Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt

No. 13 – STERBEN

No. 13 – STERBEN

Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 13: STERBEN. USA. Brooklyn, NY. 2016: Eine weiße Gardine weht im Luftzug in einem Appartment. Symbolbild. Was wissen wir über das Sterben? Wie können wir uns auf das Sterben vorbereiten? Was zählt am Ende wirklich? Foto: David Alan Harvey / Magnum Photos / Agentur Focus
© David Alan Harvey / Magnum Photos / Agentur Focus

Editorial

Sterben, was für ein Thema! Niemand möchte sterben und doch werden wir es alle. Unweigerlich. Und wir alle kennen die Momente, in denen wir uns bang fragen: Wie wird es sein? Habe ich Angst oder sehne ich den Tod herbei? Habe ich Schmerzen, leide ich? Bin ich allein oder hält jemand meine Hand? Bin ich im Reinen mit mir und meinen Lieben? Wenn das Ende naht und nichts mehr zu ändern ist, gräme ich mich dann unglücklich über alle verpassten Chancen oder kann ich sagen: Ach, im Großen und Ganzen war es ein gutes Leben?

Über das Sterben nachzudenken, wenn es noch weit weg erscheint, nimmt uns die Angst. Es lässt uns bewusster leben. Da bin ich mir sicher. Deshalb widmen wir uns diesem schweren Thema in der neuen Ausgabe unseres Magazins. Wir fragen: Was wissen wir über das Sterben? Wie gehen wir damit um? Wie wollen wir sterben und wie können wir uns vorbereiten? Was zählt am Ende wirklich und was bleibt von uns, wenn wir nicht mehr sind? Lassen Sie sich anregen zu ganz eigenen Gedanken und neuen Perspektiven.

Susanne Anger

Sprecherin der Initiative
„Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum“

Menschen

Am Schluss hört alles auf. Wir werden frei

Der Journalist Alexander Krützfeldt hat ein Buch über letzte Wünsche und über das Sterben geschrieben. Er hat mit schwerstkranken Menschen darüber gesprochen, wie sie vom Leben Abschied nehmen, was sie beim Blick zurück bereuen und wie sie mit dem Tod umgehen. Die Begegnungen ließen ihn innehalten und sich fragen: Was will ich wirklich?

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Letzte Wünsche: Porträt des Journalisten Alexander Krützfeldt. Ein Gespräch über das Sterben und letzte Wünsche und darüber, was Sterbende bereuen und wie sie mit dem Tod umgehen. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Jörg Singer

Impulse

Der Streit um die letzte Würde

Es geht um nichts weniger als die Würde des Lebens trotz schwerster Krankheit – und um würdevolles Sterben. Nur um wenige Themen wird gesellschaftlich so gerungen wie um die Sterbehilfe. Der Wunsch eines Patienten, das eigene Leben zu beenden, bringt nicht nur Ärzte in Konflikte mit ihrem Gewissen und in eine rechtliche Grauzone. Auch Angehörige sind oft überfordert.

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Sterbehilfe: Schatten einer Frau, die einen Raum durch eine Tür verlässt. Symbolbild. Der Wunsch eines Schwerkranken, das eigene Leben zu beenden, bringt Ärzte und Angehörige in Konflikt mit Gewissen und Gesetz. Ein Blick auf Pro und Contra. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Martino Pietropoli on Unsplash

Wissenswertes

Erst geht der Geruch, am Ende das Hören

Was geschieht mit unserem Körper, wenn wir sterben? Was fühlen wir? Obwohl der Tod zum Leben dazu gehört, reden wir nicht gern darüber und wissen kaum etwas. Roland Schulz beschreibt in seinem Buch „So sterben wir“, was wir während unserer letzten Tage und Stunden erleben.

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So sterben wir: Anatomische Darstellung des menschlichen Ohres. Symbolbild. Der Hörsinn bleibt bei Sterbenden lange erhalten. Roland Schulz im Gespräch darüber, was in unserem Körper geschieht, wenn wir sterben, und warum wir über das Sterben reden sollten. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: picture alliance / Mary Evans Picture Library

Unsere Lieblinge

Lesetipp

Lesetipp: Cover des Buches „Marianengraben“ von Jasmin Schreiber, erschienen im Eichborn Verlag, 2020. In Prinzip Apfelbaum – Magazin über das, was bleibt. Ausgabe: Sterben

Sie begegnen sich nachts auf dem Friedhof: die depressive junge Paula und der wortkarge Rentner Helmut. Paula hat ihren kleinen Bruder verloren, Helmut die große Liebe seines Lebens. Gemeinsam machen sie sich auf die Reise, die Urne von Helmuts verstorbener Frau in die Berge zu bringen. Zwei schrullige Außenseiter in einem Wohnmobil, verbunden durch die Trauer: „Geht’s wieder?«, fragte er. „Nein.“ „Verstehe.“ Mit witziger Leichtigkeit und ohne jede Berührungsangst nähert sich Jasmin Schreiber dem Tod, dem Verlust und dem Ausnahmezustand der Trauernden. Das ist furchtbar traurig und gleichzeitig zum Lachen komisch.

Jasmin Schreiber: „Marianengraben“. Roman. Eichborn Verlag, 2020. 254 Seiten. 20 Euro.

