Editorial

Ein Leben ohne Schmerzen – wäre das nicht ein paradiesischer Zustand? Wovon die meisten träumen, das ist für Menschen mit einer Analgesie Realität: sie haben keinerlei Schmerzempfinden. Eine heiße Herdplatte, eine abgebissene Zunge oder sogar ein Knochenbruch löst bei ihnen keinerlei Schmerz aus. Die Folgen sind verheerend. Richtig gefährlich wird es, wenn Betroffene ernsthaft krank werden, ohne es zu merken, und beispielsweise ein Blinddarmentzündung nicht behandeln lassen.

Mit anderen Worten: Schmerzen sind leider lebenswichtig. Wir brauchen sie als Alarmanlage unseres Körpers, um zu wissen, wenn etwas nicht in Ordnung ist und wir uns darum kümmern müssen. Das gilt auch für die psychischen Schmerzen, wenn uns jemand verletzt, gar beleidigt oder wir einen geliebten Menschen verlieren.

Aber brauchen wir unser Schmerzempfinden nicht nur für uns selbst, sondern auch für die körperlichen oder seelischen Schmerzen, die andere Menschen erleiden. Nur wenn wir eine Vorstellung von Schmerz haben, können wir die Not anderer nachempfinden. Nur wenn wir erkennen, dass jemand leidet und Hilfe benötigt, kann Verständnis für ihn entstehen. Schmerzen sind also auch Voraussetzung für empathisches Mitgefühl und gegenseitige menschliche Unterstützung.

In dieser Ausgabe widmen wir uns deshalb dem Thema SCHMERZ. Wir sprechen mit der ehemaligen Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, über Multiple Sklerose und fragen einen Schmerzmediziner, ob wir oftmals zu schnell zu Schmerztabletten greifen. Wir berichten über vererbte Traumata, wie sich Gewalt in der Pflege verhindern lässt und was die Palliativmedizin gegen Schmerzen im Sterbeprozess tun kann.

Wir wünschen Ihnen eine tröstliche Lektüre und hilfreiche  Erkenntnisse beim Umgang mit eigenem und fremden Schmerz.

Susanne Anger

Sprecherin der Initiative "Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum"

Menschen

Malu Dreyer: “Am Ende kommt es nicht auf die Einschränkungen an”

Malu Dreyer war erst 34 Jahre alt war, als eine Multiple Sklerose bei ihr diagnostiziert wurde. Als beliebte Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz sorgte sie dafür, dass ihre Erkrankung immer im Hintergrund blieb. Inzwischen spricht sie offener über MS, ein anspruchsvolles Amt und unsere Wahrnehmung von Krankheit und Behinderung.

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Nach ihrem Rücktritt spricht Malu Dreyer offen über ihre chronische Erkrankung.

Impulse

"Das Empfinden von Schmerz ist auch gesellschaftlich geprägt"

Ob und wie wir Schmerzen empfinden, hängt auch von unserer Psyche und den gesellschaftlichen Umständen ab. Was wir nicht tun sollten: unsere Schmerzen ignorieren, sagt Lukas Radbruch, Schmerzmediziner am Universitätsklinikum Bonn.

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Weit verbreitet: Nackenschmerzen

Wissenswertes

Sterben ohne Schmerzen

Die Angst davor, qualvoll zu sterben, ist bei vielen Menschen groß – aber meist unbegründet. Gute Nachrichten kommen aus der Palliativ- und Schmerzmedizin.

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Nicht alleine sterben

Unsere Lieblinge

Lesetipp

Beim Arzt erfährt Martin Brehm, dass er Bauchspeicheldrüsenkrebs hat. Ihm bleiben noch sechs Monate. Zunächst fällt es ihm schwer, diese Nachricht wirklich zu begreifen. Dann beginnt er sich mit seinem eigenen Tod auseinanderzusetzen. Wie soll er diese letzten Wochen verbringen? Was kann er noch für seine junge Frau tun? In welcher Form soll er Abschied von seinem kleinen Sohn nehmen? Brehm beginnt Briefe an den Sechsjährigen zu schreiben. Und er genießt die Zeit mit seiner Frau, versöhnlich und voller Dankbarkeit. Bernhard Schlink begleitet seinen Protagonisten durch diese letzten Wochen und greift dabei existenzielle Fragen auf. Fragen, die schmerzhaft sind, aber zu wichtig, um sie zu verdrängen.

