Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt

No. 7 – ZUKUNFT

Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 7: ZUKUNFT. Schwarzweiß-Aufnahme eines Astronauten, 1989 in Cape Canerveral, USA, die Hand zum Abschied ausgestreckt. Nach uns: Die Zukunft. Foto: © alex webb / Magnum Photos / Agentur Focus
© alex webb / Magnum Photos / Agentur Focus

Editorial

Als ich als Kind die Welt im Jahr 2000 malen sollte, hatte ich klare Vorstellungen von der Zukunft: Alles würde fliegen können, Autos, Bahnen, Menschen. Wir freundeten uns mit faszinierenden Lebewesen auf fernen Planeten an. Als ich älter wurde, bewegten mich große soziale Visionen: eine friedliche und gerechte Welt ohne Armut, geprägt von Freiheit und Selbstverwirklichung für alle Menschen. Ernst Blochs „Das Prinzip Hoffnung“ war ein Bestseller. Martin Luther King rief: „I have a dream“. Nelson Mandela glaubte fest an den Sinn seines Kampfes gegen die Apartheid, schien er auch noch so aussichtslos. Wir blickten voller Zuversicht in die Zukunft.

Heute, so scheint es, sind große Zukunftsvisionen verloren gegangen. Obwohl es uns in Deutschland wirtschaftlich so gut geht, wie lange nicht, haben viele Menschen Sorgen, das Erreichte zu verlieren. Man könnte meinen, Karl Valentin hätte recht, als er sagte: „Die Zukunft war früher auch besser“.

Grund genug, uns in unserem Magazin dem Thema Zukunft zu widmen: Warum haben wir so oft Angst vor dem, was kommt? Wie gewinnen wir Zuversicht? Wie können wir eine gute Zukunft mitgestalten? Vor allem für unsere Kinder und Enkelkinder. Sicher ist: Die Zukunft kommt so oder so. Doch nur wenn wir handeln, nehmen wir Einfluss auf das, was geschieht. Nach uns: Die Zukunft!

Susanne Anger

Sprecherin der Initiative
"Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum"

Impulse

Alles könnte anders sein

Wir blicken mit Angst und Schrecken in die Zukunft. Kaum jemand glaubt heute noch, dass es unseren Kindern einmal besser gehen wird. Doch es gibt gute Gründe für einen Perspektivenwechsel. Nur wer eine Vorstellung von einer lebenswerten Zukunft hat, kann auch etwas verändern.

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Utopien: Kinder, als Astronauten verkleidet, saugen eine Landschaft aus übergroßen Sonnenschirmen. Symbolbild: Alles könnte anders sein. Nur wer eine Vorstellung von der Zukunft hat, kann etwas verändern. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Jan von Holleben

Wissenswertes

Die Kraft der Zuversicht

Wir brauchen einen positiven Blick in Zukunft. Denn wie wir morgen leben, hängt davon ab, wie wir heute handeln. In seinem Buch „Zuversicht“ plädiert der Publizist Ulrich Schnabel deshalb für mehr Gelassenheit und zeigt, wie wir eine Kraft der inneren Freiheit entwickeln. Es geht nicht darum, Schwierigkeiten auszublenden, sondern ihnen standzuhalten.

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Zuversicht: Statue eines Mannes, die Hand an der Stirn, den Kopf nach unten geneigt. Symbolbild: Wir brauchen einen positiven Blick in die Zukunft. Wie man Zuversicht gewinnt, zeigt Ulrich Schnabel im Interview. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: photitos2016 / photocase.de

Menschen

Was bleibt von der
Revolte?

Die 68er hatten viel vor mit der Zukunft. Sie haben rebelliert, provoziert und protestiert – damit etwas Neues entsteht. Was ist geblieben von den Utopien von gestern? Der Alt-68er und Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele erinnert an damalige Missstände, die sich heute keiner mehr vorstellen kann. Mit fast 80 Jahren rät er dazu, auch künftig alle Autoritäten in Frage zu stellen.

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Was bleibt von den 68ern? Hans-Christian Ströbele 2017 in Berlin in seinem Abgeordneten-Büro. Die 68er hatten viel vor mit der Zukunft. Was ist geblieben von den Utopien von gestern? Hans-Christian Ströbele blickt zurück nach vorn. Foto: Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

Unsere Lieblinge

Lesetipp

Lesetipp: Cover des Buches

Die Zukunft ist keineswegs so schwarz, wie wir oft meinen. Im zweiten Sammelband seiner wöchentlichen SPIEGEL-Kolumne „Früher war alles schlechter“ trägt Guido Mingels jede Menge guter Nachrichten zusammen: dass es in Deutschland immer weniger Mord und Totschlag gibt, weniger geklaute Autos und weniger Mütter im Teenager-Alter; oder dass es immer mehr Fahrräder im Verkehr gibt, mehr Frauen in Parlamenten sitzen und weltweit immer mehr Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Überraschende Fakten über den Fortschritt, erzählt in kurzweiligen Texten und einprägsamen Grafiken. Ein nützliches Korrektiv. Es geht Mingels um Ermutigung, entgegen der weit verbreiteten Unzufriedenheit und dem Unbehagen, auf denen der neue rechte Populismus gedeiht.