Das Zitat

Zitat: Porträt der US-amerikanischen Sängerin und Bürgerrechtlerin Joan Baez, 1980 in der Schweiz. Prinzip Apfelbaum – Magazin über das, was bleibt. Ausgabe: Sterben. Foto: picture alliance / ullstein bild / Ruedi Bliggenstorfer
© picture alliance / ullstein bild / Ruedi Bliggenstorfer
Du kannst dir nicht aussuchen,
wie du stirbst. Oder wann.
Du kannst nur entscheiden,
wie du lebst. Jetzt.

JOAN BAEZ

geb. 1941, US-amerikanische Sängerin und Aktivistin

Berühmte Testamente: Bürgerspital zum Heiligen Geist Würzburg. Das Stifterpaar Johannes und Mergardis von Steren gründete das Spital 1316 für arme und pflegebedürftige Bürger. Durch weitere Zustiftungen und Testamente erfüllt es seinen Stiftungszeck bis heute. Ein Testament für den guten Zweck. Prinzip Apfelbaum – Magazin über das, was bleibt. Ausgabe: Sterben. Foto: Sammlung Willi Dürrnagel
© Sammlung Willi Dürrnagel

BERÜHMTE TESTAMENTE

Mergardis und Johannes von Steren

Stifter im Mittelalter hoffen darauf, mit großzügigen Gaben ihr ewiges Seelenheil zu sichern. So ergeht es wohl auch dem Würzburger Patrizier Johannes von Steren und seiner Frau Mergardis, als sie 1316 das „Neue Spital“ für arme und pflegebedürftige Menschen gründen und es dem Heiligen Geist widmen. Doch zugleich gehört das Stifterehepaar zu einem neuen erstarkendem Bürgertum und zeigt sich durchaus selbstbewusst. Die Verwaltung des Spitals geht nicht, wie bislang üblich, an die Kirche, sondern bleibt in Bürgerhand. Weitere Zustiftungen vermögender Würzburger sichern die laufende Versorgung. Dazu gehören zahlreiche Weinberge, deren Produkte wichtige Einkünfte bringen. Die Weine mit dem Etikett „Bürgerspital Würzburg“ machen die Stiftung über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Und noch heute, 700 Jahre später, dient das Spital seinem ursprünglichen Zweck. Drei Seniorenwohnstifte und drei Seniorenheime, eine Tagespflege und ein ambulanter Dienst versorgen täglich rund 800 Menschen in Würzburg.

83,3 Jahre

Die Zahl

Die Zahlen steigen und steigen: Inzwischen ist die durchschnittliche Lebenserwartung Neugeborener auf 83,3 Jahre bei Mädchen und 78,5 Jahre bei Jungen geklettert. Bewegen wir uns in Richtung Unsterblichkeit? Wohl kaum. Die Statistik spiegelt vor allem den Rückgang der Kindersterblichkeit sowie die Demokratisierung der Lebenserwartung: Dank sauberem Wasser, besserer Ernährung und medizinischem Fortschritt erreichen hierzulande immer mehr Menschen ein hohes Alter. Unserem Dasein bleibt jedoch eine physiologische Grenze gesetzt.

Schon gewusst?

Gleichzeitiges Versterben

Viele Eheleute ergänzen ihr Testament um eine Klausel für den Fall, dass sie „gleichzeitig” oder „gemeinsam” sterben. Doch das ist ein Extremfall, der nur selten eintritt. Viel häufiger kommt es vor, dass beispielsweise die eine am Unfallort stirbt, der andere später auf der Intensivstation. Erbrechtlich macht das einen Unterschied, denn dann greift die gesetzliche Erbfolge bzw. das Testament des später verstorbenen Ehepartners. Viel wichtiger ist es daher zu bestimmen, wer erben soll, wenn ein Partner unmittelbar nach dem anderen stirbt. Dabei sollte man klare und juristisch eindeutige Formulierungen wählen, zum Beispiel: „Für den Fall, dass wir innerhalb von 3 Wochen nacheinander versterben, soll der länger lebende Ehegatte alleiniger Erbe sein und nach seinem Versterben unser Sohn X Erbe werden“ oder „Schlusserbin des länger lebenden Ehegatten soll unsere Tochter Y sein“.

Michael Beuger, Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE

 

Ratgeber

Letzte-Hilfe-Kurse: Zwei Menschen halten sich bei den Händen. Symbolbild. Die meisten Menschen wünschen sich, im vertrautem Umfeld zu sterben. Doch Angehörige fühlen sich oft hilflos. Wie man Sterbende begleitet. Ein Ratgeber. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Mostafa Meraji on Unsplash

Letzte Hilfe: Wie man Sterbende begleitet

Die meisten Menschen wünschen sich, im vertrauten Umfeld und nicht allein zu sterben. Doch Angehörige und Freunde fühlen sich oft hilflos. Dabei können sie vor allem eines tun: für den Sterbenden da sein. Sogenannte Letzte-Hilfe-Kurse geben Rat und machen Mut. Denn den Umgang mit dem Tod kann man erlernen.

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Letzte-Hilfe-Kurse: Zwei Menschen halten sich bei den Händen. Symbolbild. Die meisten Menschen wünschen sich, im vertrautem Umfeld zu sterben. Doch Angehörige fühlen sich oft hilflos. Wie man Sterbende begleitet. Ein Ratgeber. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Mostafa Meraji on Unsplash
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Letzte Hilfe: Wie man Sterbende begleitet

Die meisten Menschen wünschen sich, im vertrauten Umfeld und nicht allein zu sterben. Doch Angehörige und Freunde fühlen sich oft hilflos. Dabei können sie vor allem eines tun: für den Sterbenden da sein. Sogenannte Letzte-Hilfe-Kurse geben Rat und machen Mut. Denn den Umgang mit dem Tod kann man erlernen.

