Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt

No. 16 – ERFAHRUNG

No. 16 – ERFAHRUNG

Die Edelkastanie in Sant'Alfio auf Sizilien ist 4000 Jahre alt. Wie Wurzeln geben uns unsere Erfahrungen halt. Wie können wir sie weitergeben?
© Ferdinando Scianna / Magnum Photos / Agentur Focus

Editorial

Je älter wir werden, desto reicher an Erfahrungen. Sie sind ein Schatz, den wir tief in uns tragen: Die guten wie die schlechten, die schönen wie die schrecklichen Erfahrungen. Alle zusammen bilden sie das feste Wurzelwerk unserer Einstellungen, Bewertungen und Erinnerungen. Sie stützen uns beim Wachsen, halten uns in der Mitte und bewahren uns davor, in stürmischen Zeiten umzufallen. Je älter wir werden, desto fester und dicker werden diese Wurzeln.

Aber wie die Wurzeln großer Bäume sind viele unserer Erfahrungen tief vergraben. Wir müssen in uns hineinhören: Für welche Erfahrungen sind wir dankbar, für welche nicht, was haben wir aus ihnen gelernt? Und was wollen wir eigentlich von unserem Erfahrungsschatz weitergeben, was für immer ruhen lassen?

Nur durch Erinnern, durch Erzählen können wir reflektieren und weitergeben, was wir erlebt haben und was uns bewegt hat. Denn unsere Erfahrungen sind nicht nur für uns selbst wichtig und wertvoll, sondern auch für die Jungen. Das kennen wir aus den gemütlichen Runden, wenn gefragt wird: „Sag doch mal, wie war denn das?“ Wenn Geschichten aus dem Leben erzählt werden. Das interessiert besonders die Enkelkinder. Und manchmal kommen wir ihnen dann sogar ein wenig weise vor. Deshalb geht es in dieser Ausgabe unseres Magazins um den Umgang mit unseren Erfahrungen und wie wertvoll dieses Wurzelwerk für uns alle ist.

Susanne Anger

Sprecherin der Initiative
"Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum"

Zum Titelbild

4000 Jahre, so alt könnte die berühmte Edelkastanie im sizilianischen Sant’Alfio gleich am Fuße des Vulkans Ätna sein. Der Baum stand wahrscheinlich schon hier, als die Römer die Provinz Sicilia eroberten. Seine zerfurchte Rinde und die knöcherigen Wurzeln haben so manchen Vulkanausbruch erlebt. Doch bisher haben die Lavaströme des Ätnas ihn nie erreicht.

Menschen

„Wir sind mitverantwortlich für alles, was passiert.“

Franz Müntefering blickt zurück auf ein ereignisreiches Politikerleben. Im Gespräch erklärt das SPD-Urgestein, wie Erfahrungen helfen können, durch die Corona-Pandemie zu kommen und was ihn dazu bewegt hat, 1966 in die Politik zu gehen. Der 81-Jährige ist überzeugt: Gesellschaftliche Verantwortung endet nicht mit dem Ruhestand.

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Der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering: mit 81 in zahlreichen Ehrenämtern aktiv, um Erfahrungen weiterzugeben.

Impulse

Austausch zwischen den Generationen

Ein pensionierter Richter diskutiert an einer Schule über Recht und Gerechtigkeit, ein ehemaliger Techniker hilft Nachbarn bei Reparaturen – die Älteren haben viel Wissen weiterzugeben. Das Beste daran: Der Austausch zwischen den Generationen ist ein Geben und Nehmen.

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Zwei Männer auf einer Treppe. Vom Austausch profitieren Jung und Alt.

Wissenswertes

Man könnte es auch Weisheit nennen

Manche Menschen sind nicht nur erfahren, sondern sogar weise. Weisheit hat viel damit zu tun, wie wir mit unseren Lebenserfahrungen umgehen, ob wir verbittern oder stattdessen offen und gelassen bleiben. Was macht weise Menschen aus? Was können wir von ihnen lernen?

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Auge eines Elefanten. Sich der Welt verbunden fühlen und mit einer Testamentsspende bleibende Werte schaffen.