Guido Mingels: „Früher war alles schlechter 2. Neue Fakten, warum es uns trotz Kriegen, Krankheiten und Katastrophen immer besser geht“. DVA, München 2018. 15 Euro.

Berühmte Testamente: Schwarzweiß-Illustration der Eheleute Ostertag, fiktive Darstellung. Valentin Ostertag hinterließ ein beträchtliches Vermögen. Seine Witwe setze seinen Letzen Willen, Gutes für Bedürftige zu tun, um und gründete die Valentin-Ostertag-Stiftung mit ihrem Testament. Ein Erbe für den guten Zweck. In Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt.
© Valentin-Ostertag-Stiftung

Berühmte Testamente

Margareth und
Valentin Ostertag

Es war eine Zeit des Umbruchs, als Margareth und Valentin Ostertag in Dürkheim die heute älteste private Sozial- und Bibliotheksstiftung schufen. Vor rund 500 Jahren löste die frühe Neuzeit allmählich das Mittelalter ab. Der Jurist Valentin Ostertag hatte es bis zum Berater des römisch-deutschen Königs Maximilian I. gebracht und bei seinem Tod ein beachtliches Vermögen hinterlassen. Erbin wurde seine Frau. Doch sein Wunsch war es, auch Gutes für die Bedürftigen seiner Heimatstadt zu tun.

Es war seine Witwe, die Valentin Ostertags Willen geschickt in den neuen Zeiten umsetzte. In den ersten Versionen ihres Testaments entwarf Margareth noch eine religiöse Almosenstiftung. Die Empfänger sollten danach für das Seelenheil der Stifter beten. Doch die kluge und selbstbewusste Frau nahm noch einmal Änderungen vor. Das letzte Testament 1529 war schließlich vom aufkommenden Humanismus geprägt und bestimmte Studienstipendien für Arme sowie eine Aussteuer für bedürftige Hochzeitspaare. Die Dürkheimer dankten es ihr. Durch ihre Spenden wirkt die Valentin-Ostertag-Stiftung bis heute im Sinne des Gründungspaares.

4.088.680

Die Zahl

Wer kümmert sich um alles, wenn ich dazu nicht mehr in der Lage bin? Wer entscheidet dann zum Beispiel über eine lebensgefährliche Operation? Welche lebensverlängernden Maßnahmen will ich überhaupt? Fragen, die man rechtzeitig klären sollte. Doch: Eine Vorsorgevollmacht, eine Betreuungs- oder eine Patientenverfügung kann nur umgesetzt werden, wenn sie schnell gefunden wird. Über vier Millionen Deutsche haben deswegen ihre Urkunden beim Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer angemeldet – und schon heute für den Notfall vorgesorgt.

Schon gewusst?

Digitales Erbe

Ob E-Mails, soziale Netzwerke, Shopping oder Cloud-Dienste, unsere Daten sind an vielen Orten im Netz gespeichert. Aber was passiert mit ihnen, wenn jemand stirbt? Der Bundesgerichtshof hat das 2018 klargestellt: Der „digitale Nachlass“ ist Teil des Gesamterbes und muss wie ein vererbter Gegenstand behandelt werden. Alle Rechte und Pflichten des Verstorbenen an Online-Diensten gehen auf die Erben über. Um zum Beispiel laufende Verträge, Abos und Mitgliedschaften kündigen zu können, ist es für sie hilfreich, einen Überblick über alle Konten zu haben und die Passwörter zu kennen. Daher sollte man zu Lebzeiten eine Vertrauensperson bestimmen und eine entsprechende Liste anlegen. Noch verbindlicher ist eine Vollmacht „über den Tod hinaus“. Und auch in einem Testament lässt sich der digitale Nachlass regeln.

Michael Beuger, Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE

Ratgeber

Digitaler Nachlass: Schwarzes Handy in einer Hand, Display vom Regen nass. Zu wenige haben geregelt, was mit ihren Daten nach dem Tod passieren sol. Eine Anleitung. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Carlos Santiago on Unsplash

Digitaler Nachlass: So regeln Sie, was mit Daten im Netz passiert

Ein Mensch geht, seine Daten im Netz bleiben. Rechtlich geht der digitale Nachlass an die Erben über. Doch die stehen oft vor dem großen Chaos: Welche Nutzerkonten gibt es? Wie lauten die Passwörter? Wer Angehörigen helfen und zugleich seine Privatsphäre vor unerwünschten Zugriffen schützen will, sollte seinen digitalen Nachlass rechtzeitig regeln.

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Digitaler Nachlass: Schwarzes Handy in einer Hand, Display vom Regen nass. Zu wenige haben geregelt, was mit ihren Daten nach dem Tod passieren sol. Eine Anleitung. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Carlos Santiago on Unsplash
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Digitaler Nachlass: So regeln Sie, was mit Daten im Netz passiert

Ein Mensch geht, seine Daten im Netz bleiben. Rechtlich geht der digitale Nachlass an die Erben über. Doch die stehen oft vor dem großen Chaos: Welche Nutzerkonten gibt es? Wie lauten die Passwörter? Wer Angehörigen helfen und zugleich seine Privatsphäre vor unerwünschten Zugriffen schützen will, sollte seinen digitalen Nachlass rechtzeitig regeln.

