Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt

No. 14 – VERTRAUEN

No. 14 – VERTRAUEN

Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 14: VERTRAUEN. USA. New Rochelle, NY. 1953: Ein Kleinkind, gehalten von Vater und Mutter. Symbolbild. Vertrauen ist die Basis für den Zusammenhalt, stärkt Bindungen, schafft Einigkeit. Auch wer mit dem Erbe Gutes tun möchte, braucht Vertrauen. Foto: Eliott Erwitt / Magnum Photos / Agentur Focus
© Elliott Erwitt / Magnum Photos / Agentur Focus

Editorial

Welch ein Glück! Wir werden schon geboren mit einer großen Portion Vertrauen. Und das ist gut so. Denn jeden Tag begeben wir uns in die Hände anderer. Vertrauen schafft Nähe und stärkt die Verbundenheit. Es geht uns gut damit. Deshalb schenke ich, trotz manch bitterer und tränenreicher Enttäuschung, anderen Menschen immer wieder einen Vertrauensvorschuss.

Mit dem Gedanken, dass es liebenswerte und vertrauenswürdige Menschen auf der Welt gibt, lebt es sich deutlich besser und zufriedener. Ein bewegendes Bespiel beschreibt Anna Seghers in ihrem Roman „Das siebte Kreuz“ über die Flucht von sieben Häftlingen aus einem Konzentrationslager. Sie schildert darin die absolute Integrität und Stärke einander vertrauender Menschen selbst in furchtbarsten dunklen Zeiten. Das letzte der sieben Kreuze, an dem der Lagerkommandant die gefassten Geflohenen binden lässt, bleibt deshalb leer, weil Seghers Hauptfigur Georg Heisler nicht nur auf die eigene Stärke vertraut, sondern vor allem auf die Hilfe guter Menschen.

Wie Vertrauen gelingt, wie wir es zurückgewinnen können und worauf wir achten sollten, darüber schreiben wir in dieser Magazinausgabe. Ist es doch gerade in diesen Zeiten wichtiger denn je, das Vertrauen und die Zuversicht nicht zu verlieren.

Susanne Anger

Sprecherin der Initiative
„Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum“

Menschen

„Ein Fundament, das man Grundvertrauen nennt“

Der Tod des eigenen Kindes kann unser Vertrauen zutiefst erschüttern. Anne und Nikolaus Schneider haben diese schmerzvolle Erfahrung zum Anlass genommen und ein Buch über ihr „Dennoch-Vertrauen“ verfasst. Im Interview erzählen sie, wie ein Grundvertrauen gelingen kann, wo die Grenzen sind und warum wir dringend Vertrauen brauchen: ineinander, in die Gesellschaft und in Gott.

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In unsicheren Zeiten: Das Ehepaar Anne und Nikolaus Schneider fotografiert am 07.11.2012 in Timmendorfer Strand. Ein Gespräch über ihr Dennoch-Vertrauen, wie Grundvertrauen gelingt und was in unsicheren Zeiten trägt. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Steffen Roth

Impulse

Vertraut euch!

Vertrauen bedeutet, dem anderen eine Chance zu geben. Man riskiert dabei, belogen und betrogen zu werden. Dennoch lohnt es sich, dieses Wagnis einzugehen. Denn wer anderen vertraut, dem wird auch Vertrauen geschenkt. Der erste Schritt ist, die eigene Blase zu verlassen.

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Vertraut euch: Eine junge Frau lässt sich von einer Gruppe auf Hände tragen. Symbolbild. Wer vertraut, riskiert enttäuscht zu werden. Doch das Wagnis lohnt. Denn Vertrauen ist ansteckend. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: pinky/photocase.de

Wissenswertes

In guten Händen

Wer mit seinem Erbe etwas Bleibendes schaffen möchte, braucht Vertrauen – in die Wirkung seiner guten Taten und in die Zukunft. Man sollte sich fragen: Welches soziale, politische oder ökologische Thema ist mir wichtig? Und vor allem: Woran erkenne ich, ob eine Organisation oder Stiftung vertrauenswürdig ist?

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In guten Händen: Eine Person reicht einer anderen die Hand. Symbolbild. Wer mit seinem Erbe etwas Bleibendes schaffen möchte, braucht Vertrauen. Welcher Spendenorganisation kann ich vertrauen? Das Erbschaftssiegel schafft Transparenz. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Sincerely Media on Unsplash

Unsere Lieblinge

Lesetipp

Lesetipp: Cover des Buches „Fake Facts“ von Katharina Nocun, Pia Lamberty, erschienen im Quadriga Verlag, 2020. In Prinzip Apfelbaum – Magazin über das, was bleibt. Ausgabe: Vertrauen

Je unübersichtlicher die Situation, desto besser gedeihen Verschwörungserzählungen. Das wird nicht zuletzt in der Corona-Pandemie deutlich. In einem entspannten Ton, fundiert und ohne Überheblichkeit beschreiben die Netzaktivistin Katharina Nocun und die Sozialpsychologin Pia Lamberty, wie einfache Wahrheiten Orientierung in einer chaotischen Welt bieten und ihren Anhängern das Gefühl geben, etwas Besonderes zu sein. Die Autorinnen zeigen die Überscheidungen zu Esoterik, Impfgegnerschaft und Rechtsextremismus und warnen zugleich davor, von einem Randphänomen weniger Irrer auszugehen. Denn der Glaube an Verschwörungen radikalisiere auch in der Mitte der Gesellschaft.

