Ratgeber

Ruhe unter Bäumen: Ein Pfarrer leitet eine Trauergemeinde durch den FriedWald. Immer mehr Menschen möchten inmitten der Natur bestattet werden. FriedWald, RuheForst sind zwei Anbieter. Was es zu beachten gibt steht in diesem Ratgeber. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: FriedWald

Ruhe unter Bäumen: Der Wald als Grabpfleger

Das Reihengrab auf dem Friedhof bekommt Konkurrenz. Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, in der Natur bestattet zu werden. Sie bevorzugen Wälder und Bäume als letzte Ruhestätte. Welche naturnahen Bestattungsarten gibt es und was ist bei Beisetzung und Grabpflege zu beachten? Eine Übersicht.

Hanne Haustein liebt die Natur. Die Vorstellung, nach ihrem Tod unter einer Baumwurzel zu liegen, umgeben von zwitschernden Vögeln, raschelnden Blättern und moosig duftender Waldluft, findet sie ganz wunderbar. Deshalb hat sich die 79-Jährige im Bestattungswald ihres pfälzischen Wohnortes bereits einen Baum ausgesucht. „Es gibt ein großes Interesse, seitdem die Gemeinde den FriedWald eingerichtet hat“, erzählt Hanne Haustein.

Ruhe unter Bäumen: Alter Baum in einem Friedwald, eine rote Schleife um den Stamm kennzeichnet ein freies Grab. Der Baum als Grabstätte und Tröster in einem FriedWald wird immer beliebter. Was es zu beachten gibt steht in diesem Ratgeber. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: FriedWald

Individualität löst Traditionen auf

In den letzten Jahren hat sich die Bestattungskultur erheblich gewandelt. Die Nachfrage nach Alternativen zum klassischen Friedhof ist deutlich gestiegen. Laut einer aktuellen EMNID-Umfrage kann sich bereits jeder Dritte vorstellen, an einem anderen Ort bestattet zu werden, 2010 war es nur jeder vierte. Woran liegt das?

„Traditionen verändern sich, das Leben wird pluraler und die Lebensentwürfe verschiedener. Die Individualität spiegelt sich dann auch bei der Bestattung wider“, erklärt Alexander Helbach von der Verbraucherinitiative Aeternitas diese Entwicklung. Früher war klar: Wer stirbt, kommt auf den Friedhof, ob im Sarg oder in einer Urne. Heute drückt sich ein individuell geführtes Leben auch in dem Wunsch nach einer Bestattung aus, die dem eigenen Charakter und Vorstellungen entspricht.

Die Natur als Erinnerungsort

Pragmatische Gründe können ebenfalls eine Rolle spielen. So ist es bei Hanne Haustein. „Meine Familie wohnt weit auseinander“, sagt sie, „ein Grab zu pflegen, ist schwierig und das entfällt bei der Baumbestattung.“ Dies übernimmt dann die Natur. Der Wald könne ein Ort des Denkens und der Erinnerung sein, für die Pfälzerin aber findet letztlich „die Erinnerung an einen lieben Menschen innerlich statt und ist nicht ortsgebunden“.

Ruhe unter Bäumen: Baum in einem Friedwald, eine gelbe Schleife um den Stamm kennzeichnet ein freies Grab. Die Natur ist tröstender Erinnerungsort und Grabpfleger zu gleich. Was es bei Naturbestattungen zu beachten gibt steht in diesem Ratgeber. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: FriedWald

In Deutschland gilt die Friedhofspflicht

Die Naturbestattung ist eine allgemeine Bezeichnung für verschiedene Bestattungsarten in der freien Natur. Dazu zählen zum Beispiel die Seebestattung und die Wald- bzw. Baumbestattung. Anders als etwa in der Schweiz, wo der gesetzliche Rahmen lockerer ist, ist es in Deutschland nicht möglich, die Asche auch an Gebirgsbächen, an Felsen oder auf Waldflächen zu verstreuen. Hierzulande gilt die gesetzlich festgelegte Friedhofspflicht. Demnach dürfen Angehörige die Urne auch nicht mit nach Hause nehmen oder im eigenen Garten beisetzen. Mit einer Ausnahme: Seit dem 1. Januar 2015 darf im Bundesland Bremen die Asche unter bestimmten Voraussetzungen auf privaten Grundstücken und ausgewiesenen öffentlichen Flächen verstreut werden.

