Ein Leben ohne Schmerzen – wäre das nicht ein paradiesischer Zustand? Wovon die meisten träumen, das ist für Menschen mit einer Analgesie Realität: sie haben keinerlei Schmerzempfinden. Eine heiße Herdplatte, eine abgebissene Zunge oder sogar ein Knochenbruch löst bei ihnen keinerlei Schmerz aus. Die Folgen sind verheerend. Richtig gefährlich wird es, wenn Betroffene ernsthaft krank werden, ohne es zu merken, und beispielsweise ein Blinddarmentzündung nicht behandeln lassen.
Mit anderen Worten: Schmerzen sind leider lebenswichtig. Wir brauchen sie als Alarmanlage unseres Körpers, um zu wissen, wenn etwas nicht in Ordnung ist und wir uns darum kümmern müssen. Das gilt auch für die psychischen Schmerzen, wenn uns jemand verletzt, gar beleidigt oder wir einen geliebten Menschen verlieren.
Aber brauchen wir unser Schmerzempfinden nicht nur für uns selbst, sondern auch für die körperlichen oder seelischen Schmerzen, die andere Menschen erleiden. Nur wenn wir eine Vorstellung von Schmerz haben, können wir die Not anderer nachempfinden. Nur wenn wir erkennen, dass jemand leidet und Hilfe benötigt, kann Verständnis für ihn entstehen. Schmerzen sind also auch Voraussetzung für empathisches Mitgefühl und gegenseitige menschliche Unterstützung.
In dieser Ausgabe widmen wir uns deshalb dem Thema SCHMERZ. Wir sprechen mit der ehemaligen Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, über Multiple Sklerose und fragen einen Schmerzmediziner, ob wir oftmals zu schnell zu Schmerztabletten greifen. Wir berichten über vererbte Traumata, wie sich Gewalt in der Pflege verhindern lässt und was die Palliativmedizin gegen Schmerzen im Sterbeprozess tun kann.
Wir wünschen Ihnen eine tröstliche Lektüre und hilfreiche Erkenntnisse beim Umgang mit eigenem und fremden Schmerz.
Susanne Anger
Sprecherin der Initiative "Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum"