Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt

No. 4 – EHRENSACHE

Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 4: Ehrensache. Schwarzweiß-Bild zeigt den US-Amerikanischen Fotograf Elliott Erwitt, in die Kamera lächelnd mit einer Ehrenschleife auf der Stirn. Tokyo, 1997. Gutes tun, das ist für viele Ehrensache, über Anerkennung freuen wir uns trotzdem. Foto: Peter Marlow/Magnum Photos/Agentur Focus
© Peter Marlow/Magnum Photos/Agentur Focus

Editorial

„Ist doch Ehrensache!“ – Wenn wir diesen Satz hören, fällt er meist nebenbei, fast lapidar hinterhergeschoben. Es steckt Bescheidenheit darin: „Ist doch nichts Besonderes, Gutes zu tun“. „Ehrensache“ versteht sich sowohl als selbstverständliches Handeln im Jetzt als auch als Versprechen für die Zukunft. Und dafür erwarten die meisten nicht einmal großen Dank.

Wir kümmern uns um Freunde, pflegen Angehörige, helfen im Verein, spenden Geld, vererben für eine gute Sache. Nicht aus Eigennutz oder der vagen Erwartung auf eine Belohnung in der Zukunft. Nein, unser Lohn für dieses ehrenhafte Verhalten ist das gute Gefühl, gut zu sein. Moral ist keine Schminke, mit der wir unsere ansonsten egoistische Natur übertünchen. Moral ist tief im Menschsein verwurzelt.

Aber warum läuft dann so vieles schief in der Welt? Menschen folgen dem Handeln anderer. Um sich zu vermehren, braucht das Gute Anerkennung. Verhaltensforscher beweisen: Es braucht nur fünf Prozent einer Gruppe, damit alle anderen mitmachen – im Guten wie im Schlechten. Gutes braucht also Vorbilder. Davon erzählen wir in dieser Ausgabe. Mit Beispielen von Menschen, für die Gutes tun Ehrensache ist und die zudem festgestellt haben: Es macht nicht nur Spaß. Es verspricht sogar ein längeres Leben.

Susanne Anger

Sprecherin der Initiative
"Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum"

Menschen

Wohltäter aus
Überzeugung

Als Alexander Brochier in einem Managerseminar seine eigene Grabrede schreiben sollte, kam er ins Grübeln. Ihm wurde klar: Ich will nicht nur als Geschäftsmann und Vater im Gedächtnis bleiben, sondern auch als ein Mensch, der sich um andere kümmert. Der Unternehmer wurde zum Stifter aus Überzeugung.

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Wohltäter aus Überzeugung: Porträt von Alexander Brochier, mit in die Hüfte gestützten Armen auf einem Feld stehend. Der Nürnberger Unternehmer und Stifter engagiert sich seit Langem für die gute Sache. In Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Sigrid Reinichs

Impulse

Weitergeben stiftet Lebenssinn

Was sind die Quellen für ein sinnhaftes Leben? Psychologin und Sinnforscherin Tatjana Schnell fand in ihren Studien einen Grund: Generativität. Die Sorge um nachfolgende Generationen. Erfüllung findet, wer Wissen und Werte weitergibt und Verantwortung übernimmt. Dazu muss man nur eins tun: anfangen. Denn Sinn entsteht durch Handeln.

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Weitergeben stiftet Lebenssinn: Großvater und Enkel schneiden Grimassen. Generativität, also die Sorge um nachfolgende Generationen, ist eine wichtige Quelle für ein sinnhaftes Leben. Gutes tun Ehrensache. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: upyanose via Twenty20

Wissenswertes

Gutes tun steckt an

Wann verhalten wir uns moralisch, wann nicht? Und warum fühlen wir uns besser, wenn wir anderen helfen? Zahlreiche Studien gehen diesen Fragen auf den Grund. Eine wichtige Erkenntnis: Gutes tut, wem Gutes widerfährt. Eine Anstiftung zum Vorleben und Nachmachen.

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Gutes tun steckt an: Ein kleiner Junge imitiert eine Engelsstatue, beide führen den Zeigefinger zum Mund. Symbolbild: Gutes tut, wem Gutes widerfährt. Moral ist ansteckend. Dazu braucht es Vorbilder. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Magellan via Twenty20

Unsere Lieblinge

Lesetipp

Lesetipp: Cover des Buches

Was bleibt von einem Leben? Eine Geschichte oder die Erinnerung an einen Moment, an ein bestimmtes Gefühl? Robert Seethaler lässt in seinem neuen Roman Verstorbene zu Wort kommen und zurückblicken. Einer wurde geboren, verfiel dem Glücksspiel und starb. Ein anderer hat endlich verstanden, in welchem Moment sich sein Leben entschied. Eine erinnert sich daran, dass ihr Mann ein Leben lang ihre Hand in seiner gehalten hat. Eine andere hatte 67 Männer, doch nur einen hat sie geliebt. Und einer dachte: Man müsste mal raus hier. Doch dann blieb er. – „Das Feld“ erzählt von Menschenleben, jedes ganz anders, jedes mit anderen verbunden. Ein vielstimmiger Roman, ein poetisch tröstlicher Blick auf das Leben.

Robert Seethaler: „Das Feld“. Roman.
Hanser Berlin, 2018. 240 Seiten, gebunden, 22,00 Euro.

