Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt

No. 5 – ENTSCHEIDEN

© peter marlow / Magnum Photos / Agentur Focus

Editorial

Entscheidungen, jeden Tag treffen wir unzählige. Kleine, größere und auch solche, die lange wirken oder das ganze Leben umdrehen. Ja oder nein? Rechts oder links? Soll ich es wagen oder lieber nicht? Wir alle kennen diese Zweifel und nicht zuletzt die Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen. Aber auch die Erleichterung und Zufriedenheit, wenn wir den Entschluss endlich gefasst haben.

Forscher beginnen gerade erst zu verstehen, was bei Entscheidungen in uns vorgeht, und warum sie uns oft schwer fallen. Lange dachte man, es komme vor allem auf den Verstand an. Inzwischen weiß man: Ohne Gefühl ist selbst der Verstand hilflos. Und je wichtiger eine Entscheidung ist, desto mehr ist eine gute Balance von Kopf und Bauch gefragt.

Entscheiden ist deshalb das Thema dieser Ausgabe. Wir lassen Menschen zu Wort kommen, die sich längst entschieden haben, etwas Bleibendes zu hinterlassen. Wir fragen nach, wie man zu guten Entscheidungen kommt. Und wir bieten praktische Entscheidungshilfen für den Letzten Willen. Viel Stoff für Herz und Verstand – und für gute Entscheidungen. Selbst wenn wir nie ganz sicher wissen, ob diese der beste Weg zum Glück sein werden. Zumindest können wir uns nichts vorwerfen. Schließlich handeln wir verantwortungsbewusst nach bestem Wissen und Gewissen.

Susanne Anger

Sprecherin der Initiative
"Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum"

Impulse

Entscheide dich! Aber wie?

Jeden Tag stehen wir vor unzähligen Entscheidungen. Besonders schwer fallen oft weitreichende Entschlüsse, die sich kaum mehr umkehren lassen. Zum Glück gibt es kluge Wege, um zu einer guten Entscheidung zu kommen. Der Kopf ist wichtig. Und die Intuition hilft uns dabei.

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Gut entscheiden: Eine Frau steht vor vollen Supermarktregalen, Draufsicht. Symbolbild: Unzählige Entscheidungen treffen wir jeden Tag. Für eine gute Entscheidung braucht es Verstand und Intuition, Bauch und Kopf. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Bernard Hermant/Unsplash

Menschen

„Es geht darum, sich menschlich zu verhalten.“

Wie kommt jemand dazu, sich zu engagieren und einen Teil seiner Lebenszeit und auch seines Geldes für andere zu geben? Ein Gespräch mit drei Menschen, die Haltung zeigen und Werte weitergeben. Sie blicken in ihre Vergangenheit, berichten von ihren Erfahrungen und erzählen, was von ihnen bleiben soll.

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Entschieden, Gutes tun: Heike von Lützau-Hohlbein im Gespräch. Seit Mutter und Schwiegermutter an Demenz erkrankten, engagiert sie sich bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft – mit Zeit und ihrem Erbe. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Initiative

Wissenswertes

Mit Sachverstand
und Feingefühl

Den Letzten Willen zu formulieren, ist eine komplexe Aufgabe. Wer sicher gehen will, holt sich Hilfe bei Profis. Ob Anwalt, Mediator oder Hilfsorganisation – gute Beratung hat nicht nur rechtliche Aspekte im Blick, sondern auch die ganz persönlichen Entscheidungen.

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Beratung für den Letzten Willen: Lotse auf einem Rollfeld. Symbolbild: Auch für den Letzten Willen zu, kann man sich Hilfe von Profis holen. Anwälte, Mediatoren oder Hilfsorganisationen helfen beim Entscheiden. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: rbstevens/iStock

Unsere Lieblinge

Lesetipp

Lesetipp: Cover des Buches

Der alternde Schriftsteller Christoph begegnet der 20 Jahre jüngeren Schauspielerin Lena, die seiner einstigen Liebe Magdalena verwirrend ähnlich ist. Christoph erkennt in Lena und ihrem Freund Chris seine eigene Vergangenheit. Wie er damals ist auch sein Doppelgänger ein junger erfolgloser Schriftsteller, der ein Buch über seine Freundin schreiben will. Vor 20 Jahren scheiterte die Liebe. Wird sich alles noch einmal wiederholen? Die Liebesgeschichte, die Peter Stamm erzählt, ist ein raffiniertes Verwirrspiel, das nach dem Schicksal fragt. Wie würden wir handeln, wenn wir eine zweite Chance hätten? Wie hätte das eigene Leben verlaufen können? Und wieviel Einfluss haben wir überhaupt darauf?

