser und verbringen mehr gemeinsame Zeit. Ganz nebenbei geben Oma und Opa auch die Werte weiter, die ihnen wichtig sind.

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Wie Großeltern Werte weitergeben: Eine ältere Frau auf Reisen zieht einen Rollkoffer. Ein ca. dreijähriges Kind läuft dahinter und schiebt den Koffer an. Großeltern und Enkel sind sich heute so nah wie nie. Durch gemeinsames Erleben geben Oma und Opa Werte weiter. In Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: lisawade_nl via Twenty20

Menschen

Michael Wolffsohn,
dem Erbe verpflichtet

Nicht allein sein streitbarer Geist wurde Michael Wolffsohn in die Wiege gelegt. Von seinem Großvater erbte der Historiker eine soziale Wohnanlage in Berlin. Als Teil der Generationenkette führt er sie im Sinne der Gründer weiter. Ein Gespräch über Traditionen, Erbe und Verantwortung.

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Dem Erbe verpflichtet: Ein Häuserecke der Wohnanlage Gartenstadt Atlantic von oben. Historiker Michael Wolffsohn erbte die Wohnanlage von seinem Großvater Karl und führt sie in seiner Tradition weiter und verbindet Profit mit Ethik. In seiner Stiftung fördert er interkulturelle Projekte. Foto: www.drohnen-fotografie.de

Wissenswertes

Kinder, wir
müssen reden!

Über Geld spricht man nicht, schon gar nicht über den Tod. Dabei könnten viele Erbstreitigkeiten durch ein Gespräch zu Lebzeiten verhindert werden. Das sollte allerdings gut vorbereitet sein. Bei möglichen Konflikten kann ein professioneller Mediator helfen.

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Mit den Kinder über Tod und Erbe reden: Drei Wildpferde, zwei braun, eins schwarz, auf einer Wiese. Die brauen Pferde schauen in die Kamera, das schwarze in die entgegengesetzte Richtung. Symbolbild: In vielen Familien sind der Tod und das, was einmal bleiben soll, tabu. Ein Gespräch kann Erbstreitigkeiten verhindern. In Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Betany Legg on Unsplash

Unsere Lieblinge

Lesetipp

Lesetipp: Cover des Buches

Ruhestand und endlich Zeit. Doch damit weiß Herr Kato nichts anzufangen. Eine Krawatte braucht er nicht mehr, zu Hause ist er im Weg, die Kinder sind längst ausgezogen. Die zufällige Begegnung mit der jungen Mie ändert das. Für ihre Agentur »Happy family« lässt er sich als „Familienmitglied auf Zeit“ buchen. Mal wird er als Opa, mal als Exmann engagiert. Er trifft auf fremde Menschen und Schicksale. Und er beginnt, sein eigenes Leben und seine Familie anders zu sehen. Ein nachdenkliches Buch über Erinnerungen, unerfüllte Träume und Neuanfänge.

Milena Michiko Flasar: „Herr Kato spielt Familie“. Roman
Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2018. 176 Seiten, 20,00 Euro

 

 

Das Zitat

Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt. Ausgabe: Familie - Zitat: Porträt von Vicco von Bülow alias LORIOT während einer Fernsehsendung 1978. Foto: picture alliance / Keystone.
© piucture alliance / Keystone
Es ist sonderbar, aber
Eltern sind auch Menschen
und sie sind, was die
Herstellung und die Aufzucht
von Nachwuchs betrifft,
so was wie
ungelernte Arbeiter.

LORIOT (Vicco von Bülow)

1923-2011, deutscher Humorist

Berühmte Testamente: Porträt von Alfred Nobel, schwarz-weiß. Die Erfinder des Dynamits machte ihn reich und berühmt – und doch verabscheute erden Krieg. Mit seinem Testament gründete er die Stiftung, die bis heute die den Nobelpreis verleiht. Ein Erbe für den guten Zweck. In Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: akg-images / Pictures From History
© akg-images / Pictures From History

Berühmte Vermächtnisse

Alfred Nobel

Das Geschenk, das der schwedische Erfinder und Industrielle Alfred Nobel der Welt hinterließ, ist zweifellos bestens bekannt. Mit seinem Testament vom 27. November 1895 begründete er die Stiftung, die bis heute die höchste Auszeichnung für Wissenschaft, Literatur und Frieden vergibt. Weniger geläufig ist indes der Familienzwist, der sich um das Erbe entspann.

Nobel, kinderlos und unverheiratet, arbeitete selbst wie besessen, meldete mehr als 350 Patente an und wurde zu einem der reichsten Männer seiner Zeit. Er war überzeugt: Geerbtes Vermögen mache faul. Lieber wollte er Menschen fördern, die hart an ihren Erfolgen arbeiteten und Ideen hatten. Einigen Verwandten gefiel das nicht. Dass es nicht zum Rechtstreit kam, ist seinem Neffen Emanuel zu verdanken. Das Oberhaupt der russischen Linie der Familie wollte den Letzten Willen seines Onkels erfüllt sehen und bewog die übrigen Angehörigen zum Einlenken. Damit nicht genug. Auch der schwedische König und die Institution, die Nobel mit der Preisvergabe beauftragt hatte, zögerten zunächst, die wegweisende Idee umzusetzen. Und so dauerte es fünf Jahre, bis 1901 endlich die ersten Nobelpreise verliehen werden konnten.

