Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt

No. 6 – TRAUER

Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe: Trauer. Schwarzweiß-Nahaufnahme einer schwarz-gekleideten Frau, die im Schmerz ihre Hände vor das Gesicht schlägt. Sie trauert um den verstorbenen Papst Johannes Paul II. Foto: Paolo Pellegrin / Magnum Photos / Agentur Focus
© Paolo Pellegrin / Magnum Photos / Agentur Focus

Editorial

Die Pietà des Michelangelo im Petersdom in Rom. Noch ein halbes Jahrtausend nach ihrer Erschaffung zutiefst berührend, denn wir fühlen den Schmerz: Eine Mutter trauert um den toten Sohn. Die Käthe-Kollwitz-Statue in der Neuen Wache in Berlin. Dort wo in diesen Tagen Kränze des Gedenkens niedergelegt werden. Auch sie zeigt die tiefe Trauer um einen geliebten Menschen.

Warum gibt es gerade in der dunklen Jahreszeit so viele Trauergedenktage? Warum lesen so viele Menschen regelmäßig die Traueranzeigen in der Zeitung? Ist die Beschäftigung mit dem Tod und der Trauer anderer eine abgeschwächte, eine erträglichere Form, dem eigenen Sterben ins Auge zu sehen? Oder erinnert sie uns daran, wie heftig und schmerzhaft der Verlust sein kann, und wir geben uns umso mehr Mühe, unsere Lieben zu beschützen und froh zu sein, dass wir sie haben?

Trauer, Trost und Hoffnung sind die Themen dieser Ausgabe unseres Magazins. Wir fragen: Wie trauern wir, gibt es Regeln, helfen Rituale, können wir vorsorgen? Was tröstet uns und wie können wir anderen beistehen? Wir sprechen mit Pfarrern, Forschern und Psychologen, wir geben Rat und Anregungen. Ich bin mir sicher: Uns mit dem Lebensende und dem Verlust auseinanderzusetzen, lässt uns bewusster leben und fürsorglicher werden.

Susanne Anger

Sprecherin der Initiative
"Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum"

Menschen

„Trauer gehört zu den tiefen Gefühlen des Lebens“

Der Herbst bringt die stillen Tage: Allerheiligen, Volkstrauertag, Buß- und Bettag, Totensonntag. Der evangelische Theologe und Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer geht dann auf den Friedhof, um den Verstorbenen nahe zu sein. Denn Trauer – das ist für ihn mehr als nur ein Schmerz.

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Friedrich Schorlemmer über Trauer: Geschmückter Sarg mit Foto von Horst-Eberhard Richter. Der Autor starb am 19. Dezember 2011. Für Schorlemmer gehört Trauer zu den tiefen Gefühlen des Lebens. Ein Interview über Tod, Trauer und Trost. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: picture alliance/dpa

Wissenswertes

Ein Pendeln zwischen Trost und Schmerz

Viele glauben, dass Trauer in festen Phasen verlaufen muss. Vergessen Sie die Theorie! Trauer lässt sich in kein Schema pressen und schon gar nicht in einen Zeitplan. Jeder erlebt das Abschiednehmen auf andere Weise. Aus der Psychologie kommen neue Modelle für die Trauerverarbeitung.

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Jeder trauert anders: Ein Mann auf einer Stehleiter öffnet eine Luke im Dach. Symbolbild. Trauer verläuft nicht in festen Phasen. Es ist ein Pendeln zwischen Trost und Schmerz. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Kay Fochtmann/Photocase.de

Impulse

In Verbindung
bleiben

Die Erinnerungen kann uns keiner nehmen. Es lohnt sich, den Spuren nachzugehen, die ein Mensch in uns hinterlassen hat. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, unsere ganz besonderen Erinnerungen festzuhalten – etwa in Erinnerungsbüchern oder in Gegenständen, die uns mit verstorbenen Menschen verbinden.

