Ratgeber

Bestattungsvorsorge: Nahaufnahme einer grünen-goldenen Trauerschleife auf Nadelzweigen. Symbolbild: Viele Gründe sprechend dafür, die eigene Bestattung zu planen. Was wichtig ist und wo Kostenfallen lauern? Experten geben Rat. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Flügelwesen/Photocase

Bestattungsvorsorge: So planen Sie Ihren Abschied

Schon zu Lebzeiten die eigene Bestattung planen? Gute Gründe sprechen dafür! Wer vorsorgt, gewinnt Sicherheit und kann den Abschied nach seinen Wünschen gestalten. Auch für trauernde Angehörige ist es eine Erleichterung, wenn sie wissen, was zu tun ist. Was ist wichtig? Wo lauern Kostenfallen? Experten geben Rat.

Lange war der Tod ein Tabuthema, doch allmählich kehrt er ins Leben zurück. Zahlreiche Bücher, aber auch die ARD Themenwoche „Leben mit dem Tod“ oder die ZEIT ONLINE-Serie „Der Tod ist groß“ beenden allmählich die Zeit der Verdrängung. Aber an die eigene Beerdigung zu denken, fühlt sich für die meisten Menschen dann doch noch immer seltsam an.

„Setzen Sie sich mit dem Lebensende und der eigenen Bestattung auseinander!“, raten Experten wie Oliver Wirthmann. Der Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur e.V. und Pressesprecher des Bundesverbandes Deutscher Bestatter sagt: „Nur wenn ich gezielt vorsorge, habe ich die Sicherheit, dass mein Wille auch beachtet wird.“  Auch Alexander Helbach von der Verbraucherinitiative Aeternitas plädiert für eine Bestattungsvorsorge. „So werden Angehörige entlastet, die sich nicht den Kopf über meine Wünsche zerbrechen müssen“.

Weitere Gründe sprechen für die Planung und Vorsorge: Zum einen bleiben Ihre Erben nicht auf den finanziellen Kosten einer Beerdigung sitzen – schließlich ist der Tod bekanntlich nicht umsonst. Zum anderen sind Gedanken und Gespräche rund um die eigene Bestattung eine Form des Abschiednehmens. Gerade wenn der Tod nicht plötzlich und unerwartet kommt, können Sie mit Ihrer Familie und Freunden sprechen und dabei vielleicht sogar Trost erleben.

Bestattungsvorsorge: Eine Blumenvase auf einem Wohnzimmertisch. Symbolbild. Wer seine Bestattung zu Lebzeiten plant, kann seinen Abschied nach eigenen Wünsche gestalten und entlastet Angehörige. Was wichtig ist und wo Kostenfallen lauern? Experten geben Rat. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Jan Werner/Photocase

Das Gespräch mit Angehörigen suchen

Wie umfangreich und detailliert man den Abschied gestaltet, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. „Geregelt werden sollte auf jeden Fall die Art der Bestattung, ob also Erd- oder Feuerbestattung, die Art der Trauerfeier und der Ort der Bestattung“, rät Oliver Wirthmann. Wem die Umwelt am Herzen liegt, kann zum Beispiel eine Bestattung mit möglichst wenig Emissionen bestimmen – anstelle einer Kapsel aus Weißblech besteht die Urne dann aus Naturfasern. Eine Feier, in der bis auf die Menüfolge alles im Detail festgelegt ist, hilft unter Umständen den Angehörigen in der Zeit der Trauer, in der sie kaum Kraft für organisatorische Dinge haben.

Andererseits sollten man seine Lieben nicht bevormunden. „Ich rate dazu, mit den Angehörigen zu sprechen, damit auch ihre Wünsche Berücksichtigung finden“, sagt Alexander Helbach. Möchte der eine zum Beispiel fröhliche Popsongs für die Trauerfeier, hätte der Freund viel lieber Musik von Bach. Ein anderer wünscht sich vielleicht eine Baumbestattung im Wald, aber die Ehefrau kann den Ort nur schwer erreichen, obwohl sie das Grab gerne besuchen würde. Wer sich vorher bespricht, findet einen Weg, mit dem alle zufrieden sein können.

Unser Tipp

Auch das entlastet Ihre Angehörigen in der Zeit der Trauer: Legen Sie für den Trauerfall wichtige Dokumente in einen Ordner. Dazu gehörigen Personalausweis, Personenstandsurkunden, Bestattungsvorsorgevertrag, Versicherungsunterlagen zu Sterbegeld-, Lebens-, Kranken- und Unfallversicherungen, Rentennummern, Grabdokumente falls vorhanden, Testament bzw. Erbvertrag.