Unsere Lieblinge

Lesetipp

Cover des Buches

Zwei Frauen fahren von Mostar nach Wien. Sara hat vor Jahren Bosnien verlassen und lebt seitdem in Irland, weit weg vom Chaos des Balkans. Die Begegnung mit ihrer Kindheitsfreundin, der wilden Lejla, führt sie zurück in die dunkle Vergangenheit: die gemeinsame Schulzeit, als aus Lejla plötzlich Lela wurde und ihr Bruder verschwand, in den Sara verliebt war. Der Krieg wird nie explizit erwähnt und hat doch das Leben der beiden Frauen bestimmt. Ihre Freundschaft ging ebenso in die Brüche wie das Land. Und wie das Land ist diese Lejla faszinierend und zugleich unberechenbar und fordernd, eigentlich unerträglich. Sara kann dem nicht entkommen: „Wir sind immer in Bosnien.“ Virtuos erzählt!

Lana Bastašič: „Fang den Hasen“. Roman. Fischer Verlag, 2021. 336 Seiten. 22 Euro.

Peter Benenson, Gründer der größten, spendenfinanzierten Menschenrechtsbewegung weltweit
© IMAGO / United Archives International

Ideen, die bleiben

Amnesty International

1961, während der Militärdiktatur in Portugal stoßen in Lissabon zwei Studenten auf die Freiheit an und landen prompt im Gefängnis. Der Londoner Anwalt Peter Benenson ist empört und veröffentlicht einen Artikel in The Observer: „Schlagen Sie Ihre Zeitung an einem beliebigen Tag auf und Sie werden eine Meldung aus irgendeinem Teil der Welt finden: Ein Mensch ist eingesperrt, gefoltert, hingerichtet worden, weil seine Ansichten oder seine Religion nicht von der Regierung akzeptiert werden.“ Benenson will die Schicksale einzelner Gefangener bekannt machen und so öffentlich Druck erzeugen. Seine Idee: Wenn viele Leute gleichzeitig protestieren, könnte es einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Die Zustimmung ist enorm, der Artikel wird von 30 Zeitungen weltweit nachgedruckt, tausende Menschen beteiligen sich an dem Aufruf.

Es ist die Geburtsstunde von Amnesty International vor 60 Jahren. Aus dieser Aktion entsteht die größte Menschenrechtsbewegung der Welt. Mittlerweile unterstützen mehr als zehn Millionen Menschen den Einsatz für die Menschenrechte.

31%

Die Zahl

Immer mehr ältere Menschen bringen sich mit ihren Lebenserfahrungen in ein Ehrenamt ein: etwa im Sportverein, als Lesepaten für Kinder, bei der Unterstützung für Geflüchtete, im Umweltschutz oder in politischen Initiativen. Laut dem Freiwilligensurvey des Deutschen Zentrums für Altersfragen engagieren sich mittlerweile über 31 Prozent der Menschen ab 65 Jahren freiwillig. Bei einer Umfrage 1999 lag die Engagementquote unter den Älteren noch bei 18 Prozent. Eine wichtige Motivation: die Gesellschaft zumindest im Kleinen mitzugestalten.

Schon gewusst?

Ehepaare ohne Kinder

Sie haben viele Jahre miteinander verbracht und oft alles geteilt: Viele kinderlose Ehepaare denken daher, dass nach dem Tod der andere Partner automatisch alles erbt. Doch die gesetzliche Erbfolge sieht neben dem Ehegatten auch die Eltern oder nächsten Verwandten des Toten als Erben vor. Die Höhe des Anteils richtet sich danach, welche Verwandten noch leben und in welchem Ehestand man gelebt hat. Umso wichtiger ist es, ein Testament zu machen, in dem sich die Ehegatten gegenseitig als Alleinerben einsetzen. Dadurch können gemeinsame Güter wie Haus, Wohnung oder Wertgegenstände ausschließlich an den überlebenden Partner übergehen. Je mehr Vermögen vorliegt, desto ratsamer wird es, sich dafür Hilfe von einem Rechtsanwalt zu suchen. Allerdings: Auch durch ein Testament wird der Pflichtteil für Verwandte noch nicht ausgeschlossen. Wer ganz sicher gehen will, lässt deshalb seine Eltern oder nächsten Verwandten einen Pflichtteilsverzichtsvertrag unterschreiben. Dieser muss notariell beurkundet werden.