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Erinnerung gestalten: Eine Doppelseite eines Memory Book mit Notizen und einem eingeklebten Hochzeitsfoto. In Uganda schaffen aidskranke Eltern damit Erinnerungen, die ihren Kindern später Halt geben sollen. Erinnerungen helfen beim Trauern. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Álvaro Laiz und David Rengel

Unsere Lieblinge

Lesetipp

Lesetipp: Cover des Buches

Es ist der kleine Bruder, der von der letzten gemeinsam durchzechten Nacht mit seinem zwölf Jahre älteren Halbbruder erzählt. Angefeuert vom Alkohol geht es von Kneipe zu Kneipe. Der ältere ist ein tragischer Idealist, schonungslos richtet er seinen Blick auf das Leid der Welt. Nur so sei ein würdevolles „Trotzdem“ möglich. Was die Brüder nicht wissen: Sie werden sich nicht wiedersehen. Wenig später stirbt der ältere allein in seiner Sozialwohnung, krebskrank und alkoholsüchtig. Aus Fragmenten der Erinnerung setzt der kleine Bruder dessen Leben zusammen. Eine letzte Hommage an den Verstorbenen. Ein ergreifender Roman über die großen Fragen des Lebens, den Tod und über die Liebe zu einem schwierigen Menschen.

Heinz Helle: „Die Überwindung der Schwerkraft“. Roman.
Suhrkamp Verlag, Berlin 2018. 208 Seiten, gebunden. 20 Euro.

2.790.000

Die Zahl

Trauer lässt sich kaum messen und wird von jedem Menschen anders erlebt. Auch die Zahl derer, die Jahr für Jahr akute Trauer erleben, kann nur geschätzt werden. So viel aber lässt sich sagen: Jedes Jahr sterben hierzulande mehr als 930.000 Menschen. Jeder hinterlässt im Schnitt drei nahestehende Menschen, die um ihn trauern. Das allein macht 2,79 Millionen Trauernde pro Jahr. Weil der Verlust viele aber eine längere Zeit belastet, gehen Forscher der Hochschule Ravensburg-Weingarten davon aus, dass sogar jeder zehnte Deutsche von Trauer betroffen ist. Im Alltag werden sie immer seltener sichtbar.

Berühmte Testamente: Schwarzweiß-Porträt der Unternehmerin Else Kröner. Als junge Frau trat sie das Erbe an und baute Fresenius zum weltweiten Konzern aus. Die von ihr gegründete Else-Kröner-Fresenius-Stiftung fördert medizinische Forschung und Entwicklungsprojekte. Ein Erbe für den guten Zweck. In Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt.

BERÜHMTE TESTAMENTE

Else Kröner

Frankfurt am Main, 1946. Der Tod ihres Ziehvaters Dr. Eduard Fresenius stellt Else Kröner, 21 Jahre alt und mitten im Pharmazie-Studium, vor eine schwierige Entscheidung: Sollte sie sein Erbe antreten und die im Krieg beschädigte Hirsch-Apotheke sowie die hoch verschuldete Pharmafirma Fresenius übernehmen? Die junge Frau zögert nicht. Ihr Motto: „Wenn ich es nicht tue, wer denn sonst soll es machen?“ Parallel zu ihrem Studium bringt sie die Apotheke wieder zum Laufen und lernt nebenbei Betriebswirtschaft. Schritt für Schritt baut sie Fresenius vom Familienbetrieb zur weltweit tätigen Aktiengesellschaft aus. Auch für die gute Sache engagierte sich die erfolgreiche Unternehmerin: Sie adoptierte fünf Kinder und gründete 1983 die Else Kröner-Fresenius-Stiftung, der sie bei ihrem Tod ihr gesamtes Privatvermögen hinterließ. Medizinische Forschung fördern, Menschen helfen – diesen Wunsch Else Kröners setzt die Stiftung bis heute fort. Allein 2017 bewilligte sie Fördermittel in Höhe von 46 Millionen Euro.

Schon gewusst?

Erbschein - nötig oder nicht?

Stirbt ein naher Verwandter, ist nicht nur die Trauer zu bewältigen. Auch der Nachlass muss geregelt werden. Banken, Behörden oder Geschäftspartner wollen dann häufig einen Erbschein sehen – ein amtliches Zeugnis, das belegt, wer überhaupt Erbe ist, wie groß der Erbteil ist und ob mögliche Beschränkungen gelten. Er ermöglicht den Angehörigen über das geerbte Vermögen zu verfügen. Aber: Nicht immer ist ein solcher Ausweis notwendig. Auch ein notarielles Testament oder ein Erbvertrag belegt die Erbenstellung zweifelsfrei gegenüber Dritten und macht den Erbschein in der Regel überflüssig. Nur wer das nicht hat, muss einen Erbschein über einen Notar oder direkt beim zuständigen Nachlassgericht beantragen. Die Kosten dafür richten sich nach dem Wert des Nachlasses. Doch Achtung: Wer einen Erbschein beantragt, nimmt das Erbe verbindlich an – mögliche Schulden inklusive.