 

Das Zitat

Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt. AusgabeEhrensache - Zitat: Schwarzweiß-Porträt des Schriftstellers Albert Camus. Foto: Wikipedia Commons CC-BY-SA-4.0
© Wikipedia Commons
Der Mensch ist nichts an sich.
Er ist nur eine grenzenlose Chance.
Aber er ist der grenzenlos Verantwortliche für diese Chance.

Albert Camus

1913-1960, französischer Schriftsteller und Philosoph

Berühmte Testamente: Porträt von Jakob Fugger, gemalt von Albrecht Dürer, 1518. Für den mächtigen Unternehmer war das Stiften eine Sache der Ehre und der sozialen Haltung. Mit der Fuggerei schuf er die weltweit erste Sozialsiedlung. Sein Erbe hat bis heute Bestand. In Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: akg-images
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BERÜHMTE VERMÄCHTNISSE

Jakob Fugger, der Reiche

Er ist der bekannteste Spross der Augsburger Kaufmannsfamilie. Um sein unermessliches Vermögen ranken sich viele Mythen. Und auch seine Stiftungen beanspruchen Superlative: Bald 500 Jahre sind sie alt und ginge es nach dem Willen Jakob Fuggers, sollten sie bis ans Ende der Welt bestehen bleiben. Für den mächtigen Unternehmer war das Stiften eine Sache der Ehre und der sozialen Haltung. Die Fuggerei, die bekanntesten der drei Fuggerschen Stiftungen, gilt als erste Sozialsiedlung der Welt und Vorbild für alle späteren. Dort wohnen durfte, wer Augsburger war, katholisch und unverschuldet in Not geraten. Die Miete für zwei Zimmer, Küche, Bad betrug genau einen Rheinischen Gulden im Jahr. Heute: 88 Cent. Dazu kamen täglich drei Gebete für das Seelenheil der Stifterfamilie. Auch das gilt noch immer. Und selbst der Kerngedanke blieb in 500 Jahren unverändert: Die günstige Miete soll den Bewohnern die Chance geben, aus eigener Kraft wieder auf die Beine zu kommen. Hilfe zur Selbsthilfe „aus Frömmigkeit und hochherziger Freigebigkeit“.

22.274

Die Zahl

So viele Stiftungen zählte der Bundesverband Deutscher Stiftungen 2017. Stiften ist beliebt. Seit Jahren wächst die Zahl derer, die sich auf diese Weise, nachhaltig für die Gesellschaft engagieren – die Mehrzahl aus Verantwortungsbewusstsein und weil sie etwas bewegen möchten. Das tun sie mit großer Wirkung: Stiftungen ermöglichen allein 318 Professuren, tragen 150 Krankenhäuser und 270 Museen oder pflegen 154.000 Hektar Naturschutzflächen. Ehrensache! Und aller Ehren wert!

Schon gewusst?

Erbschaftssteuer

Es sollte natürlich Ehrensache sein, einen guten Zweck zu unterstützen. Ganz nebenbei hat es aber auch finanzielle Vorteile. Dass sie Spenden von der Steuer absetzen können, wissen die meisten. Doch der Staat belohnt die gute Tat auch nach dem Tod. Es gilt § 13 des Erbschafts- und Schenkungssteuergesetzes. Danach ist Vermögen, das per Testament einer anerkannt gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Organisation vererbt wird, von der Erbschaftssteuer befreit. Egal in welcher Höhe und egal, ob es sich um eine Testamentsspende, eine Erbschaft oder einen Erbvertrag handelt. Selbst für Schenkungen zu Lebzeiten entfällt die Schenkungssteuer. Der Grund für die Belohnung: Das Erbe soll voll und ganz der guten Sache dienen.

Michael Beuger, Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE

Ratgeber

Gutes tun im Ruhestand: Der ehrenamtliche Helfer Tilo kocht warme Speisen für Obdachlose in Berlin. Wer ein Ehrenamt übernehmen möchte, sollte vorab Aufgaben, Versicherungsschutz und Kosten klären. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: picture alliance/dpa

Engagiert im Ruhestand: So starten Sie ins Ehrenamt

Sich im Ruhestand ehrenamtlich einzubringen, ist beliebt: Fast jeder Zweite über 65 engagiert sich bereits in Vereinen, Schulen, Pflegeheimen oder in der Nachbarschaft. Bevor Sie anfangen, sollten Sie Aufgaben, Versicherungsschutz und die Aufwandsentschädigung klären. So bereiten Sie sich auf das Gespräch mit einer gemeinnützigen Einrichtung vor.

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Gutes tun im Ruhestand: Der ehrenamtliche Helfer Tilo kocht warme Speisen für Obdachlose in Berlin. Wer ein Ehrenamt übernehmen möchte, sollte vorab Aufgaben, Versicherungsschutz und Kosten klären. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: picture alliance/dpa
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Engagiert im Ruhestand: So starten Sie ins Ehrenamt

Sich im Ruhestand ehrenamtlich einzubringen, ist beliebt: Fast jeder Zweite über 65 engagiert sich bereits in Vereinen, Schulen, Pflegeheimen oder in der Nachbarschaft. Bevor Sie anfangen, sollten Sie Aufgaben, Versicherungsschutz und die Aufwandsentschädigung klären. So bereiten Sie sich auf das Gespräch mit einer gemeinnützigen Einrichtung vor.