Michael Beuger, Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE

Ratgeber

Alte Aufnahme zweier Kinder: Erfahrungen stärken uns.

Erinnern: Wie unsere Erfahrungen uns stärken können

Die meisten Menschen haben im Leben Gutes und Schlechtes erlebt, doch vieles ist in Vergessenheit geraten. Es hilft, sich bewusst die schönen Momente ins Gedächtnis zu rufen. Und die schlechten Erfahrungen? Die zeigen uns, welche Stärken wir haben.

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Alte Aufnahme zweier Kinder: Erfahrungen stärken uns.
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Erinnern: Wie unsere Erfahrungen uns stärken können

Die meisten Menschen haben im Leben Gutes und Schlechtes erlebt, doch vieles ist in Vergessenheit geraten. Es hilft, sich bewusst die schönen Momente ins Gedächtnis zu rufen. Und die schlechten Erfahrungen? Die zeigen uns, welche Stärken wir haben.

Wenn sich in unseren Kopf allzu häufig Erinnerungen an negative Erlebnisse und Erfahrungen schleichen, ist es höchste Zeit gegenzusteuern. Ein Team unter Leitung des Cambridger Psychiaters Adrian Dahl Askelund hat das bei mehr als 400 Jugendlichen mit depressiven Neigungen untersucht. Die durchschnittlich 14-jährigen Versuchsteilnehmerinnen und -teilnehmer wurden immer wieder ermuntert, sich an positive Ereignisse zu erinnern. Bestimmte Begriffe sollten ihnen dabei helfen, sich besser mit schönen Erlebnissen und Momenten zu verbinden.

Die Ergebnisse nach einem Jahr waren eindeutig: Bei den Jugendlichen, die sich regelmäßig an Schönes erinnert hatten, waren die Symptome einer Depression weniger geworden. Bei ihnen war zudem der Spiegel des Stresshormons Cortisol, der bei depressiven Menschen allgemein erhöht ist, deutlich messbar gesunken.

Mit dem Vater durch den Wald spazieren

Es tut uns nicht gut und dennoch neigen die meisten Menschen dazu, sich vor allem an die negativen Erfahrungen in ihrem Leben zu erinnern: Niederlagen, Zurücksetzungen und Verluste. Die Psychologin Verena Kast empfiehlt dagegen einen ganz anderen Rückblick: die Freudenbiografie. Beispielsweise bei der Erinnerung an die eigenen Eltern. Statt an die vielen Ungerechtigkeiten zu denken, die man mit ihnen erlebt hat, sollte man die Aufmerksamkeit auf die schönen Momente lenken, etwa wie man pfeifend mit dem Vater durch den Wald spazierte. „Vor allem die kleinen Freuden sind es, die uns den Alltag entscheidend verschönern und beleben können“, schreibt Kast in ihrem Buch Was wirklich zählt, ist das gelebte Leben.

alte Aufnahme einer Frau: Es tut gut, sich an die schönen Momente zu erinnern.

Eine Freudenbiografie verfassen

Wer eine Freudenbiografie angehen will, fragt sich als Erstes, wie und in welchen Situationen sie oder er im Leben Freude und Stolz erlebt hat. Wie habe ich mir die Freude bewahrt? Wie habe ich sie abgewehrt? Wie wurde sie mir verdorben und was ist aus ihr im Laufe meines Lebens geworden? „Die freudigen Situationen werden in der Vorstellung noch einmal erlebt, man versenkt sich in sie und erlebt dabei wieder Freude“, erklärt Kast. Auch wichtige, schwierige Veränderungen im Leben würden dadurch sichtbar und sogar greifbarer.

