Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt

No. 13 – STERBEN

No. 13 – STERBEN

Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 13: STERBEN. USA. Brooklyn, NY. 2016: Eine weiße Gardine weht im Luftzug in einem Appartment. Symbolbild. Was wissen wir über das Sterben? Wie können wir uns auf das Sterben vorbereiten? Was zählt am Ende wirklich? Foto: David Alan Harvey / Magnum Photos / Agentur Focus
© David Alan Harvey / Magnum Photos / Agentur Focus

Editorial

Sterben, was für ein Thema! Niemand möchte sterben und doch werden wir es alle. Unweigerlich. Und wir alle kennen die Momente, in denen wir uns bang fragen: Wie wird es sein? Habe ich Angst oder sehne ich den Tod herbei? Habe ich Schmerzen, leide ich? Bin ich allein oder hält jemand meine Hand? Bin ich im Reinen mit mir und meinen Lieben? Wenn das Ende naht und nichts mehr zu ändern ist, gräme ich mich dann unglücklich über alle verpassten Chancen oder kann ich sagen: Ach, im Großen und Ganzen war es ein gutes Leben?

Über das Sterben nachzudenken, wenn es noch weit weg erscheint, nimmt uns die Angst. Es lässt uns bewusster leben. Da bin ich mir sicher. Deshalb widmen wir uns diesem schweren Thema in der neuen Ausgabe unseres Magazins. Wir fragen: Was wissen wir über das Sterben? Wie gehen wir damit um? Wie wollen wir sterben und wie können wir uns vorbereiten? Was zählt am Ende wirklich und was bleibt von uns, wenn wir nicht mehr sind? Lassen Sie sich anregen zu ganz eigenen Gedanken und neuen Perspektiven.

Susanne Anger

Sprecherin der Initiative
„Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum“

Menschen

Am Schluss hört alles auf. Wir werden frei

Der Journalist Alexander Krützfeldt hat ein Buch über letzte Wünsche und über das Sterben geschrieben. Er hat mit schwerstkranken Menschen darüber gesprochen, wie sie vom Leben Abschied nehmen, was sie beim Blick zurück bereuen und wie sie mit dem Tod umgehen. Die Begegnungen ließen ihn innehalten und sich fragen: Was will ich wirklich?

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Letzte Wünsche: Porträt des Journalisten Alexander Krützfeldt. Ein Gespräch über das Sterben und letzte Wünsche und darüber, was Sterbende bereuen und wie sie mit dem Tod umgehen. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Jörg Singer

Impulse

Der Streit um die letzte Würde

Es geht um nichts weniger als die Würde des Lebens trotz schwerster Krankheit – und um würdevolles Sterben. Nur um wenige Themen wird gesellschaftlich so gerungen wie um die Sterbehilfe. Der Wunsch eines Patienten, das eigene Leben zu beenden, bringt nicht nur Ärzte in Konflikte mit ihrem Gewissen und in eine rechtliche Grauzone. Auch Angehörige sind oft überfordert.

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Sterbehilfe: Schatten einer Frau, die einen Raum durch eine Tür verlässt. Symbolbild. Der Wunsch eines Schwerkranken, das eigene Leben zu beenden, bringt Ärzte und Angehörige in Konflikt mit Gewissen und Gesetz. Ein Blick auf Pro und Contra. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Martino Pietropoli on Unsplash

Wissenswertes

Erst geht der Geruch, am Ende das Hören

Was geschieht mit unserem Körper, wenn wir sterben? Was fühlen wir? Obwohl der Tod zum Leben dazu gehört, reden wir nicht gern darüber und wissen kaum etwas. Roland Schulz beschreibt in seinem Buch „So sterben wir“, was wir während unserer letzten Tage und Stunden erleben.