Wir kaufen im Internet ein, präsentieren unseren Alltag in sozialen Netzwerken und verwalten online unser Bankkonto. Wir zählen Schritte und Herzschläge mit dem Fitnessarmband, wir kommunizieren über E-Mail und Apps und schauen Filme per Streaming-Abo. Das alles ist bequem. Doch es hinterlässt eine Menge teils sehr persönlicher Daten, die auch nach dem Tod zumeist beim Anbieter verbleiben. Anders aber als bei Geld, Haus, Schmuck oder Auto vergessen viele Menschen, diesen digitalen Nachlass rechtzeitig zu regeln. Laut Branchenverband Bitkom hat nicht einmal jeder Fünfte festgelegt, was mit Online-Konten und Nutzungsrechten nach dem Tod passieren soll.

Digitaler Nachlass: Abbildung eines Laptops, Tastatur und Bildschirm beleuchtet. Stirbt ein Mensch, gehen Nutzerkonten auf Erben über. Gut, wenn man regelt, was mit Daten nach dem Tod passiert. Eine Anleitung. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Markus Petritz on Unsplash

Wie Briefe: Online-Konten gehen auf die Erben über

Auch rechtlich ist der digitale Nachlass Neuland. Im vergangenen Jahr befasste sich der Bundesgerichtshof mit einer Klage, die die Eltern einer Minderjährigen gegen Facebook angestrebt hatten: Das Mädchen war unter ungeklärten Umständen von einer U-Bahn überfahren worden. Die Eltern verlangten Zugang zum Facebook-Konto ihres Kindes, um nach möglichen Hinweisen für einen Suizid zu suchen. Facebook verweigerte dies; der Account war in den sogenannten „Gedenkzustand“ versetzt worden. Selbst mit Passwort gab es keinen Zugriff mehr auf den Chatverlauf. Der Bundesgerichtshof gab schließlich den Eltern recht: Das Benutzerkonto bei einem sozialen Netzwerk ist Teil des Erbes. Alle Rechte und Pflichten des Verstorbenen an Online-Diensten gehen auf die Erben über. Diese können über alle Daten verfügen. Und so gilt dasselbe wie bei Briefen: Wer nicht möchte, dass Erben diese persönlichen Inhalte lesen, sollte seinen digitalen Nachlass rechtzeitig regeln.

Liste aller Konten und Passwörter anlegen und pflegen

Bei einem Todesfall sollten Erben möglichst schnell alle laufenden Verträge, Abonnements und kostenpflichtigen Mitgliedschaften kündigen. Um herauszufinden, welche Verpflichtungen bestehen, hilft meist ein Blick in den E-Mail-Verkehr. Doch selbst dafür ist oft ein Passwort notwendig. Wer gut vorsorgt und Hinterbliebenen langes Suchen ersparen möchte, legt eine Liste mit allen Konten einschließlich der Benutzernamen und der Passwörter an – und hält sie stets aktuell. Am sichersten ist es, diese Daten auszudrucken oder auf einem verschlüsselten USB-Stick zu speichern und in einem Tresor oder Bankschließfach zu hinterlegen. Wichtig ist auch, dass eine Person des Vertrauens weiß, wo sich die Daten befinden.

Liste aller Konten

Ein Muster für eine Liste der Nutzerkonten stellt die Stiftung Warentest bereit. Abgefragt werden Konten und Passwörter für E-Mail-Dienste, soziale Netzwerke, Streaming-Dienste, für den Versandhandel oder das Online-Banking.

Eine Person des Vertrauens bevollmächtigen

Die Verbraucherzentralen empfehlen, den digitalen Nachlass mit Hilfe einer Vollmacht zu regeln. Darin wird eine Vertrauensperson benannt, die sich im Sinne des Erblassers mit allen Aufgaben des digitalen Erbes befasst. Auch ganz konkrete Anweisungen lassen sich in der Vollmacht formulieren: Welche Daten sollen gelöscht, welche Verträge gekündigt werden? Was passiert mit dem Profil in den sozialen Netzwerken, was mit online gespeicherten Dokumenten und Fotos? Und selbst was mit Geräten wie Computer, Smartphones oder Tablets und den darauf gespeicherten Daten geschehen soll, lässt sich in einer Vollmacht festlegen.

Über den Tod hinaus

Eine Vollmacht für den digitalen Nachlass muss handschriftlich verfasst, mit einem Datum versehen und unterschrieben sein. Wichtig ist, dass sie „über den Tod hinaus“ gilt. Eine Vorlage für eine Vollmacht und für mögliche Anweisungen gibt es bei der Verbraucherzentrale NRW.

Vorsicht bei kommerziellen Anbietern

Keine gute Idee ist es, seine Passwörter Unternehmen anzuvertrauen, die digitale Nachlässe kommerziell verwalten. Die Sicherheit solcher Anbieter lasse sich nur schwer beurteilen, warnt die Verbraucherzentrale NRW. Auch Computer, Smartphones und Tablets sollten nicht an kommerzielle Anbieter übergeben werden, die die Geräte nach dem digitalen Nachlass durchsuchen, warnt die Verbraucherzentrale weiter. Dabei drohten viele persönliche Daten an Unbefugte zu geraten.