Die Suche im Heute und Gestern beginnen

Doch manchen fällt es schwer, sich an das Gute im eigenen Leben zu erinnern, es ist geradezu verschüttet. Dann hilft es, nicht zu weit in der Vergangenheit zu suchen, sondern einfach danach zu fragen, was einem gestern oder heute Freude gemacht hat, wie sich das angefühlt hat, wie es die eigene Stimmung beeinflusst hat und worauf man sich freut. Die Mühe lohnt sich. Denn die emotionale Erinnerung an Freuden helfe, das Leben nicht nur mit den Schwierigkeiten, sondern auch im Geglücktsein wahrzunehmen, meint die Psychologin Kast. So gelingt es, sich mit der eigenen Geschichte zu versöhnen und „den Reichtum des Lebens noch einmal in Erinnerung zu holen“.

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Erinnerungen können bereichern oder lähmen

Auch „negative“ Erinnerungen können uns bereichern. Aus neurowissenschaftlicher Sicht sind Erinnerungen keine detailgetreuen Abbildungen der Vergangenheit, sondern komplexe Rekonstruktionen. Vergangenes wird interpretiert und im Licht der Gegenwart gesehen. Für die Psychologin und Sozialanthropologin Robin Lohmann hat das, woran wir uns erinnern, mehr mit dem Jetzt zu tun als mit der Vergangenheit.

„Unsere Erinnerungen treten erneut in unser Bewusstsein, weil sie uns etwas sagen möchten, weil sie Botschaften für die Gegenwart in sich tragen“, schreibt sie in ihrem Buch Was gestern war, hilft mir für morgen. Lebenskompetenz durch Erinnerung. „Ob eine Erinnerung positive oder negative Gefühle auslöst, hängt allein davon ab, wie wir sie aus heutiger Sicht bewerten. Bereichert sie unsere Gegenwart, hilft sie uns bei aktuellen Herausforderungen? Oder behindert sie uns in unserer Entwicklung, lähmt sie uns?“

Alte Aufnahme eines Mannes: Welche schwierigen Situationen habe ich gemeistert?

Welche Stärken habe ich?

Jede Erinnerung, egal ob spontan oder bewusst hervorgerufen, könne Geschenke mit sich bringen: Freude, persönlichen Lebenssinn, Identität und Selbstverständnis, Hilfe bei Umbruch und Wandel, ja sogar Zukunftsorientierung. Denn wer sich daran erinnert, welche Stärken und Fähigkeiten er in der Vergangenheit an den Tag gelegt hat, der kann auch besser gegenwärtige Aufgaben und Herausforderungen bewältigen. Manchmal können wir in unseren Erinnerungen sogar Potenziale entdecken, derer wir uns bisher nicht bewusst waren. „Es geht nicht darum, rückwärts zu leben, sondern darum, zurückzuschauen und sich dadurch weiterzuentwickeln.“

So entsteht Widerstandskraft

Genau das ist gemeint, wenn über Resilienz gesprochen wird. Der Begriff wurde ursprünglich verwendet, um die Widerstandsfähigkeit von Materialien zu beschreiben. In der Psychologie wird Resilienz als die Fähigkeit von Menschen definiert, Krisen zu meistern, indem sie auf persönliche und soziale Ressourcen zurückgreifen, und sich dadurch am Ende weiterzuentwickeln.

Sich an Situationen zu erinnern, in denen man Schwieriges gemeistert und bestimmte Kompetenzen gezeigt hat, kann einen selbstbewusster machen und auch die eigene Resilienz stärken. Deswegen der Tipp der Göttinger Resilienz Akademie: Sich einfach mal die eigene „Heldengeschichte“ erzählen!

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Verena Kast: Was wirklich zählt, ist das gelebte Leben. Die Psychologin Verena Kast zeigt anhand zahlreicher Beispiele, dass selbst die Um- und Abwege im Leben einen Sinn haben. Ein gelungener Lebensrückblick lässt uns auch die Gegenwart positiver erleben. Erschienen bei Herder, 2. Aufl. 2020.

Robin Lohmann: Was gestern war, hilft mir für morgen: Lebenskompetenz durch Erinnerung. Das Buch hilft, Erinnerungen besser zu verstehen und sie als Geschenke für die eigene Persönlichkeitsentwicklung anzunehmen. Mit kleinen Übungen, Affirmationen und meditativen Elementen. Erschienen im Kösel-Verlag, 2013

TEXT: Kristina Simons
FOTOS: Photocase/time, Stocksy/Visualspectrum, Stocksy/Jelena Jojic Tomic

Buntes Laub nach Farbe sortiert: die letzten Dinge ordnen, ein Testament machen, gemeinnützig vererben.

