Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt

No. 2 – FAMILIE

Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 2: FAMILIE. Ein Kind turnt, die Füße in die Luft, den Kopf in den Kissen, auf seinem mit Blumenmuster bezogenem Bett herum. Familie, das bedeutet sich freuen, wetteifern, streiten, versöhnen. Foto: Paolo Pellegrin / Magnum Photos / Agentur Focus
© Paolo Pellegrin / Magnum Photos / Agentur Focus

Editorial

Wenn Menschen in Deutschland gefragt werden, was ihnen das Wichtigste im Leben ist, dann antworten sie: die Familie. Und zu den größten Wünschen gehört eine glückliche Familie. Aber nun ist das mit der Familie so eine Sache. Aussuchen kann man sie sich ja bekanntlich nicht und deshalb steckt in den Familienbeziehungen genauso viel Potential für Liebe wie auch für Streit.

Familie ist immer eine Herausforderung. Das muss so sein, schließlich werden an diese besondere Form der Gemeinschaft die größten Erwartungen gestellt. Aber in jeder Familie, auch in der glücklichsten, gibt es Phasen, in denen es knirscht, kracht und Tränen fließen. Wenn die Kinder kommen und alles nicht so einfach ist, wie vorgestellt. Wenn sie gehen und im Alltag fehlen. Wenn keine Kinder kommen, obwohl sie sehnlich erwartet werden. Wenn sich die Familie trennt und neu sortiert. Wenn sie wächst und neue Familienmitglieder dazukommen. Und nicht zuletzt: Wenn die für immer gehen, die so viel bedeuten.

Die Familie stürzt uns in emotionale Höhen und Tiefen. Sie gibt Halt, Stärke und Orientierung, im Schlechten wie im Guten. Und wir wollen mit ihr im Reinen sein. Insbesondere im Alter, wenn wir die Dinge regeln, die uns wichtig im Leben sind. Um das Thema Familie geht es deshalb auch in dieser neuen Ausgabe unseres Magazins. Eine Ausgabe über gemeinsame Geschichte und gegenseitige Verantwortung, über das Wetteifern, Streiten und Versöhnen, und über das, was bleibt.

Susanne Anger

Sprecherin der Initiative
"Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum"

Impulse

Wie gut, dass es Oma und Opa gibt.

Nie zuvor waren sich Großeltern und Enkel so nah wie heute. Der Kontakt ist persönlicher, sie verstehen sich besser und verbringen mehr gemeinsame Zeit. Ganz nebenbei geben Oma und Opa auch die Werte weiter, die ihnen wichtig sind.

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Wie Großeltern Werte weitergeben: Eine ältere Frau auf Reisen zieht einen Rollkoffer. Ein ca. dreijähriges Kind läuft dahinter und schiebt den Koffer an. Großeltern und Enkel sind sich heute so nah wie nie. Durch gemeinsames Erleben geben Oma und Opa Werte weiter. In Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: lisawade_nl via Twenty20

Menschen

Michael Wolffsohn,
dem Erbe verpflichtet

Nicht allein sein streitbarer Geist wurde Michael Wolffsohn in die Wiege gelegt. Von seinem Großvater erbte der Historiker eine soziale Wohnanlage in Berlin. Als Teil der Generationenkette führt er sie im Sinne der Gründer weiter. Ein Gespräch über Traditionen, Erbe und Verantwortung.

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Dem Erbe verpflichtet: Ein Häuserecke der Wohnanlage Gartenstadt Atlantic von oben. Historiker Michael Wolffsohn erbte die Wohnanlage von seinem Großvater Karl und führt sie in seiner Tradition weiter und verbindet Profit mit Ethik. In seiner Stiftung fördert er interkulturelle Projekte. Foto: www.drohnen-fotografie.de

Wissenswertes

Kinder, wir
müssen reden!

Über Geld spricht man nicht, schon gar nicht über den Tod. Dabei könnten viele Erbstreitigkeiten durch ein Gespräch zu Lebzeiten verhindert werden. Das sollte allerdings gut vorbereitet sein. Bei möglichen Konflikten kann ein professioneller Mediator helfen.

