Editorial

Es ist ein wunderbarer Loriot-Klassiker: der absurde Streit über ein zu hart gekochtes Frühstücksei. Genau viereinhalb Minuten muss ein Ei kochen, darüber sind sich die Eheleute einig. Ehefrau Berta meint, als Hausfrau habe sie die Garzeit „im Gefühl“. „Wieso ist es dann mal zu hart und mal zu weich?“, mosert der knollennasige Ehemann und fragt „Vielleicht stimmt mit deinem Gefühl etwas nicht?“
Wer kennt das nicht, manchmal rennt die Zeit, manchmal scheint sie stillzustehen. Unser Zeitgefühl ist sehr launisch und weicht oftmals von der „gemessenen Zeit“ erheblich ab. Warum eigentlich? Und warum scheint sie im Laufe des Lebens immer schneller zu vergehen?
In dieser Ausgabe dreht sich alles um die Zeit und unseren Umgang mit ihr. Denn kaum etwas ist in unserer gehetzten Gesellschaft so wertvoll geworden. Zeitmanagement kann helfen, sich die Zeit besser einzuteilen, kann aber auch zu noch mehr Stress führen. Wir müssen anerkennen, dass unsere Zeit begrenzt ist. Sie verrinnt und so sehr wir uns auch bemühen, wir haben nie genug davon. Wie also können wir die Zeit, die wir haben und die uns bleibt, sinnvoll nutzen?

Susanne Anger

Sprecherin der Initiative "Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum"

Menschen

Birgit Schrowange: "Ich muss nicht mehr überall dabei sein."

25 Jahre lang moderierte Birgit Schrowange die RTL-Sendung „Extra“. Nach vielen Jahren mit vollem Terminkalender, genießt sie es nun, die Dinge zu tun, die sie erfüllen. Traurig findet die 65-Jährige nur, dass die Zeit, die noch bleibt, immer kürzer wird.

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Birgit Schrowange genießt die Zeit, die noch bleibt.

Impulse

Warum wir gegen die Zeit nicht gewinnen können

Terminkalender und Zeitmanagement genauso wie Flugzeug, Laptop und Waschmaschine – es gibt unzählige Mittel und Methoden, Zeit zu sparen. Doch unsere Zeit wird nicht mehr, wenn wir effizienter werden. Wir sollten unsere Zeit leben, statt sie mit Aufgaben zu füllen.

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Die Zeit auspressen wie eine Zitrone, geht das?

Wissenswertes

Zeitempfinden: Immer in Bewegung

Manchmal vergeht die Zeit schneller, manchmal langsamer. Mitunter scheint sie ganz stillzustehen. Viele Leute behaupten, keine Zeit zu haben, andere haben sie angeblich totgeschlagen. Warum ist unser Zeitempfinden so launisch?

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Erst dauert alles zu lange, dann ist es plötzlich vorbei.

Unsere Lieblinge

Lesetipp

Teresa Bücker:

Wir leben in einer gehetzten Gesellschaft, Zeit ist zu einer kostbaren Ressource geworden, die sehr ungleich verteilt ist. Wir haben ständig zu wenig Zeit, egal ob für Kindererziehung, für die Pflege von Angehörigen, für ehrenamtliches Engagement oder als freie Zeit. Bücker lädt dazu ein, die zermürbende Taktung unseres Alltags zu überdenken und stellt Modelle vor, wie wir anders mit unserer Zeit umgehen und mehr Zeitgerechtigkeit schaffen könnten. Denn auch wenn die Gründe für Zeitknappheit individuell sehr unterschiedlich sind, überwinden können wir sie nur gemeinsam als Gesellschaft.