Erbrechtsanwalt: „Ein persönliches Wunschkonzert.“

Wenn Menschen ihren Letzten Willen formulieren, sind materielle ebenso wie ideelle Werte zu Bedenken. Der eigene Wille steht im Vordergrund. Doch es gibt Grenzen. Ein Gespräch mit dem Fachanwalt für Erbrecht Stephan Rißmann über seine Erfahrungen.

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Buntes Laub nach Farbe sortiert: die letzten Dinge ordnen, ein Testament machen, gemeinnützig vererben.
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Erbrechtsanwalt: „Ein persönliches Wunschkonzert.“

Wenn Menschen ihren Letzten Willen formulieren, sind materielle ebenso wie ideelle Werte zu Bedenken. Der eigene Wille steht im Vordergrund. Doch es gibt Grenzen. Ein Gespräch mit dem Fachanwalt für Erbrecht Stephan Rißmann über seine Erfahrungen.

Stephan Rißmann, Fachanwalt für Erbrecht, hilft den Letzten Willen zu formulieren, auch bei Nachlassspenden

Herr Rißmann, über Erbschaften gibt es viel Streit, manchmal sogar bevor überhaupt jemand gestorben ist. Können Sie das bestätigen?
In meinem Besprechungszimmer hat sich einmal ein Ehepaar, das gemeinsam seinen Letzten Willen formulieren wollte, schwer zerstritten. Die Beiden haben sich gegenseitig angeschrien. Daraufhin sagte ich ihnen, dass wir hier keine Familientherapie machen und verließ den Raum. Nach vier Wochen kamen sie erneut und entschuldigten sich. Wir sind im Endeffekt doch noch zu einem Ergebnis gekommen, mit dem beide Seiten einverstanden waren. Solche Szenen sind allerdings sehr seltene Ausnahmen.

Gibt es Konstellationen, die besonders schwierig sind?
Patchwork-Familien bergen nicht selten Konfliktpotenzial. Zwei Eheleute mit je Kindern aus erster Ehe etwa. Für beide stellt sich die Frage: „Was sollen meine Kinder bekommen?“ Ist in solch einer Konstellation Wohneigentum vorhanden, behält in vielen Fällen der länger lebende Ehepartner zunächst das Wohnrecht. Aber wessen Kinder erben am Ende die Immobilie? Wer hat sie ursprünglich erworben und mit in die zweite Ehe gebracht? Wer ist zu welchen Teilen Miteigentümer? Dann kommt noch die emotionale Gemengelage hinzu, die selten offen auf dem Tisch liegt.

„Ein Interessenausgleich mit Angehörigen ist nicht das vorrangige Ziel.“


Welche Punkte sind beim Aufsetzen eines Testaments besonders heikel?

Im Prinzip muss da gar nichts heikel sein. Als Interessenvertreter meiner Mandantinnen und Mandanten achte ich vor allem darauf, dass ihr Letzter Wille eindeutig formuliert ist. Sie sollen mir möglichst klar und deutlich sagen: „Das will ich!“ Ein Interessenausgleich mit Angehörigen ist dabei nicht das vorrangige Ziel. Ein Testament zu verfassen, ist ein persönliches Wunschkonzert. Niemand muss den Letzten Willen begründen. Ich helfe dabei, diesen so zu formulieren, dass weder Missverständnisse aufkommen noch Spielräume für Interpretationen entstehen.

Aber viele Menschen werden doch auch die Interessen Ihrer Angehörigen bedenken?
Wenn eine Mandantin oder ein Mandant im Beratungsgespräch nicht richtig mit der Sprache herausrückt, merke ich das schnell. Oft stehen dann solche Konflikte im Raum: „Ich möchte etwas anderes als meine Angehörigen.“ Oder auch: „Meine Angehörigen haben völlig konträre Interessen, die sich von mir nicht lösen lassen.“ Für viele Menschen, die ein Testament aufsetzen wollen, ist ihr Anwalt der einzige Ansprechpartner bei diesem Thema. Mit Familienangehörigen und Freunden wird selten darüber gesprochen. Da ist Feingefühl gefragt. Dann besteht Erbrecht zu 95 Prozent aus Psychologie und lediglich zu fünf Prozent aus Jura.