14.000.000

Die Zahl

So viele Großeltern gibt es in Deutschland. Und mehr. Denn das sind nur die über 60-Jährigen. Im Schnitt werden Frauen mit 51 und Männer mit 54 Jahren zum ersten Mal Oma bzw. Opa. Doch ganz egal wie alt, auf Großeltern ist Verlass! Etwa ein Drittel kümmert sich laut des Deutschen Alterssurvey regelmäßig um die Enkel. Übrigens: Den meist heiß ersehnten Lebensabschnitt können heutige Großeltern ausgiebig genießen. Dank der steigenden Lebenserwartung wird die gemeinsame Lebensspanne mit den Enkeln immer länger – und die Beziehung zwischen den Generationen enger. Gut, dass es Oma und Opa gibt!

Schon gewusst?

Berliner Testament

Mit dem Berliner Testament hält der Gesetzgeber eine Besonderheit für Ehepaare und eingetragene Lebenspartner bereit. Eine Art Vererben in zwei Schritten. Damit setzen sich die Partner gegenseitig als Alleinerben ein und benennen einen gemeinsamen Schlusserben. Diese besondere Form des gemeinschaftlichen Testaments ist beliebt. Sie sichert den überlebenden Partner ab und soll Streit vermeiden. Doch Vorsicht! Das Berliner Testament hat Tücken! Ändern kann man den Letzten Willen nämlich in der Regel nur gemeinsam zu Lebzeiten. Stirbt ein Partner, kann der Hinterbliebene kaum mehr frei entscheiden. Auch eine neue Liebe oder ein Streit mit den Kindern ändert daran nichts. Neue Lebensumstände, die sich nach dem Tod des einen Partners ergeben können, sollte man deshalb von vornherein bedenken.

Michael Beuger, Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE

Ratgeber

Eigene Wurzeln entdecken: Türkisfarbenen Steinwand, auf der ungeordnet ebenfalls türkisfarbene Stromleitungen verlaufen. Symbolbild für die Ahnenforschung. Wer seine Familiengeschichte kennt, weiß, welche Ideen und Werte er weitergeben möchte. In Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt.

Eigene Wurzeln entdecken:
Tipps für Ahnenforscher

„Nur wer weiß, woher er kommt, weiß, wohin er geht“, sagte einmal der frühere Bundespräsident Theodor Heuss. Aus der Familiengeschichte gewinnen wir Erkenntnisse für das eigene Leben und das, was einmal bleiben soll. Eine kleine Anleitung für angehende Ahnenforscher.

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Eigene Wurzeln entdecken: Türkisfarbenen Steinwand, auf der ungeordnet ebenfalls türkisfarbene Stromleitungen verlaufen. Symbolbild für die Ahnenforschung. Wer seine Familiengeschichte kennt, weiß, welche Ideen und Werte er weitergeben möchte. In Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt.
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Eigene Wurzeln entdecken:
Tipps für Ahnenforscher

„Nur wer weiß, woher er kommt, weiß, wohin er geht“, sagte einmal der frühere Bundespräsident Theodor Heuss. Aus der Familiengeschichte gewinnen wir Erkenntnisse für das eigene Leben und das, was einmal bleiben soll. Eine kleine Anleitung für angehende Ahnenforscher.

Andrea Bentschneider hatte ihre Großmutter nie kennengelernt. Lange vor ihrer Geburt war die bei einem Bombenangriff auf Hamburg ums Leben gekommen. Jahrzehnte später fiel der damals 19-jährigen Enkelin zufällig ein Foto ihrer Oma als junges Mädchen in die Hände. „Ich war vollkommen perplex, weil sie mir so verblüffend ähnlich sah“, erinnert sich Andrea Bentschneider. Das Foto war der Beginn einer Reise in die Vergangenheit, die sie mehr und mehr faszinierte. So sehr, dass die Hotelfachfrau ihren Beruf an den Nagel hängte. Sie wurde Genealogin und gründete die Agentur für Ahnenforschung Beyond History. Seither ist sie Familiengeschichten auf der Spur.

Alte Fotos, aber auch Briefe oder Urkunden, die man in verstaubten Kisten auf dem Dachboden entdeckt, sind oft der erste Anstoß, sich mit der eigenen Familiengeschichte zu beschäftigen. „Bestimmte Filme und Serien können ebenfalls einen Boom auslösen. Nach der Ausstrahlung der TV-Serie ‚Unsere Väter, unsere Mütter‘ haben sich zum Beispiel sehr viele Menschen an die Militärarchive gewandt“, sagt Andrea Bentschneider.