Für Herbert Jochen begann der Weg ins Ehrenamt, als seine Frau unheilbar an Krebs erkrankte. Denn dank der liebevollen Begleitung in einem Hospiz erlebte sie die letzte Zeit ihres Lebens schmerzfrei an seiner Seite. An ihrem Krankenbett saßen immer viele Besucher – Freunde und Sterbebegleiter – die ihr aus ihrem Alltag oder von ihren Reisen erzählten.

Diese Erfahrung motivierte Herbert Jochen. Er ließ sich zum ehrenamtlichen Sterbebegleiter ausbilden. „Ich habe das als Verpflichtung meiner Frau gegenüber gespürt, weil ich gesehen habe, wie gut ihr die Betreuung und die Besuche getan haben. Und diese Entlastung in ihrem Sinne an andere Menschen weiterzugeben, hat mich angetrieben, die Ausbildung zu machen“, sagt der 70-Jährige. In einem ambulanten Hospizdienst in Hamburg lernte er in einer halbjährigen Ausbildung den Umgang und die Begleitung von Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, bei der ihm die diakonische Einrichtung mit Supervision, Seminarangeboten und einem festen Ansprechpartner bei Fragen und Problemen zur Seite steht.

Eine gute Vorbereitung und eine gute Betreuung. Genau darauf kommt es an, wenn man sich ehrenamtlich engagiert. Egal ob nun als Sterbebegleiter, wie Herbert Jochen, oder als Familienpatin, Nachhilfelehrer, in einer Kleiderkammer oder als Senior Expertin im Ausland. Wer für sich herausgefunden hat, welches Ehrenamt den eigenen Interessen entspricht und gut zur individuellen Lebenssituation passt, sollte vorab auch auf einige grundlegende Dinge achten.

Gutes tun im Ruhestand: Die ehemalige Berufsschullehrerin Christa Naujacks bringt kenianischen Frauen das Schneiderhandwerk bei. Wer ein Ehrenamt übernehmen engagieren möchte, sollte vorab rechtliche, organisatorische und finanzielle Fragen klären. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: SES Bonn

Klare Aufgaben sind wichtig

„Wichtig ist, in den ersten Gesprächen mit der gemeinnützigen Organisation zu klären: Was mache ich hier konkret? Wie lange ist meine Einsatzzeit? Wer ist für mich zuständig, wenn ich eine Frage, eine Idee oder ein Problem habe? Bekomme ich Materialkosten erstattet oder eine Aufwandsentschädigung?“, empfiehlt Birgit Bursée von der Freiwilligenagentur Magdeburg. Wenn dann auch noch die „Chemie“ stimmt, kann das Engagement beginnen. Empfehlenswert ist es, zunächst eine Probezeit zu vereinbaren, um zu schauen, ob alles passt. „Ehrenamtliches Engagement funktioniert dann gut, wenn die Organisationen für gute Rahmenbedingungen sorgen und klare Absprachen zur Zusammenarbeit getroffen werden.“

Der Versicherungsschutz sollte geklärt sein

Ob eine freiwillige Tätigkeit einen Versicherungsschutz beinhaltet, hängt von der konkreten Tätigkeit bzw. dem Projektträger ab. In vielen Fällen besteht während der Tätigkeit ein Unfallversicherungsschutz. Viele Vereine haben Vereinshaftpflichtversicherungen, sind über die Berufsgenossenschaft abgesichert oder es gibt gesetzliche Regelungen wie in der Wohlfahrtspflege. Jeder, der eine private Unfall- oder Haftpflichtversicherung abgeschlossen hat, sollte klären, ob diese auch bei Schadensfällen während der freiwilligen Tätigkeit greifen. Meistens gestaltet sich ein freiwilliges Engagement ganz unkompliziert. „Glücklicherweise gibt es in der Praxis wenige Versicherungsfälle“, berichtet Birgit Bursée.

Eine Aufwandsentschädigung ist die Regel

Da es sich bei einem Ehrenamt um eine freiwillige Tätigkeit handelt, wird sie grundsätzlich nicht vergütet. Viele Einrichtungen, Vereine und Organisationen erstatten den ehrenamtlich Tätigen jedoch zumindest den Aufwand und die Auslagen, häufig in Form einer Pauschale oder eines Taschengeldes. Wenn Senioren für ihre freiwillige Arbeit eine Aufwandsentschädigung erhalten, können sie diese in den meisten Fällen im vollen Umfang behalten. Nur bei einer vorgezogenen Altersrente oder bei einer Erwerbsunfähigkeitsrente gibt es Zuverdienstgrenzen, die beachtet werden müssen.

Wünschenswert ist, dass den Freiwilligen alle Kosten, die ihnen in ihrem Engagement entstehen, erstattet werden. Das können Materialien für den Kreativkurs im Stadtteilzentrum, Bücher und Arbeitshefte für die Schülernachhilfe oder Zeitschriften für den Vorleser im Pflegeheim sein. Auch die Erstattung der Fahrtkosten zur Einsatzstelle ist möglich. Selbst wenn die Budgets in den Einsatzstellen klein sind, finden sich in vielen Fällen – mit etwas Kreativität – Lösungen, die für beide Seiten akzeptabel sind.