Peter Stamm: „Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt“. Roman.
Verlag S. Fischer, 2018. 160 Seiten, gebunden. 20,00 Euro.

Das Zitat

Zitat: Schwarzweiß-Porträt des Schriftstellers Elias Canetti. Prinzip Apfelbaum – Magazin über das, was bleibt. Ausgabe: Entscheiden. Foto: picture alliance / IMAGNO/Otto Breicha
© picture alliance / IMAGNO/Otto Breicha
Man weiß nie, was daraus wird,
wenn die Dinge verändert werden.
Aber weiß man denn, was daraus wird,
wenn sie nicht verändert werden?

Elias Canetti

1905-1994, österreichisch-britischer Schriftsteller

© picture alliance / imageBROKER

Berühmte Vermächtnisse

Ernst Abbe

Als Sohn eines Vorarbeiters in einer Spinnerei kannte Ernst Karl Abbe das Elend der Arbeiterschicht. Doch Abbe hatte Glück. Der Spinnerei-Eigentümer finanzierte ihm das Studium, dann erhielt er als junger Physiker einen wichtigen Auftrag bei der Firma Zeiss. Carl Zeiss war so begeistert von Abbe, dass er ihn sogar zum Miteigentümer der Firma machte. Der einstige Arbeitersohn wurde ein erfolgreicher Unternehmer, der seine soziale Verantwortung nicht vergaß. 1889 gründete Ernst Abbe die Carl Zeiss-Stiftung, die heute wohl älteste unternehmensverbundene Stiftung Deutschlands, und machte sie zur alleinigen Eigentümerin der Firma. Mit seinem Stiftungsstatut sicherte Abbe die Umsetzung seiner Ziele auch nach seinem Tod. Er sorgte für das Wohlergehen der Mitarbeiter – bei Zeiss wurden Kranken- und Urlaubsgeld, Pensionszahlungen, Beteiligung am Ertrag und schließlich der Achtstundentag eingeführt, Reformen, mit denen Abbe seiner Zeit weit voraus war. Außerdem regelte er, wie künftige Unternehmensgewinne die Wissenschaft fördern sollten. Die Stiftung wurde zum wichtigsten Geldgeber der Jenaer Universität, der Ernst Abbe seinen Aufstieg zu verdanken hatte.

20.300.000

Die Zahl

So viele Urkunden sind derzeit im Zentralen Testamentsregister gespeichert. Bei jedem Todesfall in Deutschland geht automatisch eine Anfrage an dieses “Verzeichnis der letzten Entscheidungen“. Kein Testament oder Erbvertrag soll vergessen werden. Immerhin über die Hälfte der Fälle ergibt einen Treffer. Gesetzlich ist es jedem selbst überlassen, wo er sein Testament hinterlegt. Auch wenn es nicht ratsam ist, das Dokument zuhause im Schrank oder in einer staubigen Vase zu verstecken. Schließlich soll der Letzte Wille schnell gefunden und in die Tat umgesetzt werden.

Schon gewusst?

Den Letzten Willen ändern

Es sind die letzten Entscheidungen, doch endgültig sind sie noch nicht. Denn solange man lebt, kann man sein Testament in der Regel noch einmal ändern. Das geht recht unkompliziert: Einzelne Passagen lassen sich – versehen mit Unterschrift, Ort und Datum – einfach handschriftlich ergänzen oder streichen. Bevor das Testament aber durch zahlreiche Zusätze mehr Verwirrung als Klarheit schafft, sollte lieber ein neues verfasst werden. Wer seine Meinung gründlich ändert, kann seinen Letzten Willen ganz widerrufen: entweder vernichten, die Ungültigkeit vermerken oder ein neues Testament schreiben. Und schließlich ist auch der Widerruf des Widerrufs möglich. Schwieriger wird es hingegen bei Ehegatten- oder Gemeinschaftstestamenten. Denn hier müssen in der Regel alle Parteien einer Änderung zustimmen.

Michael Beuger, Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE

Ratgeber

Hilfsorganisationen als Erben: Ein Blick ins Uhrwerk einer Armbanduhr. Symbolbild: Mit Weitblick entscheidet, wer rechtzeitig mit Verein oder Stiftung Kontakt aufnimmt. Das verhindert Fehler im Testament für den guten Zweck. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: benedettodemaio/Twenty20

Organisationen als Erben: Was kann ich erwarten?

Wer sich entscheidet, mit dem Erbe einen Verein oder eine Stiftung zu unterstützen, sollte sich über Wünsche, Erwartungen und Möglichkeiten austauschen. Im persönlichen Gespräch können juristische Formalitäten geklärt werden, aber auch die Frage, wie der Nachlass eingesetzt werden soll. Tipps aus der Praxis für eine Entscheidung mit Weitblick.

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Hilfsorganisationen als Erben: Ein Blick ins Uhrwerk einer Armbanduhr. Symbolbild: Mit Weitblick entscheidet, wer rechtzeitig mit Verein oder Stiftung Kontakt aufnimmt. Das verhindert Fehler im Testament für den guten Zweck. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: benedettodemaio/Twenty20
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Organisationen als Erben: Was kann ich erwarten?

Wer sich entscheidet, mit dem Erbe einen Verein oder eine Stiftung zu unterstützen, sollte sich über Wünsche, Erwartungen und Möglichkeiten austauschen. Im persönlichen Gespräch können juristische Formalitäten geklärt werden, aber auch die Frage, wie der Nachlass eingesetzt werden soll. Tipps aus der Praxis für eine Entscheidung mit Weitblick.

Da gab es diesen Radweg in Berlin, der im Sommer bundesweit für Kopfschütteln sorgte. Wer ihn benutzen wollte, musste Zickzack fahren. Die Markierung auf dem schmalen Bürgersteig war auf Höhe der Bäume jeweils versetzt. Was hat das alles mit diesem Ratgeber zu tun? Nun, unterstellen wir den Behörden und der Baufirma einmal nur das Beste, zeigt das Beispiel: Gut gemeint ist nicht immer auch gut gemacht. Deshalb das Wichtigste gleich vorweg: Wer sich entscheidet, mit dem Nachlass einen guten Zweck zu unterstützen und nachhaltig Gutes zu bewirken, braucht ein Testament. Nur das setzt die gesetzliche Erbfolge außer Kraft und macht den Weg frei, den Letzten Willen nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Doch gibt es einige Tücken, die man beachten sollte.

Erwartungen und Wünsche persönlich besprechen

Damit bestimmte Auflagen und Wünsche die Nachlassempfänger nicht überfordern, sollten Erwartungen und Vorstellungen geklärt werden. Und zwar zu Lebzeiten, am besten in einem persönlichen Gespräch, empfiehlt Marc Herbeck. „So wie mit der Familie rechtzeitig gesprochen werden sollte, ist es auch wichtig, mit der gemeinnützigen Organisation Kontakt aufzunehmen, die man im Testament berücksichtigen möchte“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer der Stiftung Deutsche Welthungerhilfe.