Am Ende des Lebens finden Wunsch und Wirklichkeit nur selten zusammen. Danach gefragt, wo sie einmal sterben möchten, antworten zwei von drei Deutschen: in den eigenen vier Wänden. Tatsächlich in Erfüllung geht dies nur für jeden Fünften. Gestorben wird heute immer noch vor allem im Krankenhaus oder Pflegeheim. Ein Grund könnte sein, dass sich die wenigsten Menschen zutrauen, schwerkranke und sterbende Angehörige, Freunde oder Nachbarn zu Hause zu betreuen, vermutet der Arzt Geord Bollig. „Sie haben Angst davor, etwas falsch zu machen. Es fehlt an Grundwissen zur Sterbebegleitung.“

Georg Bollig hat schon mit 13 Jahren einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert, mit 17 wurde er Ausbilder für Erste Hilfe, später Rettungsassistent und schließlich Arzt für Anästhesie, Palliativmedizin und Schmerztherapie. Er lernte, wie wichtig Ersthelfer vor Ort sind. Niemand müsse Angst habe, sich im Notfall medizinisch zu betätigen, meint Bollig. Seine Erfahrungen in den verschiedenen Bereichen brachten ihn schließlich auf eine Idee: „Was dank der Ersten Hilfe nach einem Unfall oder Herzinfarkt möglich ist, kann auch am Lebensende eines Menschen geleistet werden – eine Letzte Hilfe.“ Durch eine Ausbildung in Letzter Hilfe könnten wir uns wieder aneignen, Schwerkranken und Sterbenden beizustehen.

Letzte-Hilfe-Kurse: Eine Hospizmitarbeiterin hält die Hand eines todkranken Menschen, der im Hospiz im Bett liegt. Symbolbild. In Letzte-Hilfe-Kursen kann man lernen, wie man Sterbende begleitet. Ein Ratgeber. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Picture Alliance/dpa|Felix Kästle

Wir sollten nicht unvorbereitet sein

Meistens trifft uns der Tod, weil ein Mensch, mit dem wir verbunden waren, stirbt. Immer häufiger passiert das nicht plötzlich und unerwartet, sondern das Sterben verläuft langsam und vorhersehbar. Aber einen Menschen begleiten, der im Sterben liegt? Für viele, die mitten im Leben stehen, ist das kein Thema, mit dem sie sich gerne beschäftigen. „Dass wir mit dem Sterben anderer konfrontiert werden, ist lediglich eine Frage der Zeit. Deshalb sollten wir nicht unvorbereitet sein“, betont Bollig.

Der Mediziner gründete die gemeinnützige Organisation „Letzte Hilfe“ und entwickelte ein Konzept gleichen Namens, das sich an der Ersten Hilfe orientiert: kurz genug, um möglichst viele Teilnehmenden zu gewinnen, und klar strukturiert, um wichtiges Basiswissen zu vermitteln, das man später problemlos anwenden kann. Anders aber als Erste-Hilfe-Kurse, bei denen die Lebensrettung im Fokus steht, vermitteln Letzte-Hilfe-Kurse, wie man Leid lindert und Lebensqualität erhält. Kurz: was man für seine Nächsten am Ende ihres Lebens tun kann. So sollen mehr Menschen den Mut haben, ihre Angehörigen zu Hause zu betreuen.

Wissen gibt Sicherheit

Es beruhigt, wenn man weiß, dass die Mutter nicht stirbt, weil sie nichts mehr trinkt oder isst, sondern umgekehrt: Dass sie keinen Durst und keinen Hunger hat, weil sie stirbt. Dass ein trockener Mund auch mit kleinen Eiswürfeln aus dem Lieblingsgetränk befeuchtet werden kann. Dass fahrige Bewegungen oder ein unruhiges Zupfen an der Bettdecke nicht ungewöhnlich sind. Oder dass sich der Vater nicht unbedingt quält, wenn sein Atem in den letzten Stunden rasselt. Es ermutigt, die Hand zu halten, leise zu sprechen oder ruhige Musik zu hören, wenn man weiß, dass das Gehör das letzte ist, was geht. Und es tröstet, zu wissen, dass viele Menschen gerade dann sterben, wenn die Angehörigen das Zimmer kurz verlassen haben.

Kleines 1×1 der Sterbebegleitung

Inzwischen bieten immer mehr Organisationen solche Letzte-Hilfe-Kurse an, die nach einem festen Schema ablaufen und internationale Standards erfüllen. Die Kursleiter haben in der Regel Erfahrung in der Palliativversorgung. Es sind Ärzte, Pflegekräfte, Hospizmitarbeiter, die sich ehrenamtlich betätigen. Die vier Module á 45 Minuten umfassen das Sterben als Teil des Lebens, das Vorsorgen und Entscheiden, das Lindern des Leidens und das Abschiednehmen.