Teresa Bücker: „Alle_Zeit. Eine Frage von Macht und Freiheit“. Ullstein, 2022. 256 Seiten. 21,99 Euro

Astrid Greiner, Gründerin der Kinderschutzorganisation ChildFund Deutschland

ChildFund Deutschland

Es begann 1965 in den USA mit einer kleinen Anzeige in der Zeitung. Die Hilfsorganisation CCF suchte Paten für Kinder in armen Ländern. Die in Michigan lebende Niederländerin Astrid Greiner fühlte sich ins Herz getroffen. Sie übernahm eine Patenschaft für ein Mädchen in Mexiko, das mit dieser Unterstützung einen Schulabschluss und eine Ausbildung machen konnte. Es war ein glücklicher Erfolg, der Greiner fortan nicht mehr losließ. Als sie einen Deutschen heiratete und nach Nürtingen zog, begann sie dort, zahlreiche weitere Patenschaften zu vermitteln.
Durch Greiners außergewöhnliches Engagement wurde sogar die internationale Geschäftsstelle in den USA auf sie aufmerksam und nahm Kontakt mit ihr auf. So kam es, dass Astrid Greiner 1978 das CCF Kinderhilfswerk in Deutschland gründete. Es war ein kleiner Verein, mit dem sie die Arbeit aufnahm. Doch mit tatkräftiger Unterstützung ihrer Familie und einem großen Netzwerk von Freunden gelang es ihr innerhalb weniger Jahre, zahlreiche Paten zu gewinnen. 1990 erhielt Astrid Greiner dafür das Bundesverdienstkreuz.
Inzwischen wurde aus CCF die Kinderschutzorganisation ChildFund Deutschland, doch das Ziel ist gleichgeblieben: Kindern in Not eine Zukunft zu ermöglichen. Aktuell unterstützen tausende Paten und Spenderweltweit Kinder in mehr als 30 Ländern.

Mehr lesen: „Ideen, die bleiben“

80

Die Zahl

Mehr und mehr Zeit verbringen wir im Internet. Das betrifft vor allem Jugendliche und junge Erwachsene. Doch auch immer mehr ältere Menschen sind ständig online. Laut einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom verbringen die über 65-Jährigen durchschnittlich 80 Minuten am Smartphone. Das ist fast halb so viel Zeit wie jüngere Menschen. Senioren sind damit noch weit davon entfernt, zu sogenannten Smombies, also Smartphone-Zombies, zu mutieren. Allerdings beruhen die Zahlen lediglich auf Selbsteinschätzung und die kann auch mal daneben liegen. Wer es genau wissen will, überprüft unter Einstellungen die eigene Bildschirmzeit.

Schon gewusst?

Erbe für mehr als einen guten Zweck

Kindern helfen oder Tieren? Hilfsprojekte im Globalen Süden fördern oder eher Forschung? Es gibt viele Möglichkeiten, etwas Gutes zu tun. Wer gemeinnützig vererben will, kann seinen Nachlass auch mehreren gemeinnützigen Stiftungen und Vereinen zugutekommen lassen. Zu beachten ist, dass eine Erbeinsetzung („Ich setze … zum Erben ein“) eine Regelung über das gesamte Vermögen trifft: Die jeweilige Hilfsorganisation wird zum (Allein-)Erben und die sonstigen Erbberechtigten erhalten ihren Pflichtteil. Weitere Stiftungen oder Vereine können zusätzlich mit einem Vermächtnis bedacht werden („Ich vermache …“). Das Vermächtnis sollte möglichst genau benannt werden – etwa für eine bestimmte Summe aus einem Bankguthaben oder bestimmte Sachen. Damit kann die jeweilige Organisation die vermachten Werte von der Erbengemeinschaft herausverlangen.

Michael Beuger, Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE

Das tut gut

Unter anderem mit Testamentsspenden setzt sich Amnesty International seit langem für die Iranerin Narges Mohammadi ein, die den diesjährigen Friedensnobelpreis erhält.

Nobelpreis im Gefängnis

Es ist ein wichtiges Signal im Kampf für Frauen- und Menschenrechte im Iran: Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an die inhaftierte Iranerin Narges Mohammadi. Die Menschrechtsaktivistin setzt sich seit drei Jahrzehnten für Frauenrechte ein, mehrfach wurde sie willkürlich inhaftiert, verurteilt und gefoltert. Derzeit befindet sie sich im berüchtigten Evin-Gefängnis. Amnesty International hat sich wiederholt mit Appellaktionen für ihre Freilassung eingesetzt und wird die Menschrechtsaktivistin weiterhin unterstützen.