Hilfsorganisationen als Erben: Eine Johanniter-Mitarbeiterin berät eine ältere Dame. Ein persönliches Gespräch mit Vereinen und Stiftungen baut Vertrauen auf und beugt Fehlern im Testament für den guten Zweck vor. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Initiative

Gemeinsam lässt sich nach Wegen suchen, wie der Nachlass passend zu Vermögen und Herzensanliegen des Erblassers eingesetzt werden kann. Welche Vorteile hat es, die Organisation neben den Familienangehörigen zum Teil der Erbengemeinschaft zu machen? Welche Nachteile gibt es? Welche Wirkung möchte ich überhaupt erzielen? Soll mein Engagement über viele Jahre weiterleben, dann ist vielleicht eine Stiftung der geeignetere Weg. Soll das Erbe in einem Projekt gezielt wirken, kommt womöglich eher ein Vermächtnis in Frage. Diese und weitere Fragen zu klären, hilft den Vereinen oder Organisationen, den Willen des Erblassers möglichst genau umzusetzen und Konflikte mit Angehörigen zu vermeiden.

Wer sich informiert, vermeidet Fehler

Dass ein Testament nicht umgesetzt werden kann, weil Erblasser zu konkrete Angaben zum Zweck, also zur Verwendung seines Nachlasses gemacht hat, das komme eher selten vor, meint Herbeck. Sehr viel häufiger habe er es mit formellen Fehlern zu tun: ein falscher Name, ein Fehler in der Adresse, das Verwechseln von Stiftung und Verein. Ungenaue Formulierungen, rechtliche Feinheiten – vermeidbare Fehler also. Neben Broschüren bieten viele gemeinnützige Institutionen deshalb Informationsveranstaltungen und Vorträge zum Thema „Erben und Vererben“. Sie beraten auf Wunsch aber auch unter vier Augen und stellen für den individuellen rechtlichen Rat den Kontakt zu Fachanwälten und Notaren her.

Grabpflege, Wohnungsauflösung, Haustier

„Nach der Beratung können Sie sicher sein, dass Ihr Testament rechtlich bindend formuliert ist und im Todesfall alles nach Ihren Wünschen umgesetzt wird“, sagt auch Feline Chadwick von der Johanniter-Unfall-Hilfe. An sie wenden sich vor allem Menschen, die keine Angehörigen und keine Erben haben. „Sie möchten sicherstellen, dass das Vermögen für etwas verwendet wird, das ihnen am Herzen liegt. Und sie wollen regeln, wer sich um die Wohnung oder das Haus kümmert, wenn sie sterben.“

Denn nicht nur die Übernahme von Immobilien, Wertpapieren oder Schmuck geht meist problemlos. Viele Organisationen bieten auch Dienste wie Grabpflege und Wohnungsauflösung an. Voraussetzung dafür ist in der Regel, dass sie zum Erben eingesetzt werden und die Kosten für den Aufwand durch die Erbschaft gedeckt sind. „Wir versuchen, vieles möglich zu machen“, erklärt Lisa Monkau von der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN. Vor allem wer ein Haustier gut versorgt wissen möchte, sollte sich informieren, denn nicht alle Organisationen sind darauf vorbereitet. VIER PFOTEN kooperiert eigens mit Gnadenhöfen. „Je nach Wunsch werden die Tiere von dort in eine neue Familie vermittelt oder sie verbringen den Rest ihres Lebens in tiergerechter Umgebung.“

Aufgepasst bei Beerdigung und Vorsorgevollmacht

Gelegentlich bitten alleinstehende Menschen auch darum, dass die Organisation ihrer Wahl die Beerdigung organisiert. „Dieser Wunsch sollte aber gesondert und nicht im Testament vermerkt sein. Denn bis zu dessen Eröffnung hat die Beerdigung meistens schon stattgefunden“, gibt Feline Chadwick zu Bedenken. Dagegen sei es meistens nicht möglich, Aufgaben im Rahmen von Vorsorgevollmachten bzw. Patientenverfügungen zu übernehmen. „Umso wichtiger ist es, rechtzeitig zu klären, was ein Verein oder eine Stiftung  leisten kann und was nicht“, ergänzt Marc Herbeck. „Die Basis für das Gefühl, alles im eigenen Sinne geregelt zu haben, ist immer Vertrauen. Das kann nur zu Lebzeiten und im Austausch mit den Begünstigten entstehen.“

Fotos: benedettodemaio/Twenty20, Initiative „Mein Erbe tut Gutes“/Thomas Karsten

Spuren hinterlassen: Schwarzer Kompass auf weißem Grund. Symbolbild: Eigene Werte, Ideen und Erfahrungen sind ein guter Kompass für eine Testamentsspende. So finden Sie die passende Hilfsorganisation. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: krung99/iStock

Herzenssache: Welche Spuren will ich hinterlassen?