Facebook, Google, GMX und Co.

Fehlen die Passwörter zu den Online-Konten des Verstorbenen, sind Hinterbliebene auf die Regelungen der Internetanbieter angewiesen. Und die sind sehr unterschiedlich und meist nicht leicht zu durchschauen. Bei GMX und Web.de beispielsweise können Erben gegen Vorlage des Erbscheins Zugriff auf das Postfach erhalten, es weiter betreuen oder löschen. Bei Facebook und Google lässt sich vorsorglich angeben, welche Personen nach dem Tod auf Inhalte zugreifen dürfen. Vor allem bei Google kann das sehr umfangreich sein, wenn man dort E-Mails schreibt, eigene Fotos einstellt, den Kalender nutzt oder auf der Google Plattform YouTube Videos hochlädt. 

Facebook, Google und Co.

Internetanbieter wie Facebook, Xing, Twitter, Flickr, GMX, Web.de und Co. gehen sehr unterschiedlich mit Todesfällen um. Eine Übersicht darüber bietet machts-gut.de. Die Verbraucherzentrale NRW zeigt, wie die Einstellungen bei Facebook und bei Google funktionieren.

Und wenn man gar nicht möchte, dass die Erben auf die persönlichen Daten in E-Mails und in sozialen Netzwerken zugreifen können? Bei vielen Online-Anbietern, darunter auch Facebook, lässt sich schon zu Lebzeiten einstellen, dass das Konto nach dem Tod gelöscht wird. Auch im Testament können die Erben angewiesen werden, alle Nutzerkonten löschen zu lassen. Damit Privates privat bleibt.

Zum Weiterlesen

Digitaler Nachlass: Schriftzug #machtsgut auf türkisfarbenem Hintergrund. Auf machts-gut.de lässt sich testen, wie es um das digitale Erbe steht. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt.

Wie steht es um Ihren digitalen Nachlass? Auf machts-gut.de, einem Angebot der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, lässt sich das testen. Dazu gibt es Tipps und Checklisten, auch für Hinterbliebene.

Text: Lars Klaaßen
Fotos: Carlos Santiago on Unsplash, Markus Petritz on Unsplash

Ausmisten vor dem Tod: Kleiderbügel hängen aufgereiht auf einer Kleiderstange. Was wegwerfen? Was weitergeben? Wer seinen Besitz ordnet, hilft sich und Hinterbliebenen. Margareta Magnusson zeigt, wie es gelingt. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Julian Hochgesang on Unsplash

Ausmisten: Die Kunst, die letzten Dinge des Lebens zu ordnen

Im Laufe eines Lebens sammeln sich eine Menge Dinge an – im Keller, auf dem Dachboden und in vielen Schränken, Schubladen und Regalen. Was davon brauchen wir wirklich? Was möchten wir bewahren, was weitergeben? Wer darüber nachdenkt, was über den Tod hinaus bleiben soll, der bringt auch Ordnung in sein Leben. Margareta Magnusson zeigt wie.

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Ausmisten vor dem Tod: Kleiderbügel hängen aufgereiht auf einer Kleiderstange. Was wegwerfen? Was weitergeben? Wer seinen Besitz ordnet, hilft sich und Hinterbliebenen. Margareta Magnusson zeigt, wie es gelingt. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Julian Hochgesang on Unsplash
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Ausmisten: Die Kunst, die letzten Dinge des Lebens zu ordnen

Im Laufe eines Lebens sammeln sich eine Menge Dinge an – im Keller, auf dem Dachboden und in vielen Schränken, Schubladen und Regalen. Was davon brauchen wir wirklich? Was möchten wir bewahren, was weitergeben? Wer darüber nachdenkt, was über den Tod hinaus bleiben soll, der bringt auch Ordnung in sein Leben. Margareta Magnusson zeigt wie.

Siebzehnmal ist Margareta Magnusson umgezogen. Sie hat viel Erfahrungen damit, was man behalten und was man ausrangieren sollte, egal, ob man in eine neue Wohnung zieht, in ein anderes Land geht oder sich auf den eigenen Tod vorbereitet. Die letzten Dinge des Lebens ordnen – das musste Magnuson zum ersten Mal, als ihre Eltern starben, ein weiteres Mal im Todesfall ihres Mannes. Inzwischen ist die Schwedin selbst, wie sie angibt, „zwischen 80 und 100 Jahre“ alt. Die Frage, was man hinterlässt, wem und wie, betrifft nun ihre eigene Person – für Margareta Magnusson ein guter Anlass, über diese Herausforderung ein Buch zu schreiben.

