Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt

No. 14 – VERTRAUEN

No. 14 – VERTRAUEN

Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 14: VERTRAUEN. USA. New Rochelle, NY. 1953: Ein Kleinkind, gehalten von Vater und Mutter. Symbolbild. Vertrauen ist die Basis für den Zusammenhalt, stärkt Bindungen, schafft Einigkeit. Auch wer mit dem Erbe Gutes tun möchte, braucht Vertrauen. Foto: Eliott Erwitt / Magnum Photos / Agentur Focus
© Elliott Erwitt / Magnum Photos / Agentur Focus

Editorial

Welch ein Glück! Wir werden schon geboren mit einer großen Portion Vertrauen. Und das ist gut so. Denn jeden Tag begeben wir uns in die Hände anderer. Vertrauen schafft Nähe und stärkt die Verbundenheit. Es geht uns gut damit. Deshalb schenke ich, trotz manch bitterer und tränenreicher Enttäuschung, anderen Menschen immer wieder einen Vertrauensvorschuss.

Mit dem Gedanken, dass es liebenswerte und vertrauenswürdige Menschen auf der Welt gibt, lebt es sich deutlich besser und zufriedener. Ein bewegendes Bespiel beschreibt Anna Seghers in ihrem Roman „Das siebte Kreuz“ über die Flucht von sieben Häftlingen aus einem Konzentrationslager. Sie schildert darin die absolute Integrität und Stärke einander vertrauender Menschen selbst in furchtbarsten dunklen Zeiten. Das letzte der sieben Kreuze, an dem der Lagerkommandant die gefassten Geflohenen binden lässt, bleibt deshalb leer, weil Seghers Hauptfigur Georg Heisler nicht nur auf die eigene Stärke vertraut, sondern vor allem auf die Hilfe guter Menschen.

Wie Vertrauen gelingt, wie wir es zurückgewinnen können und worauf wir achten sollten, darüber schreiben wir in dieser Magazinausgabe. Ist es doch gerade in diesen Zeiten wichtiger denn je, das Vertrauen und die Zuversicht nicht zu verlieren.

Susanne Anger

Sprecherin der Initiative
„Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum“

Menschen

„Ein Fundament, das man Grundvertrauen nennt“

Der Tod des eigenen Kindes kann unser Vertrauen zutiefst erschüttern. Anne und Nikolaus Schneider haben diese schmerzvolle Erfahrung zum Anlass genommen und ein Buch über ihr „Dennoch-Vertrauen“ verfasst. Im Interview erzählen sie, wie ein Grundvertrauen gelingen kann, wo die Grenzen sind und warum wir dringend Vertrauen brauchen: ineinander, in die Gesellschaft und in Gott.

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In unsicheren Zeiten: Das Ehepaar Anne und Nikolaus Schneider fotografiert am 07.11.2012 in Timmendorfer Strand. Ein Gespräch über ihr Dennoch-Vertrauen, wie Grundvertrauen gelingt und was in unsicheren Zeiten trägt. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Steffen Roth

Impulse

Vertraut euch!

Vertrauen bedeutet, dem anderen eine Chance zu geben. Man riskiert dabei, belogen und betrogen zu werden. Dennoch lohnt es sich, dieses Wagnis einzugehen. Denn wer anderen vertraut, dem wird auch Vertrauen geschenkt. Der erste Schritt ist, die eigene Blase zu verlassen.

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Vertraut euch: Eine junge Frau lässt sich von einer Gruppe auf Hände tragen. Symbolbild. Wer vertraut, riskiert enttäuscht zu werden. Doch das Wagnis lohnt. Denn Vertrauen ist ansteckend. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: pinky/photocase.de

Wissenswertes

In guten Händen

Wer mit seinem Erbe etwas Bleibendes schaffen möchte, braucht Vertrauen – in die Wirkung seiner guten Taten und in die Zukunft. Man sollte sich fragen: Welches soziale, politische oder ökologische Thema ist mir wichtig? Und vor allem: Woran erkenne ich, ob eine Organisation oder Stiftung vertrauenswürdig ist?

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In guten Händen: Eine Person reicht einer anderen die Hand. Symbolbild. Wer mit seinem Erbe etwas Bleibendes schaffen möchte, braucht Vertrauen. Welcher Spendenorganisation kann ich vertrauen? Das Erbschaftssiegel schafft Transparenz. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Sincerely Media on Unsplash

Unsere Lieblinge

Lesetipp

Lesetipp: Cover des Buches „Fake Facts“ von Katharina Nocun, Pia Lamberty, erschienen im Quadriga Verlag, 2020. In Prinzip Apfelbaum – Magazin über das, was bleibt. Ausgabe: Vertrauen

Je unübersichtlicher die Situation, desto besser gedeihen Verschwörungserzählungen. Das wird nicht zuletzt in der Corona-Pandemie deutlich. In einem entspannten Ton, fundiert und ohne Überheblichkeit beschreiben die Netzaktivistin Katharina Nocun und die Sozialpsychologin Pia Lamberty, wie einfache Wahrheiten Orientierung in einer chaotischen Welt bieten und ihren Anhängern das Gefühl geben, etwas Besonderes zu sein. Die Autorinnen zeigen die Überscheidungen zu Esoterik, Impfgegnerschaft und Rechtsextremismus und warnen zugleich davor, von einem Randphänomen weniger Irrer auszugehen. Denn der Glaube an Verschwörungen radikalisiere auch in der Mitte der Gesellschaft.