Was soll einmal von mir bleiben? Welchen guten Zweck möchte ich mit meinem Erbe unterstützen? Keine leichten Entscheidungen. Ein guter Kompass dafür sind die eigenen Werte und Ideen, und natürlich die Erfahrungen, die uns geprägt haben. Susanne Anger von der Initiative „Mein Erbe tut Gutes“ hat Tipps, wie man die passende Hilfsorganisation findet.

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Spuren hinterlassen: Schwarzer Kompass auf weißem Grund. Symbolbild: Eigene Werte, Ideen und Erfahrungen sind ein guter Kompass für eine Testamentsspende. So finden Sie die passende Hilfsorganisation. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: krung99/iStock
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Herzenssache: Welche Spuren will ich hinterlassen?

Was soll einmal von mir bleiben? Welchen guten Zweck möchte ich mit meinem Erbe unterstützen? Keine leichten Entscheidungen. Ein guter Kompass dafür sind die eigenen Werte und Ideen, und natürlich die Erfahrungen, die uns geprägt haben. Susanne Anger von der Initiative „Mein Erbe tut Gutes“ hat Tipps, wie man die passende Hilfsorganisation findet.

Für die einen ist es wichtig, Werte weiterzugeben und der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Andere haben keine Angehörigen (mehr), die als Erben infrage kommen. Tatsächlich kann sich bereits jeder Zehnte über 65 vorstellen, mit einem Teil seines Vermögens über das Leben hinaus Gutes zu bewirken, mit einer Testamentsspende, Zustiftung oder Stiftung . Bei denjenigen, die keine Kinder haben, ist es sogar jeder Dritte. Wie findet man heraus, was einem wichtig ist und welchen guten Zweck man mit seinem Erbe unterstützen möchte? Susanne Anger ist Sprecherin der Initiative „Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum“. Sie kennt diese Fragen gut.

Spuren hinterlassen: Susanne Anger von der Initiative „Mein Erbe tut Gutes“ im Gespräch. Viele Fragen: Was kann ich tun, wenn ich einer guten Sache etwas vererben möchte? – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Initiative

Frau Anger, welche Fragen bewegen die Menschen, die sie bei Ihren Vorträgen und auf Veranstaltungen treffen?
Die meisten sprechen über ihre persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen. Über das, was ihnen im Leben passiert, wer ihnen begegnet und was ihnen lieb und teuer ist. Und sie fragen ganz direkt: „Was kann ich, was muss ich tun? Was sollte ich beachten, wenn ich einer guten Sache etwas vererben möchte?“

Was raten Sie Menschen, die die passende Organisation suchen?
Man sollte sich Zeit nehmen und eine kleine Liste machen, was für die eine oder andere Organisation oder Stiftung spricht. Es hilft, sich darüber bewusst zu werden, was einem im Leben wichtig war und ist. Meistens wissen das die Leute schon – nur unbewusst. Deswegen raten wir ihnen, sie sollen doch in sich hineinhorchen und all das durchgehen, was ihnen besonders am Herzen liegt. Wo beginnt es zu klopfen? Ist es eher beim Umweltschutz oder wenn es um Armut oder Kinder geht? Es gibt eine Reihe von Techniken, für sich selbst Bilanz zu ziehen, den eigenen Lebensweg nachzuzeichnen und sich an wichtige Meilensteine zu erinnern. Vielleicht stehen am Ende dann auch mehrere Anliegen.