Katharina Nocun, Pia Lamberty: „Fake Facts. Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen“. Sachbuch. Quadriga Verlag, 2020. 352 Seiten. 19,90 Euro.

Berühmte Testamente: Porträt des Stifters Wilhelm Sander mit Lina Burkhardt. Der Tod seiner Haushälterin veranlasste den Unternehmer, sein Erbe für die Krebsforschung einzusetzen. Ein Testament für den guten Zweck. Prinzip Apfelbaum – Magazin über das, was bleibt. Ausgabe: Sterben. Foto: Wilhelm Sander Stiftung
© Wilhelm Sander Stiftung

Berühmte Testamente

Wilhelm Sander

Als großzügiger Wohltäter war Wilhelm Sander zunächst kaum aufgefallen. Nach allem was bekannt ist, galt der Unternehmer als sparsam bis geizig und zeigte keine besondere soziale Verantwortung. Der 1897 in Nürnberg geborene Sohn eines Arztes erwarb seinen Reichtum nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem mit dem Bau von Mietswohnungen. Er blieb ledig und ohne Kinder. Dann aber erlebte Sander einen schweren Verlust, als seine langjährige Haushälterin Lina Burkhardt an Krebs erkrankte und schließlich starb. Die schmerzhafte Erfahrung und die Furcht, selbst zu erkranken, bewegten Sander dazu, sein umfangreiches Vermögen der medizinischen Forschung zu hinterlassen. Nach seinem Tod wurde 1975 die Wilhelm Sander-Stiftung errichtet, die seitdem vor allem die Krebsforschung unterstützt. Bis zu 9 Millionen Euro stellt die Stiftung jährlich dafür bereit. Sie gehört damit heute zu den 25 größten gemeinwohlorientierten Stiftungen in Deutschland.

43 %

Die Zahl

Nur etwa vier von zehn Deutschen vertrauen gemeinnützigen Organisationen, so das aktuelle Edelman Trust Barometer. Das ist in anderen Ländern besser: International glaubten fast 60 Prozent der Befragten, dass NGOs ethische Ziele verfolgen und die Kompetenz haben, ihre Versprechen auch einzulösen. Doch woran erkennt man eine vertrauenswürdige NGO? Sie sollte transparent, schnell und verständlich darüber informieren, wohin die Spenden fließen. Ob das Geld in guten Händen ist, belegen zum Beispiel die Gütesiegel von DZI und Spenderrat sowie das Erbschaftssiegel „In guten Händen“.

Schon gewusst?

Testamentsvollstrecker

Brauche ich einen Testamentsvollstrecker? Diese Frage stellt sich beispielsweise, wenn absehbar ist, dass es Streit zwischen den Erben geben wird. Auch dann, wenn Minderjährige als Erben eingesetzt oder wenn eher komplizierte Vermögensverhältnisse hinterlassen werden, ist ein Testamentsvollstrecker hilfreich. Als eine Art verlängerter Arm des Erblassers ist er nur diesem gegenüber verpflichtet und hat dessen letztwilligen Verfügungen auszuführen. Mit dieser vertrauensvollen Aufgabe kann man grundsätzlich jede und jeden betrauen. Juristisches und wirtschaftliches Fachwissen, eine gute Menschenkenntnis und Durchsetzungsstärke sind jedoch von Vorteil. Schließlich gilt es sehr unterschiedliche Pflichten zu erfüllen und mitunter auch gerichtliche Ansprüche zu vertreten und durchzusetzen. Das Honorar dafür liegt üblicherweise bei einem Prozentsatz des Nachlasses und wird nach Beendigung des Amtes fällig.

Michael Beuger, Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE

Das tut gut

Das tut gut: Pommes, Schnitzel und Jaguarfell auf einem Teller. Billiges Soja zerstört Regenwälder. Die Deutsche Umwelthilfe fordert einen Stopp für noch mehr Soja-Importe. Die DUH ist Mitglied der Initiative

Soja frisst Jaguar

Billigfleisch auf deutschen Tellern hat einen hohen Preis. Die Massentierhaltung in Deutschland wäre ohne importiertes, billiges Soja nicht möglich. Ein hierzulande gemästetes Schwein verbraucht in Brasilien 144 Quadratmeter Anbaufläche. Noch immer werden in Südamerika riesige Flächen tropischer Wälder vernichtet, mit verheerenden Auswirkungen für die dort lebenden Tiere wie den Jaguar. Die Deutsche Umwelthilfe fordert deshalb einen Stopp des EU-Freihandelsabkommens mit den Mercosur-Staaten, das die Soja-Importe noch ausweiten würde.