Wertschätzung und Anerkennung als Lohn

Bei allen rechtlichen, finanziellen und organisatorischen Fragen steht an erster Stelle die Motivation, sich zu engagieren, mit anderen Menschen Zeit zu verbringen und sie zu unterstützen. Wie überall kann es dabei auch zu Problemen oder Konflikten kommen. Vielleicht entspricht die freiwillige Tätigkeit nicht den eigenen Erwartungen. Vielleicht ist die Art der Tätigkeit nicht die richtige. Möglicherweise ist die Kommunikation im Team nicht wertschätzend. Darüber offen mit dem Ansprechpartner in der Organisation zu reden, ist ein erster Schritt. Der nächste könnte im gegenseitigen Einvernehmen der Wechsel in eine andere Einrichtung sein. Denn eins ist sicher: Mit Wertschätzung und Anerkennung macht freiwilliges Engagement gleich noch mehr Sinn und Spaß.

Zum Weiterlesen

So gelingt der Weg ins Ehrenamt: Wer sich engagieren will, hat viele Möglichkeiten. Tipps, wie Sie ein Ehrenamt finden, das zu Ihnen passt und wie der Einstieg gelingt, lesen Sie in Teil 1 unseres Ehrenamts-Ratgabers.

Eine Checkliste mit wichtigen rechtlichen, finanziellen und organisatorischen Fragen gibt Orientierung. Tipps für das Erstgespräch bietet zum Beispiel die Freiwilligenagentur Magdeburg. Kostenlos, als PDF zum Download.

Text: Anja Karrasch
Fotos: picture alliance/dpa, SES Bonn

Wirksam Gutes tun: Porträt von Ise Bosch. Die Erbin und Stifterin ist überzeugt: Wer wirkungsvoll die Welt verändern will, sollte Geben mit Vertrauen. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Lucas Wahl

Gutes besser tun: Wie fördert man wirksam, Ise Bosch?

Ise Bosch hat viel Erfahrung damit, ihr Vermögen für mehr Gerechtigkeit einzusetzen. Die Erbin, Stifterin und Gründerin im Dienst der guten Sache ist überzeugt: Reichtum ist ein Werkzeug für gute gemeinnützige Arbeit. Wie kann man wirkungsvoll die Welt verändern, haben wir sie gefragt. Ihr Rat: Geben Sie mit Vertrauen! Das verändert auch Sie selbst.

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Wirksam Gutes tun: Porträt von Ise Bosch. Die Erbin und Stifterin ist überzeugt: Wer wirkungsvoll die Welt verändern will, sollte Geben mit Vertrauen. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Lucas Wahl
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Gutes besser tun: Wie fördert man wirksam, Ise Bosch?

Ise Bosch hat viel Erfahrung damit, ihr Vermögen für mehr Gerechtigkeit einzusetzen. Die Erbin, Stifterin und Gründerin im Dienst der guten Sache ist überzeugt: Reichtum ist ein Werkzeug für gute gemeinnützige Arbeit. Wie kann man wirkungsvoll die Welt verändern, haben wir sie gefragt. Ihr Rat: Geben Sie mit Vertrauen! Das verändert auch Sie selbst.

Die Frage, wie man mit seinem Millionenerbe gewissenshaft umgehen soll, beschäftigt Ise Bosch seit langem. Die Enkelin des Unternehmers Robert Bosch entschied sich früh, ihr Vermögen zu nutzen, um Großes zu bewegen. Als Stifterin, Gründerin und Philanthropin. Seit den Neunzigerjahren engagiert sie sich für Menschenrechte und die Gleichstellung von Frauen und sexuellen Minderheiten. Sie tut das strategisch und vielfältig. Mit ihrer Dreilinden gGmbH und mit der Frauenstiftung filia. Als Mitgründerin des Erbinnen-Netzwerkes Pecunia unterstützt sie zudem Frauen, die Vermögen gemeinnützig einsetzen möchten.

Wirksam Gutes tun: Porträt von Stifterin Ise Bosch und filia-Programm Managerin Claudia Bollwinkel. Ihre Erfahrung: Geben mit Vertrauen ist ihr Weg, die Welt wirkungsvoll zu verändern. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Lucas Wahl

Nicht weniger als einen tiefgehenden Wandel in der Gesellschaft möchte Ise Bosch anstoßen: „Ich nutze meine Privilegien um Privilegien für alle zu schaffen.“ Transformative Philanthropie nennt sie ihren Weg, die Welt gerechter zu machen. Ihr Schlüssel dazu heißt: weniger Kontrolle und Vorgaben, sondern mehr Vertrauen. Aber was genau bedeutet das?

Fördern mit Vertrauen bringt mehr

„Wir gehen an die tiefer liegenden Ursachen von sozialer Ungleichheit und Diskriminierung heran“, erklärt Claudia Bollwinkel, langjährige Programm Managerin bei filia, das Fördermodell. Es geht darum, den Geförderten die Möglichkeiten zu bieten, teilzuhaben, zusammenzuarbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Viele Stifter und Förderer unterschätzten die Ambitionen und Fähigkeit der Menschen und der Organisationen vor Ort; sie scheuen deshalb das Risiko. Ise Bosch frage hingegen nicht, ob ihre Förderung riskant ist. „Sie stellt diesen Umgang mit Risiko auf den Kopf, indem sie fragt: Wie groß ist das Risiko, mein eigenes Ziel nicht zu erreichen, wenn ich nicht fördere?“ Der Blick ist also auf eine langfristige Wirkung und Veränderungen gerichtet.

