Ratgeber

Nachhaltige Geldanlagen: Nahaufnahme einer Hand mit Setzling. Symbolbild. Wie legt man Geld nachhaltig an, ethisch, ökologisch, sozial? Hermann-Josef Tenhagen, Finanztip-Chefredakteur, gibt Rat. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: luxuz::./photocase.de

Nachhaltige Geldanlagen: In Wandel investieren

Mit Geld etwas Gutes tun: ethisch, sozial, ökologisch? Das versprechen nachhaltige Geldanlagen wie Windpark-Projekte, grüne ETFs oder Ökofonds. Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des gemeinnützigen Verbraucherportals Finanztip, erläutert im Interview, worauf es beim nachhaltigen Investment ankommt.

Nachhaltige Geldanlagen: Porträt von Hermann-Josef Tenhagen. ETFs, Windpark-Projekte, Ökofonds, Stifterdarlehen. Der Finanztip-Chefredakteur erklärt im Interview, worauf es bei nachhaltigen Geldanlagen ankommt. Ein Ratgeber. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Finanztip

Herr Tenhagen, immer mehr Menschen interessieren sich für Anlagemöglichkeiten und Finanzprodukte, die einen ökologischen, sozialen oder ethischen Mehrwert versprechen. Was sollte man dabei beachten?
Am Anfang steht die Frage, welche Ziele damit erreicht werden sollen. Möchte ich mein Geld anlegen und sicher sein, dass dies nicht mit schlimmen Praktiken verbunden ist, etwa Umweltzerstörung oder sozialer Ausbeutung? Oder möchte ich ganz konkrete Projekte fördern? Zu solchen inhaltlichen Aspekten kommen noch zwei weitere entscheidende Faktoren hinzu. Erstens die Rendite: Wie viel Gewinn erwarte ich? Je mehr es sein soll, desto größer werden die Risiken, die ich dafür eingehen muss. Zweitens die Zeit: Bis wann soll mein Geld beziehungsweise mein Gewinn wieder zu mir oder meinen Erben zurückfließen? Je langfristiger ich planen kann, desto größer werden die Möglichkeiten, zu investieren.

„Zwei Fragen sind wichtig: Wie viel Gewinn erwarte ich? Und bis wann soll mein Geld zurückfließen?“


Woran kann ich erkennen, das mit meinem Geld keine Dinge finanziert werden, die meinen persönlichen Werten widersprechen?
Der Begriff Nachhaltigkeit ist nicht geschützt, kann bei Banken und Fondsgesellschaften also sehr unterschiedliche Geldanlagen umfassen. Nun kann ich mich für eine Beteiligung an einem konkreten Projekt entschließen, bei dem etwa die ökologische Ausrichtung außer Zweifel steht, zum Beispiel bei Wind- und Solarparks oder der Aufforstung neuer Wälder. Hierbei gibt es aber einiges zu bedenken: So wird in der Regel in solche Projekte langfristig investiert, kurzfristig kann ich mein Geld also nur schwer wieder zurückholen. Außerdem sind solche Investments meist riskant. Geht meine Unternehmung pleite, ist alles weg. Auf solche Art sollte also bloß Geld angelegt werden, auf das es einem persönlich nicht ankommt.

„Investments in konkrete Projekte sind meist riskant. Geht meine Unternehmung pleite, ist alles weg.“


Wie lässt das Risiko sich minimieren?
Besser ist es, sich über breit gestreute Aktienfonds an nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen zu beteiligen. Auf diese Weise verteilt sich das Anlagerisiko auf eine Vielzahl an Unternehmen und Branchen. Gleichzeitig sind die Anteile an dem Fonds Sondervermögen, und damit besser geschützt als andere Anlageformen wie unternehmerische Beteiligungen oder Nachrangdarlehen.

Wie unterscheiden sich nachhaltig orientierte von herkömmlichen Fonds?
Manche Investmentfonds schließen Unternehmen aus, die in umstrittenen Branchen tätig sind. Das können Alkohol oder Tabak, Kriegswaffen oder gentechnisch veränderte Lebensmittel sein. Außen vor sind oft auch Firmen, die Kinderarbeit zulassen oder ihr Geld mit Glücksspiel oder pornografischen Inhalten verdienen. Andere belassen nur die besten Unternehmen einer Branche im Fonds: etwa den besten der ökologisch zweifelhaften Erdölproduzenten, den besten der in Billiglohnländern produzierenden Textilkonzerne oder die Investmentbank, die am besten mit Mitarbeitern umgeht und die Management-Boni im Zaum hält.