Katharina Nocun, Pia Lamberty: „Fake Facts. Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen“. Sachbuch. Quadriga Verlag, 2020. 352 Seiten. 19,90 Euro.

Berühmte Testamente: Porträt des Stifters Wilhelm Sander mit Lina Burkhardt. Der Tod seiner Haushälterin veranlasste den Unternehmer, sein Erbe für die Krebsforschung einzusetzen. Ein Testament für den guten Zweck. Prinzip Apfelbaum – Magazin über das, was bleibt. Ausgabe: Sterben. Foto: Wilhelm Sander Stiftung
© Wilhelm Sander Stiftung

Berühmte Testamente

Wilhelm Sander

Als großzügiger Wohltäter war Wilhelm Sander zunächst kaum aufgefallen. Nach allem was bekannt ist, galt der Unternehmer als sparsam bis geizig und zeigte keine besondere soziale Verantwortung. Der 1897 in Nürnberg geborene Sohn eines Arztes erwarb seinen Reichtum nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem mit dem Bau von Mietswohnungen. Er blieb ledig und ohne Kinder. Dann aber erlebte Sander einen schweren Verlust, als seine langjährige Haushälterin Lina Burkhardt an Krebs erkrankte und schließlich starb. Die schmerzhafte Erfahrung und die Furcht, selbst zu erkranken, bewegten Sander dazu, sein umfangreiches Vermögen der medizinischen Forschung zu hinterlassen. Nach seinem Tod wurde 1975 die Wilhelm Sander-Stiftung errichtet, die seitdem vor allem die Krebsforschung unterstützt. Bis zu 9 Millionen Euro stellt die Stiftung jährlich dafür bereit. Sie gehört damit heute zu den 25 größten gemeinwohlorientierten Stiftungen in Deutschland.

43 %

Die Zahl

Nur etwa vier von zehn Deutschen vertrauen gemeinnützigen Organisationen, so das aktuelle Edelman Trust Barometer. Das ist in anderen Ländern besser: International glaubten fast 60 Prozent der Befragten, dass NGOs ethische Ziele verfolgen und die Kompetenz haben, ihre Versprechen auch einzulösen. Doch woran erkennt man eine vertrauenswürdige NGO? Sie sollte transparent, schnell und verständlich darüber informieren, wohin die Spenden fließen. Ob das Geld in guten Händen ist, belegen zum Beispiel die Gütesiegel von DZI und Spenderrat sowie das Erbschaftssiegel „In guten Händen“.

Schon gewusst?

Testamentsvollstrecker

Brauche ich einen Testamentsvollstrecker? Diese Frage stellt sich beispielsweise, wenn absehbar ist, dass es Streit zwischen den Erben geben wird. Auch dann, wenn Minderjährige als Erben eingesetzt oder wenn eher komplizierte Vermögensverhältnisse hinterlassen werden, ist ein Testamentsvollstrecker hilfreich. Als eine Art verlängerter Arm des Erblassers ist er nur diesem gegenüber verpflichtet und hat dessen letztwilligen Verfügungen auszuführen. Mit dieser vertrauensvollen Aufgabe kann man grundsätzlich jede und jeden betrauen. Juristisches und wirtschaftliches Fachwissen, eine gute Menschenkenntnis und Durchsetzungsstärke sind jedoch von Vorteil. Schließlich gilt es sehr unterschiedliche Pflichten zu erfüllen und mitunter auch gerichtliche Ansprüche zu vertreten und durchzusetzen. Das Honorar dafür liegt üblicherweise bei einem Prozentsatz des Nachlasses und wird nach Beendigung des Amtes fällig.

Michael Beuger, Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE

Ratgeber

Ohne Trauschein erben: Älteres Paar glücklich lachend. Symbolbild. Ohne Testament haben Unverheiratete und Stiefkinder keinen Anspruch auf Erbe. Wer am Ende erbt und wie man den Nachlass regelt, erklärt Anwältin Simone Beuger. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: SBphoto via Twenty20

Paare ohne Trauschein: Wer am Ende Erbe ist

Ob man verheiratet oder in wilder Ehe lebt, spielt im Alltag keine große Rolle mehr. Anders beim Erbrecht. Ohne Testament haben unverheiratete Partner nicht einmal Anspruch auf den Pflichtteil. Auch Stiefkinder gehen leer aus. Hilfreiche Tipps, wie unverheiratete Paare und Patchwork-Familien ihren Nachlass regeln können.

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Ohne Trauschein erben: Älteres Paar glücklich lachend. Symbolbild. Ohne Testament haben Unverheiratete und Stiefkinder keinen Anspruch auf Erbe. Wer am Ende erbt und wie man den Nachlass regelt, erklärt Anwältin Simone Beuger. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: SBphoto via Twenty20
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Paare ohne Trauschein: Wer am Ende Erbe ist

Ob man verheiratet oder in wilder Ehe lebt, spielt im Alltag keine große Rolle mehr. Anders beim Erbrecht. Ohne Testament haben unverheiratete Partner nicht einmal Anspruch auf den Pflichtteil. Auch Stiefkinder gehen leer aus. Hilfreiche Tipps, wie unverheiratete Paare und Patchwork-Familien ihren Nachlass regeln können.

Rosi Fischer und Jürgen Klein*, beide über 70, genießen ihren Ruhestand: den Garten, die Ausflüge und natürlich die Zeit mit den Enkeln. Als sie vor gut 30 Jahre zusammenkamen, brachten beide Kinder in die Beziehung mit und bildeten eine Patchwork-Familie. Noch einmal zu heiraten, kam für sie aber nicht in Frage. Was das bedeutet, wurde ihnen erst bewusst, als Jürgen Klein 2015 an Nierenkrebs erkrankte und das Paar begann, sich mit dem Tod und ihrem Nachlass zu beschäftigen. Dabei stellten sie fest: Ob sie mit oder ohne Trauschein zusammenleben, ist im deutschen Erbrecht ein Unterschied.

„Für unverheiratete Paare gibt es kein gegenseitiges gesetzliches Erbrecht“, erläutert die Kölner Rechtsanwältin Simone Beuger. „Ist keine letztwillige Verfügung vorhanden, hat der länger Lebende weder Anspruch auf einen Erb- noch auf einen Pflichtteil.“ Deshalb sollten insbesondere Unverheiratete, aber auch Menschen, die in Patchwork-Familien leben, Vorsorge treffen: mit einem Testament, besser aber noch mit einem Erbvertrag.

Ohne Trauschein erben: Ein älteres Frauenpaar lachend am Strand. Symbolbild. Ohne Testament haben Unverheiratete und Stiefkinder keinen Anspruch auf Erbe. Wer am Ende erbt und worauf Unverheiratete Paare und Patchwork-Familien achten sollten, erklärt Anwältin Simone Beuger. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: furryzen/Twenty20

Die gesetzliche Erbfolge kennen

Um Fallstricke zu vermeiden, ist es zunächst wichtig zu wissen, wer erbt, wenn es weder Testament noch Erbvertrag gibt. Nach dem Gesetz sind die engsten Verwandten zuerst dran: Kinder und Enkel. Dann: Eltern und Geschwister. Schließlich: Onkel und Tanten. Daneben erbt auch der überlebende Ehegatte. Im Extremfall kann also die gesamte Erbschaft an entfernte Verwandte oder den Ehepartner gehen, von dem man zwar lange getrennt, aber nicht geschieden ist. Der unverheiratete Lebensgefährte und nicht leibliche Kinder gehen dagegen leer aus.

Der Haken beim Testament

Unverheiratete Partner und Stiefkinder haben nicht einmal Anspruch auf ein Erinnerungsstück aus der gemeinsamen Zeit. Der einfachste Weg, dem vorzubeugen, ist es, ein Testament zu verfassen. Simone Beuger gibt aber zu Bedenken, dass das nur jede Person für sich selbst tun kann. „Ein gemeinschaftlicher letzter Willen wie bei Eheleuten ist in der sogenannten wilden Ehe nicht möglich.“ Der Haken dabei: Ein Einzeltestament kann jederzeit widerrufen oder geändert werden, ohne dass der andere informiert werden muss. Die Partner müssen sich nicht an ihre Vereinbarungen halten.

Besser: ein Erbvertrag

Mehr Verbindlichkeit bekommen Unverheiratete mit einem notariell beglaubigten Erbvertrag. Er erlaubt Regelungen, die einem Testament bei Eheleuten entsprechen. Einmal getroffene Absprachen lassen sich dann nur noch gemeinsam widerrufen oder ändern. Eine Trennung mache den Vertrag nicht automatisch unwirksam und auch durch ein Testament könne er nicht einseitig aushebelt werden, erklärt Beuger.

Paare, die an einigen Punkten flexibel bleiben wollten, können sich gegenseitig das Recht einräumen, von einzelnen Klauseln des Vertrags zurückzutreten – oder auch gleich vom ganzen Vertrag. Es empfiehlt sich zudem, vertraglich zu klären, ob und inwieweit die länger lebende Person nachträglich ein abweichendes Testament aufsetzen darf – oder an die gemeinsamen Verfügungen gebunden bleibt.

Unabhängige Beratung

Das deutsche Erbrecht ist komplex. Wer Fallstricke vermeiden will, sollte sich erbrechtlich beraten lassen. Unabhängige Rechtsberatung vermitteln unter anderen die Deutsche Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge e.V. und die Initiative „Mein Erbe tut Gutes“.