Der Erfolg gibt ihnen Recht. „Die Mehrheit der lokalen Organisationen, die filia auf diese Weise fördert, sind in der Lage, Machtverhältnisse zu verändern“, bestätigt Claudia Bollwinkel. Macht bedeutet hier: Die Geförderten werden handlungsfähig und können Einfluss nehmen. Und auch die Beziehungen zwischen denen, die das Geld geben, und jenen, die das Geld erhalten, verändere sich. „Macht wird wirklich geteilt und über Geld weitergegeben.“ Bei Ise Bosch heißt das: Die Macht des Geldes verwandelt sich in die Macht für viele.

Bedarfsgerecht fördern

Noch eine Erfahrung geben Bosch und Bollwinkel gerne weiter: Mitunter hätten geringere Beträge sogar einen größeren Effekt als höhere. Eine auf den ersten Blick verblüffende Erfahrung, die sie gemacht haben. Als Ursache dafür sehen sie, dass die Organisationen, mit denen sie arbeiten, meist viel Wissen und Professionalität versammeln. Was ihnen aber oftmals fehle, sei Geld. Bosch und Bollwinkel fördern deshalb bedarfsgerecht. „Wenn wir Förderpartner fragen, was sie benötigen, sind das meist operative Dinge, wie Büros, Computer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Und genau dafür bräuchten sie Geld. Am allerbesten sei es, Organisationen langfristig und ohne Vorgaben, ungebunden zu unterstützen. Denn dann könnten sie sich eigenständig eine solide Basis für ihre Arbeit schaffen. Empowerment im besten Sinne.

Buchtipp

Ise Bosch, Justus Eisfeld, Claudia Bollwinkel: Geben mit Vertrauen. Wie Philanthropie transformativ wird. Erschienen im Eigenverlag, 2018.

www.geben-mit-vertrauen.de

Wer sein Vermögen für eine gute Sache einsetzen möchte, sollte bereit sein, zuzuhören, sich persönlich einzubringen und durch diese Erfahrung verändern zu lassen. So schreibt es Ise Bosch in ihrem Buch „Geben mit Vertrauen“. „Ich lerne mit zunehmenden Alter immer mehr, wie divers die Welt ist, wie viele unterschiedliche Wege zum Ziel führen und wie viele Herangehensweisen richtig sein können. Das ist meine Ermutigung an alle, die sich einbringen möchten.“

Ungebunden und langfristig fördern

Welche Tipps hat sie konkret für alle, die mit dem Erbe einen guten Zweck unterstützen möchten? „Das eine ist das Thema Vertrauen. Wir drehen die Aussage ‚Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser‘ um. Wir sagen: Im Gegenteil. Man kann mit Kontrolle sogar Fortschritt verhindern. Insbesondere bei kleinteiliger, sozialer Förderung.“ Dass man Vertrauen braucht, um im sozialen Bereich eine Veränderung zu bewirken, sei ja nicht neu, ergänzt Ise Bosch. Es ist wohl die Haltung, die sich unterscheidet. Wichtig sei vor allem, „dass ich mich gedanklich in die Schuhe der Organisationen stelle und mir überlege: Was bedeutet es für sie, wenn ich sie nur ein Jahr fördere oder nur ein bestimmtes Projekt, und ihnen dann auch noch vorschreibe, wie sie es zu machen haben?“ Die wahre Expertise für das, was vor Ort geschehen soll, haben schließlich die Organisationen, denn sie seien die wirklichen Experten und nah dran, ist die Erfahrung von Ise Bosch. Ihr Rat an alle Förderer lautet deshalb: möglichst ungebunden fördern, also ohne starre Vorgaben und ohne Kontrolle. Und der andere Tipp? „Lange dabei bleiben!“

Frühzeitig über das Erbe nachdenken

Aus Sicht der Organisation unterstreicht Claudia Bollwinkel, wie wichtig das „Geben mit warmer Hand“ sei. Förderer hätten so die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen und eigene Schwerpunkte zu setzen. Mit dem „Anfangen“ sollten alle, die ihr Erbe verantwortungsvoll investieren möchten, nicht zu lange warten. „Ich empfehle, ein Vermächtnis zu entwerfen. Das ist der Zeitpunkt, an dem man sich die richtigen Fragen stellt: Was möchte ich hinterlassen? Wie soll an mich gedacht werden?“ Es gehe dabei um Geld, aber auch um Botschaften. Deshalb sei auch wichtig, mit den Kindern offen darüber zu sprechen. Wenn man Antworten auf diese Fragen gefunden hat, schließe sich nur eine Frage an: „Warum fange ich nicht jetzt schon an?“

Es sei eine schöne Perspektive, wenn man über das eigene Leben und Sterben nachdenkt, über sich selbst hinaus zu denken, bekräftigt Ise Bosch. „Da wird es weitergehen.“

Vertrauensvolle Organisationen finden

Diese vier Tipps helfen dabei, eine vertrauensvolle Organisation zu finden, die zu Ihnen passt:

Fragen Sie sich: Was will ich unterstützen?
Was ist Ihnen wichtig? Kinder? Gesundheit? Umwelt? Tiere? Armutsbekämpfung? Entwicklungshilfe? Suchen Sie sich das Projekt heraus, für das Ihr Herz schlägt.