Eigene Wurzeln entdecken: Nahaufnahme eines alten Dias vors Licht gehalten. Zu sehen ist ein Ehepaar auf einer Wiese. Oft stehen alte Fotos am Anfang der Ahnenforschung. Wer seine Familiengeschichte kennt, weiß, welche Ideen und Werte er weitergeben möchte. In Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt.

Die eigenen Wurzeln versprechen Halt und Orientierung

Die Sehnsucht nach den Ursprüngen erwacht vor allem bei Lebensübergängen. Das liegt nahe. Veränderung bringt schließlich immer auch Ungewissheit. Doch die eigenen Wurzeln versprechen nicht nur Halt und Orientierung, sondern auch etwas, dass über unser eigenes Leben hinausreicht. „Viele Menschen sehnen sich nach einer Verankerung, einer generationenübergreifenden Geschichte, deren Teil sie selbst sein können“, glaubt Peter Teuschel, Psychotherapeut und Facharzt für Psychiatrie. „Es kann eine zutiefst beruhigende oder auch vitalisierende Wirkung auf uns haben, wenn wir wissen, wie unsere Großeltern, Urgroßeltern und deren Eltern hießen, wo sie lebten und was für Berufe sie hatten.“ Der Experte aus München untersuchte in seinem Buch „Der Ahnenfaktor“, wie uns Leben und Erfahrungen unserer Vorfahren prägen. Er ist überzeugt: Je genauer wir unsere Ahnen kennen, desto besser können wir uns mit ihnen identifizieren oder auch, wenn nötig, bewusst von ihnen abgrenzen. Wir können uns also bewusst entscheiden: den Faden unserer Familiengeschichte über Generationen weiterspannen oder ihm einen neue Richtung geben.

Das 1×1 der Ahnenforschung: Fragen und alles aufschreiben

Keine Sorge, der Anfang der Ahnenforschung ist gar nicht schwer! Beginnen Sie einfach in der Familie. Führen Sie Gespräche mit älteren Verwandten. Fragen Sie neugierig und sammeln Sie so weitere Informationen. Wie hieß Tante Emmi wirklich? Ist der Urgroßvater aus Stralsund zugezogen? Stimmt die Geschichte mit der Haushälterin des Großonkels? Wer sind die unbekannten Vorfahren auf den alten Fotos? „Wichtig dabei ist, sich alle Daten wie Geburts-, Sterbe- und Hochzeitsdaten und Anekdoten aufzuschreiben und die Suche zu dokumentieren, um später belegen zu können, woher die Informationen stammen“, rät Genealogin Andrea Bentschneider.

Erste Adressen für Familienforscher: Standesämter und Kirchenarchive

 Mündliche Berichte und private Dokumente reichen irgendwann nicht mehr. Wer tiefer in der Vergangenheit graben will, braucht schriftliche Quellen. Das können Passagierlisten, historische Meldekarten, Heimatchroniken, Ortsfamilienbücher oder Militärunterlagen sein. Vielversprechend sind vor allem Kirchenbücher und standesamtliche Urkunden. Sie enthalten oft auch nähere Angaben zu Personen. Dabei gilt: Für Nachweise aus der jüngeren Vergangenheit sind Standesämter die ersten Adressen. Geburts-, Tauf-, Heirats- und Sterbedaten vor 1874 finden sich ausschließlich in Kirchenbüchern.

Kirchenbücher

Die Suche nach Vorfahren in Originalquellen ist u.a. in Landeskirchenarchiven möglich oder online: Evangelische Kirchenbücher finden Sie auf Archion, katholische Kirchenbücher auf Matricula.

Das Internet als Fundgrube für Familienforscher

Für Ahnenforscher ist das Internet eine wahre Fundgrube. Auf Ahnenforschung spezialisierte Webportale erklären, wie man etwa einen Stammbaum oder eine Ahnentafel erstellt, und lassen in ihren Datenbanken nach Namen, Geburts- und Sterbedaten forschen. Einfache Suchen sind oft kostenlos, bei komplexen Anfragen muss man jedoch zahlen. Aber Achtung! „Für bare Münze sollten Sie die Angaben nicht nehmen. Oft gibt es auf privaten Seiten keine Quellenangaben“, sagt Andrea Bentschneider. Wer sicher sein will, forscht persönlich in Archiven nach den Originaldokumenten.

Familienforschung online

Das Internet ist eine ergiebige Quelle für angehende Ahnenforscher. Die Angebote sind zum Teil kostenpflichtig. Die bekanntesten Portale: Ancrestry, FamilySearch oder MyHeritage.

Wenn es schwierig wird: Ahnenforscher helfen weiter

Eine für manche unerwartete Hürde bei der Reise zu den eigenen Wurzeln: Alte Urkunden sind in Sütterlin- oder Kurrentschrift geschrieben. In Kurse der Volkshochschulen können Hobbyforscher lernen, die Handschriften zu entziffern. Auch regionale Ahnenforschungsvereine helfen vielerorts mit Ratschlägen weiter. Professionelle Ahnenforscher sollte man beauftragen, wenn die Suche weit in die Vergangenheit zurückgeht oder sich über Deutschland hinaus erstreckt. Aufgepasst! Die Auftraggeber zahlen für die Forschungsarbeit, nicht für das Ergebnis. Das heißt: Ein Auftrag kann je nach Aufwand 50 Euro oder aber auch mehrere Tausend Euro kosten.