Michael Beuger, Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE

Ratgeber

Trauernden beistehen: Ein Paar hält sich fest umarmt. Im Umgang mit trauernden Freunden reagieren viele hilflos. Was sagen, wann schweigen? Was hilft, was tröstet? Rat von Trauerbegleiter Roland Kachler. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: shawn5/Twenty20

Die richtigen Worte: Wie man Trauernden beistehen kann

Auf einen Trauerfall im Bekannten- oder Freundeskreis reagieren viele Menschen hilflos. Wie geht man mit Trauernden um? Was sollte man sagen, und wann sollte man schweigen? Und geht das überhaupt - trösten? Wir fragen den Psychotherapeuten Roland Kachler, der trauernde Menschen begleitet.

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Trauernden beistehen: Ein Paar hält sich fest umarmt. Im Umgang mit trauernden Freunden reagieren viele hilflos. Was sagen, wann schweigen? Was hilft, was tröstet? Rat von Trauerbegleiter Roland Kachler. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: shawn5/Twenty20
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Die richtigen Worte: Wie man Trauernden beistehen kann

Auf einen Trauerfall im Bekannten- oder Freundeskreis reagieren viele Menschen hilflos. Wie geht man mit Trauernden um? Was sollte man sagen, und wann sollte man schweigen? Und geht das überhaupt - trösten? Wir fragen den Psychotherapeuten Roland Kachler, der trauernde Menschen begleitet.

Vor einigen Jahren verlor die niederländische Schriftstellerin Connie Palmen ihren Mann – ein halbes Jahr nach der Hochzeit. In einem Interview in der Süddeutschen Zeitung beschrieb sie die erste Zeit nach ihrem Verlust: „Alle versuchen einen zu trösten. Es ist für die Familie und die Freunde kaum auszuhalten, wie schlecht es einem geht. Aber in den ersten Monaten nach Hans’ Tod wollte ich nicht getröstet werden. Die Trauer war das Einzige, was ich noch hatte – sie war meine Verbindung zu ihm“. Trotzdem war es für Palmen wichtig, nicht allein zu sein. Denn sie war kaum noch fähig, für sich selbst zu sorgen. „Am besten hält man die Menschen aus, die sich auf kranke Tiere verstehen. Die sich nicht schämen, einen anzufassen, einen zu drücken, einen wie ein Kind zu behandeln“.

Es gibt keinen Trost, aber da sein hilft

Auf die Kraft des Zuhörens und ein einfaches in die Arme Nehmen vertraut auch der Psychotherapeut Roland Kachler. Es sei normal, sich unsicher zu fühlen, wenn wir mit dem Schmerz und der Verzweiflung der Trauernden konfrontiert werden. „Dann ist es wichtig, zur eigenen Hilflosigkeit zu stehen. Ich kann beispielsweise sagen, dass mir die Worte fehlen.“ Für Trauernde ist das ein Hinweis, wie groß ihre Trauer ist – so groß, dass sie auch andere überfordert. „Man drückt damit aus, dass es im Moment nichts Tröstliches gibt. Und das ist paradoxerweise tröstlich. Einerseits wird die Größe des Verlustes gewürdigt, andererseits die Größe des Schmerzes“, erklärt Kachler. Es sei nicht nötig, viel zu reden. Es reiche, den Trauernden in die Arme zu nehmen. Ihn zu fragen, ob er etwas braucht, ob man vielleicht etwas kochen oder etwas zu essen bringen kann.

Trauernden beistehen: Eine ältere Frau legt einer anderen die Hand auf die Schulter, Nahaufnahme. Im Umgang mit Trauernden sind viele hilflos. Trost gibt es nicht, aber da sein hilft. Rat von Trauerbegleiter Roland Kachler. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: carly.ciardullo/Twenty20

Auf Trauernde zugehen

Manchmal wollen trauernde Menschen nicht über den Verstorbenen reden. Etwa, weil sie Angst haben, die Fassung zu verlieren. Dann müssen Freunde und Bekannte dies akzeptieren. Andere ziehen sich zurück und reagieren weder auf E-Mails noch auf Anrufe. Sie brauchen diese Zeit für ihre Trauer und für das innere Gespräch. Trotzdem sollte man ihnen signalisieren, dass man sich kümmert, und sich nach einigen Wochen wieder melden. „Gerade bei schweren Verlusten schaffen es Trauernde oft nicht mehr, aus diesem Rückzug herauszukommen“, erklärt Roland Kachler. „Sie haben immer die Befürchtung, dass sie mit ihrer Trauer anderen zur Last fallen“.

