Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt

No. 3 – ABSCHIED

Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 3: Abschied. Schwarzweiß-Bild zeigt die Rückansicht eines älteren Mannes, der auf den Klippen hoch über dem Meer steht und einer abfahrenden Fähre nachwinkt. England, Lundy Island, 2005. Abschiede begleiten uns von klein auf. Doch das Loslassen müssen wir lebenslang lernen. Foto: Stuart Franklin / Magnum Photos / Agentur Focus
© Stuart Franklin / Magnum Photos / Agentur Focus

Editorial

Auseinanderzugehen und Abschied zu nehmen, das fällt uns fast immer schwer. Evolutionspsychologen meinen gar, es käme einem psychischen Erdbeben gleich, sich von wichtigen Dingen, aber vor allem von wichtigen Menschen zu trennen. Und tatsächlich ist der Mensch für Abschiede schlecht gerüstet. Wir sind Klammeraffen, vom ersten Tag an. Unser Gehirn sucht und festigt Bindungen. Auf Trennungen reagiert es ebenso heftig wie auf körperliche Verletzungen: mit Schmerz. Denn eigentlich wollen wir verbunden bleiben.

Und doch, Abschiede begleiten uns von klein auf. Zu jedem Zeitpunkt des Lebens müssen wir uns trennen: Am ersten Kindergartentag, an dem uns die Mama verlässt. Am Ende der ersten Liebe, einer beruflichen Station, eines Ortswechsels. Und am Ende eines Lebens. Das ist sicher der schwierigste Abschied, den wir erleiden und erleben. Loslassen, das müssen wir mühsam lernen, lebenslang.

Das Thema Abschied steht deshalb im Mittelpunkt dieser Ausgabe unseres Magazins. Helfen kann uns dabei die bewusste Auseinandersetzung, sich rechtzeitig Gedanken zu machen, wie wir gehen wollen, anderen nah sein und über das Ende zu reden. So erschütternd die psychischen Erdbeben des Abschieds auch sein können, oft fördern sie einen Schatz zutage, den wir erst entdecken, wenn die schlimmste Zeit der Trauer überwunden ist: Wir erkennen noch einmal neu, was wir an einem Menschen wirklich schätzten und liebten. Und dieses Erkennen tröstet und hilft uns.

Susanne Anger

Sprecherin der Initiative
"Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum"

Impulse

Den Abschied leben lernen

Henning Scherf engagiert sich seit langem für alte Menschen und begleitet Sterbende auf ihrem letzten Weg. Der frühere Bremer Bürgermeister wirbt für einen bewussten Umgang mit dem Lebensende. Sein Rat: Lasst euch ein auf den Abschied! Und das nicht erst am Lebensende.

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Abschied leben lernen: Federn, Symbolbild: Sterben, Loslassen, Abschied nehmen. Henning Scherf begleitet Sterbende. In „Das letzte Tabu“ rat er: Über das Sterben reden und den Abschied gemeinsam leben. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt.

Menschen

Erinnern und
vom Leben erzählen

David Ensikat ist Nachrufeschreiber beim Berliner Tagesspiegel. In seinen Texten würdigt er das Leben ganz normaler Menschen und führt dazu lange Gespräche mit Angehörigen und Freunden. Das Erinnern und Erzählen helfe bei der Trauerarbeit, sagt er. Ein Gespräch über den Umgang mit Tod, Trauer und Erinnerungen.

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Erinnern und vom Leben erzählen: Schatten winkender Menschen auf einer weißen Reling, dahinter Umrisse eines Kreuzfahrtschiffes. Symbolbild für den Nachruf. Das Erinnern und Erzählen hilft Trauernden beim Abschiednehmen. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: mylove4art via Twenty20

Wissenswertes

Trauern, wie wir es wollen

Ein Eichensarg, der Pfarrer spricht, jeder wirft noch eine Blume ins Grab und schon ist die Beerdigung vorbei. Üblicherweise. Doch immer mehr Menschen wollen anders, auf ganz persönliche Weise, Abschied nehmen. Woher aber wissen, was erlaubt ist und was für einen selbst richtig? Alternative Bestatter helfen dabei, passende Rituale zu entwickeln.

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Trauern, wie wir es wollen: Welke Blumen in einem grünen Container. Symbolbild: Immer mehr Menschen fühlen sich mit üblichen Bestattungsritualen nicht mehr wohl. Alternative Bestatter helfen, individuelle Rituale zu entwickeln. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: designritter/photocase

Unsere Lieblinge

Lesetipp

Lesetipp: Cover des Buches

Ein bewegendes Buch über das Ende des Lebens, über Freundschaft und Einsamkeit: Johannes Wenger, 83, alleinstehend, Architekt, ist nach einem Sturz auf Pflege angewiesen. Das kratzt an seinem Selbstbild und macht den Alltag beschwerlich. Sein Freund und Hausarzt Dr. Mailänder versucht, dem grantigen Alten das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Sogar in den Urlaub mit der Familie lädt er ihn ein. Dabei bringt vor allem die sechsjährige Katharina etwas in „Opa Hannes“ zum Klingen. Mit viel Gefühl, Komik und Melancholie nimmt Peter Härtling seine Leser mit in die Mühsal des Alters und macht zugleich deutlich, welch großes Glückspotenzial auch diese Lebensphase besitzt. Dem Tod kann man nicht entgehen. Aber man kann sich aus der eigenen Geschichte mit einem Lächeln verabschieden.