Im Schwedischen gibt es dafür sogar ein Wort: döstädning. bedeutet Tod, städning heißt aufräumen. Der Begriff beschreibt, dass Menschen ausmisten, aufräumen und die Wohnung neu gestalten, um sich auf das eigene Ende vorzubereiten. Margareta Magnusson betont, dass dies keine traurige Angelegenheit sei, im Gegenteil: Den eigenen Besitz schon zu Lebzeiten zu verkleinern, biete eine schöne Gelegenheit, in Erinnerungen zu schwelgen. Außerdem ist die Schwedin überzeugt: „Je weniger Zeug man hat, desto mehr Zeit bleibt fürs Leben.“ Sie meint damit auch die Angehörigen, denen sie die schmerzliche Last des Ausmistens ersparen möchte.

Ausmisten vor dem Tod: Porträt von Margareta Magnusson. Die Schwedin gibt Tipps, wie man sich im Alter von überflüssigem Kram befreit. Denn je weniger Zeug man hat, desto mehr Zeit bleibt fürs Leben. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Stina Stjernkvist / TT / picture alliance

Je früher, desto besser

Meistens ist es ein Umzug, der einen zwingt, sich mit seinem Hab und Gut zu befassen. Das ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Denn was wir besitzen und wie wir damit umgehen, sagt viel darüber, wer wir sind. Mit unserem letzten „Umzug“, dem Lebensende, möchte sich aber kaum jemand befassen. Margareta Magnusson meint, je früher man sich dem Döstädning widmet, desto besser. Die Schwedin weiß aus eigener Erfahrung: „Früher oder später werden Sie das eine oder andere Zipperlein bekommen, und dann werden Sie froh sein, wenn Sie nicht mehr so viel um die Ohren haben wie früher und einen Haufen Krempel los sind, der Sie nur unnötig belastet hat.“

Das Prozedere kann sich zudem in die Länge ziehen. Nach dem Tod ihres Mannes zog Magnusson aus dem gemeinsamen Haus in eine kleinere Wohnung: „Das Leeräumen dauerte fast ein ganzes Jahr.“ Es sei gut, sich Zeit zu nehmen. Dabei solle aber nicht vergessen werden, das gewohnte Leben weiterzuführen und für sich selbst zu sorgen.

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Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 7: ZUKUNFT. Schwarzweiß-Aufnahme eines Astronauten, 1989 in Cape Canerveral, USA, die Hand zum Abschied ausgestreckt. Nach uns: Die Zukunft. Foto: © alex webb / Magnum Photos / Agentur Focus

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Erste Erfolge: mit Freunden und im Kleiderschrank

Sich zu sortieren und unnötigen Ballast abzuwerfen, wird einfacher, wenn man andere hinzuzieht: „Erzählen Sie Angehörigen und Freunden von Ihrem Vorhaben“, rät die Schwedin. Einerseits können diese helfen, schwere Sachen an einen anderen Platz zu tragen, oder Dinge mitnehmen, die nicht mehr gebraucht werden. Eine große Erleichterung sei es zudem, eine zweite Meinung einzuholen: „Ratschläge oder auch nur die Ansicht von jemandem, der in einer ähnlichen Situation ist oder jünger ist als Sie und die Dinge aus einer anderen Perspektive sieht, können hilfreich sein.“

Eine wichtige Frage ist außerdem: Wo fange ich an? Man sollte sich die ersten Schritte nicht zu schwer machen, meint die Autorin. „Ich wähle als erste Kategorie stets die Kleider. Für mich eine einfache Kategorie.“ Hingegen mit Fotos oder Briefen anzufangen, sei wenig ratsam: Zu viele persönliche Dinge hingen daran, für die man sich Zeit nehmen müsse.

Es geht um Gefühle

Wie Margareta Magnusson werden die meisten Menschen die letzten Dinge des Lebens nicht zuerst bei sich selbst, sondern bei anderen ordnen müssen. Daher empfiehlt die Autorin, die Eltern beizeiten auf das Thema anzusprechen: mit „Taktgefühl“, „möglichst behutsam und fürsorglich“. Egal, ob es um andere gehe oder um einen selbst, Döstädning bedeute mehr, als einfach Dinge wegzuwerfen: „Es geht um Gefühle!“ Wie viel von unserem Leben und unseren Gefühlen in den zuhause angesammelten Gegenständen steckt, das ist von Mensch zu Mensch verschieden. Während sich der eine am wohlsten in einer Wohnung voller Andenken und geliebter Objekte fühlt, löst das beim anderen Platzangst aus. Wer ausmisten will, kann von anderen lernen, deren Wohnung minimalistisch eingerichtet ist.

Dennoch wird es immer Gegenstände geben, die für andere belanglos sind, einem persönlich aber sehr wichtig. Solche Dinge packt Magnusson in ihre Wegwerfschachtel mit der Aufschrift „Privat: wegwerfen“. Die Autorin ahnt schon, dass ihre Kinder dort hineinsehen werden: „Sie können aber auch darauf verzichten.“

Wer wird den Krempel entsorgen?