Bernhard Schlink: Das späte Leben. Diogenes 2023. 229 Seiten, 28 Euro

Das Zitat

© picture-alliance / dpa | dpa
Der Schmerz, der uns zugefügt wird, ist nicht die schwerste Last des Lebens. Viel schwerer legt sich eines Tages auf unsere Schultern der Schmerz, den wir den anderen zugefügt haben.

HERMAN BANG

Schriftsteller und Journalist, 1857–1912

Das DAH, gegründet als Hilfe für Leprakranke, kämpft mit Hilfe von Spenden und Nachlässen auch gegen Tuberkulose und vernachlässigte Tropenkrankheiten.

Ideen, die bleiben

DAHW

Vor 70 Jahren, 1955, reisen der Journalist Franz Graf Magnis und der Theologiestudent Richard Recke durch Äthiopien und erleben dabei das Leid der Leprakranken. Zurück in Deutschland schreibt Graf Magnis eine Reportage, in der er Menschen mit sogenannten „Löwengesichtern“ beschreibt und solche, die eine Hand oder einen Fuß verloren haben. Die Veröffentlichung in mehreren Zeitungen löst eine Welle der Hilfsbereitschaft aus: Es gehen genug Spenden ein, um eine Leprastation im äthiopischen Bisidimo einzurichten. Zwei Jahre später gründen Graf Magnis und Recke gemeinsam mit Irene und Hermann Kober und drei weiteren Engagierten das „Deutsche Aussätzigen-Hilfswerk“, das DAHW. Es geht darum, „den Verlassenen und Ausgestoßenen zu helfen, diese einst so gefürchtete und fürchterliche Krankheit, den Aussatz, die Lepra, zu heilen“, wie es Kober formuliert. Schon bald starten Projekte auch in Asien, Lateinamerika und anderen Teilen Afrikas. Das DAHW ist auch beteiligt, als schließlich 1981 ein Medikament gegen Lepra gefunden wird.

2003 wird das Hilfswerk umbenannt in DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe. Das Engagement richtet sich längst nicht mehr allein auf Lepra, sondern auch auf andere vernachlässigte Tropenkrankheiten und Tuberkulose – Krankheiten also, von denen überwiegend Menschen mit geringem Einkommen betroffen sind, die kaum Zugang zu medizinischen Dienstleistungen haben. Bis heute wird die Arbeit der DAHW zu großen Teilen durch Spenden und Nachlässe finanziert.

Mehr lesen: „Ideen, die bleiben“

12.000.000

Die Zahl

Mehr als 12 Millionen Menschen in Deutschland leiden an chronischen Schmerzen, schätzt die Deutsche Schmerzgesellschaft. Das entspricht etwa 17 Prozent aller Menschen hierzulande. Chronischer Schmerz wird heutzutage als eigenständige Krankheit betrachtet, doch die Behandlung bleibt eine Herausforderung. Durchschnittlich zieht sich das Leiden über sieben Jahre, bei mehr als 20 Prozent der Betroffenen über 20 Jahre. Die gute Nachricht: Es tut sich was in der Schmerzmedizin. Statt lediglich Medikamente zu verabreichen, behandeln Fachärztinnen gemeinsam mit Physiotherapeuten und Psychologinnen zunehmend ganzheitlich die verschiedenen Aspekte der Erkrankung.

Schon gewusst?

Tiere als Erben – was ist rechtlich möglich?