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Mit Hilfe von Spenden und Patenschaften ermöglicht ChildFund jungen Menschen eine Zukunft.

Eine Zukunft schaffen

Zeit hat das Potential für Veränderungen und kann Schicksale zum Besseren wenden. So wie bei Stephen, einem ehemaligen ChildFund Patenkind aus Uganda. Mittlerweile ist der 35-Jährige erfolgreicher Schreiner. In Mbale, im Osten Ugandas, beschäftigt er in seiner eigenen Schreinerei fünf Mitarbeitende und bildet Jugendliche aus. Dank jahrelanger Unterstützung von ChildFund Deutschland und seiner Paten hat sich Stephen eine eigene Zukunft aufgebaut. Das möchte er jetzt zurückgeben: als Mentor für Jugendliche aus seiner Gemeinschaft.

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Gefördert durch Spendengelder gibt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft hilfreiche Tipps zur Verständigung mit Menschen mit Demenz, als Poster oder Postkarte.

Demenz-Tipps in neun Sprachen

¿Hablas español? Die „11 Tipps zur besseren Verständigung mit Menschen mit Demenz“ gibt es nun auch auf Spanisch. Damit ist das einprägsame Merkblatt der Deutschen Alzheimer Gesellschaft in neun verschiedenen Sprachen erhältlich, darunter Englisch, Arabisch und Türkisch. Die Kommunikation mit Menschen mit Demenz erfordert manchmal besondere Aufmerksamkeit. Kurz und knapp zeigen die Tipps, wie sie gelingen kann. Finanziert durch Spenden können die Tipps kostenlos als Plakate und Postkarten bestellt werden.

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Mit Hilfe von Spenden ermöglicht die DAHW von Lepra betroffenen Menschen ein Leben in Würde.

In Würde leben mit Lepra

Lepra – gibt es das überhaupt noch? Es ist wie bei vielen vernachlässigten Tropenkrankheiten: Während die Krankheit hierzulande fast völlig aus dem Bewusstsein verschwunden ist, infizieren sich weltweit jedes Jahr hunderttausende Menschen an dem Bakterium. Es sind Menschen, die oft keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung haben. Sie werden von der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe mit nachhaltigen und ganzheitlichen Projekten unterstützt. Mit dieser Hilfe beginnt für die Betroffenen ein neues Leben – wie zum Beispiel bei Asha:

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In Tansania hat action medeor eine erste Produktionsstätte für Reagenzien eröffnet – gefördert durch Spenden.

Lokale Medizinprodukte

Reagenzien für die Blutanalyse – made in Tansania. Mit der ersten Produktionsstätte für Reagenzien, die das Medikamentenhilfswerk action medeor gerade bei Dar es Salaam eröffnet hat, wird das tansanische Gesundheitssystem deutlich unabhängiger vom internationalen Markt. Bislang mussten die chemischen Substanzen, die bei der Diagnose vieler Krankheiten unablässig sind, teuer aus dem Ausland importiert werden. Gefördert wurde das action medeor-Projekt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit ebenso wie durch Spenden.

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Finanziert durch Spenden bringen die Weihnachtstrucker der Johanniter Hilfspakete für notleidende Menschen.

Weihnachtstrucker unterwegs

Seit 30 Jahren sind die Weihnachtstrucker der Johanniter unterwegs und bringen Pakete zu Menschen in Not – in Südosteuropa und seit der Corona-Pandemie auch in Deutschland. Die Pakete sind Jahr für Jahr mehr als nur konkrete Hilfe, sie sind auch ein wichtiges Zeichen der Solidarität, der Nächstenliebe und der Hoffnung. Gepackt werden sie von Kindern in Kindergärten, von Schülerinnen und Schülern und von Mitarbeitende in Unternehmen. Wer mitmachen möchte, findet alle Informationen auf der Webseite der Johanniter-Weihnachtstrucker.

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