Umweltverträglich Abschied nehmen

Der Umweltgedanke spielt bei der Entscheidung für eine Naturbestattung bei den meisten Menschen noch keine große Rolle. Von 200 Familien, die zum Beispiel der Berliner Bestatter Eric Wrede im Jahr begleitet „sind nur etwa für zwei Prozent bei der Bestattungsform ökologische Aspekte ausschlaggebend“. Erst im zweiten Schritt rücken Fragen nach umweltverträglichen Materialien bei Särgen und Urnen in den Vordergrund, die bei Eric Wrede komplett ohne unnötige Metalle, Lacke und Kleber zu haben sind. Auch bei der Dekoration könne man neue Wege gehen und beispielsweise das Geld für den vergänglichen Blumenschmuck lieber für einen guten Zweck spenden, was immer populärer wird.

Eine Bestattung im Wald oder an befriedeten Bäumen ist im FriedWald und im RuheForst möglich, für die ein Teil eines klassischen Waldgebietes in einen Bestattungswald umgewidmet wurde. Im RuheForst finden sich neben Bäumen als letzte Ruhestätte auch so genannte RuheBiotope. Dies können andere Naturdenkmäler wie Sträucher, Steine oder Findlinge sein, um die herum Urnen beigesetzt werden können. Zunehmend gibt es auch Baumgrabstätten auf klassischen Friedhöfen, insbesondere auf städtischen Waldfriedhöfen.

Friedwald, Ruheforst oder Friedhof?

Die Bezeichnungen FriedWald und RuheForst sind eingetragene Marken, die für das Konzept der Waldbestattung stehen. Inzwischen gibt es FriedWald-Standorte und RuheForst-Wälder in ganz Deutschland. Auch zahlreiche Friedhöfe bieten Naturbestattung an. Wenn Sie nach einer Möglichkeit in Ihrer Nähe suchen, finden Sie auf der Website der Verbraucherinitiative Aeternitas eine Übersicht.

Kosten abhängig von der Wahl der Grabstelle

Die größten Kostenunterschiede bei der Bestattung unter Bäumen entstehen durch die Wahl der Grabstelle. Bäume an einer Lichtung, in der Nähe eines Weges oder ein sehr alter Baum sind vergleichsweise teuer. Zudem gibt es die Wahl zwischen einem Basisplatz, einem Gemeinschafts-, Familien- oder Partnerbaum. Die günstigste Möglichkeit ist die Beisetzung an einem Gemeinschaftsbaum. Je nach Anbieter fangen die Kosten dieser Grabstelle bei etwa 800 Euro an, zuzüglich der Beisetzungsgebühren. Im Vergleich dazu kostet ein Familienbaum mit bis zu zehn Grabstellen mehrere Tausend Euro.

Voraussetzung ist die Einäscherung

Um das Waldgebiet nicht zu belasten, ruht die Asche Verstorbener im FriedWald und RuheForst in biologisch abbaubaren Urnen an den Wurzeln von Bäumen. Eine Einäscherung ist demnach eine Voraussetzung. Eine stille Beisetzung ist genauso möglich wie eine klassische Ansprache mit Gebeten durch einen Pfarrer oder Trauerredner.

Den Abschied planen

Um sicherzugehen, dass nach Ihrem Tod in Ihrem Sinne gehandelt wird, können Sie zu Lebzeiten eine notariell beglaubigte Bestattungsverfügung erstellen. Lesen Sie hier, was Sie bei der Bestattungsvorsorge beachten sollten.

Die Grabpflege übernimmt die Natur

Die Natur soll bei einer Waldbestattung möglichst unberührt bleiben. Das bedeutet aber auch, dass eine Gestaltung der Grabstätte durch Blumen, Grabstein und Grabschmuck im Vergleich zum Friedhof nicht möglich ist. Die Kennzeichnung der Grabstätten erfolgt üblicherweise durch eine kleine Plakette am Baum. Wie bei konventionellen Friedhöfen wird eine Ruhezeit von 20 Jahren gewährt. Eine Umbettung erfolgt normalerweise nur im Falle von Sturm- oder anderweitigen Schäden am Baum, etwa wenn die Urne bei einer Entwurzelung freigelegt wird.

Der Wandel in der Bestattungskultur treibt bisweilen skurrile Blüten: In der Schweiz oder in der Niederlande kann man seine Asche zum Beispiel zu einem hochkarätigen Diamanten verarbeiten lassen. Und in Großbritannien ist es möglich, nach der Einäscherung die Familie als gepresste Schallplatte musikalisch zu erfreuen. Wer es also ganz anders wünscht, muss seine Asche ins Ausland überführen lassen.

TEXT: Anja Karrasch
FOTOS: FriedWald, Thomas Gasparini/FriedWald