Welche Rolle spielt dabei die Lebenserfahrung?
Die eigene Betroffenheit und die eigene Lebensgeschichte spielen bei der Entscheidungsfindung eine große Rolle. War man eine politische Aktivistin, dann brennt man für andere Themen und es kommen andere Organisationen in die engere Wahl, als wenn das Pflegende oder Sorgende wichtiger ist. Wer viel gereist ist, der möchte womöglich die Schönheit der Natur erhalten oder sich für Gerechtigkeit einsetzen. Vielen wird zum Ende des Lebens auch bewusst, was sie über Jahrzehnte vergessen oder verdrängt haben, zum Beispiel, dass sie aus einer Flüchtlingsfamilie kommen und den Krieg miterlebt haben. Andere fragen sich, wer ihnen in schwierigen Lebenssituationen geholfen hat. Und häufig möchten Menschen etwas an die Gesellschaft zurückgeben, weil es ihnen selbst gut ergangen ist.

Wie informiere ich mich über gemeinnützige Organisationen?
Wir raten Interessenten und potenziellen Erblassern, die Internetseiten der Organisation zu lesen und sich einen Jahresbericht schicken zu lassen. Und wir ermutigen sie, einfach mal anzurufen. In persönlichen Gesprächen lernt man eine Organisation gut kennen und kann zugleich die eigenen Vorstellungen und Erwartungen abgleichen. Wie offen spricht die Organisation über ihre Arbeit? Wie geht sie auf meine Wünsche ein? Was ist möglich, welchen Service bietet sie? Es ist völlig in Ordnung, sich zunächst zu informieren und Organisationen zu vergleichen. Wir empfehlen auch, mit den Kindern darüber zu sprechen, mit Freunden oder einer anderen Vertrauensperson. Das gibt Sicherheit und lässt die Entscheidung weiter reifen.

Ansprechpartner finden

Mehr erfahren, Kontakt aufnehmen und einen Termin vereinbaren – hier finden Sie viele Ansprechpartner bei Organisationen und Stiftungen.

Warum ist das persönliche Gespräch wichtig?
Mit jedem Testament sind viele Emotionen und Wünsche verbunden, denen die Organisationen gerecht werden wollen. Der Letzte Wille des Erblassers ist zwingend für sie, weil sie das Geld nicht anders, als darin festgehalten, verwenden darf. Umso wichtiger ist es, sich persönlich beraten zu lassen und wichtige Fragen rechtzeitig zu klären. Nichts ist schlimmer, als wenn der Letzte Wille allein wegen einer falschen Adresse nicht umgesetzt werden kann.

Warum sollte das Testament so konkret wie möglich sein?
Wer den eigenen Wunsch, Gutes zu tun, so detailliert und präzise wie möglich aufschreibt, entlastet seine Erben. So müssen sich die Hinterbliebenen nicht fragen: „Wie machen wir es Mutter oder Vater recht?“. Ein weiterer wichtiger Grund: Wenn man nur allgemein schreibt, welchen Zweck man unterstützen möchte – Kinder, Hunger, Umwelt, Gesundheit –, ohne die gemeinnützige Organisation zu nennen, entscheidet das am Ende das Nachlassgericht, nicht die Familienangehörigen. Für viele ist es eine große Erleichterung, wenn sie ihr Erbe endlich geregelt haben. Und, keine Sorge, man kann ein Testament jederzeit noch einmal anschauen und verändern.

Interview: Anja Karrasch
Fotos: krung99/iStock, Initiative „Mein Erbe tut Gutes“/M. Weber

Den Letzten Willen ändern: Nahaufnahme von fünf Bleistiften mit Radiergummi. Symbolbild: Ein einmal verfasstes Testament lässt sich ändern, widerrufen oder ergänzen. Ein Anwalt gibt Rat. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Jmwiehl/Twenty20

Nicht das letzte Wort: Wie ändere ich mein Testament?

Lebensumstände können sich ändern, genau wie Wünsche und Meinungen. Und auch der Letzte Wille muss nicht für immer sein. Ein einmal verfasstes Testament lässt sich nachträglich ergänzen, ändern oder sogar ganz widerrufen. Um Verwirrung und Streitigkeiten unter den Erben auszuschließen, sollten einige Formalien beachtet werden.