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„Die klassische Konstellation ist ein Konflikt zwischen Geschwistern, der noch aus Kindheitstagen herrührt: das Buddelkasten-Syndrom.“


Welche Rolle spielen familiäre Auseinandersetzungen?

Spätestens bei der Eröffnung des Testaments treten häufig Konflikte zutage, die lange im Stillen geschlummert haben. In der klassischen Konstellation ist das zum Beispiel ein Konflikt zwischen Geschwistern, der noch aus Kindheitstagen herrührt. Ich nenne dies das Buddelkasten-Syndrom: „Meine Schwester – oder mein Bruder – hat mir schon im Sandkasten das Förmchen geklaut und jetzt zahle ich es ihm heim!“ Da verbindet sich materielle Umverteilung mit sozialen Konflikten. Wem steht warum was genau zu oder eben nicht? Die Leute werden dabei teils hemmungslos. In Patchwork-Familien kann es noch komplizierter werden, weil teils familiäre Bindungen bestehen, teils aber nicht. Aus Rücksicht auf den Elternteil hat man sich zu dessen Lebzeiten noch freundlich gegenüber dem neuen Partner verhalten. Nach dem Todesfall kann das aber ganz anders aussehen.

In welchen Fällen sollte man seinen Letzten Willen überdenken?
Knüpft man das Erbe an bestimmte Bedingungen, wird es schnell problematisch. Der Klassiker: Bestimmte Dinge dürfen nicht verkauft werden. Mit solchen Regelungen drangsaliert man die Erben – oft unnötig. So kam einst eine Dame in meine Kanzlei, die ihr Haus gemeinsam mit ihrem Vater nach dem Krieg wieder aufgebaut hatte. Beide hatten dafür mühsam die Ziegel von zerbombten Häusern zusammengetragen. Nun sollten die drei Kinder das Haus zu gleichen Teilen erben. Weil der Dame so viel an ihrem Heim lag, sollten die Kinder sich mindestens einmal im Jahr dort treffen, möglichst auch ihren Urlaub dort verbringen. Zu dieser Idee habe ich meine Bedenken geäußert. Erst im dritten Gespräch habe ich die Dame von ihrem Vorhaben abgebracht. Sie wollte im Prinzip ja auch nicht, dass das geliebte Haus die meiste Zeit leer steht. Wenn den Kindern freisteht, die Immobilie zu verkaufen oder zu vermieten, kann eine andere Familie mit Kindern dort wieder übers ganze Jahr Leben hineinbringen.

„Beim Testament liegt die Tücke im Detail, harmlose Formulierungen können für Unklarheit sorgen.“


Gibt es typische Fehler oder Fallen beim Testament, vor denen Sie warnen?

Ich rate meist davon ab, zu Lebzeiten Vermögen zu übertragen. Man weiß nie, was noch kommt und sollte sich seine Handlungspielräume bewahren. Vielleicht wird es notwendig, die Wohnung barrierefrei umzubauen, eine Pflege zu Hause soll finanziert werden oder man möchte sich den Lebensabend in der schicken Seniorenresidenz am Park gönnen? Ansonsten kann ich nur dazu raten, für ein Testament immer professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sonst geht es regelmäßig schief. Was viele Menschen unterschätzen: Die Tücke liegt im Detail, harmlose Formulierungen können für Unklarheit sorgen. Dann stehen die Erben da und fragen sich: „Wie ist der Letzte Wille zu interpretieren?!“ Anwaltskosten für eine Testamentsberatung sind immer günstiger, als jeder Streit nach dem Todesfall – ganz abgesehen von den persönlichen Zerwürfnissen.