Was hilft und was nicht hilft

Freunde brauchen Geduld. Das ist oft nicht einfach, gerade wenn der Todesfall schon längere Zeit zurückliegt und die Gespräche immer um dieselben Themen kreisen. Gerne würde man mit guten Ratschlägen helfen. Aber Sprüche wie „Schau nach vorne, das Leben geht weiter“ sind ebenso kontraproduktiv wie Erzählungen über eigene Trauererfahrungen. Was dagegen helfen kann: zuhören, über den Verstorbenen reden, Erinnerungen austauschen oder gemeinsam etwas unternehmen wie zum Beispiel Fotos anschauen, zum Grab gehen, an die Unfallstelle fahren.

Besonders bei schweren Trauerfällen besteht noch eine andere Gefahr: dass die Beziehung abbricht. „Ähnlich wie bei Scheidungen verliert man bei schweren Verlusten die Hälfte seiner Freunde“, sagt Psychotherapeut Kachler. Er selbst und seine Frau haben diese Erfahrung nach dem Tod des gemeinsamen Sohnes gemacht. Freunde erklärten, sie würden es nicht aushalten, dass das Kind gestorben sei. Dass sie Angst hätten, ihnen könnte das Gleiche passieren. Es ist ein magischer Gedanke, eine unbewusste Angst vor Ansteckung auf einer tiefen Ebene.

Wenn die Trauer nicht aufhört

Es gibt Todesfälle, bei denen der Prozess des Trauerns länger dauern kann: manchmal zwei, drei Jahre oder sogar mehr. Dazu zählen zum Beispiel Suizid, Unfalltod, der Tod eines Kindes oder wenn Angehörige den Tod mitverschuldet haben. Die Beziehung zum Verstorbenen ist nicht geklärt, weil man bestimmte Dinge nicht mehr ansprechen konnte. Oder man ist wütend auf den Toten, weil er beispielsweise unachtsam Auto gefahren ist oder sich umgebracht hat. In solchen Fällen brauchen Trauernde oft besondere Unterstützung.

Selbsthilfe online

Auf Leben-ohne-dich.de sind Selbsthilfegruppen für Eltern aufgeführt, deren Kinder verstorben sind. Das Internetforum verwitwet.de ist für Menschen, die in jungen Jahren ihren Lebenspartner verloren haben. Trauernde, die jemanden durch Suizid verloren haben, finden bei agus-selbsthilfe.de Unterstützung.

Eine Möglichkeit ist, sich einer Trauergruppe anzuschließen und sich mit anderen Hinterbliebenen auszutauschen. Auch professionelle Trauerbegleiter oder psychologische Beratungsstellen bieten Hilfe an. Wer sich zu einer Psychotherapie entschließt, sollte einen Therapeuten suchen, der auf die Arbeit mit Trauernden vorbereitet ist.

Professionelle Trauerbegleitung

Das Internetprojekt gute-trauer.de, ein Angebot der Verbraucherinitiative Aeternitas e.V., informiert über das Thema Trauer und den Umgang mit Trauernden. Hier findet sich auch eine Liste mit Beratungsstellen für professionelle Trauerbegleitung.

Den Verstorbenen im Herzen tragen

Psychotherapeut Kachler arbeitete lange entsprechend der verbreiteten Theorie, dass Trauernde möglichst lernen sollten, den Toten loszulassen. Doch nach dem Tod seines eigenen Sohnes veränderte er seine therapeutische Ausrichtung. Heute leitet Kachler Trauernde dazu an, die innere Beziehung zu dem Verstorbenen weiter zu leben. Es geht darum, einen Ort für den Verstorbenen zu finden, ihn im Herzen zu tragen. Nicht nur Trauernde, auch Freunde und Bekannte können dies tun. Es reichen schon kleine Gesten, meint der Therapeut: „Im Oktober war der 16. Todestag unseres Sohnes. Viele Freunde haben uns an diesem Tag eine E-Mail, eine WhatsApp-Nachricht oder eine Postkarte geschickt. Nicht aus Routine, sondern weil sie an uns und Simon gedacht haben. Das war sehr berührend.“

Zum Weiterlesen

Roland Kachler: Meine Trauer wird dich finden. Ein neuer Ansatz in der Trauerarbeit. Der Psychotherapeut und Theologe stellt einen neuen, von ihm entwickelten Weg zur Trauerbewältigung vor und schildert auch seine persönlichen Erfahrungen. Erschienen bei Herder.