Vereine und Profis

Zahlreiche Adressen zu regionalen Vereinen bietet die Deutsche Arbeitsgemeinschaft genealogischer Verbände e.V. auf ihrer Website. Professionelle Ahnenforscher sind zum Beispiel im Verband der Berufsgenealogen zu finden.

Sich selbst begegnen

Nicht nur Namen und Geschichten werden von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Auch bestimmte Erfahrungen, Geheimnisse, unbewusste Überzeugungen, Regeln, Scham- und Schuldgefühle. Psychotherapeut Peter Teuchel meint deshalb, wer sich mit seinen Ahnen auseinandersetzt, wird sich auch solchen Fragen stellen: Wer bin ich? Woher komme ich? Warum bin ich so? Und: Wohin möchte ich gehen?

Zum Weiterlesen

Peter Teuschel: Der Ahnen-Faktor. Das emotionale Familienerbe als Auftrag und Chance. Erfahrungen, Einstellungen und Emotionen werden in einer Familie oft über Generationen hinweg weitergegeben. Psychiater und Psychotherapeut Peter Teuschel beleuchtet die belastende Komponente dieses emotionalen Erbes und öffnet zugleich den Blick auf die Chancen. Erschienen bei Schattauer, Stuttgart.

TEXT: Angelika S. Friedl
FOTOS: Khara Woods, Gemma Evans / Unsplash

Vorsicht Falle, Berliner Testament: Nahaufnahme eines Händchen haltenden Paares. Die rechte Hand der Frau umklammert den Arm des Mannes. Symbolbild für die Bindungswirkung des Berliner Testaments. Wer eine gemeinnützige Organisation als Schlusserben bestimmt, sollte das beachten. In Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt.

Vorsicht, Falle! Das sollten Sie
beim Berliner Testament beachten

Wollen Ehepaare oder eingetragene Lebenspartner ihren Nachlass gemeinsam regeln, entscheiden sie sich häufig für ein Berliner Testament. Rechtsanwalt Michael Beuger warnt vor Mustervorlagen aus dem Internet und erklärt Vorteile und mögliche Fallen.

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Vorsicht Falle, Berliner Testament: Nahaufnahme eines Händchen haltenden Paares. Die rechte Hand der Frau umklammert den Arm des Mannes. Symbolbild für die Bindungswirkung des Berliner Testaments. Wer eine gemeinnützige Organisation als Schlusserben bestimmt, sollte das beachten. In Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt.
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Vorsicht, Falle! Das sollten Sie
beim Berliner Testament beachten

Wollen Ehepaare oder eingetragene Lebenspartner ihren Nachlass gemeinsam regeln, entscheiden sie sich häufig für ein Berliner Testament. Rechtsanwalt Michael Beuger warnt vor Mustervorlagen aus dem Internet und erklärt Vorteile und mögliche Fallen.

Herr Beuger, was genau ist ein Berliner Testament? Und warum ist es so beliebt?

Das Berliner Testament ist eine besondere Form des gemeinschaftlichen Testaments. Ehepaare und eingetragene Lebenspartner können damit ihren Nachlass gemeinsam regeln. Sie setzen sich gegenseitig zu Alleinerben ein. Zugleich bestimmen sie in ihrem Testament, dass ihr gemeinsames Erbe nach dem Tod des länger lebenden Partners an einen oder mehrere Dritte gehen soll. Das können die Kinder sein. Das kann aber auch jede andere Person, eine Stiftung oder ein Verein sein. Beliebt ist das Berliner Testament wegen eines entscheidenden Vorteils: Man kann damit die gesetzliche Erbfolge umgehen und zunächst den Partner absichern, der den anderen überlebt. Der kann mit dem gemeinsamen Vermögen weiterleben, ohne das Erbe teilen zu müssen. Die gesetzlichen Erben haben lediglich die Möglichkeit, ihren Pflichtteil geltend zu machen.

Warum ist beim Berliner Testament dennoch Vorsicht geboten?

Eine Schwachstelle des Berliner Testaments ist das, was wir Juristen, Bindungswirkung nennen. Das heißt nichts anderes, als dass Änderungen oder ein Widerruf nur gemeinsam möglich sind. Ist ein Partner verstorben, hat der Hinterbliebene nur sehr begrenzte Möglichkeiten.

Unter welchen Umständen kann ein Berliner Testament nach dem Tod des Partners geändert werden?

Grundsätzlich ist der überlebende Partner an die gemeinsame Entscheidung gebunden. Und zwar ganz egal wie das Leben spielt, ob es zum Beispiel Streit mit den Kindern gibt oder eine neue Liebe. Aber man kann vorsorgen und einen Änderungsvorbehalt im Testament aufnehmen. So lässt sich die Erbfolge auch nach dem Tod des Partners neu regeln. Hat man einen solchen Vorbehalt nicht, bleibt lediglich die Anfechtung des Testaments wegen eines Irrtums.

