Ratgeber

Nachhaltig leben: Frau greift nach Äpfel auf dem Wochenmarkt, über dem Arm ein Jutebeutel. Wandel beginnt mit kleinen Veränderungen. Nachhaltig zu leben, muss nicht Verzicht bedeuten. Tipps für den Alltag. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: estherhelen via Twenty20

Einfach besser: Tipps für einen grünen Alltag

Bahn statt Auto, Wind statt Kohle, regionales Gemüse statt Billigfleisch, weniger Müll, kein Plastik. Das klingt anstrengend? Keine Sorge. Nachhaltig zu leben, muss nicht gleich Verzicht bedeuten. Der große Wandel beginnt mit kleinen Veränderungen. Ein paar Dinge besser zu machen, ist einfacher, als man denkt.

Im August 2018 protestierte Greta Thunberg zum ersten Mal vor dem schwedischen Parlament. Seitdem ist viel passiert: Den Schülerinnen und Schülern der Klimabewegung haben sich Millionen Menschen auf der ganzen Welt angeschlossen. Selbst „Omas for Future“ gehen inzwischen auf die Straße. Der Klimawandel ist zu einem der wichtigsten gesellschaftlichen Themen geworden.

Viele wollen auch im eigenen Alltag etwas verändern und auf eine nachhaltige Lebensweise umstellen. Aber womit beginnen? Was ist richtig oder falsch? Gerade, weil es so viele Möglichkeiten gibt, ist der Anfang leicht: Einfach loslegen, ist die Devise. Dabei lässt sich Lebensqualität gewinnen und Geld sparen.

Umweltbewusst unterwegs

Die drohende Klimakatastrophe hat vor allem einen Grund: Seit Beginn der Industrialisierung geben wir Menschen eine immer größere Menge Treibhausgase in die Atmosphäre, vor allem Kohlendioxid (CO2). Es verhindert, dass Wärme von der Erde ins Weltall entweicht. Ein großes Sorgenkind der hiesigen Klimaschützer bleibt der Verkehr. Allein Autoabgase machen laut Umweltbundesamt rund ein Fünftel der deutschen CO2-Emissionen aus.

Ökologischer Fußabdruck

Persönliche Öko-Erfolge lassen sich messen. Der CO2-Rechner des Umweltbundesamtes ermittelt den persönlichen CO2-Ausstoß über ein Jahr. Außerdem gibt es viele Umwelttipps für den Alltag.

Kürzere Wege zu Fuß, per Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erledigen, ist ein guter Anfang. Das ist zudem gesund und spart unnötige Spritkosten. Wenn Rad, Bus und Bahn das eigene Auto nicht ersetzen können, sollte es nicht gerade ein SUV sein, dessen Verbrauch viermal so groß ist wie der eines mittelgroßen PKW . Hybrid-Fahrzeuge oder reine E-Autos sind leiser und werden die Bilanz erheblich verbessern, wenn der Kohleanteil in unserem Strommix weiter sinkt. Und ist eine Reise mit dem Flugzeug nicht zu vermeiden, lässt sich das dabei verursachte CO2 kompensieren, indem man beispielsweise Klimaschutzprojekte fördert.

CO2 ausgleichen

Unvermeidbare Treibhausgas-Emissionen lassen sich kompensieren. Dazu wird für den CO2-Ausstoß ein Preis bestimmt, der gemeinnützige Klimaschutzprojekte unterstützt. Wie das funktioniert und welche Anbieter es gibt, hat u.a. das Verbraucherportal Utopia zusammengestellt.

Energie sparen

CO2-Spitzenreiter in Deutschland ist mit 40 Prozent der Emissionen die Stromerzeugung. Der Grund: Kohlekraftwerke liefern immer noch den Großteil unseres Stroms. Das Heizen macht immerhin ein Sechstel des CO2-Austoßes aus. Dabei lassen sich gerade beim Energieverbrauch Umwelt und Geldbeutel gleichzeitig schonen. Komplett auf Ökostrom umzustellen, geht einfach und schnell online. Der direkte Vergleich zeigt, bei welchem Stromanbieter wie viel für den eigenen Verbrauch fällig wird. In einigen Regionen ist Ökostrom aus erneuerbaren Energien wie Wind oder Sonne sogar günstiger als ein konventioneller Strommix. Und wer sich in seinem Eigenheim über hohe Heizkosten ärgert, kann sich eine energieeffiziente Heizungsanlage zuzulegen, die auf Dauer hilft, die Ausgaben zu senken.

Energie sparen

Stromverbrauch, Heizkosten, energieeffizientes Bauen. Die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online bietet auf ihrer Webseite einfache Checks, praktische Tipps und vielfältige Informationen, die helfen, Energie zu sparen und das Klima zu schützen.