Sterben in Würde

Wegweiser Hospiz: Hand eines älteren, sterbenden Menschen auf einer Bettdecke. Symbolbild. Hospizdienste, stationäre Hospize und SAPV-Teams ermöglichen ein Sterben in Geborgenheit und Würde. Ein Wegweiser für Betroffene und Angehörige. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: luftibong/Photocase.de

Hospizarbeit und palliative Versorgung ermöglichen es schwerkranken und sterbenden Menschen, bis zuletzt in ihrem häuslichen Umfeld zu bleiben. Auch für Angehörige sind erfahrene Ärztinnen und Ärzte, Hospize und ambulante palliative Dienste eine wichtige Stütze. Mehr Infos in unserem Wegweiser Hospizarbeit.

Wer an den Kursen teilnimmt, lernt in kleinen Gruppen, wie der Sterbeprozess verläuft, woran man das Sterben erkennt, wann es beginnt, was dabei passiert, aber auch, wie man selbst damit zurechtkommen kann, wenn man plötzlich erlebt, dass die Lebenszeit begrenzt ist, und mit den Sterbephasen konfrontiert wird. Medizinische und ethische Entscheidungen kommen ebenso zur Sprache wie der rechtliche Rahmen, etwa Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Aber auch ganz handfeste Herausforderungen sind Thema: belastende Beschwerden, Symptome und ihre Linderung mit und ohne Medikamente, Flüssigkeitsgabe, Ernährung und Mundpflege. Nicht zuletzt geht es auch um Bestattung und Trauer: Rituale, Bestattungsformen und Vorschriften, hierzulande und auch in anderen Kulturen. Ohnehin ist das die wichtigste Lektion für die Kursbesucher: Einen Sterbenden zu begleiten, das bedeutet vor allem für ihn da zu sein, da zu bleiben und schließlich auch loszulassen.

Sterblichkeit ist klassen- und alterslos

„Die Veranstaltungen geben allen Teilnehmenden Raum für Gespräche und Fragen. Denn neben der Wissensvermittlung ist der persönliche Austausch wichtig“, sagt Matthias Jach, Mitarbeiter in der Bundesgeschäftsstelle der Johanniter-Unfall-Hilfe. Jach wurde durch einen Radio-Beitrag auf die Letzte-Hilfe-Kurse aufmerksam: „Das passte zu mir persönlich wie zu den Johannitern, weshalb ich eine Schulung zum Kursleiter absolviert habe.“ Seitdem hat er mehrere Seminare ehrenamtlich geleitet: Die Gruppen mit bis zu 15 Leuten seien immer bunt gemischt, erzählt Jach. „Sterblichkeit hat kein Geschlecht, ist klassen- und alterslos.“

Das Sterben erleichtern

  • Zwingen Sie Sterbende nicht zum Essen und Trinken. Bieten Sie Flüssigkeit an, damit der Mund nicht austrocknet.
  • Sorgen Sie für warme Hände und Füße.
  • Wird das Atmen schwer, richten Sie den Oberkörper leicht auf.
  • Haben Sie Verständnis, wenn der Sterbende wirr spricht. Beruhigen Sie ihn, wenn er sich ängstigt.
  • Halten Sie die Hand, sprechen Sie ruhig, auch leise Musik kann beruhigen.
  • Manchen Menschen fällt es leichter zu gehen, wenn Angehörige den Raum für einen Moment verlassen.

Wer die Anzeichen des nahenden Todes erkennt, kann in Ruhe Abschied nehmen und dem geliebten Menschen den Sterbeprozess erleichtern. Mehr lesen…

Kurse in der Nähe

Letzte-Hilfe-Kurse: Logo des Vereins Letzte Hilfe e.V., der in ganz Deutschland Kurse in Letzter Hilfe anbietet. In den Letzte-Hilfe-Kursen kann man lernen, wie man Sterbende begleitet. Ein Ratgeber. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Letzte Hilfe e.V.

Letzte-Hilfe-Kurse werden in ganz Deutschland angeboten, teilweise kostenlos, teilweise gegen eine Kostenerstattung von bis zu 20 Euro pro Person. Während der Corona-Krise gibt es einige Kurse auch online. Termine und Infos finden sich auf www.letztehilfe.info.

TEXT: Lars Klaaßen
FOTOS: Mostafa Meraji/Unsplash, Picture Alliance/dpa/Felix Kästle, luftibong/Photocase.de, Letzte Hilfe e.V.

Wegweiser Hospiz: Hand eines älteren, sterbenden Menschen auf einer Bettdecke. Symbolbild. Hospizdienste, stationäre Hospize und SAPV-Teams ermöglichen ein Sterben in Geborgenheit und Würde. Ein Wegweiser für Betroffene und Angehörige. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: luftibong/Photocase.de

Hospizarbeit: Für einen würdevollen Abschied

Den idealen Ort zum Sterben gibt es nicht. Aber wer nicht im Krankenhaus sterben möchte, findet Alternativen. Hospizdienste und stationäre Hospize ermöglichen ein Sterben in Geborgenheit und Würde. Auch die palliative Versorgung, SAPV, spielt dabei eine Rolle. Ein Wegweiser für Betroffene und Angehörige.

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Wegweiser Hospiz: Hand eines älteren, sterbenden Menschen auf einer Bettdecke. Symbolbild. Hospizdienste, stationäre Hospize und SAPV-Teams ermöglichen ein Sterben in Geborgenheit und Würde. Ein Wegweiser für Betroffene und Angehörige. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: luftibong/Photocase.de
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Hospizarbeit: Für einen würdevollen Abschied

Den idealen Ort zum Sterben gibt es nicht. Aber wer nicht im Krankenhaus sterben möchte, findet Alternativen. Hospizdienste und stationäre Hospize ermöglichen ein Sterben in Geborgenheit und Würde. Auch die palliative Versorgung, SAPV, spielt dabei eine Rolle. Ein Wegweiser für Betroffene und Angehörige.

Wegweiser Hospiz: Eine Hospizmitarbeiterin spricht mit einer schwerkranken Frau. Symbolbild. Hospizdienste, stationäre Hospize und SAPV-Teams ermöglichen ein Sterben in Geborgenheit und Würde. Ein Wegweiser für Betroffene und Angehörige. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: picture alliance/BSIP | Amelie-Benoist

Was ein Hospiz ist, weiß mittlerweile mehr als die Hälfte der Bundesbürger: ein Ort, an dem man sich nicht nur medizinisch, sondern auch psychisch und seelsorgerisch um todkranke Menschen kümmert. Meist sind es kleine, familiäre Einrichtungen. Anders als im Krankenhaus oder einer herkömmlichen Pflegeeinrichtung wird hier viel Wert auf eine angenehme Umgebung und Betreuung der Sterbenden und ihrer Angehörigen gelegt. Auch Renate M. dachte sofort an ein Hospiz, als es ihrer hochbetagten Mutter immer schlechter ging. „Ich war unzufrieden mit der Versorgung im Altenheim und wünschte mir, dass sie ihre letzten Tage in einem Hospiz verbringt“, erzählt sie. Doch das örtliche Hospiz lehnte die Aufnahme ab.

Stationäre Hospize

Bundesweit gibt es inzwischen etwa 260 solcher stationärer Einrichtungen. Die Plätze sind begehrt. Für die Aufnahme gelten deshalb klare Voraussetzungen. Patienten müssen an einer unheilbaren Krankheit leiden, die in absehbarer Zeit zum Tod führt. Und zweitens: Eine Behandlung im Krankenhaus ist nicht erforderlich, die Versorgung kann auch im eigenen Haushalt oder in der Familie stattfinden. In der Regel kann man also nicht einfach vom Pflegeheim in ein Hospiz wechseln.

SAPV-Teams versorgen Sterbende zu Hause

Wer wie Renate M. keinen Platz in einem stationären Hospiz bekommt, kann seine Angehörigen in häuslicher Umgebung betreuen lassen. „Zu Hause oder in einem Pflegeheim ist die Versorgung durch ein Team der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, möglich“, sagt Benno Bolze, Geschäftsführer des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes. Die sogenannten SAPV-Teams kommen zu den Patienten nach Hause oder ins Heim, wenn sie schwer erkrankt sind, eine aufwendige Betreuung benötigen und auf ihr Lebensende zugehen. Die Pflegekräfte sind 24 Stunden erreichbar und besonders geschult. Zum Team gehört zudem ein Palliativmediziner. Ihre Aufgabe ist es, Symptome und vor allem Schmerzen so gut wie möglich zu lindern. „Die SAPV-Versorgung wird zum Beispiel vom Hausarzt verordnet und muss von der Krankenkasse genehmigt werden“, erklärt Benno Bolze. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten in vollem Umfang. Auch private Krankenversicherungen zahlen meistens. Vorsichtshalber sollte man sich die Kostenübernahme aber vorher genehmigen lassen.

Ambulante Hospizdienste

Das Konzept der SAPV-Teams überzeugte Renate M. Allerdings wurde auch hier eine Versorgung ihrer Mutter abgelehnt: „Sie ist sehr schwach und wir rechnen eigentlich jeden Tag damit, dass sie stirbt. Aber sie leidet ja nicht an einer lebensbedrohlichen Krankheit.“ Deswegen wird ihre Mutter jetzt regelmäßig von ehrenamtlichen Hospizhelfern besucht. Gut 1.500 ambulante Hospizdienste gibt es im Bundesgebiet. Die Mitarbeitenden, die zuvor eine besondere Ausbildung absolviert haben, besuchen schwerstkranke und sterbende Menschen zu Hause oder im Heim. Sie kümmern sich um die Sterbenden, leisten ihnen Gesellschaft, machen Besorgungen und begleiten die Mahlzeiten. Hospizhelfer begleiten aber auch die Familien durch die Zeit des Sterbens und Abschiednehmens – und häufig auch in der Trauerphase.

Auszeit für Angehörige

Nach dem Pflegegesetz können sich Beschäftigte, die einen nahen Angehörigen in der letzten Lebensphase begleiten möchten, bis zu drei Monate vollständig oder teilweise freistellen lassen. Die Begleitung muss nicht zu Hause erfolgen. Mehr Infos gibt es auf wege-zur-pflege.de und am Pflegetelefon unter (030) 20179131.

Wie finde ich das richtige Angebot?

Gesetzliche und private Krankenkassen sind seit 2016 gesetzlich verpflichtet, über Palliativversorgung, Hospizdienste und -stationen in der Region zu informieren. Eine kostenlose Beratung bieten auch ambulante Hospizdienste und kommunale Pflegestützpunkte. Nicht zuletzt können Hausärzte und die Sozialdienste in Krankenhäusern weiterhelfen. Eine gute Anlaufstelle ist der Deutsche Hospiz- und Palliativverband. „Wir haben sehr viele Anfragen zu Fragen der Begleitung und Versorgung von Sterbenden, aber zum Beispiel auch zu Patientenverfügungen“, sagt Geschäftsführer Bolze.