Vorsicht Falle beim Berliner Testament: Ein älteres Paar am Strand, der Mann, grauhaarig mir schütterem Haar und Brille, küsst die Frau, langes graues Haar, auf die Wange. Eine neue Liebe nach dem Tod des Partners sollte man von vornherein mitbedenken. Auch eine gemeinnützige Organisation kann Schlusserbe sein. In Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt.

Was passiert, wenn die Ehe noch zu Lebzeiten scheitert? Kann sich ein Partner vom gemeinsamen Testament lösen?

Wenn die Ehe geschieden worden ist, dann ist auch das gemeinsame Berliner Testament automatisch unwirksam. Es muss dazu nicht aufgehoben oder widerrufen werden.

Gibt es andere Fallen und Nachteile, die man beim Berliner Testament beachten sollte?

Ja. Nicht unterschätzen sollte man zum einen den steuerlichen Nachteil für die Kinder bzw. Schlusserben. In der Regel wird das Vermögen, das sie nach dem Tod des Letztversterbenden erben, insgesamt höher sein als die einzelnen Erbmassen. Entsprechend höher ist die Erbschaftssteuer. Hier sollte man rechtzeitig über eine Schenkung nachdenken.

Folgenschwerer kann ein weiterer Nachteil für Schlusserben sein, der häufig übersehen wird: Dem Partner, der zurückbleibt, fällt der gesamte Nachlass des anderen zu; das Erbe verschmilzt mit seinem Vermögen. Darüber kann er frei verfügen – und damit auch über das, was für den Schlusserben übrigbleibt. Im Zweifel ist von dem einstigen Erbe nichts mehr da und damit auch der Letzte Wille des zuerst verstorbenen Partners nicht erfüllt.

Kann man regeln, ob der erbende Partner frei über das Vermögen verfügen darf?

Als Gegenstück zur Einheitslösung, bei der geerbtes und eigenes Vermögen verschmelzen, gibt es die sogenannte Trennungslösung. Dabei wird der Letztversterbende im Testament lediglich als „Vorerbe“ benannt. Er muss die Erbschaft getrennt von seinem Vermögen verwalten und ist gegenüber dem ebenfalls im Testament benannten „Nacherben“ verpflichtet, die Erbschaft zu erhalten. Man darf also nichts verschenken oder verkaufen.

Was bedeutet ein Berliner Testament für die Kinder? Welchen Einfluss hat es auf den Pflichtteil?

Der Pflichtteil der Kinder ist tatsächlich einer der zentralen Fallstricke beim Berliner Testament. Denn zunächst erbt ja der überlebende Ehe- bzw. Lebenspartner. Mit anderen Worten: Kinder werden beim Tod des ersten Elternteils rechtlich „enterbt“. Ihnen bleibt jedoch der Anspruch auf ihren gesetzlichen Pflichtteil. Mitunter kann das den überlebenden Partner schnell in finanzielle Schwierigkeiten bringen, denn der Pflichtteil wird sofort fällig und muss bar ausgezahlt werden.

Die Pflichtteilstrafenklausel soll das verhindern. Wenn Kinder ihren Pflichtteil gegen den Willen des überlebenden Elternteils einfordern, bekommen sie auch nach dem Tod des zuletzt versterbenden Partners nur ihren Pflichtteil. Sie werden also keine Erben. Das soll Kinder dazu bewegen, auf den Pflichtteil nach dem Tod des ersten Partners zu verzichten. Aber auch hier heißt es: Achtung! Rechtssicher verhindern kann man das nur, wenn der Pflichtteilverzicht vorher notariell beurkundet wurde.

Was ist zu beachten, wenn man eine gemeinnützige Organisation bedenken möchte?

Selbstverständlich kann man auch eine gemeinnützige Organisation zum Erben bestimmen. Hier ist es elementar, die Organisation durch eine klare und eindeutige Formulierung genau zu bezeichnen. Gemeinnützige Organisationen sind zumeist von der Erbschaftssteuer befreit. Man kann auch der Organisation ein Vermächtnis zusprechen, das der Erbe dann erfüllen muss, zumeist die Zahlung eines Geldbetrages.

Wie richtet man ein Berliner Testament ein? Gibt es formale Kriterien zu beachten?

Wie jedes Testament muss auch das Berliner Testament handschriftlich verfasst werden. Es reicht, wenn es ein Ehe- oder Lebenspartner niederschreibt. Unterschreiben müssen es beide mit vollem Namen. Dazu Ort, Datum und der Zusatz „Testament“ oder „Letzter Wille“.

Ich rate allen, die mehr als einen Satz als Testament verfassen, sich von einem Rechtsanwalt beraten zu lassen. Die Erfahrung zeigt leider, dass oft schon einfache rechtliche Begriffe wie „vererben“ und „vermachen“ falsch genutzt werden. Auch von Muster-Testamenten aus dem Internet rate ich dringend ab, da sie nie auf den konkreten Einzelfall passen. Von den genannten Tücken und Nachteilen eines Berliner Testaments spreche ich da noch gar nicht.