Stephan Rißmann ist seit über zwanzig Jahren ausschließlich im Erbrecht tätig. Er ist Fachanwalt und Spezialist für Erbrecht. Standorte seiner Kanzlei sind Berlin, Potsdam und Stuttgart.

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Stephan Rißmann hat das Handbuch „Die Erbengemeinschaft“ herausgegeben: ein Ratgeber für alle, die selbst Teil einer Erbengemeinschaft sind oder mit einer Erbengemeinschaft zu tun haben, etwa als Vertragspartner, Gläubiger, Schuldner oder in einem Rechtsstreit.

INTERVIEW: Lars Klaaßen
FOTOS: Unsplash/Chris Lawton, Kanzlei Stephan Rißmann, Zerb Verlag

Der Großvater erzählt: Erinnerungen, die bleiben

Interview mit den Großeltern: Wie war das damals?

Ältere Menschen haben viel zu erzählen. Es lohnt sich, zuzuhören, Fragen zu stellen und auch nachzuhaken, um mehr über ihr langes Leben zu erfahren. Alles, was es dazu braucht: ein paar gute Fragen, mit denen man ins Gespräch kommt.

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Interview mit den Großeltern: Wie war das damals?

Ältere Menschen haben viel zu erzählen. Es lohnt sich, zuzuhören, Fragen zu stellen und auch nachzuhaken, um mehr über ihr langes Leben zu erfahren. Alles, was es dazu braucht: ein paar gute Fragen, mit denen man ins Gespräch kommt.

Es war beim 80. Geburtstag meines Opas. In seinem Lieblingsrestaurant hob er ein Glas seines Lieblingsweins und erzählte eine seiner vielen Geschichten. Wieder einmal. Ein bisschen haben wir mit den Augen gerollt, denn natürlich kannten wir sie schon. Und die nächste auch. Wie er damals, als es noch keine Mauer gab, immer in Westberlin ins Kino ging. Wie er mit seinen Eltern vor dem Krieg geflohen war, ganz bequem mit dem Zug. Wie er bei der wichtigsten Prüfung seines Lebens beim Nachbarn abgeschrieben hatte. Diese Geschichten hatten alle etwas gemeinsam: Immer schien er mit einer Portion Mut, Glück und Cleverness derjenige gewesen zu sein, der es doch irgendwie geschafft hatte.

Mir fiel auf, dass er nie erzählte, was eigentlich zwischen diesen Erfolgsmomenten passiert war, wenn es mal nicht so gut lief und er nicht der Clevere war. Was hatte er gedacht, als der Krieg näher rückte? Hatte er Angst, als die Mauer gebaut wurde und er nicht mehr einfach nach Westberlin konnte? Wie hatte er meine Oma kennengelernt? Und wie erging es ihm, als sie starb? War er auch mal gescheitert?

Ein altes Foto: Ältere Menschen sind reich an Lebenserfahrung.

Zuhören lohnt sich

Ältere Menschen sind reich an Lebenserfahrung. Sie haben Lebenskrisen und berufliche Herausforderungen gemeistert, Kinder großgezogen und Partnerschaften durch die Jahrzehnte erlebt. Ich höre ihnen gerne zu. Solche Gespräche sind Zeitreisen. Da war diese sehr alte Frau, mit der ich in der Bäckerei ins Gespräch kam. Sie erzählte, dass es hier in meinem Westberliner Kiez einmal eine Windmühle gab und sogar Kühe, die tagsüber auf einer Wiese standen und abends im Hinterhof gemolken wurden. Ich konnte es kaum glauben. Auf einer Parkbank sprach mich einmal ein älterer Herr an, als ich Nachrichten in mein Handy tippte. Er erzählte mir, dass er früher viele Briefe geschrieben hatte. Lange Briefe an seine Eltern, Liebesbriefe an seine Frau, dutzende Briefe an seinen besten Freund. Alle Briefe, die er zurückbekommen hatte, lagen geordnet und archiviert in einer Kiste.

Nur meinen eigenen Opa hatte ich nie wirklich über sein Leben befragt. Auch meine Mutter und mein Onkel schienen sich davor zu scheuen. Als hätten sie Angst, Seiten von ihm kennenzulernen, die vielleicht nicht in ihr Vaterbild passten. Also verabredete ich mich mit meinem Opa zu einem Interview. Ich sagte ihm, dass ich über sein ganzes Leben sprechen wollte. Er war gleich Feuer und Flamme und machte sich sogar vorher Notizen.