Tiere können in Deutschland nicht erben. Sie sind nach dem Gesetz nicht rechtsfähig und damit auch nicht erbfähig. Dennoch können Tierhalter in einem Testament vorsorgen, damit ihr geliebtes Haustier nach dem eigenen Tod gut versorgt ist. Eine gängige Möglichkeit ist es, eine Vertrauensperson als Erben einzusetzen und ihr im Testament die Auflage zu machen, sich um das Tier zu kümmern. Zur Kontrolle kann ein Testamentsvollstrecker benannt werden, der die Einhaltung dieser Auflage überwacht und notfalls durchsetzt. Alternativ kann auch ein Pfleger bestimmt werden, der vom Erben eine regelmäßige Vergütung für Pflege und Versorgung erhält. Sogar konkrete Wünsche zur Haltung, Fütterung oder medizinischen Versorgung des Tieres lassen sich im Testament festhalten. Wichtig ist: Ohne wirksame Regelung droht die gesetzliche Erbfolge und das Tier könnte im Tierheim landen. Wer sein Tier absichern möchte, sollte sich rechtzeitig rechtlich beraten lassen.

Michael Beuger, Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE

Das tut gut

Mit Hilfe großzügiger Spenden schafft der NABU neue Lebensräume für Vögel.

Lebensraum für den Kiebitz

Wann haben Sie das letzte Mal einen Kiebitz gesehen? Das ist wahrscheinlich länger her, denn der Bestand der auffälligen Wiesenvögel ist in den vergangenen 30 Jahren dramatisch zurückgegangen. In den Rheinniederungen zwischen Kleve und Nimwegen hat der NABU deswegen neue Nasswiesen geschaffen. Davon profitieren neben dem Kiebitz auch andere Wiesenvögel wie Rotschenkel und Ufenschnepfen. Mit Hilfe von Spenden wurden zudem Schutzzäune für zahlreiche Kiebitz-Nester gebaut. So entsteht in der Düffel ein neues Kiebitz-Paradies.

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Unter anderem mit Testamentsspenden schützt EuroNatur Europas letzte Wildflüsse.

Wildfluss grenzenlos schützen

Die Vjosa ist einer der letzten großen Wildflüsse Europas. 2023 wurden der Fluss und seine Nebenflüsse in Albanien zum Nationalpark ernannt und unter besonderen Schutz gestellt. Doch die Quelle des Flusses liegt in Griechenland, wo er Aoos heißt. Auch hier stellt sich die lokale Bevölkerung inzwischen gegen die Zerstörung des Flusses, vor allem durch Wasserkraftwerke. EuroNatur unterstützt lokale Partnerorganisationen bei dem großen Ziel, einen grenzübergreifenden Vjosa/Aoos-Nationalpark zu schaffen.

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Mit Hilfe von Spenden hat die Stiftung Menschen für Menschen inzwischen 300 Millionen Setzlinge ausgegeben.

Bäume pflanzen gegen Dürre

Klimakrise und die jahrzehntelange Abholzung von Bäumen haben in Äthiopien schwerwiegende Folgen. Die Wüste breitet sich aus, Böden erodieren und Dürren bedrohen die Bevölkerung, die zum Großteil von der Landwirtschaft lebt. Die Wiederbewaldung ist daher eine der wichtigsten Aufgaben von Menschen für Menschen. Über 300 Millionen Baumsetzlinge hat die der Stiftung seit ihrer Gründung vor fast 44 Jahren zur Pfllanzung ausgegeben. Die Setzlinge kommen aus eigenen Baumschulen und sichern nachhaltig die Lebensgrundlage der Menschen.

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Großzügige Spenden helfen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft über geistige Fitness zu informieren.

Demenz vorbeugen

Eine Demenzerkrankung hat zum Teil genetische Ursachen. Doch auch der Lebensstil spielt eine wichtige Rolle – und hier kann jeder etwas tun. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz hat deswegen gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit ein Informationsangebot entwickelt. Der Vortrag „Geistig fit bleiben – mit 10 Maßnahmen Demenz vorbeugen“ richtet sich an Selbsthilfegruppen, Seniorenbüros und ähnliche Institutionen und kann mit PowerPoint-Präsentation und Manual bestellt werden.

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Mit Hilfe von Spenden findet die DKMS geeignete Knochenmarkspender.

Spendernachwuchs gesucht

Junge Menschen haben statistisch weniger Vorerkrankungen und ihre Stammzellen werden von Blutkrebspatienten besser angenommen, was die Heilungschancen erhöht. Umso wichtiger ist es, dass sich möglichst viele junge Menschen in die Spenderdatei der DKMS aufnehmen lassen. Zumal jährlich 150.000 der Registrierten aus Altersgründen ausscheiden. Bereits ab 17 Jahren kann man sich als potentielle Spenderin bzw. potentieller Spender registrieren lassen – eine Hoffnung für Menschen mit Blutkrebs weltweit.