Unser Tipp

Alles Wichtige zum Verfassen eines Testaments, zum Unterschied zwischen dem Vermachen und dem Vererben sowie Tipps zur Aufberwahrung finden Sie auf einen Blick: www.mein-erbe-tut-gutes.de

Lassen Sie Ihr Testament von einem Fachanwalt für Erbrecht überprüfen. Ratsuchende informiert die Deutsche Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge e.V.

Gibt es Alternativen zum Berliner Testament, etwa für unverheiratete Paare oder Patchwork-Familien?

Es gibt die Möglichkeit, die Kinder bereits nach dem Tod des ersten Partners als Erben einzusetzen und diese dann zeitgleich mit dem Vermächtnis zugunsten des überlebenden Partners zu belasten. So kann der Erblasser anordnen, dass der überlebenden Partner dauerhaft versorgt bleibt. Das kann ein Nutzungsrecht an bestimmten Sachen wie etwa einer Immobilie sein. Man kann aber auch bestimmen, dass zwar die Kinder erben, der Partner aber ebenfalls auf das Vermögen des Erblassers zuzugreifen darf.

Darüber hinaus kann ein Erbvertrag eine sinnvolle Alternative zum Berliner Testament sein. Dieser muss in jedem Fall vor einem Notar geschlossen und notariell beurkundet werden und kann nicht einseitig geändert oder widerrufen werden. Auch für alle, die sich erbrechtlich, aber nicht ehelich binden möchten, ist ein notarieller Erbvertrag geeignet. Vor allem unverheirateten Paaren rate ich, ihren Nachlass rechtzeitig zu regeln. Denn sie haben wechselseitig keinerlei erbrechtliche Ansprüche.

Zum Schluss: Was sind Ihre wichtigsten Tipps für alle, die ein Berliner Testament aufsetzen möchten?

Schritt eins gilt eigentlich für alle: Man sollte herausfinden, wer aus der Familie was erben würde, wenn es kein Testament gibt. Gefällt einem die gesetzliche Erbfolge nicht, sollte man ein Testament aufsetzen. Am besten mit dem Rat eines Rechtsanwalts oder Notars. Denn der kann individuelle Klauseln einfügen. In jedem Fall sollte man neue Lebensumstände nach dem Tod eines Partners berücksichtigen, also eine Freistellungsklausel einräumen, und auch einen Pflichtteilsverzicht vereinbaren. Das fertige Testament sollte man sicher aufbewahren oder beim Amtsgericht hinterlegen. Und natürlich sollte man auch die Erben informieren. Denn wer offen über seinen Letzten Willen spricht, vermeidet Streit.

FOTOS: Twenty20, Esther Wiegardt on Unsplash

Keine Erben - Bleibendes schaffen: Rückenansicht eines Paares vor einer Wand voller Blumentöpfen. beide pflanzen Setzlinge. Auch wer keine Kinder oder Angehörigen als Erben für den Nachlass hat, kann etwas Bleibendes hinterlassen, z.B. mit einer Stiftung oder einem Testament für den guten Zweck. In Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt.

Keine Erben für den Nachlass:
So schaffen Sie Bleibendes

Auch wer keine Erben hat, kann verhindern, dass der Staat erbt. Gerade für Alleinstehende und Kinderlose ist ein Erbe für den guten Zweck eine sinnvolle Alternative. Für wen eine Stiftung oder Testamentsspende das Richtige ist? Ein Überblick.

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Keine Erben - Bleibendes schaffen: Rückenansicht eines Paares vor einer Wand voller Blumentöpfen. beide pflanzen Setzlinge. Auch wer keine Kinder oder Angehörigen als Erben für den Nachlass hat, kann etwas Bleibendes hinterlassen, z.B. mit einer Stiftung oder einem Testament für den guten Zweck. In Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt.
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Keine Erben für den Nachlass:
So schaffen Sie Bleibendes

Auch wer keine Erben hat, kann verhindern, dass der Staat erbt. Gerade für Alleinstehende und Kinderlose ist ein Erbe für den guten Zweck eine sinnvolle Alternative. Für wen eine Stiftung oder Testamentsspende das Richtige ist? Ein Überblick.

Mit dem Erbe etwas Bleibendes schaffen, eine eigene Stiftung für den guten Zweck oder eine Testamentsspende an einen Verein? Vor solchen Überlegungen stand Anna Fröhlich, eine über 90-jährige kinderlose Dame. Ihr gehörten mehrere Hunderttausende Euro und eine Eigentumswohnung. In ihrem Testament wollte sie mehrere gemeinnützige Organisationen großzügig bedenken. Auf jeden Fall auch einen Kindergarten in der Nähe ihres Wohnortes. „Aber der Kindergarten ist eine GmbH und wäre ab dem Betrag von 20.000 Euro steuerpflichtig“, erklärt Jan Bittler, Rechtsanwalt für Erbrecht und Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge. Für seine Mandantin fand er eine bessere Lösung. Anna Fröhlich bedachte in ihrem Testament den Förderkreis, der hinter dem Kindergarten steht. Er ist gemeinnützig und steuerbefreit.