Übrigens warnt die Schwedin davor, zu denken: „Ich habe keine Kinder, also brauche ich nicht auszumisten.“ Denn auch wenn es nicht die eigenen Kinder sind, „irgendjemand wird Ihren Krempel wegräumen müssen, wenn Sie einmal nicht mehr da sind. Und wer immer es sein wird, er wird es als eine Last empfinden“. Döstädning – das bedeutet nicht nur, sich selbst von unnötigem Zeugs zu befreien, sondern genauso auch, andere zu entlasten. Und auch wenn es etwas Tröstliches hat, seinen Lieben etwas zu hinterlassen, gibt Magnusson zu bedenken: „Ein Mensch, der Sie liebt, möchte schöne Dinge von Ihnen erben, nicht Ihren ganzen Krempel.“

Tipps von Magareta Magnusson

Wer einmal die Wohnung eines Verstorbenen ausgeräumt hat, weiß, wie schmerzlich das sein kann. Margareta Magnusson ruft deshalb dazu auf, sich vorher von überflüssigem Kram zu befreien. „Je weniger Zeug man hat, desto mehr Zeit bleibt fürs Leben“, sagt sie. Und so geht’s:

  • Kleider, die nicht mehr passen, die selten oder nie getragen werden, können weg. Das ist mehr als man anfangs glaubt.
  • Bücher lassen sich schwer verkaufen. Laden Sie Freunde ein, um sie zu verschenken. Exemplare mit Widmungen noch einmal durchblättern – und dann auch weggeben.
  • Besteck und Geschirr benötigt man nur in dem Umfang, wie Gäste an den Esstisch passen.
  • Sammlungen aller Art (Stofftiere, Bilder etc.) lassen sich auf ein Lieblingsstück (oder wenige) reduzieren.
  • Fotos und Briefe lassen sich digitalisieren um Platz zu schaffen. Nicht unbedingt alle, eine Auswahl reicht, der Rest kann weg. Ein Scanner und ein Aktenvernichter helfen.
  • Bei Dingen, die vermutlich nicht nur persönlich von Wert sind, empfiehlt es sich, einen Gutachter hinzuzuziehen.
  • Ein Buch, in dem alle Internet-Passwörter aufgelistet sind, erleichtert es, Ordnung im digitalen Nachlass zu schaffen.

Margareta Magnusson: „Frau Magnussons Kunst, die letzten Dinge des Lebens zu ordnen“. Erschienen im Fischer Verlag, 2018.

Text: Lars Klaaßen
Fotos: Julian Hochgesang on Unsplash, Stina Stjernkvist /picture alliance/TT

Vermächtnis: Ein roter Apfel liegt in einer Hand, im Hintergrund unscharfes Grün. Symbolbild: Per Testamentsspende lässt sich auch mit kleinen Beträgen mit dem Erbe Gutes tun. Darauf sollte man achten. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Kari Shea on Unsplash

Nach mir: Ein Vermächtnis für die Zukunft

Der Ring für die Enkelin, eine Testamentsspende für den Naturschutz oder die lebenslange Nutzung eines Hauses: Mit einem Vermächtnis lässt sich ein Teil des Erbes an eine bestimmte Person oder Organisation übertragen. Was unterscheidet ein Vermächtnis von einer Erbschaft? Und welche Formulierungen helfen, Missverständnisse zu vermeiden?

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Vermächtnis: Ein roter Apfel liegt in einer Hand, im Hintergrund unscharfes Grün. Symbolbild: Per Testamentsspende lässt sich auch mit kleinen Beträgen mit dem Erbe Gutes tun. Darauf sollte man achten. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Kari Shea on Unsplash
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Nach mir: Ein Vermächtnis für die Zukunft

Der Ring für die Enkelin, eine Testamentsspende für den Naturschutz oder die lebenslange Nutzung eines Hauses: Mit einem Vermächtnis lässt sich ein Teil des Erbes an eine bestimmte Person oder Organisation übertragen. Was unterscheidet ein Vermächtnis von einer Erbschaft? Und welche Formulierungen helfen, Missverständnisse zu vermeiden?

Meistens sind es die eigenen Kinder, unter denen ein Erbe gerecht aufgeteilt werden soll. Aber vielleicht gibt es daneben noch andere, die man bedenken oder unterstützen möchte: beispielsweise eine mittellose Schwester, deren Mietzahlungen auch nach meinem Ableben weiterlaufen sollen, eine Hilfsorganisation, die wichtige Arbeit leistet, oder die Enkelin, die den schönen Lapislazuli-Ring bekommen soll. Es braucht kein großes Vermögen, auch mit kleinen Beiträgen lässt sich Gutes für die Zukunft bewirken.

Vermächtnis: Großmutter, Tochter und Enkelkinder sitzen an einem Tisch unter Apfelbäumen. Symbolbild: Mit einer Testamentsspende lässt sich Bleibendes schaffen, dass immer wieder Früchte trägt. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Marissa Price on Unsplash

Wenn der Nachlass auf verschiedene Begünstigte aufgeteilt werden soll, ist ein Vermächtnis eine gute Möglichkeit. „Vermächtnisse kommen häufig in Testamenten vor“, sagt Rechtsanwalt Jan Bittler von der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge. „Vermacht werden kann praktisch alles: ein Grundstück oder Teile eines Grundstücks, Gegenstände wie Autos oder Bücher, natürlich auch Geld, Aktien oder die Zahlung einer Rente.“

Nur als Teil eines Testaments

Das Vermächtnis steht jedoch nicht für sich allein. Es muss in ein Testament oder einen Erbvertrag eingebunden sein. Der Erbvertrag ist im Gegensatz zum Testament eine Übereinkunft, der beide Seiten zustimmen müssen, also auch derjenige, der etwas bekommt und dafür möglicherweise eine Gegenleistung erbringen muss. Wenn es weder ein Testament noch einen Erbvertrag gibt, gilt nach deutschem Recht die gesetzliche Erbfolge. Und die kennt keine Vermächtnisse. Gesetzliche Erben können nur Kinder und Verwandte sein.