Wegweiser Hospiz

Betroffene und Angehörige, die erfahrene Ärzte, Hospize und ambulante Dienste in ihrer Nähe suchen, werden hier fündig: Das Online-Portal Wegweiser Hospiz- und Palliativversorgung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin umfasst mehr als 3.200 Adressen in ganz Deutschland.

Die Kosten eines Hospizaufenthaltes werden zu 95 Prozent von den Krankenkassen übernommen. Die restlichen Kosten tragen die Hospize selbst, die sich durch Spenden und durch ehrenamtliche Hospizhelfer finanzieren. Gleiches gilt für ambulante Hospizdienste.

Egal ob ambulante oder stationäre Sterbebegleitung – Hospizarbeit und sepzialisierte palliative Versorgung machen ein Sterben in Würde möglich. Sie helfen dabei, dass Sterbenden und ihre Angehörigen den Tod wieder als einen Teil des Lebens erleben.

Letzte-Hilfe-Kurse

Letzte-Hilfe-Kurse: Zwei Menschen halten sich bei den Händen. Symbolbild. Die meisten Menschen wünschen sich, im vertrautem Umfeld zu sterben. Doch Angehörige fühlen sich oft hilflos. Wie man Sterbende begleitet. Ein Ratgeber. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Mostafa Meraji on Unsplash

Viele Angehörige haben Angst davor, ihren schwerkranken und sterbenden Liebsten bis zum Ende beizustehen. Doch den Umgang mit dem Tod kann man lernen. Letzte-Hilfe-Kurse bereiten darauf vor und machen Mut.
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Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 13: STERBEN. USA. Brooklyn, NY. 2016: Eine weiße Gardine weht im Luftzug in einem Appartment. Symbolbild. Was wissen wir über das Sterben? Wie wollen wir sterben? Wie können wir uns vorbereiten? Was zählt am Ende wirklich und was bleibt, wenn wir nicht mehr sind? Foto: David Alan Harvey / Magnum Photos / Agentur Focus

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TEXT: Angelika S. Friedl
FOTOS: luftibong/Photocase.de, picture alliance/BSIP/Amelie-Benoist, Mostafa Meraji/Unsplash

Spirituelles Testament: Hände eines Mannes, zum Beten gefaltet. Symbolbild. Auch geistig-seelische Fragen sollte man rechtzeitig regeln: Wer soll bei mir sein, wenn ich sterbe? Wünsche ich besondere Rituale? Wie möchte ich bestattet werden? Lisa Freund hat dafür einen Fragebogen entwickelt. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Ira Ostafijchuk on Unsplash

Spirituelles Testament: Seelisch loslassen

Mit einem Testament regeln Menschen ihren Nachlass, mit einer Patientenverfügung medizinische Aspekte. Doch auch geistig-seelischen Fragen sollte man sich widmen: Wer soll bei mir sein? Wünsche ich besondere Rituale? Wie möchte ich bestattet werden? Lisa Freund hat dafür einen Fragebogen entwickelt.

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Spirituelles Testament: Hände eines Mannes, zum Beten gefaltet. Symbolbild. Auch geistig-seelische Fragen sollte man rechtzeitig regeln: Wer soll bei mir sein, wenn ich sterbe? Wünsche ich besondere Rituale? Wie möchte ich bestattet werden? Lisa Freund hat dafür einen Fragebogen entwickelt. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Ira Ostafijchuk on Unsplash
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Spirituelles Testament: Seelisch loslassen

Mit einem Testament regeln Menschen ihren Nachlass, mit einer Patientenverfügung medizinische Aspekte. Doch auch geistig-seelischen Fragen sollte man sich widmen: Wer soll bei mir sein? Wünsche ich besondere Rituale? Wie möchte ich bestattet werden? Lisa Freund hat dafür einen Fragebogen entwickelt.

Memento mori – „bedenke, dass Du sterben wirst“, mahnten die Mönche schon im Mittelalter. Doch wer beschäftigt sich schon gerne mit dem Tod? Dabei lohnt es sich, sich mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen und sich innerlich darauf vorzubereiten“, sagt Lisa Freund, die seit 30 Jahren in der Hospizbewegung tätig ist und ehrenamtlich sterbenskranke Menschen begleitet. Sie weiß aus Erfahrung: „Wer sich seinen Ängsten und Unklarheiten stellt und mit sich und seinen Nächsten im Reinen ist, wird sich leichter tun, die Schwelle vom Leben zum Tod zu überschreiten.“

Viele kleine Schritte des Abschieds

Mit Blick auf den eigenen Tod wird die Verlustangst für viele absolut. Dabei gewöhnen wir uns bereits mit dem Älterwerden Schritt für Schritt an das Abschiednehmen, oft unmerklich: Im Alter lassen unsere körperlichen Fähigkeiten nach, auch unser Bewusstsein und unsere Sinneserfahrungen können sich trüben. Einige geben das Haus oder die große Wohnung auf, verkleinern sich, ziehen in eine Senioreneinrichtung und belegen am Ende ein Bett in der Pflegeabteilung. „Das ist ein Prozess, bei dem wir vom Leben loslassen, und es ist wichtig, ihn für sich positiv zu gestalten, ihn selbst in die Hand zu nehmen, solange das geht“, sagt Freund.