Keine Erben – Bleibendes schaffen: Nahaufnahme einer grünen Pflanzschaufel mit dunkelbrauner Blumenerde und weißem Dünger, daneben eine silberne Pflanzschere im Anschnitt. Auch wer keine Kinder oder Angehörigen als Erben für den Nachlass hat, kann etwas Bleibendes hinterlassen, z.B. mit einer Stiftung oder einem Testament für den guten Zweck. In Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt.

Gutes bewirken im eigenen Namen

Wer, wie Anna Fröhlich, keine eigenen Kinder oder Angehörige für den Nachlass hat, dem bieten sich eine Reihe von Möglichkeiten, Vermögen und Werte an die Nachwelt weiterzugeben. Die bekannteste dürfte wohl die eigene Stiftung sein. Damit können Sie sicherstellen, dass das Vermögen einem ganz bestimmten Zweck dient, der Ihnen besonders am Herzen liegt. Und das für lange Zeit, über das eigene Leben hinaus. Über 21.000 rechtsfähige Stiftungen gibt es nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen derzeit in Deutschland, 95 Prozent davon gemeinnützig. Weniger bekannt, aber oft viel sinnvoller: Auch mit Treuhandstiftungen, Zustiftungen und Testamentsspenden kann man im eigenen Namen etwas Gutes hinterlassen.

Eine eigene Stiftung: Nur mit ausreichend Startkapital

Eine Stiftung lässt sich auch mit wenig Geld gründen, so wie es zum Beispiel Holger Maack in Hannover machte. Seine Deutsche Rockmusik Stiftung startete 1996 genau mit einer Deutschen Mark. Zwanzig Jahre später hat die Stiftung mit Förderungen und Krediten über 200 Proberäume für den Musiknachwuchs aufgebaut. Doch das ist eher eine Ausnahme. Gemeinhin muss das Vermögen hoch genug sein, um den Stiftungszweck dauerhaft erfüllen zu können.

„Die meisten Aufsichtsbehörden halten eine Summe von 100.000 Euro für ausreichend“, sagt Katrin Kowark, Pressesprecherin des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Etwa 44 Prozent der Stiftungen besitzen nur ein Kapital von unter einer Million Euro. „Klein heißt aber nicht wirkungslos“, meint Katrin Kowark. Dafür brauche es umso mehr Beharrlichkeit und Netzwerkpflege. Da mag es für viele verlockend klingen, mit dem eigenen Name Gutes zu bewirken. Rechtsanwalt Jan Bittler rät bei Stiftungsgründungen jedoch zur Vorsicht. „Als Stifter ist man verpflichtet, das anvertraute Vermögen zu bewahren. Geld ausgeben kann eine Stiftung nur aus den Kapitalerträgen“.

Aber nicht nur das Startkapital ist hoch, auch der Aufwand zur Stiftungsgründung: Das Stiftungsgeschäft muss erklärt, der Zweck, das Vermögen, die Organe und deren Aufgaben festgelegt werden. Die Stiftung braucht eine Satzung und die staatliche Genehmigung. Ist die Stiftungsurkunde dann ausgestellt, kann man beim zuständigen Finanzamt die Gemeinnützigkeit beantragen.

Mehr erfahren

Alles Wissenswerte zur Gründung einer Stiftung oder Treuhandstiftung gibt es beim Bundesverband Deutscher Stiftungen. Auch darüber hinaus bietet das Kompetenzzentrum des deutschen Stiftungswesens allen Interessierten umfassenden Informations- und Beratungsservice.

Treuhandstiftungen: Einfach und für geringes Kapital geeignet

Eine einfachere Form, mit seinem Erbe dauerhaft einen guten Zweck zu unterstützen, ist die Treuhandstiftung. „Dabei handelt es sich nicht um eine juristische Person, sondern um eine vertragliche Gestaltung“, erklärt Verena Staats, Justiziarin des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. In der Regel schließt der Stifter mit einem Treuhänder – meist eine gemeinnützige Organisation – entweder einen Erb- oder einen Treuhandvertrag. Der Treuhänder verwaltet dann das Geld entsprechend der Sitzungssatzung. Weitere Vorteile: Alles geht schneller, ohne Gründungskosten und ohne staatliche Anerkennung. Allein die Gemeinnützigkeit muss man bei der Finanzbehörde beantragen.

Zustiftung: Auch in eigenem Namen möglich

Noch einfacher geht eine Zustiftung. Sie ist eine sinnvolle Alternative, ein Herzensanliegen über den Tod hinaus zu fördern. Hier erhält eine schon bestehende Stiftung das Geld. Im Gegensatz zu einer Spende darf die Stiftung es nicht sofort verwenden, sondern muss es dem Stiftungsvermögen zuführen. „Eine schöne Sache ist, dass eine solche Zustiftung auch meinen eigenen Namen tragen kann“, sagt Rechtsanwalt Jan Bittler.