Connie Palmen: Logbuch eines unbarmherzigen Jahres. Mit großer Offenheit dokumentiert die Schriftstellerin den Tod ihres zweiten Ehemanns. Sie rekonstruiert die gemeinsame Zeit und beschreibt ihre Gefühle, ihre Trauer und deren Entwicklung. Erschienen bei Diogenes.

Text: Angelika S. Friedl
Fotos: shawn5/Twenty20, carly.ciardullo/Twenty20

Handeln im Trauerfall: Zusammengelegte Bettdecke auf einer Matratze, beides ohne Bezug. Stirbt ein Mensch, muss die Trauer oft warten. Denn für Angehörige gibt es viel zu erledigen. Eine Übersicht. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: ohneski/Photocase.de

Handeln im Trauerfall: Das ist zu tun, wenn jemand stirbt

Stirbt ein Mensch, gibt es für die nächsten Angehörigen viel zu erledigen. Einiges davon muss unverzüglich geschehen, anderes hat ein paar Tage oder auch Wochen Zeit. Was tun, wenn jemand stirbt? Und wie kann man Hinterbliebenen die Zeit der Trauer erleichtern? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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Handeln im Trauerfall: Zusammengelegte Bettdecke auf einer Matratze, beides ohne Bezug. Stirbt ein Mensch, muss die Trauer oft warten. Denn für Angehörige gibt es viel zu erledigen. Eine Übersicht. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: ohneski/Photocase.de
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Handeln im Trauerfall: Das ist zu tun, wenn jemand stirbt

Stirbt ein Mensch, gibt es für die nächsten Angehörigen viel zu erledigen. Einiges davon muss unverzüglich geschehen, anderes hat ein paar Tage oder auch Wochen Zeit. Was tun, wenn jemand stirbt? Und wie kann man Hinterbliebenen die Zeit der Trauer erleichtern? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wenn ein nahestehender Mensch stirbt, ist das für Angehörige meist eine große emotionale Belastung. Schock, Traurigkeit, Leere. Doch oft muss die Trauer erst einmal zurücktreten, weil wichtige Entscheidungen und dringende Schritte anstehen. Finanzielle Aspekte, Rechte und Pflichten rücken in den Fokus – auch persönliche Angelegenheiten.

Sofort nach dem Tod muss als Erstes der Haus- oder Notarzt verständigt werden. In einem Krankenhaus oder Pflegeheim zieht das Personal einen Arzt hinzu. Denn nur Mediziner können den Tod feststellen und einen Totenschein ausstellen – die Voraussetzung, um später die Sterbeurkunde beantragen zu können. Wenn der Verstorbene einen Organspendeausweis besessen hat, kann dies nun relevant sein.

Erste Ansprechpartner, die wichtigsten Papiere

Als nächstes ist zu klären, ob der Verstorbene schriftliche Wünsche zur Art der Bestattung hinterlassen hat. Gibt es bereits einen Vorsorgevertrag mit einem bestimmten Bestattungsinstitut, sollte dieses informiert werden, um entsprechend der Vereinbarungen die nächsten Schritte in die Wege zu leiten. Wichtige Unterlagen, wie Personalausweis, Geburts- oder Heiratsurkunde, Krankenversichertenkarte, Renteninformationen und Versicherungspolicen sollten herausgesucht werden.

Auch nahe Verwandte und enge Freunde sollten frühzeitig informiert werden, um im engsten Kreis das weitere Vorgehen zu besprechen. Dann gilt es ein Bestattungsinstitut zu beauftragen. Die Kosten für die Beerdigung trägt der Erbe. Ist der Tote zu Hause gestorben, kann er dort 36 Stunden lang aufgebahrt bleiben, bevor der Bestatter den Leichnam abholt.

Gibt es eine Lebensversicherung oder Sterbegeldversicherung, sollte diese möglichst bald informiert werden, in der Regel reicht ein Anruf. Vorsicht: Wer hier Zeit verstreichen lässt, riskiert im schlimmsten Fall, dass die Versicherung die Auszahlung verweigert.