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Mit den Kinder über Tod und Erbe reden: Drei Wildpferde, zwei braun, eins schwarz, auf einer Wiese. Die brauen Pferde schauen in die Kamera, das schwarze in die entgegengesetzte Richtung. Symbolbild: In vielen Familien sind der Tod und das, was einmal bleiben soll, tabu. Ein Gespräch kann Erbstreitigkeiten verhindern. In Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Betany Legg on Unsplash

Unsere Lieblinge

Lesetipp

Lesetipp: Cover des Buches

Ruhestand und endlich Zeit. Doch damit weiß Herr Kato nichts anzufangen. Eine Krawatte braucht er nicht mehr, zu Hause ist er im Weg, die Kinder sind längst ausgezogen. Die zufällige Begegnung mit der jungen Mie ändert das. Für ihre Agentur »Happy family« lässt er sich als „Familienmitglied auf Zeit“ buchen. Mal wird er als Opa, mal als Exmann engagiert. Er trifft auf fremde Menschen und Schicksale. Und er beginnt, sein eigenes Leben und seine Familie anders zu sehen. Ein nachdenkliches Buch über Erinnerungen, unerfüllte Träume und Neuanfänge.

Milena Michiko Flasar: „Herr Kato spielt Familie“. Roman
Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2018. 176 Seiten, 20,00 Euro

 

 

Das Zitat

Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt. Ausgabe: Familie - Zitat: Porträt von Vicco von Bülow alias LORIOT während einer Fernsehsendung 1978. Foto: picture alliance / Keystone.
© piucture alliance / Keystone
Es ist sonderbar, aber
Eltern sind auch Menschen
und sie sind, was die
Herstellung und die Aufzucht
von Nachwuchs betrifft,
so was wie
ungelernte Arbeiter.

LORIOT (Vicco von Bülow)

1923-2011, deutscher Humorist

Berühmte Testamente: Porträt von Alfred Nobel, schwarz-weiß. Die Erfinder des Dynamits machte ihn reich und berühmt – und doch verabscheute erden Krieg. Mit seinem Testament gründete er die Stiftung, die bis heute die den Nobelpreis verleiht. Ein Erbe für den guten Zweck. In Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: akg-images / Pictures From History
© akg-images / Pictures From History

Berühmte Vermächtnisse

Alfred Nobel

Das Geschenk, das der schwedische Erfinder und Industrielle Alfred Nobel der Welt hinterließ, ist zweifellos bestens bekannt. Mit seinem Testament vom 27. November 1895 begründete er die Stiftung, die bis heute die höchste Auszeichnung für Wissenschaft, Literatur und Frieden vergibt. Weniger geläufig ist indes der Familienzwist, der sich um das Erbe entspann.

Nobel, kinderlos und unverheiratet, arbeitete selbst wie besessen, meldete mehr als 350 Patente an und wurde zu einem der reichsten Männer seiner Zeit. Er war überzeugt: Geerbtes Vermögen mache faul. Lieber wollte er Menschen fördern, die hart an ihren Erfolgen arbeiteten und Ideen hatten. Einigen Verwandten gefiel das nicht. Dass es nicht zum Rechtstreit kam, ist seinem Neffen Emanuel zu verdanken. Das Oberhaupt der russischen Linie der Familie wollte den Letzten Willen seines Onkels erfüllt sehen und bewog die übrigen Angehörigen zum Einlenken. Damit nicht genug. Auch der schwedische König und die Institution, die Nobel mit der Preisvergabe beauftragt hatte, zögerten zunächst, die wegweisende Idee umzusetzen. Und so dauerte es fünf Jahre, bis 1901 endlich die ersten Nobelpreise verliehen werden konnten.

14.000.000

Die Zahl

So viele Großeltern gibt es in Deutschland. Und mehr. Denn das sind nur die über 60-Jährigen. Im Schnitt werden Frauen mit 51 und Männer mit 54 Jahren zum ersten Mal Oma bzw. Opa. Doch ganz egal wie alt, auf Großeltern ist Verlass! Etwa ein Drittel kümmert sich laut des Deutschen Alterssurvey regelmäßig um die Enkel. Übrigens: Den meist heiß ersehnten Lebensabschnitt können heutige Großeltern ausgiebig genießen. Dank der steigenden Lebenserwartung wird die gemeinsame Lebensspanne mit den Enkeln immer länger – und die Beziehung zwischen den Generationen enger. Gut, dass es Oma und Opa gibt!

Schon gewusst?