Testamentsspende: Darauf kommt es an

Anna Fröhlich, die kinderlose Dame, wählte schließlich die klassische Form. Ihr Vermögen verteilte sie mit Testamentsspenden an mehrere gemeinnützige Vereine. Mit solchen Vermächtnissen können auch Erblasser, die nur wenige Hundert oder Tausend Euro besitzen, mit ihrem Erbe karitative und soziale Organisationen unterstützen. Viel gibt es nicht zu beachten, um mit dem Testament Gutes zu tun. Das Testament muss handschriftlich erstellt und mit Datum, Ort und eigener Unterschrift versehen werden. Die Initiative „Mein Erbe tut Gutes“ rät außerdem: Sprechen Sie mit den Organisationen und lassen Sie sich beraten.

Für Rat und Service

Rat und Orientierung zum gemeinnützigen Vererben bietet die Initiative „Mein Erbe tut Gutes“. Auf der Internetseite der Initiaitve erfahren Sie auch, wie Sie Ihr Testament für den guten Zweck verfassen und worauf Sie dabei achten sollten.

Aufpassen sollte man bei mehreren Vermächtnissen. „Hier sollten Erblasser entweder eine Organisation als Erben oder einen Testamentsvollstrecker bestimmen“, rät Jan Bittler. „Es kann sonst sehr mühsam werden, wenn sich zum Beispiel sieben Organisationen untereinander über ein unklares Testament verständigen müssen“. Bei größeren Organisationen ist es zudem wichtig, die genaue Anschrift zu verwenden. Des Weiteren empfiehlt es sich, Quoten statt genaue Beträge auszusprechen. Schließlich weiß niemand, ob das Vermögen in einigen Jahren noch genau so groß sein wird, wie zur der Zeit, in der das Testament verfasst wurde. Und die Bedachten sollten sich doch bitte schön später nicht streiten.

Unser Tipp

Lassen Sie Ihr Testament von einem Fachanwalt für Erbrecht überprüfen. Eine Erstberatung darf nach Rechtsanwaltsvergütungsgesetz höchstens 226,10 Euro kosten. Sicher aufbewahren können Sie das Testament beim Nachlassgericht, Kosten ca. 92 Euro. Ratsuchende informiert die Deutsche Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge e.V.

TEXT: Angelika S. Friedl
FOTOS: Daniel Funes Fuentes, Neslihan Gunaydin / Unsplash

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Wie steht es um die Umsetzung der Kinderrechte in Deutschland? Mit seinem jährlichen Kinderreport fühlt das Deutsche Kinderhilfswerk regelmäßig Staat und Gesellschaft auf den Zahn. Im Fokus des unlängst vorgestellten „Kinderreport Deutschland 2018“ steht das Thema Kinderarmut. Das Ergebnis: Bei der Bekämpfung tut vor allem die Politik zu wenig. In einem der reichsten Länder der Welt braucht das Thema mehr Aufmerksamkeit und eine Gesamtstrategie. Das gemeinnützige Hilfswerk liefert dafür wichtige Impulse und konkrete Handlungsvorschläge.

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Das tut gut: Eine Frau gehüllt in rotes Tücher sitzt im ostafrikanischen Dschibuti auf dem trockenen Boden vor einem Zelt, im Schoss ihr Baby – Dank der Aufklärungsarbeit der Johanniter Auslandshilfe das erste Mädchen ihres Dorfes, das nicht beschnitten wurde. Johanniter sind Mitglied der Initiative

Erstes unversehrtes Mädchen

Kadiga heißt sie. Sie ist zwei Monate alt und das erste Kind in der Familie, das nicht beschnitten wurde. Ihre Mutter Hasna Hassan ist froh, eine gesunde und unversehrte Tochter zu haben. Seit 2012 ist die Johanniter-Auslandshilfe in der Dorfgemeinde Firiris aktiv, um die Bewohner von der leidvollen Tradition der Beschneidung abzubringen. Diese ist in Dschibuti seit 1995 gesetzlich verboten. Doch der Kampf wird nicht vor Gericht entschieden, sondern in den Dörfern. Kollektives Umdenken braucht Zeit. Kadiga ist ein Hoffnungsschimmer.

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Ausblick Mai 2018 Abschied

Prinzip Apfelbaum. Ausgabe 3: ABSCHIED. Rückenansicht eines älteren Mannes, der auf einer Steinmauer hoch über dem Meer steht und einem abfahrenden weißen Boot hinterherwinkt. Worte, Orte und neue Wege für den Abschied gibt es im Magazin über das, was bleibt. Foto: Stuart Franklin / Magnum Photos / Agentur Focus

Die Kunst des Nachrufs: Ein Gespräch mit Autor David Ensikat

Den Abschied leben lernen: Henning Scherf über "Das letzte Tabu"

Zwischen Tradition und Bedürfnis: Persönliche Abschiede gestalten

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