Handeln im Trauerfall: Nahaufnahme gefalteter Hände eines älteren Mannes, auf Stuhllehne gestützt, auf dem Tisch ein Stapel Papiere. Stirbt ein Mensch, gibt es für Angehörige viel zu erledigen – einiges sofort, anderes hat Tage oder auch Wochen Zeit. Eine Übersicht. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: kathrin_hb/Photocase.de

Amtsgänge in den ersten Tagen

In den kommenden Tagen folgen dann weitere Aufgaben; nahe Verwandte erhalten dafür in der Regel einige Tage Sonderurlaub. Spätestens am nächsten Werktag sollte der Sterbefall dem zuständigen Standesamt angezeigt werden. Die Behörde verständigt routinemäßig verschiedene andere Stellen, unter anderem die Ermittlungsbehörden, das statistische Landesamt, das Gesundheitsamt und die Zentralstelle für hinterlegte Testamente. Weitere Behördengänge erledigt üblicherweise der Bestatter, soweit das mit ihm vereinbart wurde. Empfehlenswert ist das allemal. Denn für Privatpersonen bedeutet das oft unnötige Laufereien und lange Wartezeiten, während Bestatter diese Behördentermine schnell und zügig abwickeln. Das Bestattungsinstitut benötigt dafür alle Unterlagen, die der Arzt bei der Leichenschau ausgestellt hat. Meistens erhält man dann bereits am Folgetag die notwendigen Sterbeurkunden in mehreren Ausfertigungen für die Familie.

Das Erbe

Existiert ein Testament, muss es beim Nachlassgericht am Wohnort des Verstorbenen abgegeben werden. Das Gericht setzt dann einen Termin zur Testamentseröffnung an und benachrichtigt die Erben. Nur wer sich zweifelsfrei als rechtmäßiger Erbe ausweisen kann, darf zum Beispiel auf die Konten des Verstorbenen zugreifen. Oft wollen Banken, aber auch Behörden oder Geschäftspartner einen Erbschein sehen. Nötig ist ein solches amtliches Zeugnis aber in der Regel nur, wenn kein notarielles Testament oder ein Erbvertrag vorliegt. Wer das nicht hat, kann einen Erbschein beim zuständigen Amtsgericht beantragen, was mitunter mehrere Wochen dauern und je nach Höhe des Erbes eine drei- bis vierstellige Summe kosten kann. Und Achtung! Mit dem Antrag auf einen Erbschein gilt das Erbe als verbindlich angenommen. Inklusive möglicher Schulden. Diese Entscheidung will also gut überlegt sein. Der Gesetzgeber gibt dafür deshalb sechs Wochen Zeit.

Die Wohnung und viele Verträge

Lebte der Verstorbene allein zur Miete, muss diese noch drei Monate weitergezahlt werden, weil die gesetzliche Kündigungsfrist weiter gilt. Damit der laufende Monat noch in die Kündigungsfrist zählt, sollte man bis spätestens zum dritten Werktag eines Monats schriftlich kündigen. Auch die Energieversorger und Telefonanbieter sollten in den ersten Wochen nach dem Todesfall informiert oder entsprechend umgemeldet werden. Das gleiche gilt bei Verträgen für Kabelfernsehen, Rundfunkbeiträge und Internet. In einem Pflegeheim endet der Vertrag grundsätzlich mit dem Sterbetag. Ausgenommen davon sind allerdings vertragliche Vereinbarungen dazu, wie lange die Habseligkeiten des Toten aufbewahrt werden. Ratsam ist es, mit der Heimleitung zu klären, bis wann Sie das Zimmer geräumt werden soll.

Vorsorgen für den Trauerfall

Neben der Wohnung gibt es meist zahlreiche weitere Verträge und Ähnliches abzuwickeln. Wer für den eigenen Todesfall vorsorgt und darüber Buch führt, tut seinen Angehörigen einen echten Gefallen. Denn so können sie sich schnell einen Überblick darüber verschaffen, welche Dienstleistungen, Mitgliedschaften und Abonnements sowie Bankkonten, Finanzanlagen und Versicherungen bestehen. Damit die Bankgeschäfte zügig geregelt werden können, bietet es sich an, schon zu Lebzeiten einer Vertrauensperson eine Kontovollmacht zu erteilen. Wer seinen Angehörigen die schwere Zeit der Trauer erleichtern möchte, sollte also nicht nur rechtzeitig sein Testament machen und offen darüber reden. Er kann auch organisatorisch einiges vorbereiten und ihnen so einen Teil der Last nehmen, wenn es einmal so weit ist.