Das Loslassen findet auch in formellen Schritten statt, etwa wenn man Besitztümer verschenkt oder ein Testament aufsetzt und regelt, wer einmal was bekommen soll. Sich von Materiellem zu trennen, ist zugleich ein seelischer Abschied, bei dem man noch einmal seine Aufmerksamkeit auf die Dinge lenken kann. „Es ist eine Gelegenheit, sich daran zu erinnern, welchen inneren Wert sie für uns haben“, meint Freund. „Viele Gegenstände sind die Hülle für etwas, das wir persönlich damit verbinden.“

Zurückblicken und Loslassen

Auch die Vorsorge für den Ernstfall ist eine Übung im Loslassen. „Angesichts der bevorstehenden Auflösung unseres Körpers kann es hilfreich sein, sich mit möglichen Szenarien auseinanderzusetzen und dann zu entscheiden, was für einen selbst sinnvoll ist“, so Freund. Welche medizinische Behandlung möchte ich, welche auf keinen Fall? Wer soll für mich entscheiden? Dieser Wille wird in einer Patientenverfügung und in Vollmachten niedergelegt.

Spirituelles Testament: Schatten eines Fensterkreuzes auf einem Parkettboden. Symbolbild. Auch geistig-seelische Fragen sollte man rechtzeitig regeln: Wer soll bei mir sein, wenn ich sterbe? Wünsche ich besondere Rituale? Wie möchte ich bestattet werden? Ein Ratgeber. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: wronge57/Photocase.de

Wer das eigene Leben betrachtet, blickt zurück auf einen Reichtum an Erfahrungen, auf Krisen, auf Hoch-Zeiten und zahlreiche Wandlungen. Und nicht nur das: „Je öfter man sein Leben betrachtet, umso deutlicher wird, dass Rückblick nicht gleich Rückblick ist“, weiß Freund. „Der Blickwinkel, den Sie im jeweiligen Moment einnehmen, prägt die Erinnerung. Die Erinnerung ist nichts Konstantes, sondern jedes Mal leicht verändert.“ Wer sich bewusst macht, dass sich alles permanent wandelt, selbst die Erinnerungen an das eigene Leben, dem fällt vielleicht auch der Weg vom Leben in den Tod leichter.

Welche Rolle spielt Spiritualität für mich?

Um inneren Frieden zu finden, empfiehlt Lisa Freund, sich den existenziellen Fragen zu stellen und persönliche Wünsche für die letzte Lebensphase und den Abschied in einer Art „spirituellem“ Testament aufzuschreiben. Auch für Menschen, für die Religion und Spiritualität im Alltag keine Rolle gespielt haben, können diese Aspekte am Lebensende eine neue Bedeutung entwickeln. Daraus ergeben sich Fragen: Glaube ich, dass etwas von mir bleibt, wenn mein Körper nicht mehr da ist? Gibt es Rituale oder Symbole, die mir helfen? Und was folgt daraus für den Umgang mit meinem Leichnam?

Spirituelles Testament: Eine Frau hält nachts im Kreis einer Gruppe eine Kerze. Symbolbild. Auch geistig-seelische Fragen sollte man rechtzeitig regeln: Wer soll bei mir sein, wenn ich sterbe? Wünsche ich besondere Rituale? Wie möchte ich bestattet werden? Ein Ratgeber. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: SianStock/Photocase.de

Einfache spirituelle Praktiken, etwa Gebete, Mediationen, Mantras, können am Lebensende helfen, das Herz zu öffnen und weit werden zu lassen, meint Freund. Das müssen keine religiösen sein. Auch ein Text, ein Gedicht oder ein Musikstück, das einen berührt oder viel bedeutet, können beruhigen, trösten und Kraft geben. Wichtig ist, nicht nur das Richtige für sich selbst zu finden, sondern auch andere darüber zu informieren. In einem „spirituellen“ Testament lassen sich diese Wünsche festhalten: Wen möchte ich um mich haben, wenn ich sterbe? Möchte ich etwas vorgelesen bekommen oder ein bestimmtes Lied hören? Soll mein Leichnam eingekleidet und aufgebahrt werden? Wie möchte ich bestattet und verabschiedet werden?

Wünsche klären und zu Papier bringen

Um für die Hinterbliebenen Klarheit zu schaffen, empfiehlt es sich, seine Vorstellungen für den Abschied mit Datum zu unterzeichnen und gegebenenfalls bezeugen zu lassen. Wichtig: Diese Wünsche sollten nicht im Testament festgeschrieben werden, in dem der Nachlass geregelt wird, denn dieses kommt erst nach dem Tod zur Geltung. Damit die seelischen Bedürfnisse zum richtigen Zeitpunkt gelesen werden, bewahrt man sie am besten mit der Patientenverfügung auf. „Am Ende meines ‚spirituellen’ Testaments habe ich notiert: ‚Es ist auch in Ordnung, wenn die Dinge anders geschehen‘“, berichtet Lisa Freund. „Ein solcher Satz ist wichtig – für den Prozess des Loslassens.“

Fragebogen für das „spirituelle“ Testament

Wir können uns auf den Tod nur einstellen, indem wir uns bewusst mit ihm auseinandersetzen. In ihrem Ratgeber vermittelt Sterbebegleiterin Lisa Freund wichtiges Basiswissen und verbindet dabei praktische und emotionale Aspekte. Ein Auszug aus ihrem Fragebogen:

  • Gehören Sie einer religiösen oder spirituellen Gemeinschaft an?
  • Welche Wünsche haben Sie für die spirituelle Begleitung vor dem Tod? Wünschen Sie den Besuch eines Geistlichen, Gespräche, eine spirituelle Praxis oder besondere Rituale? Was soll auf keinen Fall passieren?
  • Gibt es Gebete, Texte, Musik, wichtige Sätze, die an Ihrem Bett gesprochen/gespielt werden sollen? Was möchten Sie nicht?
  • Wie soll mit Ihrem Leichnam umgegangen werden? Wünschen Sie eine besondere spirituelle Begleitung nach dem Tod? Wollen Sie eine Leichenwäsche und Einkleidung Ihres Leichnams? Was soll im Umgang mit Ihrem Leichnam auf keinen Fall passieren?
  • Gibt es Rituale, die nach Ihrem Tod am Totenbett vollzogen werden sollen? Dürfen die Angehörigen von Ihnen Abschied am Totenbett nehmen? Was wollen Sie nicht?
  • Gibt es besondere Wünsche für die Trauerfeier?

Lisa Freund: „Sterben können. Wie wir uns darauf vorbereiten – wie wir Abschied nehmen – wie wir Nahestehende begleiten.“ Erschienen bei Knaur MensSana, 2014.

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Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 13: STERBEN. USA. Brooklyn, NY. 2016: Eine weiße Gardine weht im Luftzug in einem Appartment. Symbolbild. Was wissen wir über das Sterben? Wie wollen wir sterben? Wie können wir uns vorbereiten? Was zählt am Ende wirklich und was bleibt, wenn wir nicht mehr sind? Foto: David Alan Harvey / Magnum Photos / Agentur Focus

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TEXT: Lars Klaaßen
FOTOS: Ira Ostafijchuk/Unsplash, wronge57/Photocase.de, SianStock/Photocase.de

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Das tut gut: EIn Junge blickt traurig in die Kamera. In der Corona-Krise fehlen armen Familien die Mittel für digitales Lernen. Das Deutsche Kinderhilfswerk unterstützt mit Nothilfepaketen. Das DKHW ist Mitglied der Initiative

Computer und Nachhilfe

Bildungsungerechtigkeit zeigt sich in Corona-Zeiten besonders scharf. Wer von Zuhause aus nicht das nötige Rüstzeug erhält, verliert in der Schule den Anschluss. Das Deutsche Kinderhilfswerk unterstützt benachteiligte Kinder mit Lernhilfepaketen. Dazu gehören Schulranzen für Erstklässlerinnen und Erstklässler sowie Nachhilfe, PCs, Drucker, Internetanschlüsse, Bildungs- und Beschäftigungsmaterialien für Kitakinder und Kinder in Flüchtlingsunterkünften. Spenden sind willkommen, damit Kinder aus armen Familien nicht weiter abgehängt werden.

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Das tut gut: Was bedeutet das Corona-Virus für Schlaganfall-Patienten? Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe gibt Rat und Informationen zur Handhygiene. Die SDSH ist Mitglied der Initiative

Handhygiene und Schlaganfall

Was bedeutet das Corona-Virus für Schlaganfall-Patienten? Worauf müssen Betroffene achten? Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen und steht beratend zur Seite. Gemeinsam mit Experten der Aatalklinik hat die Schlaganfall-Hilfe zudem Informationen zur Handhygiene für Menschen mit einer halbseitigen Lähmung zusammengestellt. Sie nutzen meist ausschließlich ihre gesunde Hand, zum Beispiel beim Einkaufen oder beim Festhalten im Bus, weshalb diese häufiger mit Keimen oder Viren in Kontakt ist.

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Das tut gut: Die Plakatkampagne von action medeor zeigt, wie schwer es für viele Menschen ist, an notwendige Medikamente zu kommen. action medeor ist Mitglied der Initiative

Medikamentenhilfe weltweit

„100 Kilometer für ein Medikament – Das geht zu weit!“ Die neue Plakatkampagne von action medeor macht darauf aufmerksam, wie schwer es für viele Menschen ist, an notwendige Medizin zu kommen. Etwa eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu einer angemessenen und bezahlbaren Gesundheitsversorgung. Als Notapotheke setzt sich action medeor seit mehr als 50 Jahren für die globale Gesundheit ein: durch die Bereitstellung von Medikamenten, den Aufbau nachhaltiger Infrastrukturen und pharmazeutische Ausbildung.

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Das tut gut: In der Corona-Krise fordert die Stiftung Bildung mehr Bildungsgerechtigkeit. Die Stiftung Bildung ist Mitglied der Initiative

Mut zu mehr Bildungsgerechtigkeit

Die geschlossenen Kindergärten und Schulen machten deutlich, wie unterschiedlich die Bedingungen sind, unter denen Kinder und Jugendliche lernen: Einige wurden weiter abgehängt. Mit ihrem Bundesprogramm „Menschen stärken Menschen“ setzt die spendenfinanzierte Stiftung Bildung auf Patenschaften. Kinder und Jugendliche unterstützen sich gegenseitig, wo Sprachbarrieren oder der Bildungshintergrund herausfordernd sind. Zudem fordert die Stiftung mehr Mut, die strukturelle Benachteiligung im Bildungssystem abzubauen.

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