Peter Härtling: „Der Gedankenspieler“. Roman.
Kiepenheuer&Witsch, Köln 2018. 240 Seiten, 20,00 Euro

Das Zitat

Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt. Ausgabe: Abschied - Zitat: Schwarzweiß-Porträt der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann. Foto: Piper Verlag
© Piper Verlag
Wenn dein Schiff fährt, wird es fahren. Wenn ich winken muss, werde ich winken. Wenn ich dich zum letzten Mal küssen darf, werde ich es so tun, rasch, auf die Wange.

Ingeborg Bachmann: Der gute Gott von Manhattan

Aus: Werke, Bd.1. © 1978 Piper Verlag GmbH, München

100.000

Die Zahl

Zuhören, eine Hand halten, einen letzten Wunsch erfüllen, da sein bis zum Schluss. Mehr als 100.000 Menschen begleiten Schwerkranke und Sterbende hierzulande auf ihrem letzten Weg. Ihre Zahl wächst, laut Deutschem Hospiz- und PalliativVerband, stetig. Für die in den 1980er Jahren in Deutschland aufgekommene Hospizbewegung sind Ehrenamtliche unerlässlich. Ihr Ziel: Das Sterben zurück ins Leben holen. Raus aus den Krankenhäusern. Denn jeder hat einen würdevollen Abschied verdient.

Berühmte Testamente: Profilbild von Johann Christian Senckenberg, darüber der Spruch „Helfer der Menschheit“, rot-weiße Briefmarke der Deutschen Bundespost von 1953. Der Arzt setzte sein Vermögen für die Verbesserung der Gesundheitsversorgung der Stadt Frankfurt ein. Sein Erbe für den guten Zweck legte u.a. den Grundstein der späteren Universität. In Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt.

Berühmte Vermächtnisse

Johann Christian Senckenberg

Wie schlecht es seinerzeit um das medizinische Wissen und die Behandlung von Kranken stand, wusste der Frankfurter Arzt Johann Christian Senckenberg nur zu gut. Drei Ehefrauen und auch seine beiden Kinder starben früh. Fortan kannte der fromme und rechtschaffende Senckenberg nur ein Ziel: Mit seinem Vermögen wollte er das Gesundheitswesen der Stadt verbessern und „der Wissenschaft einen Tempel“ bauen – einzigartig in einer Zeit, in der sich Stiftungen vor allem auf soziale Zwecke beschränkten. Im August 1763, 17 Jahren nach der ersten Idee, wurde die Dr. Senckenbergische Stiftung schließlich errichtet. Sie schenkte der Stadt Frankfurt nicht nur das erste Bürgerhospital. Die erste Pathologie, der Heilpflanzengarten und die Bibliothek waren die Grundsteine für die spätere Universität. Übrigens: Auch seinen Abschied hatte Senckenberg genau geregelt. Auf seiner eigens verfassten Grabinschrift heißt es: „Lerne zu sterben während du lebst: So hast du durch den Tod das Leben erworben.“

Schon gewusst?

Ein Erbe ausschlagen

Eine Erbschaft mag verlockend klingen. Doch nicht immer verspricht sie etwas Gutes. Denn wer erbt, kann sich nicht nur über Geld, Haus oder Schmuck freuen. Als Rechtsnachfolger des Erblassers übernehmen Erben auch alle Verbindlichkeiten. Für mögliche Schulden haften sie persönlich mit ihrem gesamten Vermögen und nicht allein mit dem Wert des Nachlasses. Annehmen oder ausschlagen sollte deshalb gut überlegt sein. Sechs Wochen räumt der Gesetzgeber jedem dafür ein. Wird die Erbschaft innerhalb dieser Frist beim Nachlassgericht nicht abgelehnt, gilt sie als angetreten. Die Zeit sollte man gut nutzen und sich einen Überblick über die Höhe des Nachlasses und die Nachlassverbindlichkeiten verschaffen. Achtung! Rosinenpicken geht leider nicht. Ausschlagen kann man ein Erbe nur komplett. Wer also unliebsamen Überraschungen vorbeugen möchte, setzt besser von Beginn auf rechtliche Beratung.

Michael Beuger, Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE

DAS TUT GUT

Das tut gut: Collage eines Bildes der Informatik-Pionierin Ada Lovelace, in der Hand einen Laptop, vor grünem Hintergrund mit Zahlreihen aus Einsen und Nullen. Wissenschaftlerinnen der Max-Planck-Gesellschaft stellen ihre historischen Vorbilder vor und machen anderen Mut. MPG ist Mitglied der Initiative

Sie machten den Weg frei

Ada Lovelace gilt als Pionierin der modernen Informatik, Elisabeth Schiemann war Botanikerin der ersten Stunde und Lise Meitner war Mitentdeckerin der Kernspaltung. Sie alle waren Frauen in einer männlich geprägten Wissenschaftswelt und haben bahnbrechende Entdeckungen in ihrer Disziplin gemacht. Um anderen Mut zu machen, werfen Forscherinnen der Max-Planck-Gesellschaft einen persönlichen Blick auf ihre historischen Vorbilder.