Text: Lars Klaaßen
Fotos: ohneski/Photocase.de, kathrin_hb/Photocase.de

Gedenken im Internet: Per Smartphone wird ein auf einem Grabstein eingemeißelter QR-Code erfasst. Auf Online Friedhöfe und Gedenkseiten finden sich Trauernde zusammen. Nicht immer ohne Kosten. Darauf sollte man achten. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: picture alliance/dpa

Online Friedhöfe: Trauer und Gedenken im Internet

Angehörige und Freunde finden sich zunehmend auch im Internet zusammen, um gemeinsam zu trauern. Auf Gedenkseiten schreiben sie Kondolenzbücher und Nachrufe, laden dort Fotos und Musik hoch. Der Umgang mit dem Tod erhält so neue Facetten. In diesem Neuland bedarf es der Orientierung.

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Gedenken im Internet: Per Smartphone wird ein auf einem Grabstein eingemeißelter QR-Code erfasst. Auf Online Friedhöfe und Gedenkseiten finden sich Trauernde zusammen. Nicht immer ohne Kosten. Darauf sollte man achten. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: picture alliance/dpa
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Online Friedhöfe: Trauer und Gedenken im Internet

Angehörige und Freunde finden sich zunehmend auch im Internet zusammen, um gemeinsam zu trauern. Auf Gedenkseiten schreiben sie Kondolenzbücher und Nachrufe, laden dort Fotos und Musik hoch. Der Umgang mit dem Tod erhält so neue Facetten. In diesem Neuland bedarf es der Orientierung.

Die analoge und die digitale Welt liegen eng beieinander, manchmal sogar auf dem Friedhof. So sind an Grabsteinen hin und wieder kleine Plaketten mit quadratischen Pixelmustern angebracht. Wer einen solchen QR-Code mit der Kamera seines Smartphones erfasst, kommt auf eine Webseite, auf der der verstorbenen Person gedacht wird: eine ganz persönliche Gedenkseite, die sich mancher sogar schon zu Lebzeiten selbst einrichtet. Hier können Verwandte oder Freunde Erinnerungen sammeln, vom Leben erzählen und virtuelle Trauerkerzen anzünden. Anders als Todesanzeigen sind Trauerseiten im Internet permanent und weltweit abrufbar. Gerade Angehörige, die weit vom Grab entfernt wohnen, sind oft froh, diese Gedenkseiten als virtuelle Erinnerungsstätten besuchen zu können.

Gedenken im Internet: Ein Mann kauert vor einem Grabstein mit eingebautem Tablet. Der erste digitale Grabstein der Welt auf dem Friedhof Larikshof in Rhenen zeigt die schönsten Momente des Lebens des Verstorbenen. Online Friedhöfe und Gedenkseiten werden beliebter. Darauf sollte man achten. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: picture alliance/ANP

Gedenkseiten: Neue Möglichkeiten und Freiheiten

„So wie sich ein beträchtlicher Teil unseres Alltags in den digitalen Raum verlagert hat, nutzen auch immer mehr Menschen die erweiterten Trauermöglichkeiten online“, sagt Matthias Meitzler. Der Soziologe an der Universität Passau befasst sich mit der Kultur des Trauerns. „Der Umgang mit dem Tod ist ein Teil unseres Lebens. Hier spiegeln sich unsere Gewohnheiten und Werte wider. So wie wir uns in der Freizeit und bei der Arbeit mit Hilfe des Internets austauschen, tun wir das zunehmend auch, wenn wir trauern.“ Gedenkseiten im Internet bieten den Trauernden viele neue Möglichkeiten. Sie sind zum einen weder an eine Zeit noch an einen Ort gebunden. Zum anderen können sie sehr individuell gestaltet werden – Gedenkportale sind längst nicht so streng reguliert wie Friedhöfe. „Allerdings bergen diese neuen Möglichkeiten und Freiheiten auch Konfliktpotenzial“, gibt Meitzler zu Bedenken. „Je nachdem, wer in diesem Zusammenhang was von wem erwartet.“ Das sei wie im ‚richtigen‘ Leben.

Online Friedhöfe

Einen würdigen Rahmen bieten sogenannte Online Friedhöfe, auf denen die Gedenkseiten eingerichtet werden können, ohne eine neue Webseite zu erstellen. Bei der Auswahl empfiehlt es sich, auf einige wichtige Punkte zu achten. Viele Online-Friedhöfe stellen die virtuellen Gräber kostenlos zur Verfügung. Manchmal wird um eine Spende gebeten, andere finanzieren sich über Werbung am Rand der Seite. Bei kommerziellen Betreibern variieren die Preise stark, von einmalig 20 Euro bis zu dreistelligen Beträgen. Einfache Basispakete sind hin und wieder kostenlos, jede weitere Leistung, wie zum Beispiel das Einstellen mehrerer farbiger Bilder, kostet dann aber extra.