Komplexe Patchwork-Konstellationen

Kompliziert kann es vor allem in Patchwork-Familien werden. Weil die Konstellationen sehr unterschiedlich sind, rät Anwältin Simone Beuger dazu, bei jedem konkreten Fall genau zu betrachten, welche Konsequenzen das Erbrecht vorsieht. Beispielsweise wollen Eltern meist alle Kinder gleichbehandeln – die eigenen ebenso wie die des Partners. Die gesetzliche Erbfolge berücksichtigt jedoch lediglich leibliche und adoptierte Kinder.

„Wer wie viel vom Nachlass erhält, hängt im gesetzlichen Erbrecht sehr stark von der Reihenfolge des Versterbens ab – und von der Frage, ob die Partner verheiratet waren oder nicht“, so Beuger. „Die rechtlichen Konsequenzen daraus entsprechen oft nicht dem, wie man miteinander lebt und sich wünscht, dass der Nachlass einmal verteilt wird.“ Ein Beispiel: Ein verheiratetes Paar mit einem Kind aus einer früheren Beziehung lebt in einer Zugewinngemeinschaft. Verstirbt der leibliche Elternteil zuerst, erben Ehepartner und Kind in der Regel zu je 50 Prozent. War das Paar hingegen nicht verheiratet, erbt das leibliche Kind alleine alles.

Bei unverheirateten Lebensgefährten empfiehlt es sich daher, Vor- und Nacherben zu bestimmen. Soll eine Immobilie vererbt werden, kann etwa ein lebenslanges Wohnrecht für den länger lebenden Partner festgeschrieben werden. Für diese Regelungen rät Simone Beuger jedoch, zuvor eine rechtliche Beratung einzuholen.

Für den guten Zweck

Auch das ist möglich: Ein unverheiratetes Paar lebt in einer gemeinsamen Eigentumswohnung. Um den länger Lebenden nicht mit der Erbschaftssteuer zu belasten, hinterlassen sie jeweils ihren Teil der Wohnung einer gemeinnützigen Organisation und räumen dem anderen den lebenslangen Nießbrauch mit allen Verpflichtungen ein. Nach dem Tod des länger Lebenden fällt auch dessen Teil an den guten Zweck.

Das Finanzamt nicht vergessen

Auch der Fiskus behandelt unverheiratete Lebensgefährten steuerrechtlich wie fremde Personen. Während Eheleute von hohen Freibeträgen profitieren, können Unverheiratete lediglich 20.000 Euro geltend machen. Alles Vermögen, das darüber liegt, muss versteuert werden, mit Steuersätzen von 30 bis 50 Prozent. „Diese Steuernachteile lassen sich unter Umständen abmildern“, erläutert Beuger, „etwa durch Schenkungen zu Lebzeiten oder, indem man Privat- in Betriebsvermögen umwandelt.“

Ohne Trauschein und in Patchwork-Familien kann man sich also nicht früh genug um ein Testament kümmern, damit der letzte Wille auch wirklich umgesetzt wird. Der Rat von Simone Beuger: „Sobald sich eine Beziehung zu einer dauerhaften Lebensgemeinschaft entwickelt, sollte man sich damit auseinandersetzen. Vor allem wenn Kinder und Immobilien im Spiel sind.“ Rosi Fischer und Jürgen Klein können dem nur zustimmen. Dass sie sich in der Zeit schwerer Krankheit auch mit rechtlichen Fragen rund ums Erbe beschäftigen mussten, hat das Paar viel Kraft gekostet. Heute sind sie froh, alles geregelt zu wissen.

* Namen auf Wunsch geändert.

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Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 14: VERTRAUEN. USA. New Rochelle, NY. 1953: Ein Kleinkind, gehalten von Vater und Mutter. Symbolbild. Vertrauen ist die Basis für den Zusammenhalt, stärkt Bindungen, schafft Einigkeit. Auch wer mit dem Erbe Gutes tun möchte, braucht Vertrauen. Foto: Eliott Erwitt / Magnum Photos / Agentur Focus

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TEXT: Lars Klaaßen
FOTOS: SBphoto/Twenty20, furryzen/Twenty20

Vertrauen lernen: Eine Hand wird ausgestreckt. Symbolbild. Verlorenes Vertrauen lässt sich wiedergewinnen. Eva Schulte-Austum hat dazu 9 Rezepte entwickelt. Ein Ratgeber. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Mr. Nico/photocase.de

Vertrauen lernen: Den richtigen Wolf füttern

Wer schwer enttäuscht oder tief in der Seele verletzt wird, kann das Vertrauen in andere Menschen verlieren. Doch zum Glück lässt sich Vertrauen wieder zurückgewinnen. Das weiß die Wirtschaftspsychologin Eva Schulte-Austum aus eigener Erfahrung – und hat dafür neun Rezepte entwickelt. Denn ohne Vertrauen geht es nicht.