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Das tut gut: Eine SOS-Mutter umarmt drei Kinder. Mitten im Krieg finden die Kriegswaisen im SOS-Kinderdorf bei Damaskus ein neues Zuhause. SOS Kinderdörfer weltweit ist Mitglied der Initiative

Ein Zuhause für Kriegswaisen

Ein kleines Wunder mitten im Krieg: Im neuen SOS-Kinderdorf bei Damaskus haben 80 syrische Kriegswaisen ihr neues Zuhause bezogen. Ihre Eltern sind tot oder verschollen. Sie haben entsetzliches Leid erfahren. Und der Krieg dauert weiter an. Im SOS-Kinderdorf finden die Mädchen und Jungen Schutz, therapeutische Behandlung und eine Ersatzfamilie. SOS-Mütter kümmern sich liebevoll um sie und helfen ihnen, Sicherheit und Vertrauen wiederzugewinnen. So schenken die SOS-Kinderdörfer weltweit Kindern, die alles verloren haben, neuen Lebensmut.

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Das tut gut: Eine Demonstrantin mit Mundschutz darauf der Schriftzug „Dieselabgase töten“. Die Deutsche Umwelthilfe kämpft für saubere Luft und konnte ein Grundsatzurteil vor dem Bundesverwaltungsgericht erwirken. Die DUH ist Mitglied der Initiative

Saubere Luft für uns alle

Es ist ein Etappensieg im Kampf für saubere Luft. Mit einem Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts hat die Deutsche Umwelthilfe erwirkt, dass der Staat für eine wirksame Luftreinhaltung sorgen muss. Die Gesundheit der Bürger ist höher zu bewerten als das Profitstreben von Autokonzernen. Als Sofortmaßnahme sind Dieselverbote in Städten unvermeidlich. Allein das Dieselabgasgift NO2 verursacht hierzulande gut 13.000 vorzeitige Todesfälle jedes Jahr und macht Hunderttausende krank. Der Einsatz für saubere Luft geht indessen weiter.

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Das tut gut: Gruppenbild mit den tansanischen Pharmaziestudentinnen Wema Kibanga und Catherine Shirima, ausgezeichnet mit dem Gedächtnispreis aus dem Felix Wiemes-Stiftungsfonds, der unter dem Dach der action medeor-Stiftung geführt wird und der Förderung der pharmazeutischen Kompetenz in Tansania dient. action medeor ist Mitglied der Initiative

Förderpreis für Pharmazie-Nachwuchs

Weil es in Tansania an gut ausgebildetem pharmazeutischem Personal mangelt, werden Medikamente oft falsch zubereitet, gelagert oder verwendet. action medeor möchte das ändern und wird dabei vom Felix Wiemes-Stiftungsfonds, der 2013 in Gedenken an einen engagierten Menschen gegründet wurde, unterstützt. Aus dem Fonds werden jährlich Studierende der School of Pharmacy in Dar es Salaam ausgezeichnet. Der Förderpreis trägt dazu bei, die pharmazeutische Kompetenz in Tansania voranzubringen und der Abwanderung von Fachkräften entgegenzuwirken.

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Das tut gut: Eine Mitarbeiterin von Ärzte ohne Grenzen zeigt Passanten auf einem Marktplatz, wie Nothilfe funktioniert. Die Ausstellung „Im Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen“ ist in vielen deutschen Städten zu sehen. Ärzte ohne Grenzen ist Mitglied der Initiative

Weltweite Nothilfe erleben

Naturkatastrophen, Kriege, Hungersnöte. Und mitten drin Nothelfer, die versuchen, die Opfer zu versorgen. Doch was erleben diejenigen, die erste Hilfe leisten? Was brauchen sie, um in extremen Situationen Leben zu retten? Ärzte ohne Grenzen erlaubt nun einen Blick hinter die Kulissen dieser herausfordernden Arbeit. In der Wanderausstellung „Im Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen“ erfahren Besucher aus erster Hand, wie humanitäre Hilfseinsätze ablaufen, und worauf es dabei ankommt. Demnächst auch in Ihrer Nähe.

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Ausblick Juli 2018 Ehrensache

Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 4: Ehrensache. Schwarzweiß-Bild zeigt den US-Amerikanischen Fotograf Elliott Erwitt, in die Kamera lächelnd mit einer Ehrenschleife auf der Stirn. Tokyo, 1997. Gutes tun, das ist für viele Ehrensache, über Anerkennung freuen wir uns trotzdem. Foto: Peter Marlow/Magnum Photos/Agentur Focus

Wohltäter aus Überzeugung. Alexander Brochier im Porträt.

Weitergeben stiftet Lebenssinn. Warum Erfüllung findet, wer für die Nachwelt sorgt.

Gutes tun steckt an. Eine Anstiftung zum Vorleben und Nachmachen.

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