Berliner Testament

Mit dem Berliner Testament hält der Gesetzgeber eine Besonderheit für Ehepaare und eingetragene Lebenspartner bereit. Eine Art Vererben in zwei Schritten. Damit setzen sich die Partner gegenseitig als Alleinerben ein und benennen einen gemeinsamen Schlusserben. Diese besondere Form des gemeinschaftlichen Testaments ist beliebt. Sie sichert den überlebenden Partner ab und soll Streit vermeiden. Doch Vorsicht! Das Berliner Testament hat Tücken! Ändern kann man den Letzten Willen nämlich in der Regel nur gemeinsam zu Lebzeiten. Stirbt ein Partner, kann der Hinterbliebene kaum mehr frei entscheiden. Auch eine neue Liebe oder ein Streit mit den Kindern ändert daran nichts. Neue Lebensumstände, die sich nach dem Tod des einen Partners ergeben können, sollte man deshalb von vornherein bedenken.

Michael Beuger, Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE

DAS TUT GUT

Das tut gut: Eine Frau gehüllt in rotes Tücher sitzt im ostafrikanischen Dschibuti auf dem trockenen Boden vor einem Zelt, im Schoss ihr Baby – Dank der Aufklärungsarbeit der Johanniter Auslandshilfe das erste Mädchen ihres Dorfes, das nicht beschnitten wurde. Johanniter sind Mitglied der Initiative

Erstes unversehrtes Mädchen

Kadiga heißt sie. Sie ist zwei Monate alt und das erste Kind in der Familie, das nicht beschnitten wurde. Ihre Mutter Hasna Hassan ist froh, eine gesunde und unversehrte Tochter zu haben. Seit 2012 ist die Johanniter-Auslandshilfe in der Dorfgemeinde Firiris aktiv, um die Bewohner von der leidvollen Tradition der Beschneidung abzubringen. Diese ist in Dschibuti seit 1995 gesetzlich verboten. Doch der Kampf wird nicht vor Gericht entschieden, sondern in den Dörfern. Kollektives Umdenken braucht Zeit. Kadiga ist ein Hoffnungsschimmer.

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Das tut gut: Großaufnahme eines traurig schauenden Mädchen mit rotblondem Haar und Sommersprossen. Mit dem Kinderreport 2018 setzt sich das Deutsche Kinderhilfswerk gegen Kinderarmut ein. DKHW ist Mitglied der Initiative

Aufmerksamkeit für Kinderarmut

Wie steht es um die Umsetzung der Kinderrechte in Deutschland? Mit seinem jährlichen Kinderreport fühlt das Deutsche Kinderhilfswerk regelmäßig Staat und Gesellschaft auf den Zahn. Im Fokus des unlängst vorgestellten „Kinderreport Deutschland 2018“ steht das Thema Kinderarmut. Das Ergebnis: Bei der Bekämpfung tut vor allem die Politik zu wenig. In einem der reichsten Länder der Welt braucht das Thema mehr Aufmerksamkeit und eine Gesamtstrategie. Das gemeinnützige Hilfswerk liefert dafür wichtige Impulse und konkrete Handlungsvorschläge.

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Das tut gut: Eine Gruppe Frauen und Männer mit einem Schild „Wir sind Demenz Partner“ – dank der Initiative der Deutschen Alzheimer Gesellschaft werden Menschen überall in Deutschland im Umgang mit Demenzkranken geschult. Die gemeinnützige Organisation ist Mitglied der Initiative

25.000 Demenz Partner geschult

1,6 Millionen Menschen in Deutschland sind an Demenz erkrankt. Und doch ist zu wenig bekannt über die Erkrankung und darüber, wie man Menschen mit Demenz begegnet. Wie spricht man jemanden an, der den Weg nach Hause sucht? Wie hilft man jemanden, der sich nicht helfen lassen möchte? In kostenlosen Kursen vermittelt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft Grundwissen und hilft Hemmschwellen abzubauen. Gut 25.000 „Demenz Partner“ engagieren sich bereits im ganzen Land. Sie helfen das Leben der Betroffenen und ihrer Familien leichter zu machen.

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Ausblick Mai 2018 Abschied

Prinzip Apfelbaum. Ausgabe 3: ABSCHIED. Rückenansicht eines älteren Mannes, der auf einer Steinmauer hoch über dem Meer steht und einem abfahrenden weißen Boot hinterherwinkt. Worte, Orte und neue Wege für den Abschied gibt es im Magazin über das, was bleibt. Foto: Stuart Franklin / Magnum Photos / Agentur Focus

Die Kunst des Nachrufs: Ein Gespräch mit Autor David Ensikat

Den Abschied leben lernen: Henning Scherf über "Das letzte Tabu"

Zwischen Tradition und Bedürfnis: Persönliche Abschiede gestalten

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