Informieren Sie sich.
Das A und O vor jeder Entscheidung: Informieren Sie sich über die Organisation, die Sie bedenken möchten. Rufen Sie einfach an. Schauen Sie auf die Website. Fragen Sie Freunde und Verwandte nach ihren Erfahrungen. Folgende Merkmale weisen auf eine vertrauenswürdige Organisation hin:

  • Die Organisation ist von seriösen Institutionen ausgezeichnet. Sie trägt z.B. das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen DZI, das Siegel des Deutschen Spendenrats oder das Zeichen für Transparente Zivilgesellschaft und/oder wird durch einen anerkannten Wirtschaftsprüfer begutachtet.
  • Die Organisation ist als gemeinnützig anerkannt und kann das mit einem Freistellungsbescheid vom Finanzamt belegen (gilt immer für drei Jahre).
  • Die Organisation arbeitet transparent und veröffentlicht z.B. jährliche Tätigkeitsberichte, die Satzung und relevante Finanzdaten.

Fragen Sie nach.
Die Bereitschaft über die eigene Organisation oder ein konkretes Projekt Auskunft zu geben, ist ein wichtiges Kriterium für Seriosität. Als Unterstützer sollten Sie sich mit Fragen willkommen fühlen.

Achten Sie auf Wirkung.
Als Spender sollten Sie das (gute) Gefühl haben, dass Sie mit Ihrer Spende etwas bewirken können. Evaluationen und Analysen können darüber Auskunft geben, ob die Arbeit erfolgreich ist. Achten Sie daher darauf, dass die Organisation bzw. Stiftung über die Ergebnisse ihrer Arbeit berichtet.

Zum Weiterlesen

Ise Bosch: Besser spenden! Der Leitfaden für nachhaltiges Engagement richtet sich an alle, die sich mit Geld oder freiwilliger Arbeit für eine bessere Welt engagieren wollen. Klassiker und Evergreen. Erschienen bei C.H. Beck, 2007.

Interview: Anja Karrasch
Fotos: Lucas Wahl, Dreilinden gGmbH

10 Wege Gutes zu hinterlassen: Ein älterer Mann unterzeichnet seinen Letzten Willen. Gutes tun, das geht auch über den Tod hinaus. Stiftung, Testamentsspende, Erbe für den guten Zweck - für jeden gibt es einen passenden Weg. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Daisy-Daisy

Fördern, Stiften, Vererben: 10 Wege, Gutes zu hinterlassen

Verantwortungsvoll zu leben, ist für viele ein Herzensanliegen. Aber Gutes tun, das geht auch über den Tod hinaus. Nicht immer muss es gleich eine eigene Stiftung sein. Oft ist es sinnvoll, sich einer bestehenden Stiftung anzuschließen, per Testament zu spenden oder Vermögen zu verschenken. Für jeden gibt es einen passenden Weg.

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10 Wege Gutes zu hinterlassen: Ein älterer Mann unterzeichnet seinen Letzten Willen. Gutes tun, das geht auch über den Tod hinaus. Stiftung, Testamentsspende, Erbe für den guten Zweck - für jeden gibt es einen passenden Weg. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Daisy-Daisy
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Fördern, Stiften, Vererben: 10 Wege, Gutes zu hinterlassen

Verantwortungsvoll zu leben, ist für viele ein Herzensanliegen. Aber Gutes tun, das geht auch über den Tod hinaus. Nicht immer muss es gleich eine eigene Stiftung sein. Oft ist es sinnvoll, sich einer bestehenden Stiftung anzuschließen, per Testament zu spenden oder Vermögen zu verschenken. Für jeden gibt es einen passenden Weg.

10 Wege Gutes zu hinterlassen: Briefumschläge in unterschiedlicher Größe. Symbolbild: Gutes tun, das geht auch über den Tod hinaus. Stiftung, Testamentsspende, Erbe für den guten Zweck - für jeden gibt es einen passenden Weg. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Joanna Kosinska/Unsplash

Barbara Graf möchte ihren richtigen Namen nicht im Internet lesen. Die Berlinerin ist etwas über 70, sie liebt ihre Unabhängigkeit und lange Spaziergänge. Kinder hat sie keine. Wenn sie Hilfe braucht, sind die Johanniter für sie da – dank des Hausnotrufs sogar auf Knopfdruck. In ihrem Testament hat die Rentnerin die Johanniter Unfall-Hilfe zum Alleinerben benannt. Sie möchte die Pflege und Betreuung älterer Menschen fördern und auf diesem Weg etwas zurückgeben.

Szenenwechsel, auch Berlin: Die Ärztin Jenny de la Torre Castro betreute hier jahrelang obdachlose Menschen. 2002 bekam sie für ihre Arbeit den Medienpreis „Die Goldene Henne“ verliehen. Mit dem Preisgeld von 25.000 Euro gründete sie die Jenny de La Torre Stiftung. Durch weitere Zustiftungen konnte dann ein Gesundheitszentrum für Obdachlose aufgebaut werden.

Testamentsspende, Stiftung und Zustiftung – das sind drei Beispiele, wie man mit seinem Vermögen etwas Bleibendes schaffen kann. Welche Möglichkeiten gibt es noch und worauf sollte man achten? Wir stellen Ihnen zehn Wege vor, wie Sie gemeinnützige Organisationen jetzt und in Zukunft unterstützen können.