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Vertrauen lernen: Eine Hand wird ausgestreckt. Symbolbild. Verlorenes Vertrauen lässt sich wiedergewinnen. Eva Schulte-Austum hat dazu 9 Rezepte entwickelt. Ein Ratgeber. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Mr. Nico/photocase.de
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Vertrauen lernen: Den richtigen Wolf füttern

Wer schwer enttäuscht oder tief in der Seele verletzt wird, kann das Vertrauen in andere Menschen verlieren. Doch zum Glück lässt sich Vertrauen wieder zurückgewinnen. Das weiß die Wirtschaftspsychologin Eva Schulte-Austum aus eigener Erfahrung – und hat dafür neun Rezepte entwickelt. Denn ohne Vertrauen geht es nicht.

In neun Länder ist Eva Schulte-Austum gereist, mehr als 350 Menschen hat sie interviewt: Forschende, Fachleute aus Politik, Wirtschaft und Medien, Menschen auf der Straße oder im Café. Von allen wollte die Wirtschaftspsychologin wissen: Wie entsteht Vertrauen in uns selbst, in andere und ins Leben und warum ist es so wichtig für unsere Zufriedenheit? Sie bereiste Länder, die zu den vertrauensstärksten der Welt zählen – Norwegen, Schweden und Dänemark, die Niederlande, die Schweiz, Kanada, die USA und Vietnam. Aber auch im eher misstrauischen Deutschland war Schulte-Austum unterwegs.

Aus Erfahrung misstrauisch?

In ihrem Buch „Vertrauen kann jeder“ erzählt sie unter anderem die Geschichte ihres eigenen Misstrauens. Als junges Mädchen wurde Eva Schulte-Austum missbraucht. Obwohl sie liebevolle Menschen um sich hatte, verschloss sie sich immer mehr, war irgendwann körperlich und seelisch am Ende. „Nach einem intensiven Gespräch mit einer Freundin, die viele Jahre älter war als ich, wurde mir klar, was mir zu meinem Glück fehlte: Vertrauen.“ In einem langwierigen Prozess lernte sie, anderen Menschen wieder zu vertrauen, und kämpfte sich so ins Leben zurück. Ihr Fazit: „Wir Menschen sind soziale Wesen und brauchen Beziehungen, um glücklich zu sein. […] Vertrauen ist ein wesentlicher Teil davon.“ Ein gewisses Risiko müsse man dabei in Kauf nehmen: „Wer vertraut, der kann verletzt werden, wer allerdings nicht vertraut, verletzt sich selbst.“

Vertrauen lernen: Eine Hospizmitarbeiterin spricht mit einer schwerkranken Frau. Symbolbild. Vertrauen ist eine Entscheidung zum Glück – und es lässt sich trainieren wie ein Muskel. Ein Ratgeber. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: flaurelll/Twenty20

Misstrauen schützt nicht vor schlechten Erfahrungen

Zunächst werden wir alle mit einer ordentlichen Portion Vertrauen geboren. Das zeigen wissenschaftliche Studien: Während Misstrauen vollständig erlernt ist, sind etwa 30 Prozent unserer Fähigkeit, uns selbst und anderen zu vertrauen, bereits in unseren Genen angelegt. Die restlichen 70 Prozent lassen sich auf persönliche Erfahrungen zurückführen. Genau die können dazu führen, dass manche Menschen das Vertrauen in sich und andere verlernen. So wie Eva Schulte-Austum. Wer von anderen belogen und betrogen wurde, meint womöglich, sich mit Argwohn vor weiteren Verletzungen schützen zu können. Ein Trugschluss. „Misstrauen erhöht das Risiko für schlechte Erfahrungen“, sagt die Wirtschaftspsychologin. „Begegnen wir unserem Gegenüber mit Misstrauen, erzeugen wir in der Mehrzahl der Fälle genau das Verhalten, das wir befürchten.“ Vorbehalte und Zweifel wirken also wie eine selbsterfüllende Prophezeiung und beschwören genau das herauf, was man doch eigentlich vermeiden will.

Neun Rezepte, mit denen Vertrauen gelingt

Wieder an das Gute im Menschen zu glauben, auch in dem Wissen, das Enttäuschungen zum Leben dazugehören, lasse sich trainieren wie ein Muskel. Davon ist Schulte-Austum überzeugt. „Und nicht nur das: Vertrauen folgt klaren Rezepten, die uns den Weg erleichtern und nach denen wir handeln können.“ Sie helfen nicht nur dabei, selbst eine vertrauensvolle Haltung zu entwickeln. Sie liefern auch Anhaltspunkte dafür, auf wen wir zählen können und auf wen eher nicht.