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So sterben wir: Anatomische Darstellung des menschlichen Ohres. Symbolbild. Der Hörsinn bleibt bei Sterbenden lange erhalten. Roland Schulz im Gespräch darüber, was in unserem Körper geschieht, wenn wir sterben, und warum wir über das Sterben reden sollten. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: picture alliance / Mary Evans Picture Library

Unsere Lieblinge

Lesetipp

Lesetipp: Cover des Buches „Marianengraben“ von Jasmin Schreiber, erschienen im Eichborn Verlag, 2020. In Prinzip Apfelbaum – Magazin über das, was bleibt. Ausgabe: Sterben

Sie begegnen sich nachts auf dem Friedhof: die depressive junge Paula und der wortkarge Rentner Helmut. Paula hat ihren kleinen Bruder verloren, Helmut die große Liebe seines Lebens. Gemeinsam machen sie sich auf die Reise, die Urne von Helmuts verstorbener Frau in die Berge zu bringen. Zwei schrullige Außenseiter in einem Wohnmobil, verbunden durch die Trauer: „Geht’s wieder?«, fragte er. „Nein.“ „Verstehe.“ Mit witziger Leichtigkeit und ohne jede Berührungsangst nähert sich Jasmin Schreiber dem Tod, dem Verlust und dem Ausnahmezustand der Trauernden. Das ist furchtbar traurig und gleichzeitig zum Lachen komisch.

Jasmin Schreiber: „Marianengraben“. Roman. Eichborn Verlag, 2020. 254 Seiten. 20 Euro.

Das Zitat

Zitat: Porträt der US-amerikanischen Sängerin und Bürgerrechtlerin Joan Baez, 1980 in der Schweiz. Prinzip Apfelbaum – Magazin über das, was bleibt. Ausgabe: Sterben. Foto: picture alliance / ullstein bild / Ruedi Bliggenstorfer
© picture alliance / ullstein bild / Ruedi Bliggenstorfer
Du kannst dir nicht aussuchen,
wie du stirbst. Oder wann.
Du kannst nur entscheiden,
wie du lebst. Jetzt.

JOAN BAEZ

geb. 1941, US-amerikanische Sängerin und Aktivistin

Berühmte Testamente: Bürgerspital zum Heiligen Geist Würzburg. Das Stifterpaar Johannes und Mergardis von Steren gründete das Spital 1316 für arme und pflegebedürftige Bürger. Durch weitere Zustiftungen und Testamente erfüllt es seinen Stiftungszeck bis heute. Ein Testament für den guten Zweck. Prinzip Apfelbaum – Magazin über das, was bleibt. Ausgabe: Sterben. Foto: Sammlung Willi Dürrnagel
© Sammlung Willi Dürrnagel

BERÜHMTE TESTAMENTE

Mergardis und Johannes von Steren

Stifter im Mittelalter hoffen darauf, mit großzügigen Gaben ihr ewiges Seelenheil zu sichern. So ergeht es wohl auch dem Würzburger Patrizier Johannes von Steren und seiner Frau Mergardis, als sie 1316 das „Neue Spital“ für arme und pflegebedürftige Menschen gründen und es dem Heiligen Geist widmen. Doch zugleich gehört das Stifterehepaar zu einem neuen erstarkendem Bürgertum und zeigt sich durchaus selbstbewusst. Die Verwaltung des Spitals geht nicht, wie bislang üblich, an die Kirche, sondern bleibt in Bürgerhand. Weitere Zustiftungen vermögender Würzburger sichern die laufende Versorgung. Dazu gehören zahlreiche Weinberge, deren Produkte wichtige Einkünfte bringen. Die Weine mit dem Etikett „Bürgerspital Würzburg“ machen die Stiftung über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Und noch heute, 700 Jahre später, dient das Spital seinem ursprünglichen Zweck. Drei Seniorenwohnstifte und drei Seniorenheime, eine Tagespflege und ein ambulanter Dienst versorgen täglich rund 800 Menschen in Würzburg.

83,3 Jahre

Die Zahl

Die Zahlen steigen und steigen: Inzwischen ist die durchschnittliche Lebenserwartung Neugeborener auf 83,3 Jahre bei Mädchen und 78,5 Jahre bei Jungen geklettert. Bewegen wir uns in Richtung Unsterblichkeit? Wohl kaum. Die Statistik spiegelt vor allem den Rückgang der Kindersterblichkeit sowie die Demokratisierung der Lebenserwartung: Dank sauberem Wasser, besserer Ernährung und medizinischem Fortschritt erreichen hierzulande immer mehr Menschen ein hohes Alter. Unserem Dasein bleibt jedoch eine physiologische Grenze gesetzt.

Schon gewusst?