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Dank Spenden setzt sich die Deutsche Herzstiftung für Prävention ein.

Risiko für Herzschwäche

Übergewicht erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und damit auch für eine Herzinsuffizienz. Üblicherweise wird dabei Übergewicht über den Bodymass-Index (BMI) errechnet. Das Problem: Der BMI unterscheidet nicht zwischen Muskel- und Fettmasse. Doch nur ein hoher Fettanteil ist schädlich. Eine Studie zeigt nun, dass sich das Risiko für Herzschwäche besser durch den Taillenumfang bestimmen lässt. Der Taillenumfang sollte weniger als die Hälfte der Körpergröße betragen. Die Deutsche Herzstiftung bietet weitere Informationen.

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Unterstützt durch Spenden und Nachlässe förtdert die Stiftung Bildung die Arbeit der Jugendclubs.

Förderung für Jugendclubs

Nicht alle Kinder und Jugendlichen in Deutschland haben die gleichen Chancen. Darum unterstützt die Stiftung Bildung Bildungsprojekte in Jugendclubs, um die jungen Menschen, die sich hier treffen, zu fördern. Das Programm youclub will Kinder und Jugendliche für handwerkliche Fähigkeiten begeistern und den Übergang von der Schule ins Berufsleben erleichtern. Zugleich sollen Jugendclubs als Lernort außerhalb der Schule gestärkt werden. Gerade in Berlin und Brandenburg sind sie immer wieder von Sparmaßnahmen bedroht.

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Dank Testamentsspenden können die SOS Kinderdörfer Kindern weltweit ein Zuhause geben.

Prominenz im Kinderdorf

Den Schauspieler Günther Maria Halmer kennt man als Lebenskünstler Tscharlie Hausner aus der Fernsehserie Münchner Geschichten oder als Anwalt Abel. Anfang des Jahres reiste Halmer nach Sri Lanka und besuchte auch ein SOS-Kinderdorf in Colombo. Dort erhalten 180 Kinder und Jugendliche ein stabiles Zuhause, Bildung und die Chance auf ein besseres Leben. „Davon profitiert nicht nur das einzelne Kind, sondern das ganze Land“, sagte ein sichtlich beeindruckter Günther Maria Halmer im Gespräch.

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Mit Hilfe von Spenden und Nachlässen informiert die Heinz Sielmann Stiftung auch über naturnahe Gärten.

Naturschutz im Garten

Aus dem eigenen Garten ein Naturschutzgebiet machen? Eine gute Idee! Denn wo neben prachtvollen Blumeninseln und Gemüsebeeten auch wilde Ecken gedeihen, findet eine Vielfalt von Tieren und Pflanzen ein Zuhause. Das sieht nicht nur gut aus, sondern ist aktiver Artenschutz. Die privaten Gärten in Deutschland bieten ein enormes Potenzial: Ihr Fläche ist so groß wie die aller hiesigen Naturschutzgebiete. Mit Hilfe von Spenden und Nachlässen setzt sich die Heinz Sielmann Stiftung für naturnahe Gärten ein und bietet zahlreiche Tipps.

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Dank großzügiger Spenden konnten die Johanniter einen Ort für trauernde Kinder schaffen.

Ankerplatz für kleine Trauernde

Kinder und Jugendliche trauern anders. Die Johanniter haben mit dem TrauerPier 27a in Hamburg einen Ort geschaffen, an dem sie Trost, Stärke und neue Perspektiven finden können. Die Trauerbegleitung Lacrima bietet hier Beratung, Trauergruppen für den Austausch mit Gleichaltrigen, aber auch die Möglichkeit, Trauer durch Kunst, Musik oder Schreiben auszudrücken. Zusammen mit dem ambulanten Hospizdienst, der ebenfalls in der Begegnungsstätte untergebracht ist, will der TrauerPier 27a Halt geben: im Leben, im Sterben und in der Trauer.

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