Erbeinsetzung: Bestimmt die Rechtsnachfolge

Nach dem Gesetz erben Blutsverwandte, Adoptivkinder, Ehegatten und eingetragene Lebenspartner. Gibt es keine Angehörigen, geht alles an den Staat. Außer Kraft setzen lässt sich diese gesetzliche Erbfolge nur mit einem Testament oder einem Erbvertrag. Eins von beidem brauchen Sie in jedem Fall, wenn Sie einer gemeinnützigen Organisation oder Stiftung etwas vererben möchten. Egal ob Alleinerbe oder als Teil einer Erbengemeinschaft, setzen Sie die Organisation als Erben ein, wird sie Ihr Rechtsnachfolger. Sie übernimmt Ihre Rechte und Pflichten und erbt neben dem Vermögen auch Ihre Schulden.

Tipps fürs Testament

Ein Testament muss vollständig handschriftlich verfasst, mit vollem Namen unterschrieben und mit Ort und Datum versehen sein. Wer viel zu vererben hat, sollte ein öffentliches Testament vor einem Notar errichten. Tipps, wie man ein Testament schreibt und worauf man achten sollte, gibt u.a. die Initiative „Mein Erbe tut Gutes“.

Vermächtnis: Einfache Zuwendung per Testament

Erben erben zwar alles. Sie müssen sich dann aber auch um den Nachlass kümmern, also zum Beispiel Schulden zahlen oder die Erbauseinandersetzung betreiben. Einfacher ist ein Vermächtnis. Mit den Worten „Ich vermache …“ können Sie in Ihrem Testament eine bestimmte Geldsumme, eine Immobilie oder einen Wertgegenstand einer gemeinnützigen Organisation zugutekommen lassen. Als Vermächtnisnehmer wird sie dann nicht Erbe. Aber sie hat gegenüber den Erben den Anspruch, das Vermächtnis aus dem Nachlass zu erhalten.

Stiftung: Engagement in eigenem Namen

Eine Stiftung ist quasi für die Ewigkeit gedacht, weil sie im Allgemeinen nicht mehr aufgelöst werden kann. Eine rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts lohnt sich bei größeren Vermögen, etwa 100.000 Euro sollten es sein. Infrage kommt sie aber auch, wenn Sie eigene Projekte vorantreiben wollen. Aber Achtung! Sie dürfen nur die Erträge aus dem Stiftungsvermögen verwenden, das gestiftete Geld selbst muss als Grundkapital erhalten bleiben. Rechtsfähig wird eine Stiftung, wenn die Stiftungsaufsichtsbehörde sie anerkennt. Dazu braucht der Stifter eine Stiftungssatzung und ein Stiftungsgeschäft. In der Satzung regelt er unter anderem den Zweck der Stiftung, die Anzahl der Organe, und deren Aufgaben. Mit dem Stiftungsgeschäft erklärt er, welches Vermögen er in die Stiftung einbringt.

Zustiftung: Spenden in das Vermögen einer Stiftung

Bequemer geht eine Zustiftung, sie kommt ohne viele Formalitäten und ohne behördliche Anerkennung aus. Hier erhält das Geld eine Stiftung, deren Arbeit Sie unterstützen wollen. Das Geld wird dem Stiftungsvermögen zuführt. Im Gegensatz zu Spenden darf es daher nicht sofort verwendet werden.

Stiftungsfonds: Zustiftung mit Auflagen

Auch ein Stiftungsfonds ist rechtlich gesehen eine Zustiftung – allerdings mit mehr Möglichkeiten, eigene Vorstellungen umzusetzen. So können Sie zum Beispiel dem Fonds Ihren Namen geben und einen Förderzweck bestimmen. Je nach Stiftung reicht oft schon eine Einlage von 5.000 Euro aus, um einen Stiftungsfonds ins Leben zu rufen.

Treuhandstiftung: Einfach und für geringes Kapital

Sie bündelt die Vorteile einer rechtsfähigen Stiftung mit denen eines Stiftungsfonds. Eine Treuhandstiftung hat zwar eine Satzung, in der Name, der Stiftungszweck und Gremien aufgeführt sind. Aber juristisch gesehen wird sie vom Treuhänder, der jeweiligen Stiftung, vertreten. Mit dem Treuhänder haben Sie als Stifter einen Vertrag geschlossen. Er ist verpflichtet, ihr Vermögen getrennt von seinem eigenen Stiftungsvermögen zu verwalten. Ein weiterer Pluspunkt: Eine Treuhandstiftung ist relativ schnell gegründet. Sie brauchen nur 25.000 Euro und die Zustimmung des Finanzamtes.

Verbrauchsstiftung: Schon zu Lebzeiten Gutes tun

Viele rechtsfähige Stiftungen sammeln große Geldsummen, weil das Stiftungskapital nicht genutzt werden darf. Andererseits erwirtschaften Stiftungen in Zeiten niedriger Zinsen kaum Erträge. Eine Lösung aus diesem Dilemma sind Verbrauchsstiftungen. Sie sind zeitlich begrenzt angelegt, ihr Kapital darf komplett ausgeschüttet werden. Und als Stifter können Sie sofort etwas bewirken. Eine Verbrauchsstiftung ist vor allem für kleinere Vermögen interessant. Der Steuervorteil gilt allerdings nur im Rahmen des Spendenabzugs. Wer dem Vermögensstock der Stiftung Geld zuwendet, erhält keinen erweiterten Steuervorteil.

Steuertipp

Apropos Steuervorteil: Der Staat belohnt die gute Tat. Egal ob Testamentsspende, Stiftung oder Schenkung – gemeinnützige Organisationen und Stiftungen sind von der Erbschaftssteuer befreit. Ihr Nachlass kommt voll und ganz der guten Sache zugute.