Gesetzliche Erbfolge

Wer seinen Nachlass nach seinen Wünschen gestalten möchte, braucht ein Testament. Andernfalls gilt die gesetzliche Erbfolge. Welche Angehörigen erbberechtigt sind und wer in welcher Reihenfolge erbt, erklärt die Initiative „Mein Erbe tut Gutes“ auf ihrer Interseite.

Auf die Formulierung kommt es an

Wie aber soll ich ein Testament schreiben, damit klar ist, wer Erbe wird und wer ein Vermächtnis bekommt? Und was passiert, wenn ich ein sehr wertvolles Vermächtnis bestimmen will? „In dem handschriftlich verfassten Schriftstück mit der Überschrift ‚Mein Testament’ sollte man klare Zuordnungen treffen und zum Beispiel schreiben: Erben sind meine Kinder. Ich möchte lediglich Folgendes regeln: Die Organisation XY soll 5.000 Euro erhalten.“, erklärt Rechtsanwalt Bittler. Der Vermächtnisnehmer wird mit Namen und Anschrift genau bezeichnet. Gültig ist das Testament erst mit Unterschrift, Ort und Datum.

Vermächtnisnehmer sind keine Erben

Entscheidend ist also, ob ich jemandem zunächst mein ganzes Hab und Gut vermachen will – dann ist er auch mein Erbe. Er wird mein Rechtsnachfolger und übernimmt so auch mögliche Schulden. Wer nur einzelne Gegenstände oder bestimmte Anteile bekommt, ist Vermächtnisnehmer. Das gilt auch dann, wenn es sich bei dem zugesprochenen Teil um ein teures Grundstück am Starnberger See handelt. Bei einem größeren Vermögen und komplizierten Fällen empfiehlt es sich, fachanwaltliche Beratung suchen und einen Testamentsvollstrecker zu bestimmen, der den Willen des Erblassers umsetzt. „Zurzeit bin ich als Testamentsvollstrecker für eine Dame tätig, die ihre zwei Nichten als Erbinnen bestimmt hat. Hier muss unter anderem eine Immobilie verkauft werden, ein Drittel des Erlöses soll als Vermächtnis an eine gemeinnützige Organisation gehen“, erzählt Jan Bittler. Der Ehemann der Erblasserin war an ALS erkrankt. Für ihr Vermächtnis bestimmte sie eine Stiftung, die sich im Kampf gegen ALS engagiert.“

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Ein Gericht benachrichtigt die Vermächtnisnehmer

Damit das Testament später auch gefunden wird, gibt man es am besten in amtliche Verwahrung. Zuständig ist das Nachlassgericht beim Amtsgericht des Wohnortes. Im Erbfall eröffnet das Gericht dann das Testament. Das bedeutet, dass die Erben und auch die Vermächtnisnehmer einen Brief erhalten. Dem liegt das Testament bei bzw. für den Vermächtnisnehmer ist es der entsprechende Abschnitt über den letzten Willen des Verstorbenen. Jetzt kann sich der Vermächtnisnehmer an die Erben wenden und das Vermächtnis einfordern. Einen Erbschein braucht er dafür nicht. Ab der Testamentseröffnung bleiben drei Jahre Zeit, das Vermächtnis bei den Erben einzufordern. Bei Grundstücken verjährt der Anspruch nach zehn Jahren. Die Erben sind gesetzlich verpflichtet, den Ring, die Geldsumme oder die Wertpapiere herauszugeben. Tun sie das nicht, bleibt nur der Weg, das Vermächtnis vor Gericht einzuklagen.

Rat und Service

Rat und Service rund ums Erbe bietet die Initiative „Mein Erbe tut Gutes“ auf ihrer Internetseite. Hier erfahren Sie auch, wie Sie ein Vermächtnis für den guten Zweck hinterlassen.

Der Pflichtteil Enterbter belastet auch das Vermächtnis

Es gibt einen Spezialfall, der bei Vermächtnissen oft übersehen wird. Gibt es nämlich enterbte Angehörige, die ihren Pflichtteil einfordern, muss sich der Vermächtnisnehmer an der Bezahlung des Pflichtteils mit der Quote beteiligen, mit der er insgesamt am Nachlass beteiligt ist. „Das Erbe beträgt zum Beispiel 100.000 Euro. Den einzigen Sohn habe ich enterbt, als Alleinerben den Nachbarn eingesetzt, weil der sich um mich gekümmert hat und dann habe ich noch ein Vermächtnis von 10.000 Euro an eine Organisation ausgesprochen“, erläutert Anwalt Bittler. Wenn jetzt der Sohn seinen Pflichtteil geltend macht, bekommt er die Hälfte des Nachlasses, das sind 50.000 Euro. „Weil die gemeinnützige Organisation einen Zehntel des Nachlasses erhält, muss sie sich auch mit einem Zehntel am Pflichtteil beteiligen. Sie kann also nur 5.000 Euro vom Alleinerben fordern.“ Wer das verhindern will, muss ausdrücklich in seinem Testament anordnen, dass der Vermächtnisnehmer sich nicht am Pflichtteil beteiligen muss.