„Manche Investmentfonds schließen umstrittene Branchen aus. Andere belassen nur die Besten einer Branche im Fonds.“


Die Kriterien erscheinen grobmaschig.
Es empfiehlt sich immer ein Blick auf die Details. Ein Fonds kann etwa einen Konzern wie Apple ausschließen, weil der Seltene Erden abbaut; Amazon, weil die mit der Gewerkschaft Probleme haben; Facebook wegen mangelndem Datenschutz. Stattdessen findet man darin vielleicht Konzerne wie Microsoft oder Nestlé. Generell gilt aber: Solche Kriterien sind schon mal ein guter erster Schritt, sozusagen „hellgrünes“ Investment. Gemessen am insgesamt investierten Vermögen bewegen sich selbst solche nachhaltigen Anlagen zwar bislang noch im einstelligen Prozentbereich. Aber die Möglichkeiten, auf diese Art bewusster zu investieren, werden mehr.

„Über kostengünstige, nachhaltig ausgerichtete ETFs lässt sich langfristig Vermögen aufbauen.“


Welche Art von Fonds empfehlen Sie als nachhaltige Geldanlage?
Eine einfache und günstige Art für Privatanleger, ethische Standards bei der Geldanlage zu berücksichtigen, sind sogenannte Aktien-Indexfonds (ETFs), die nachhaltig ausgerichtete Aktienindizes abbilden. Über kostengünstige ETFs, die einen breiten Marktindex nachbilden, lässt sich langfristig Vermögen aufbauen. Wir haben bei Finanztip in Langzeitanalysen die Ergebnisse solcher Fonds mit den Renditen klassischer Fonds verglichen und keinen Renditeunterschied festgestellt – vielleicht aber ein besseres Gewissen. Ein Sparer, der in der Vergangenheit beliebige 15 Jahre lang im Weltaktienindex investiert hat, hätte niemals Geld verloren.

Es ist unwahrscheinlich, dass ein Ökofonds besser abschneidet als ein nachhaltiger Marktindex.


Geht es auch noch konsequenter, also
„dunkelgrün“?
Bei sogenannten aktiven Fonds ist ein Fondsmanager dafür verantwortlich, die Aktien für den Fonds auszuwählen. Im Falle von Ökofonds sind das Aktien solcher Unternehmen, die er für besonders nachhaltig hält. Aber trifft dieser Fondsmanager am Ende bessere Entscheidungen im Vergleich zu einem breit gestreuten und nachhaltigen Aktienindex? In jedem Fall bezahlt man bei aktiv verwalteten Fonds höhere laufende Verwaltungsgebühren als bei einem Aktien-Indexfonds. Bekommt man die Fonds über einen Vermittler direkt von der Kapitalanlagegesellschaft, wird in der Regel ein sogenannter Ausgabeaufschlag fällig. All dies muss erst einmal wieder hereingeholt werden. Es ist unwahrscheinlich, dass solch ein Ökofonds besser abschneidet als ein nachhaltiger Marktindex. Wer will kann sich um all das auch selbst kümmern, dann wird die Geldanlage aber zum zeitaufwändigen Hobby.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur, Herausgeber und Geschäftsführer der gemeinnützigen Finanztip Verbraucherinformation GmbH: www.finanztip.de

Tipp: Stifterdarlehen

Auch mit einem Stifterdarlehen kann man Geld für einen guten Zweck arbeiten lassen. Dabei stellen Sie ihr Kapital einer Stiftung zinsfrei zur Verfügung; diese legt das Geld an und fördert aus den Erträgen ihre gemeinnützige Arbeit. Nach Ablauf der Darlehenslaufzeit erhalten Sie Ihr Geld vollständig zurück. Es ist auch möglich, die geliehene Summe in eine Spende oder Zustiftung umzuwandeln oder per Testament zu regeln, dass das Darlehen nach dem Tod als Zuwendung an die Stiftung übergeht.

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INTERVIEW: Lars Klaaßen
FOTOS: luxuz::./photocase.de, Finanztip