Gleichzeitiges Versterben

Viele Eheleute ergänzen ihr Testament um eine Klausel für den Fall, dass sie „gleichzeitig” oder „gemeinsam” sterben. Doch das ist ein Extremfall, der nur selten eintritt. Viel häufiger kommt es vor, dass beispielsweise die eine am Unfallort stirbt, der andere später auf der Intensivstation. Erbrechtlich macht das einen Unterschied, denn dann greift die gesetzliche Erbfolge bzw. das Testament des später verstorbenen Ehepartners. Viel wichtiger ist es daher zu bestimmen, wer erben soll, wenn ein Partner unmittelbar nach dem anderen stirbt. Dabei sollte man klare und juristisch eindeutige Formulierungen wählen, zum Beispiel: „Für den Fall, dass wir innerhalb von 3 Wochen nacheinander versterben, soll der länger lebende Ehegatte alleiniger Erbe sein und nach seinem Versterben unser Sohn X Erbe werden“ oder „Schlusserbin des länger lebenden Ehegatten soll unsere Tochter Y sein“.

Michael Beuger, Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE

 

Das tut gut

Das tut gut: Was bedeutet das Corona-Virus für Schlaganfall-Patienten? Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe gibt Rat und Informationen zur Handhygiene. Die SDSH ist Mitglied der Initiative

Handhygiene und Schlaganfall

Was bedeutet das Corona-Virus für Schlaganfall-Patienten? Worauf müssen Betroffene achten? Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen und steht beratend zur Seite. Gemeinsam mit Experten der Aatalklinik hat die Schlaganfall-Hilfe zudem Informationen zur Handhygiene für Menschen mit einer halbseitigen Lähmung zusammengestellt. Sie nutzen meist ausschließlich ihre gesunde Hand, zum Beispiel beim Einkaufen oder beim Festhalten im Bus, weshalb diese häufiger mit Keimen oder Viren in Kontakt ist.

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Das tut gut: In der Corona-Krise fordert die Stiftung Bildung mehr Bildungsgerechtigkeit. Die Stiftung Bildung ist Mitglied der Initiative

Mut zu mehr Bildungsgerechtigkeit

Die geschlossenen Kindergärten und Schulen machten deutlich, wie unterschiedlich die Bedingungen sind, unter denen Kinder und Jugendliche lernen: Einige wurden weiter abgehängt. Mit ihrem Bundesprogramm „Menschen stärken Menschen“ setzt die spendenfinanzierte Stiftung Bildung auf Patenschaften. Kinder und Jugendliche unterstützen sich gegenseitig, wo Sprachbarrieren oder der Bildungshintergrund herausfordernd sind. Zudem fordert die Stiftung mehr Mut, die strukturelle Benachteiligung im Bildungssystem abzubauen.

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Das tut gut: EIn Junge blickt traurig in die Kamera. In der Corona-Krise fehlen armen Familien die Mittel für digitales Lernen. Das Deutsche Kinderhilfswerk unterstützt mit Nothilfepaketen. Das DKHW ist Mitglied der Initiative

Computer und Nachhilfe

Bildungsungerechtigkeit zeigt sich in Corona-Zeiten besonders scharf. Wer von Zuhause aus nicht das nötige Rüstzeug erhält, verliert in der Schule den Anschluss. Das Deutsche Kinderhilfswerk unterstützt benachteiligte Kinder mit Lernhilfepaketen. Dazu gehören Schulranzen für Erstklässlerinnen und Erstklässler sowie Nachhilfe, PCs, Drucker, Internetanschlüsse, Bildungs- und Beschäftigungsmaterialien für Kitakinder und Kinder in Flüchtlingsunterkünften. Spenden sind willkommen, damit Kinder aus armen Familien nicht weiter abgehängt werden.

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Das tut gut: Die Plakatkampagne von action medeor zeigt, wie schwer es für viele Menschen ist, an notwendige Medikamente zu kommen. action medeor ist Mitglied der Initiative

Medikamentenhilfe weltweit

„100 Kilometer für ein Medikament – Das geht zu weit!“ Die neue Plakatkampagne von action medeor macht darauf aufmerksam, wie schwer es für viele Menschen ist, an notwendige Medizin zu kommen. Etwa eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu einer angemessenen und bezahlbaren Gesundheitsversorgung. Als Notapotheke setzt sich action medeor seit mehr als 50 Jahren für die globale Gesundheit ein: durch die Bereitstellung von Medikamenten, den Aufbau nachhaltiger Infrastrukturen und pharmazeutische Ausbildung.

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