Online Friedhöfe

Individuelle Gedenkseiten können bei zahlreichen Anbietern erstellt werden. Zu den bekannteren gehören Trauer.de, Gedenkseiten.de, Strassederbesten.de oder InFrieden.de.

Gedenkportale vorher genau ansehen

„Wir beobachten bei vielen kommerziellen Anbietern einen Mangel an Transparenz bei den Preisen“, sagt Alexander Helbach, Sprecher des Vereins Aeternitas, einer bundesweit tätigen Verbraucherinitiative für Bestattungskultur. Nutzer können oft nur schwer erkennen, welche Kosten auf sie zukommen. Deshalb sollte man genau hinschauen, bevor man ein virtuelles Grab anlegt, oder im Zweifelsfall einen nichtkommerziellen Anbieter wählen. „Auch die Besucher der Gedenkseite sollten darauf achten, ob und wie viel sie für virtuelle Kerzen oder Blumensträuße zahlen müssen“, rät Helbach. Zudem sollte man ein Auge auf die Seriosität der Seite haben: „Eine Reihe von Gedenkportalen waren nur kurze Zeit zugänglich und dann wieder von der Bildfläche verschwunden – ärgerlich für die, die dort ein Profil eingestellt haben.“ Und wie auf analogen Friedhöfen sollte man schon zu Beginn ans Ende denken und sich schon bei der Anmeldung danach zu erkundigen, wie ein Profil wieder gelöscht wird: „Die Erfahrung mit sozialen Netzwerken zeigt, dass dies häufig relativ kompliziert ist“, warnt Helbach.

Auf Privatsphäre und Rechtliches achten

Auf Gedenkportalen gibt es in der Regel einen geschlossenen Bereich, der passwortgesichert ist. Dort hat nur ein begrenzter Kreis Zugang, man befindet sich in einem geschützten Raum, wo man sich meist kennt. So bleibt Persönliches privat. Aber: Bei vielen Portalen ist nur der offene Bereich kostenlos. Wer Wert auf Privatsphäre legt, muss dafür bezahlen.

Offene Räume werden auch anderswo im Internet genutzt. Auf YouTube etwa kann man Trauervideos finden, die von Angehörigen hochgeladen wurden. Hier können auch fremde Menschen den Beitrag kommentieren, falls man diese Funktion nicht deaktiviert. „Rechtlich gibt es hier einiges zu beachten“, sagt Birgit Aurelia Janetzky, die Beratungen zum Thema Tod und Digitalisierung anbietet. „Das fängt beim Copyright für Musik und Filme an und geht bis zu den Bildrechten von Personen, deren Gesichter dort veröffentlicht werden.“

Traueranzeigen und Facebook

Auch viele Tageszeitungen bieten inzwischen die Möglichkeit an, Traueranzeigen digital zu veröffentlichen. Und nicht zuletzt spielt Facebook bei vielen Menschen, die das soziale Netzwerk als persönliches Schaufenster nutzen, auch nach dem Tod eine Rolle. Profile lassen sich in einen „Gedenkzustand“ versetzen. Das ermöglicht Freunden und Familienangehörigen, sich gemeinsam an einen verstorbenen Menschen zu erinnern. Wenn es die Privatsphäre-Einstellungen erlauben, können Erinnerungen in der Chronik des Profils im Gedenkzustand geteilt werden.

Noch längst sind nicht alle Möglichkeiten, die die neuen Formen des Gedenkens im Internet bieten, ausgeschöpft. Doch der Soziologe Meitzler ist überzeugt: Wie in anderen Lebensbereichen auch können die virtuellen Orte das reale Grab ergänzen, sie werden es aber nicht ersetzen.

Facebook nach dem Tod

Ein Facebook-Account geht nach dem Tod des Inhabers an die Erben über. Das hat im Sommer 2018 der Bundesgerichtshof entschieden. Wer verhindern will, dass die Erben später einmal Zugang zum Account bekommen, sollte in seinem Profil einen Nachlasskontakt bestimmen. Mehr zum digitalen Nachlass gibt es in unserer nächsten Ausgabe. Mit dem Newsletter verpassen Sie nichts. Einfach kostenlos bestellen!

Text: Lars Klaaßen
Fotos: picture alliance/dpa, picture alliance/ANP

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