Neun Vertrauensrezepte

  • V – Verschwiegenheit als die Bereitschaft, mit vertraulichen Informationen diskret umzugehen. Eine Kunst des Maßhaltens: „Wer zu diskret ist, wirkt verschlossen. Wer es zu wenig ist, erscheint uns zu offenherzig. Beides macht Menschen skeptisch.“
  • E – Ehrlichkeit in Worten und konkreten Taten. Das heißt auch, Verantwortung für die eigenen Taten zu übernehmen. „Eine Entschuldigung wirkt vertrauensstiftender als eine Rechtfertigung.“
  • R – Respekt als eine wohlwollende Grundhaltung gegenüber anderen, unabhängig von deren Taten und Leistungen. Verbunden mit der Fähigkeit, Grenzen zu erkennen und zu wahren.
  • T – Transparenz schafft Vertrauen. Dazu müssen wir anderen nicht nur Einsicht in unser Handeln gewähren, sondern auch in unsere Gefühle, Erwartungen und Wünsche.
  • R – Reliabilität als beständige Zuverlässigkeit. Es geht darum, möglichst sein Wort zu halten und transparent damit umzugehen, wenn das einmal nicht gelingt. Zuverlässigkeit hängt immer auch mit den Erwartungen des Gegenübers zusammen. In Notlagen erwarten wir z.B. von der guten Freundin emotionalen Beistand, vom Chef hingegen kurzfristigen Urlaub.
  • A – Aufrichtigkeit als das Handeln im Einklang mit den eigenen Werten und Prinzipien. Eine Basiszutat ist Integrität: „Integer verhalten sich Menschen, die den Mut haben, das ‚Richtige‘ zu tun, auch wenn es unbequem ist.“
  • U – Unterstützung, egal, ob emotionale oder ganz praktische, reduziert das Risiko, enttäuscht zu werden. Hilfsbereiten Menschen ist daran gelegen, dass es einem gut geht. „Unterstützung stillt zudem das menschliche Grundbedürfnis nach Nähe und Zugehörigkeit.“
  • E – Empathie als die Fähigkeit, mit anderen mitzudenken, mitzufühlen, sich einzulassen und angemessen zu reagieren. „Unser Einfühlungsvermögen hilft uns sehr, die Vertrauensfallen im Alltag leichter zu erkennen und sie klug zu meiden.“ Denn es ermöglicht uns, zwischen den Zeilen zu lesen, die Gedanken, Gefühle und Erwartungen unseres Gegenübers zu erkennen.
  • N – Neutralität als Fähigkeit, Menschen möglichst vorurteilslos zu begegnen, sie gerecht und anständig zu behandeln –­ und ihnen einen Vertrauensvorschuss zu geben.

Doch warum fällt es manchen Menschen leichter, Vertrauen aufzubauen, als anderen? Eine Antwort liefert der Schweizer Shaolin-Mönch Shi Xing Mi: „Jeder von uns trägt zwei Wölfe in sich. Der eine heißt Vertrauen, der andere Misstrauen.“ Jeden Tag würden beide miteinander kämpfen, mal setze sich der eine durch, mal der andere. Doch am Ende gewinne der Wolf, den man füttere.

In der richtigen Dosis

„Vertrauen beginnt immer mit einem ersten Schritt: der Entscheidung zu vertrauen“, ist Eva Schulte-Austum überzeugt. „Nur wenn wir anderen prinzipiell trauen, können sie unser Vertrauen bestätigen.“ Unsere Entscheidung für oder gegen Vertrauen hänge weniger von dem ab, was wir erleben, sondern von dem, was wir daraus machen. Die neun Rezepte sollen dabei helfen, klug in Vorleistung zu gehen – Vertrauen zu investieren, statt es einzufordern.

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Vertrauen lernen: Cover des Buches „Vertrauen kann jeder“ von Eva Schulte-Austum. Vertrauen ist eine Entscheidung – und es lässt sich trainieren wie ein Muskel. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Knaur-Verlag, Sincerely Media/Unsplash

Eva Schulte-Austum: Vertrauen kann jeder. Das Rezeptbuch für ein erfülltes Leben. Vertrauen ist eine Entscheidung – und es lässt sich trainieren wie ein Muskel. Wie das gelingt, erklärt die Wirtschaftspsychologin Eva Schulte-Austum in ihrem Buch. Erschienen bei Knaur, 2019.

TEXT: Kristina Simons
FOTOS: Mr. Nico/photocase.de, flaurelll/Twenty20, Knaur-Verlag, Sincerely Media/Unsplash

Nachlassberatung: Eine Beraterin spricht mit ihrer Klientin. Wer möchte, dass sein Testament rechtssicher ist, sollte sich beraten lassen. Anwalt, Notar, Steuerberater, Bank – wer hilft bei welchen Fragen? Ein Überblick. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: chetverinka via Twenty20

Nachlassberatung: Auf wen Verlass ist

Ein Testament mit komplexen Regelungen zu formulieren, ist eine Herausforderung. Wer sicher gehen will, dass der letzte Wille rechtssicher ist und tatsächlich einmal umgesetzt wird, sollte sich beraten lassen. Anwalt, Notar, Steuerberater, Bank oder gemeinnützige Organisation - wer hilft bei welchen Fragen? Ein Überblick.