Stifterdarlehen: Gutes tun mit Geld-zurück-Garantie

Ein Darlehen ist ideal, wenn Sie nicht sicher sind, ob Sie das Geld später zum Beispiel für die Altersvorsorge oder eine noch nicht absehbare Anschaffung benötigen. Mit einem Stifterdarlehen helfen Sie flexibel, denn von dem gestifteten Betrag müssen Sie nicht endgültig trennen. Mit der Stiftung schließen Sie dazu einen Vertrag, der Laufzeit und Kündigungsfrist regelt. Die Stiftung legt das Geld an, die Zinsen arbeiten dann für einen guten Zweck. Eine Bankbürgschaft sichert die Rückzahlung Ihres Darlehens.

Schenkung: Zu Lebzeiten oder von Todes wegen

Wer einer wohltätigen Organisation Geld überweist, macht eine Schenkung. Dafür ist kein schriftlicher Vertrag nötig. Anders ist es, wenn Sie Geld, einen bestimmten Gegenstand oder ein Grundstück erst im Fall des Todes schenken wollen. Eine solche Schenkung auf den Todesfall muss mit einem notariellen Schenkungsvertrag besiegelt werden. Der Vorteil ist, dass Ihre Zuwendung nicht zum Erbe zählt, sondern das Eigentum des Beschenkten ist. Erben können allerdings eine Ergänzung ihres Pflichtteils geltend machen.

Lebensversicherung & Co.: Kaum bekannte Alternative

Eine gemeinnützige Organisation oder Stiftung lässt sich auch als Bezugsberechtigte einer Lebensversicherung oder eines Bankguthabens einsetzen. Wird das Geld ausgezahlt, dient es ohne steuerlichen Abzug der guten Sache. Bei Lebensversicherungen hat die Organisation einen direkten Anspruch gegen den Versicherer. Juristisch gesehen handelt es sich um eine Schenkung. Im Todesfall bestehen also auch hier eventuell Pflichtteilsergänzungsansprüche.

Für Rat und Service

Rat und Orientierung zum gemeinnützigen Vererben bietet die Initiative „Mein Erbe tut Gutes“. Auf der Internetseite der Initiative erfahren Sie auch, wie Sie Ihr Testament für den guten Zweck verfassen und worauf Sie dabei achten sollten.

Text: Angelika S. Friedl
Fotos: Daisy-Daisy, Joanna Kosinska/Unsplash

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Das tut gut: Teilnehmerinnen des Global 6k Run for Water. Mit den Spenden sichert World Vision tausenden Kindern und ihren Familien den Zugang zu sauberem Trinkwasser. World Vision ist Mitglied der Initiative

6 Kilometer für Trinkwasser

Sechs Kilometer müssen Frauen und Kinder in Entwicklungsländern im Schnitt bis zur nächsten Quelle laufen. Doch Wasser ist nicht gleich sauberes Trinkwasser. Und so sterben mehr als 1.000 Kinder jeden Tag allein an den Folgen von Durchfallerkrankungen. World Vision will das nicht hinnehmen und rief zum Spendenlauf rund um den Globus auf. Über 40.000 Läufer gingen beim Global 6K For Water an den Start. Ihr Einsatz sichert nun tausenden Kindern und ihren Familien in Asien, Afrika und Lateinamerika den Zugang zu sauberem Trinkwasser.

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Das tut gut: Ein Notarzt der DRF Luftrettung versorgt einen Notfallpatienten in einem Rettungshubschrauber. Im Notfall entscheidet die optimale Beatmung. Die DRF Luftrettung ist Mitglied der Initiative

Spenden für optimale Beatmung

Etwa alle sechs Minuten benötigt ein Patient lebensrettende Hilfe der DRF Luftrettung. Entscheidend dann: ein schneller Flug und die bestmögliche ärztliche Hilfe. Für die optimale Beatmung sorgt HAMILTON-T1. Kompakt, robust, portabel. Der Vorteil: Das hochmoderne Intensiv-Beatmungsgerät passt sich individuell an das Lungenvolumen an – egal ob Säugling oder erwachsener Patient. 20 dieser Geräte sollen in den rot-weißen Hubschraubern zum Einsatz kommen. Dafür ist Unterstützung gefragt. Die Spendenaktion „Beatmungsgerät“ läuft.

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Das tut gut: Zwei Mitarbeiter von VIER PFOTEN impfen einen Hund, daneben zwei junge buddhistische Mönche. Die Streuner-Impfaktion bewahrt Tiere in Myanmar vor Massentötungen. VIER PFOTEN ist Mitglied der Initiative

Etappensieg
gegen Tollwut

Ambitioniert, aber dringend nötig. So beschreibt Dr. Amir Khalil den Einsatz von VIER PFOTEN in Myanmar. Bis 2030 soll das Land tollwutfrei werden. Der Grund: Jedes Jahr sterben gut 1.000 Menschen an infektiösen Bissen; aus Angst vor der Seuche werden Streuner grundlos brutal getötet. Mehr als 58.000 Hunde und Katzen haben die Tierschützer bereits geimpft. Ein Etappensieg. In den nächsten fünf Jahren sollen 50.000 Tiere pro Jahr behandelt, lokale Helfer geschult und die Menschen aufgeklärt werden. Das schützt Tier und Mensch nachhaltig.

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