Nachhaltig leben: Nahaufnahme frisches Wurzelgemüse, Radieschen und Karotten. Wandel beginnt mit kleinen Veränderungen, zum Beispiel beim Einkauf. Bio-Gemüse, regional und saisonal ist eine Möglichkeit. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Caroline Attwood/Unsplash

Bio, regional und saisonal

Rund 15 Prozent unserer privaten CO2-Emissionen gehen auf das Konto unserer Ernährung. Doch die Frage, was auf unseren Teller kommt, entscheidet nicht nur über Klimabilanz, Umweltschutz und Tierhaltung. Produkte aus ökologischem Anbau sind oft auch besser für die Gesundheit. So gibt es erhebliche Unterschiede etwa bei der Herstellung von Fleisch: Beim Bio-Fleisch ist der Einsatz von Hormonen, Wachstums- und Leistungsförderern verboten, der vorbeugende Einsatz von Medikamenten und Antibiotika nicht erlaubt.

Bei vielen Obst-, Gemüse- und Getreideprodukten wurden Pestizidrückstände festgestellt, sogar solche, die in Deutschland gar nicht erlaubt seien, warnen Umweltschutzorganisationen. Besonders häufig betroffen: Tomaten, Trauben, Erdbeeren, Paprika. Bio-Siegel sichern höhere Standards, die regelmäßig kontrolliert werden. Ansonsten gilt: Auch Bio-Himbeeren im Winter sind eine Umweltsünde – weil sie mit dem Flugzeug aus dem Süden hierher gebracht werden müssen. Obst und Gemüse sollte daher immer saisonal und regional eingekauft werden. Am besten man gewöhnt sich an, beim Griff ins Regal auf das Ursprungsland zu achten. Müssen es wirklich Weintrauben aus Indien oder Äpfel aus Neuseeland sein?

Bewusst konsumieren

Einen guten Überblick über Nachhaltigkeits- und Bio-Siegel gibt das Portal Nachhaltiger Warenkorb, ein Projekt des Rats für Nachhaltige Entwicklung. Wie man Obst und Gemüse frisch und saisonal einkauft, erläutert die Verbraucherzentrale mit ihrem Saisonkalender.

Ressourcen schonen

Nachhaltiger Konsum bedeutet auch, darauf zu achten, wie ein Produkt hergestellt wurde, wie viel Wasser und Energie es für den Gebrauch benötigt und wie lange es hält. Nicht zuletzt sollten auch soziale Aspekte berücksichtigt werden, beispielsweise Kinderarbeit oder moderne Sklaverei. Wer langlebige Produkte kauft, muss dafür in der Regel zwar zunächst etwas mehr Geld auf den Tisch legen. Aber auf lange Sicht spart man dabei. Weil Billigangebote bei Kleidung, Möbeln und vielem anderen oft nicht lange halten, müssen sie häufiger nachgekauft werden. Beim Wegschmeißen und neu Kaufen zahlt am Ende auch die Umwelt drauf. Das gilt auch fürs Essen: Gut 85 Kilogramm Lebensmittel schmeißt jeder von uns jährlich in den Müll. Ein Großteil davon lässt sich sparen, wenn man in Maßen einkauft, Frisches richtig lagert und Reste verwertet.

Müll vermeiden

Fünf einfache Regeln, wie man überflüssiges Plastik im Alltag vermeiden kann, hat u.a. die Verbraucherzentrale zusammengestellt. Rezepte für übriggebliebene Lebensmittel bietet die BMEL-Initiative „Zu gut für die Tonne“ online und per App.

Es geht auch ohne Plastik

Stoffbeutel, die sich immer wieder verwenden lassen, sind besser als schnell reißende Plastiktüten. Auch Mehrwegglas statt Kunststoff, zum Beispiel für Joghurts, Wasser und Getränke, reduziert den Abfall. Im Supermarkt kann man Produkte, die in mehreren Schichten Plastik verpackt sind, getrost liegen lassen – es finden sich meistens bessere Alternativen im Regal. Das Gleiche gilt für Produkte aus recyceltem Material, wie etwa Mülltüten oder Toilettenpapier. Papier mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ besteht nicht nur zu 100 Prozent aus Altpapier, die Herstellung spart circa 70 Prozent Wasser und 60 Prozent Energie.

Zum Weiterlesen

Nachhaltig leben: Cover des Buches „Einfach nachhaltig leben“ von Julia Zohren. Lesetipp. Nachhaltig zu leben, klingt nach Verzicht. Doch es ist einfacher, als man denkt. Tipps für den Einstieg im Ratgeber. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: EMF Verlag/Zach Vessels on Unsplash

Julia Zohren: Einfach nachhaltig leben – 100 Tipps, die mit wenig Aufwand die Welt ein bisschen besser machen, versammelt Julia Zohren in ihrem Buch. Reste-Rezepte, grüne Banken, nachhaltige Geschenke, faire Mode, Insektenhotels, Reinigungsmittel. Dazu: wertvolles Wissen und wichtige Fakten. Erschienen bei EMF, 2019.

TEXT: Lars Klaaßen
FOTOS: estherhelen/Twenty20, Caroline Attwood/Unsplash, Zach Vessels/Unsplash, EMF Verlag