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Nachlassberatung: Auf wen Verlass ist

Ein Testament mit komplexen Regelungen zu formulieren, ist eine Herausforderung. Wer sicher gehen will, dass der letzte Wille rechtssicher ist und tatsächlich einmal umgesetzt wird, sollte sich beraten lassen. Anwalt, Notar, Steuerberater, Bank oder gemeinnützige Organisation - wer hilft bei welchen Fragen? Ein Überblick.

Papier und Stift, mehr braucht man nicht, um ein handschriftliches Testament zu verfassen. Damit es gültig ist, gibt es nur wenige formale Dinge zu beachten – theoretisch. In der Praxis ist von solch einem eigenhändigen Testament ohne Beratung oftmals abzuraten. Das deutsche Erbrecht ist kompliziert. Es drohen viele Fallen, die später einmal den Erben große Probleme bereiten und für Streit sorgen können. Gerade wer höhere Vermögenswerte und Immobilien hinterlässt und einen größeren Personenkreis bedenken möchte, sollte sich Hilfe holen. Aber wo findet man unabhängige Beratung und wer ist der richtige Ansprechpartner?

Nachlassberatung: Zwei Personen beraten neben Laptops über Notizen. Symbolbild. Wer möchte, dass sein Testament rechtssicher ist, sollte sich beraten lassen. Anwalt, Notar, Steuerberater, Bank – wer hilft bei welchen? Ein Überblick. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Scott Graham on Unsplash

Steuerberatung für finanzielle Fragen

Eine gut geplante Vermögensnachfolge ist Vertrauenssache. Mit Blick auf finanzielle Fragen ist deshalb oft die Steuerberaterin oder der Steuerberater die erste Adresse. Sie haben bereits einen guten Einblick in die persönlichen und in die Vermögensverhältnisse. Wer die Erbschafts- und Schenkungssteuer und die entsprechenden Freibeträge für seine Nachfahren mitbedenken möchte, erhält hier Informationen darüber, wie man den Nachlass am besten aufteilt. Auch für die Weitergabe von Betriebsvermögen ist die steuerrechtliche Beratung wichtig.

Erbrechtliche Beratung nur vom Anwalt

Steuerberater kennen sich zwar meistens auch im Erbrecht aus. Die Grenze zur unzulässigen Rechtsberatung ist jedoch schnell überschritten. „Wer ein Testament aufsetzen möchte, sollte daher einen Fachanwalt für Erbrecht aufsuchen“, empfiehlt Jan Bittler, Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge. „Diese Spezialisten bringen umfassendes juristisches Know-how mit, sodass alle Unklarheiten ausgeräumt werden und das Risiko späterer rechtlicher Auseinandersetzungen minimiert wird.“ Wichtig sei auch, dass man zu seiner Anwältin oder seinem Anwalt ein Vertrauensverhältnis aufbaut, betont Bittler. „Bei der Suche können Freunde und Bekannte hilfreiche Empfehlungen geben. Entscheidend bleibt aber immer der persönliche Eindruck.“

Notar garantiert die richtige Form

Erbrechtsanwältinnen und -anwälte vertreten die Interessen ihrer Klienten. Sie zeigen verschiedene Varianten, wie man seinen letzten Willen formulieren kann, so dass er den eigenen Vorstellungen entsprechend umgesetzt wird. Die Juristen erklären Vor- und Nachteile und geben Empfehlungen. Das Testament zu beurkunden, ist hingegen Aufgabe von Notaren. Sie garantieren, dass das Schriftstück formaljuristisch korrekt ist. Sie sind nicht verpflichtet, über Alternativen aufzuklären, die möglicherweise besser geeignet sein könnten, um den letzten Willen durchzusetzen.

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Wenn’s ums Geld geht – oder um Schulden

Eine Erbschaft besteht in der Regel aus Geld und aus Sachvermögen. „Bei Geld, das auf Konten und in Sparbüchern oder in bar vorhanden ist, ist die Bewertung eindeutig. Nach Abzug eventuell vorhandener Schulden und Verbindlichkeiten steht der Betrag, der vererbt wird, fest“, sagt Thomas Rienecker, Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands. „Bei Sachwerten und Immobilien wird es jedoch schnell etwas komplizierter.“ Hierbei orientiert man sich am Marktwert: bei Autos etwa durch Vergleich in Internetportalen, bei Schmuckstücken oder Kunstgegenständen muss oft ein Gutachter diesen schätzen.

Auch Schulden können vererbt werden. Das können beispielsweise Mietrückstände, Ratenkredite oder Verbindlichkeiten aus Darlehen sein. „Schulden des Erblassers werden vom Wert des Nachlasses abgezogen“, erläutert Rienecker. „Sollte unter dem Strich ein Minus herauskommen, können die Erben das Erbe ausschlagen – allerdings nur innerhalb von sechs Wochen, nachdem sie vom Erbfall erfahren haben.“ Wenn es um Testament und Erbschaft geht, kann also auch ein vertrauensvolles Gespräch mit der Bank oder Sparkasse empfehlenswert sein.