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Eine Möglichkeit: chronologisch erzählen

Fünfmal haben wir uns getroffen. Nur er und ich, jeweils für zwei bis drei Stunden. Chronologisch habe ich mich durch sein Leben gefragt. Wir begannen mit der Kindheit im Breslau der 1930er Jahre und arbeiteten uns dann von Ereignis zu Ereignis vorwärts. Seine erste Liebe, der erste Kuss. Wichtig war es mir, auch die Details zu erfahren und dadurch seine Erinnerung anzuregen. Wo haben sie genau gewohnt? Wie sah das Kinderzimmer aus? Gab es ein Lieblingsspielzeug? Was las man damals? Welche Filme liefen im Kino? Durfte er als Kind auf der Straße spielen? Wann hatte man sein erstes eigenes Auto? Wie teuer war das, musste man lange sparen? Es gibt so viele Dinge, die ein Leben lebendig werden lassen, persönliche ebenso wie politische und gesellschaftliche Ereignisse. Wo war er, als Kennedy in Berlin war? Als die Mauer gebaut wurde? Als die erste Mondlandung stattfand?

Ein Fotoalbum: Erfahrungen weitergeben – ein ideelles Erbe

Mut, auch unangenehme Fragen zu stellen

Für ein Interview braucht man keine Reporterausrüstung, es reichen Stift und Papier, vielleicht die Aufnahme oder die Memo-Funktion im Smartphone. Die Fragen, die man stellen will, sollte man sich vorher gut überlegen und aufschreiben. Allerdings muss man dieser Liste mit Fragen nicht zwangsläufig folgen. Denn ein Interview nimmt häufig unerwartete Wendungen, denen man nachspüren sollte. Und man sollte den Mut haben, auch unangenehme Fragen zu stellen. Mitunter haben Jüngere mehr Angst davor, solche Fragen zu stellen, als die Älteren, sie zu beantworten. Die wichtigste Voraussetzung für ein gutes Interview zwischen den Generationen ist aber, dass der eine bereit ist zuzuhören und der andere berichtet, ohne zu belehren.

Professionelle Lebens-Interviews

Wer Lebenserinnerungen festhalten will, seien es die eines Angehörigen oder die eigenen, kann dazu auch professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Geübte Autoren etwa bei www.lebenserinnerung.de oder www.interview-meines-lebens.de erstellen aus den persönlichen Gesprächen eine Autobiografie.

Erinnerungen – ein ideelles Erbe

Mein Opa freute sich auf jedes Treffen. Wir sprachen über viele Details, die er längst vergessen hatte, und schauten uns verstaubte Fotoalben an. Allein sich diese Stunden Zeit zu nehmen, nur für uns, war für uns beide ein Geschenk. Ich habe von ihm gelernt, dass es sich lohnt, auch mal frech zu sein, Mut zu haben und sich von Regeln und Vorschriften nicht immer abhalten zu lassen. Oder auch, dass das Leben weitergehen kann. Als seine Frau starb, war er für mehrere Jahre allein. Dann traf er mit 60 Jahren seine zweite Frau und heiratete noch einmal.

Als mein Opa schließlich starb, blieben mir seine Erinnerungen. Ich verteilte Kopien der Aufnahmen an meine Familie. Alle waren sehr dankbar, dass ich das Interview geführt hatte.

Interview-Bücher

Diese Bücher erleichtern mit guten Fragen den Einstieg: In „Erzähl mir dein Leben“ von Martin Gundlach zum Beispiel können auch die Antworten notiert werden. „Mein großes Opa-Buch“ von Elma van Vliet lädt dazu ein, sich gemeinsam in die Vergangenheit stürzen.

INTERVIEW: Karl Grünberg
FOTOS: Stocksy/Jovana Milanko, Photocase/Suschaa, Photocase/Margie,Unsplash/Ashkan Fourouzani, Knaur Verlag

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