Einen Vorsorgevertrag abschließen

Ihre Vorstellungen können Sie in Form einer Bestattungsverfügung schriftlich niederlegen. Möglich sind aber auch sogenannte Bestattungs-Vorsorgeverträge. Sie werden mit einem Bestatter abgeschlossen und regeln die Punkte, die zu einer Bestattung gehören. Die Beratung durch den Bestatter und der Vertrag kosten in den meisten Fällen nichts. Im Vorsorgevertrag stehen auch die Kosten der Beerdigung auf Basis eines Kostenvoranschlags des Bestatters. Das Geld zahlt man dann in einen Treuhandvertrag ein. Es wird als Treuhandvermögen – bei der Deutschen Bestattungsvorsorge Treuhand AG – angelegt und verzinst. Im Todesfall erhält der Bestatter das Geld, um Beerdigung und Trauerfeier durchzuführen.

Vor- und Nachteile von Sterbegeldversicherungen

Zweckgebundene Sterbegeldversicherungen mit einer Versicherungssumme zwischen 4.000 und 10.000 Euro sind eine andere Möglichkeit finanziell vorzusorgen. Verbraucherschützer sehen sie kritisch, weil man oft mehr einzahlt, als am Ende herauskommt. Denn die Höhe des Versicherungsbeitrags richtet sich auch nach der Wahrscheinlichkeit des Ablebens. „Der Vorwurf, Sterbegeldversicherungen seien unnötig, stimmt so aber nicht“, erklärt Oliver Wirthmann. „Für Menschen bis etwa Mitte 60 ist sie durchaus sinnvoll. Schließlich hat man die Gewissheit, dass das Geld im Fall des Falles auch ausbezahlt wird“. Vor allem für Menschen mit kleinerem Einkommen ist eine Versicherung eine Alternative. Besser jedenfalls, als sein Geld aufs Sparkonto zu legen. Darauf kann nämlich das Sozialamt zugreifen, wenn das eigene Vermögen nicht mehr ausreicht, um die Pflegekosten zu zahlen. Eine Treuhandanlage oder eine zweckgebundene Sterbegeldversicherung sind dagegen vor dem Zugriff des Sozialamtes sicher, je nach Bundesland in der Höhe von 6.000 bis zu 10.000 Euro.

Kostenfallen vermeiden

Das Geld sicher anzulegen, lohnt sich also. Denn selbst eine günstige Feuerbestattung mit Beisetzung in der Urne kostet rund 3.000 Euro. „Aus einer repräsentativen Meinungsumfrage wissen wir, dass viele Menschen die Kosten einer Bestattung unterschätzen“, sagt Alexander Helbach von Aeternitas. Die Umfrage ergab, dass die Hälfte der Bundesbürger nur bis zu 4.000 Euro ausgeben möchte. Für eine Erdbestattung reicht das nicht. Sie kostet durchschnittlich 6.000 Euro, ein massiver Kiefernholzsarg schlägt mit gut 800 Euro zu Buche.

Geprüfte Bestatter

Seriöse Bestatter bieten ihren Kunden Kostenvoranschläge. Doch wie findet man einen guten Bestatter? Qualitätssiegel geben Orientierung. Der Bundesverband Deutscher Bestatter verleiht das Markenzeichen „Bestatter – vom Handwerk geprüft“. Gut 1.200 Betriebe führen es. Die Voraussetzungen: eine transparente Preisgestaltung, qualifizierte Mitarbeiter und 24 Stunden Erreichbarkeit. Ähnliche Anforderungen stellt die Verbraucherinitiative Aeternitas, die das Qualitätszeichen „Qualifizierter Bestatter“ vergibt.

Discountangebote, die mit Preisen von 999 Euro werben, sind unseriös. Auch all-inclusive Preise sollten Sie mit großer Vorsicht betrachten. „Das sind Lockvogelangebote. Viele Leistungen sind nicht im Angebot enthalten“, weiß Geschäftsführer Wirthmann vom Bundesverband Deutscher Bestatter. „Extra kostet dann zum Beispiel die Abholung im dritten Stock oder die Überführung, wenn sie aus einem anderen Stadtbezirk erfolgt“.

Bei Vergleichsportalen im Internet lauern ebenfalls Kostenfallen. In der Regel sind nämlich bei Beauftragungen Provisionen von zwölf bis 20 Prozent fällig. Wer Preise im Internet vergleicht, sollte seine Wünsche möglichst konkret angeben können. Nur so erhält man einigermaßen realistische Preise.

Zum Weiterlesen

Test „Bestattungsvorsorge“, Finanztest 02/2018 – Stiftung Warentest hat Treuhandverträge unter die Lupe genommen und bietet Formulare für die Bestattungsverfügung, einen Überblick über Bestattungsformen und Tipps für den Trauerfall. Den kompletten Artikel kann man für 2,50 Euro herunterladen: www.test.de/Bestattungsvorsorge

TEXT: Angelika S. Friedl
FOTOS: Flügelwesen/Photocase, Jan Werner/Photocase