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Das tut gut: Frau mit Brustschmerzen. Die Deutsche Herzstiftung fordert eine neue Studie für die Behandlung von Herzschwäche. Die Herzstiftung ist Mitglied der Initiative

Leben mit schwachem Herzen

Die Symptome kommen schleichend und werden zunächst kaum ernst genommen: Atemnot, Leistungsabfall und geschwollene Beine scheinen ganz normale Alterserscheinungen zu sein. Doch Herzinsuffizienz ist eine ernste und tückische Erkrankung. Je früher die Herzschwäche erkannt und behandelt wird, desto günstiger ist ihr Verlauf und desto höher ist die Lebensqualität der Betroffenen. Eine neue, von der Deutschen Herzstiftung unterstützte Studie soll klären, welche Rolle die so genannten Herzglykoside künftig bei der Behandlung spielen könnten.

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Das tut gut: Frau aus der DR Kongo mit einer Corona-Schutzmaske. Im medeor-Projekt in Süd-Kivu fertigen lokale Näherinnen und Näher 100.000 Masken für die Bevölkerung an. action medeor ist Mitglied der Initiative

Schutzmasken für die DR Kongo

Die Corona-Pandemie hat auch die Demokratische Republik Kongo erreicht. Angesichts der schlechten Sanitär- und Gesundheitsversorgung droht sich das Virus hier besonders schnell zu verbreiten. Das action medeor-Projekt in der Provinz Süd-Kivu wurde entsprechend erweitert: Lokale Näherinnen und Näher fertigten 100.000 Schutzmasken an, die an die Bevölkerung verteilt werden. Zudem werden Gesundheitseinrichtungen mit Schutz- und Hygienematerialien ausgestattet und das Gesundheitspersonal zum Umgang mit Covid-19 geschult.

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Das tut gut: Ein Blick auf die Vjosa. EuroNatur setzte sich mit Erfolg für die Rettung des letzten großen Wildfluss Europas ein. Die Stiftung EuroNatur ist Mitglied der Initiative

Europas letzter wilder Fluss

Sie ist der letzte große Wildfluss in Europa, die Vjosa in Albanien. Ein türkises Band mit breiten Schotterinseln schlängelt sich durch weitgehend unberührte Berge. Seit Jahren beteiligt sich EuroNatur an der Kampagne zur Rettung dieser einzigartigen Landschaft – mit großem Erfolg: Ende September erklärte Albaniens Regierungschef Edi Rama, dass er die Einrichtung eines Vjosa-Nationalparks befürworte und der Umweltminister den geplante Kalivaç-Staudamm ablehne. Damit könnte die Vjosa auch in Zukunft ein frei fließender Fluss bleiben.

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Das tut gut: Eine Schulklasse zeigt stolz die Zeugnisse. Chancenpatenschaften verbessern schulische Leistungen benachteiligter Kinder. Die Stiftung Bildung ist Mitglied der Initiative

Patenschaft von Kind zu Kind

Kinder und Jugendliche helfen sich gegenseitig. Sie machen zusammen Hausaufgaben, tauschen sich aus, unternehmen etwas zusammen und lernen dabei oftmals auch besser Deutsch. Das Programm Chancenpatenschaften der spendenfinanzierten Stiftung Bildung setzt da an, wo Fluchterfahrungen oder der soziale Hintergrund den Start ins Leben erschweren – mit Erfolg. Eine Umfrage unter Teilnehmenden bestätigt: Die schulischen Leistungen werden besser und es entstehen Freundschaften. Fast 90 Prozent würden wieder am Programm teilnehmen.

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Das tut gut: Illustration der vier Träger des Alternativen Nobelpreises 2020. Nasrin Sotudeh, Bryan Stevenson, Lottie Cunningham Wren, Ales Bjaljazki. Die Right Livelihood Foundation ist Mitglied der Initiative

Alternative Nobelpreise 2020

Vier Menschen, vier Länder – die Right Livelihood Awards gehen dieses Jahr an Aktivistinnen und Aktivisten, die sich für Gleichberechtigung, Demokratie und Freiheit einsetzen: Die Iranerin Nasrin Sotudeh kämpft für Menschenrechte und wurde mit langjähriger Haft bestraft. Bryan Stevenson setzt sich gegen Rassendiskriminierung in der US-Strafjustiz ein. Lottie Cunningham Wren engagiert sich für die Rechte indigener Menschen in Nicaragua. Und in Belarus gründete der Aktivist Ales Bjaljazki bereits 1996 das Menschenrechtszentrum „Wjasna“.

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