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Den Letzten Willen ändern: Nahaufnahme von fünf Bleistiften mit Radiergummi. Symbolbild: Ein einmal verfasstes Testament lässt sich ändern, widerrufen oder ergänzen. Ein Anwalt gibt Rat. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Jmwiehl/Twenty20
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Nicht das letzte Wort: Wie ändere ich mein Testament?

Lebensumstände können sich ändern, genau wie Wünsche und Meinungen. Und auch der Letzte Wille muss nicht für immer sein. Ein einmal verfasstes Testament lässt sich nachträglich ergänzen, ändern oder sogar ganz widerrufen. Um Verwirrung und Streitigkeiten unter den Erben auszuschließen, sollten einige Formalien beachtet werden.

Solche Ereignisse lassen sich nicht vorhersehen: Geliebte Menschen können vorzeitig sterben, Ehen können zerbrechen, neue Partner, Enkel oder neue Vertraute hinzukommen. Auch die wirtschaftliche Situation wandelt sich manchmal unerwartet. Gut, dass auch der Letzte Wille nicht für immer sein muss. Ein bereits verfasstes Testament lässt sich anpassen – soweit man einige wichtige Punkte beachtet.

Die Testierfähigkeit

Egal, ob man ein Testament verfasst oder noch einmal Hand daran anlegt: Seine Gültigkeit steht und fällt mir der Testierfähigkeit des Erblassers. Geistige Gesundheit ist die Grundvoraussetzung, um Bedeutung und Tragweite der eigenen testamentarischen Regelung zu erkennen. Wenn Zweifel an der Testierfähigkeit des Verfassers bestehen, kann ein Testament sogar angefochten werden. Die Hürden dafür sind zwar recht hoch. „Doch gerade im hohen Alter empfiehlt es sich, mögliche Zweifel im Vorfeld selbst auszuräumen“, sagt Jan Bittler, Fachanwalt für Erbrecht und Geschäftsführer der Deutsche Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge. Juristen gelten hierfür nicht als geeignete Experten. Selbst ein notarielles Testament kann wegen Testierunfähigkeit aufgrund einer Demenzerkrankung unwirksam sein. „Wer sich vom Facharzt, also etwa vom Neurologen, seine geistige Gesundheit bescheinigen lässt, ist auf der sicheren Seite“, so Bittler. „Dies gilt auch, wenn man ein bestehendes Testament ändert.“

Den Letzten Willen ändern: Zerknülltes Papier in einem Papierkorb. Symbolbild: Ein einmal verfasstes Testament lässt sich ändern, widerrufen oder ergänzen. Ein Anwalt gibt Rat. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Steve Johnsons/Unsplash

Ein neues Schreiben – so eindeutig wie möglich

Bei einem eigenhändig erstellten Testament sind Änderungen und Ergänzungen, wie der übrige Text auch, handschriftlich zu machen. Sie sollten immer mit Ort und Datum versehen und mit vollem Namen unterschrieben sein. Eine gute Idee ist das aber nicht. Aus Streichungen, Anmerkungen oder Korrekturen am Rand  können schnell Unklarheiten entstehen – bis hin zu der Frage, ob die Ergänzungen überhaupt vom Erblasser persönlich verfasst worden sind.

„Eindeutiger ist ein Ergänzungstestament, das sich Punkt für Punkt auf die einzelnen Regelungen des bisherigen Testaments bezieht“, sagt der Fachanwalt für Erbrecht und betont: „Wichtig sind dabei klare Formulierungen, die keine Interpretationsspielräume zulassen.“ So hatte eine Witwe 2011 ein notarielles Testament aufsetzen lassen, in dem das Erbe zu jeweils einem Drittel unter den drei Kindern aufgeteilt werden sollte. Im Jahr darauf legte sie aber in einem privatschriftlichen Testament fest, welches Kind welches Grundstück erben sollte. Nach ihrem Tod stritten die Erben darüber, ob die Erblasserin sich des unterschiedlichen Werts der Grundstücke bewusst war und eine ungleiche Verteilung des Vermögens gewünscht hatte. Der Streit ging durch mehrere Instanzen vor Gericht. Solche jahrelangen Auseinandersetzungen können nicht nur Familie und Freunde belasten, wie Bittler betont: „Wenn etwa eine gemeinnützige Organisation als Erbin in so einen Prozess verwickelt wird, kann das deren Ansehen schaden, obwohl die Ursache ganz woanders liegt.“