Nachlassberatung: Älteres Paar lässt sich bei Finanzen beraten. Symbolbild. Wer möchte, dass sein Testament rechtssicher ist, sollte sich beraten lassen. Anwalt, Notar, Steuerberater, Bank – wer hilft bei welchen Fragen? Ein Überblick. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: shapecharge/iStock

Für den guten Zweck: miteinander reden

Menschen, die mit dem Erbe einen guten Zweck unterstützen wollen, sollten sich persönlich mit dem Verein oder der Stiftung in Verbindung setzen, den oder die sie fördern wollen. „Dort erhält man allgemeinere Informationen und kann erste wichtige Fragen klären“, erläutert Susanne Anger, Sprecherin der Initiative Mein Erbe tut Gutes. Es ist möglich, genau zu bestimmen, für welchen Zweck das Vermächtnis oder das Erbe verwendet werden soll. „Gemeinnützige Organisationen und Stiftungen sind verlässliche Erben. Man sollte mit ihnen besprechen, ob die gewünschten Fördermöglichkeiten längerfristig existieren, damit der letzte Wille wirklich erfüllt werden kann“, rät Anger. Vereine und Stiftungen übernehmen mitunter auch Aufgaben, die auch sonst oft in die Verantwortung der Erben fallen: Beerdigung, Grabpflege, Wohnungsauflösung oder die Versorgung des geliebten Haustiers. Das persönliche Gespräch ist der beste Weg, um diese Möglichkeiten zu klären.

Eine rechtliche Beratung dürfen gemeinnützige Organisationen und Stiftungen nicht leisten. Oftmals vermitteln sie jedoch Kontakt zur Erbrechtsberatung oder geben Gutscheine für eine Erstberatung aus. „Ein schöner Nebeneffekt ist zudem: Gemeinnützige Organisationen und Stiftungen sind von der Erbschaftssteuer befreit“, so Anger. „Der zugeteilte Nachlass, egal ob klein oder groß, bewirkt Gutes und kommt eins zu eins an.“

Rat und Orientierung

Rat und Orientierung zu einem Erbe für den guten Zweck bietet die Initiative „Mein Erbe tut Gutes“. Hier finden Sie den direkten Kontakt zu vielen Organisationen und Stiftungen. Über die Möglichkeiten der Testamentsgestaltung können Sie sich persönlich auf einer Veranstaltung in Ihrer Nähe informieren.

TEXT: Lars Klaaßen
FOTOS: chetverinka/Twenty20, Scott Graham/Unsplash, shapecharge/iStock

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Billigfleisch auf deutschen Tellern hat einen hohen Preis. Die Massentierhaltung in Deutschland wäre ohne importiertes, billiges Soja nicht möglich. Ein hierzulande gemästetes Schwein verbraucht in Brasilien 144 Quadratmeter Anbaufläche. Noch immer werden in Südamerika riesige Flächen tropischer Wälder vernichtet, mit verheerenden Auswirkungen für die dort lebenden Tiere wie den Jaguar. Die Deutsche Umwelthilfe fordert deshalb einen Stopp des EU-Freihandelsabkommens mit den Mercosur-Staaten, das die Soja-Importe noch ausweiten würde.

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Das tut gut: Frau mit Brustschmerzen. Die Deutsche Herzstiftung fordert eine neue Studie für die Behandlung von Herzschwäche. Die Herzstiftung ist Mitglied der Initiative

Leben mit schwachem Herzen

Die Symptome kommen schleichend und werden zunächst kaum ernst genommen: Atemnot, Leistungsabfall und geschwollene Beine scheinen ganz normale Alterserscheinungen zu sein. Doch Herzinsuffizienz ist eine ernste und tückische Erkrankung. Je früher die Herzschwäche erkannt und behandelt wird, desto günstiger ist ihr Verlauf und desto höher ist die Lebensqualität der Betroffenen. Eine neue, von der Deutschen Herzstiftung unterstützte Studie soll klären, welche Rolle die so genannten Herzglykoside künftig bei der Behandlung spielen könnten.

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Das tut gut: Ein Blick auf die Vjosa. EuroNatur setzte sich mit Erfolg für die Rettung des letzten großen Wildfluss Europas ein. Die Stiftung EuroNatur ist Mitglied der Initiative

Europas letzter wilder Fluss

Sie ist der letzte große Wildfluss in Europa, die Vjosa in Albanien. Ein türkises Band mit breiten Schotterinseln schlängelt sich durch weitgehend unberührte Berge. Seit Jahren beteiligt sich EuroNatur an der Kampagne zur Rettung dieser einzigartigen Landschaft – mit großem Erfolg: Ende September erklärte Albaniens Regierungschef Edi Rama, dass er die Einrichtung eines Vjosa-Nationalparks befürworte und der Umweltminister den geplante Kalivaç-Staudamm ablehne. Damit könnte die Vjosa auch in Zukunft ein frei fließender Fluss bleiben.

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