Viele Begünstigte statt nur eines Erben

Mit einem Vermächtnis lässt sich ein Erbe gezielt auf mehrere Begünstigte verteilen – und damit auch verschiedene Bedürfnisse erfüllen. Die Enkelin freut sich wie niemand anderes über den schönen Ring und wird das Erbstück gerne tragen. Und wenn eine Stiftung oder gemeinnützige Organisation 1.000 Euro erhält, hört sich das vielleicht bescheiden an. Aber viele kleine Beträge ergeben zusammen eine Summe, mit der sich Großes bewegen lässt.

Text: Angelika S. Friedl
Fotos: Kari Shea on Unsplash, Marissa Price on Unsplash

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Das tut gut: Die 19-jährige Sheela präsentiert lachend ihre Lehrbücher. Sie ist eine der jungen Frauen, die ChildFund in Indien dabei unterstützt, eine höhere Bildung zu erlangen. Das Kinderhilfswerk ist Mitglied der Initiative „Mein Erbe tut Gutes“. Foto: Jake Lyell / ChildFund

Frauen gestalten Zukunft

Sheela möchte Krankenschwester werden, doch ihre Familie kann die Ausbildung nicht bezahlen. In Indien geht es vielen Mädchen so, traditionell werden vor allem Söhne gefördert. Mit der Initiative „Gesichter der Hoffnung“ unterstützt ChildFund begabte Mädchen. Das Kinderhilfswerk übernimmt alle Kosten während des Studiums oder der Ausbildung und stellt den Mädchen Berater zur Seite. Eine wichtige Investition in die Zukunft, denn gebildete Frauen heiraten später, sind besser vor Armut geschützt und gestärkt für ein selbstbestimmtes Leben.

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Das tut gut: Kleinbauern in Simbabwe schauen gemeinsam auf ein Smartphone. Mit der App Kurima Mari der Welthungerhilfe Kleinbauern lernen sie Anbaumethoden zu verbessern. Die Welthungerhilfe ist Mitglied der Initiative „Mein Erbe tut Gutes

Kurima Mari, eine App fürs Feld

Bei den Kleinbauern in Simbabwe sind die Straßen schlecht und die Wege lang. Wichtige Informationen, dass etwa heftige Regenfälle bevorstehen oder eine Tierseuche sich in der Region ausbreitet, kommen nur langsam bei ihnen an. Deswegen hat die Welthungerhilfe eine spezielle Smartphone-App entwickelt. Neben aktuellen Meldungen und Kontaktdaten finden sich darauf auch Schulungsvideos und Handbücher für verbesserte Anbaumethoden und Viehzucht. Kurima Mari heißt die App, „mit Landwirtschaft Geld verdienen“, und genau das ist das Ziel.

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Das tut gut: Ein Gruppe junger Tischler im syrischen Arbin. In der Werkstatt der Johanniter lernen 25 Jugendliche das Tischlerhandwerk. Die Johanniter-Unfall-Hilfe ist Mitglied der Initiative „Mein Erbe tut Gutes“. Foto: EPDC/JUH

Junge Tischler in Syrien

Die syrische Stadt Arbin in der Region Ost-Ghuta war einst berühmt für die kunstvollen Möbel mit Perlmutt, die hier hergestellt wurden. An diese Tradition knüpft nun die Johanniter-Auslandshilfe beim Wiederaufbau an. Zusammen mit der Partnerorganisation St. Ephrem Patriarchal Development Committee wurde eine Tischlerwerkstatt wieder aufgebaut. 25 Jugendliche erlernen hier einen Beruf, der ihnen auch in Zukunft ein Einkommen sichert: Sie bauen Türen, Fenster und Möbel, die in der kriegszerstörten Stadt dringend benötigt werden.

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Das tut gut: Tierärztin Dr. Anca Tomescu rettet ein Kälbchen nach einer Überschwemmung im indischen Chennai. Die Tiernothilfe-Teams von VIER PFOTEN sind weltweit im Einsatz. Die Stiftung ist Mitglied der Initiative

Tiere retten, Menschen helfen

Der Hurrikan in Puerto Rico, das Erdbeben auf Lombok, der Bürgerkrieg in Syrien: Bei Naturkatastrophen und in Krisen- oder Kriegsgebieten geraten auch viele Tiere in Gefahr. VIER PFOTEN hat zwei Nothilfe-Teams aus Tierärzten, Rettungskräften und Katastrophenmanagern weltweit im Einsatz. Sie versorgen die Tiere in Notgebieten mit Wasser, Nahrung und Medizin, und helfen damit auch den Menschen. Die Rettung von Nutztieren sichert vielen Betroffenen die Existenzgrundlage. Haustiere geben Trost und helfen, in die Normalität zurückzukehren.

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