Aufgepasst beim Widerruf

Wer ein neues Testament aufsetzt, widerruft automatisch sein altes, sofern die neuen Regelungen mit den alten in Widerspruch stehen. Besonders wichtig ist daher das Datum. Das Wort „Widerruf“ muss hingegen nicht unbedingt notiert werden. Auch wer sein Testament vernichtet, zerreißt oder verbrennt, widerruft es. Gibt es kein neues, tritt die gesetzliche Erbfolge ein. Auch beim Widerruf sollte sich der Erblasser eindeutig verhalten. Ist das Dokument nur zerknüllt, bleiben Zweifel.

(Fast) nicht zu ändern: der Erbvertrag

Ein eigenhändig verfasstes Testament, das beim Amtsgericht hinterlegt ist, kann jederzeit zurückgeholt und geändert werden. Dagegen gilt das notarielle Testament als widerrufen, wenn es aus der amtlichen Verwahrung herausgenommen wird, und muss komplett neu verfasst werden. „Wie in Stein gemeißelt ist hingegen der Erbvertrag“, erläutert Fachanwalt Bittler. Bei dieser Vereinbarung verpflichtet sich der Erblasser gegenüber einer anderen Person verbindlich, ihr im Falle des Todes Vermögen zu übertragen. „Ein solcher Erbvertrag kann ausschließlich beim Notar geschlossen und nur mit dem Einverständnis aller Beteiligten wieder aufgehoben werden“, so Bittler. Um als Erblasser die Möglichkeit zu haben, einseitig aus diesem Vertrag austreten zu können, muss von Anfang an ein Änderungsvorbehalt oder ein Rücktrittsrecht darin aufgenommen werden.

Das gemeinschaftliche Testament

Nicht selten schließen Eheleute ein gemeinschaftliches Testament ab. In der Regel ist darin vorgesehen, dass die hinterbliebene Person zunächst das gesamte Erbe erhält. Außerdem wird geregelt, was mit dem Erbe nach dem Tod des zweiten Lebenspartners geschehen soll. Erst dann erhalten die Kinder und andere Begünstigte ihren Erbteil. Dieses so genannte „Berliner Testament“ hat Tücken: Die Eheleute müssen, solange beide noch leben, jede Änderung gemeinsam unterschreiben. Nach dem Tod eines Partners können die getroffenen Regelungen nicht mehr geändert werden. Doch auch hierbei sind Ausnahmen möglich, weiß der Fachanwalt für Erbrecht: „So kann vereinbart werden, dass der verbliebene Partner das Erbe innerhalb der Familie neu verteilt, es aber nicht außerhalb der Familie vermachen darf.“ Solche Regelungen werden mit Blick darauf getroffen, dass die Witwe oder der Witwer sich eventuell noch einmal neu binden könnte.

Das Näheverhältnis kann bindend wirken

In einem gemeinschaftlichen Testament kann auch festgehalten werden, dass der Nachlass einer gemeinnützigen Organisation zugutekommen soll – zum Beispiel zugunsten sozialer oder ökologischer Zwecke. „Ist der Partner an Krebs gestorben und die hinterbliebene Person möchte nun – anders als ursprünglich formuliert – eine entsprechende Gesundheitseinrichtung unterstützen, steht ihr das in der Regel frei“, weiß Bittler. Anders sieht es aus, wenn der Nachlass zum Beispiel laut Testament einer bestimmten gemeinnützigen Organisation oder Stiftung zugehen soll, der die zuerst verstorbene Person ein Leben lang eng verbunden war. Dieser persönliche Bezug, das Näheverhältnis, kann bewirken, dass die Regelung bindend ist. Eindeutig formulierte Testamente beugen auch hier Unklarheiten vor.

Text: Lars Klaaßen
Fotos: Jmwiehl/Twenty20, Steve Johnsons/Unsplash

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