Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt

No. 7 – ZUKUNFT

Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 7: ZUKUNFT. Schwarzweiß-Aufnahme eines Astronauten, 1989 in Cape Canerveral, USA, die Hand zum Abschied ausgestreckt. Nach uns: Die Zukunft. Foto: © alex webb / Magnum Photos / Agentur Focus
© alex webb / Magnum Photos / Agentur Focus

Editorial

Als ich als Kind die Welt im Jahr 2000 malen sollte, hatte ich klare Vorstellungen von der Zukunft: Alles würde fliegen können, Autos, Bahnen, Menschen. Wir freundeten uns mit faszinierenden Lebewesen auf fernen Planeten an. Als ich älter wurde, bewegten mich große soziale Visionen: eine friedliche und gerechte Welt ohne Armut, geprägt von Freiheit und Selbstverwirklichung für alle Menschen. Ernst Blochs „Das Prinzip Hoffnung“ war ein Bestseller. Martin Luther King rief: „I have a dream“. Nelson Mandela glaubte fest an den Sinn seines Kampfes gegen die Apartheid, schien er auch noch so aussichtslos. Wir blickten voller Zuversicht in die Zukunft.

Heute, so scheint es, sind große Zukunftsvisionen verloren gegangen. Obwohl es uns in Deutschland wirtschaftlich so gut geht, wie lange nicht, haben viele Menschen Sorgen, das Erreichte zu verlieren. Man könnte meinen, Karl Valentin hätte recht, als er sagte: „Die Zukunft war früher auch besser“.

Grund genug, uns in unserem Magazin dem Thema Zukunft zu widmen: Warum haben wir so oft Angst vor dem, was kommt? Wie gewinnen wir Zuversicht? Wie können wir eine gute Zukunft mitgestalten? Vor allem für unsere Kinder und Enkelkinder. Sicher ist: Die Zukunft kommt so oder so. Doch nur wenn wir handeln, nehmen wir Einfluss auf das, was geschieht. Nach uns: Die Zukunft!

Susanne Anger

Sprecherin der Initiative
"Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum"

Impulse

Alles könnte anders sein

Wir blicken mit Angst und Schrecken in die Zukunft. Kaum jemand glaubt heute noch, dass es unseren Kindern einmal besser gehen wird. Doch es gibt gute Gründe für einen Perspektivenwechsel. Nur wer eine Vorstellung von einer lebenswerten Zukunft hat, kann auch etwas verändern.

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Utopien: Kinder, als Astronauten verkleidet, saugen eine Landschaft aus übergroßen Sonnenschirmen. Symbolbild: Alles könnte anders sein. Nur wer eine Vorstellung von der Zukunft hat, kann etwas verändern. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Jan von Holleben

Wissenswertes

Die Kraft der Zuversicht

Wir brauchen einen positiven Blick in Zukunft. Denn wie wir morgen leben, hängt davon ab, wie wir heute handeln. In seinem Buch „Zuversicht“ plädiert der Publizist Ulrich Schnabel deshalb für mehr Gelassenheit und zeigt, wie wir eine Kraft der inneren Freiheit entwickeln. Es geht nicht darum, Schwierigkeiten auszublenden, sondern ihnen standzuhalten.

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Zuversicht: Statue eines Mannes, die Hand an der Stirn, den Kopf nach unten geneigt. Symbolbild: Wir brauchen einen positiven Blick in die Zukunft. Wie man Zuversicht gewinnt, zeigt Ulrich Schnabel im Interview. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: photitos2016 / photocase.de

Menschen

Was bleibt von der
Revolte?

Die 68er hatten viel vor mit der Zukunft. Sie haben rebelliert, provoziert und protestiert – damit etwas Neues entsteht. Was ist geblieben von den Utopien von gestern? Der Alt-68er und Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele erinnert an damalige Missstände, die sich heute keiner mehr vorstellen kann. Mit fast 80 Jahren rät er dazu, auch künftig alle Autoritäten in Frage zu stellen.

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Was bleibt von den 68ern? Hans-Christian Ströbele 2017 in Berlin in seinem Abgeordneten-Büro. Die 68er hatten viel vor mit der Zukunft. Was ist geblieben von den Utopien von gestern? Hans-Christian Ströbele blickt zurück nach vorn. Foto: Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

Unsere Lieblinge

Lesetipp

Lesetipp: Cover des Buches

Die Zukunft ist keineswegs so schwarz, wie wir oft meinen. Im zweiten Sammelband seiner wöchentlichen SPIEGEL-Kolumne „Früher war alles schlechter“ trägt Guido Mingels jede Menge guter Nachrichten zusammen: dass es in Deutschland immer weniger Mord und Totschlag gibt, weniger geklaute Autos und weniger Mütter im Teenager-Alter; oder dass es immer mehr Fahrräder im Verkehr gibt, mehr Frauen in Parlamenten sitzen und weltweit immer mehr Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Überraschende Fakten über den Fortschritt, erzählt in kurzweiligen Texten und einprägsamen Grafiken. Ein nützliches Korrektiv. Es geht Mingels um Ermutigung, entgegen der weit verbreiteten Unzufriedenheit und dem Unbehagen, auf denen der neue rechte Populismus gedeiht.

Guido Mingels: „Früher war alles schlechter 2. Neue Fakten, warum es uns trotz Kriegen, Krankheiten und Katastrophen immer besser geht“. DVA, München 2018. 15 Euro.

Berühmte Testamente: Schwarzweiß-Illustration der Eheleute Ostertag, fiktive Darstellung. Valentin Ostertag hinterließ ein beträchtliches Vermögen. Seine Witwe setze seinen Letzen Willen, Gutes für Bedürftige zu tun, um und gründete die Valentin-Ostertag-Stiftung mit ihrem Testament. Ein Erbe für den guten Zweck. In Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt.
© Valentin-Ostertag-Stiftung

Berühmte Testamente

Margareth und
Valentin Ostertag

Es war eine Zeit des Umbruchs, als Margareth und Valentin Ostertag in Dürkheim die heute älteste private Sozial- und Bibliotheksstiftung schufen. Vor rund 500 Jahren löste die frühe Neuzeit allmählich das Mittelalter ab. Der Jurist Valentin Ostertag hatte es bis zum Berater des römisch-deutschen Königs Maximilian I. gebracht und bei seinem Tod ein beachtliches Vermögen hinterlassen. Erbin wurde seine Frau. Doch sein Wunsch war es, auch Gutes für die Bedürftigen seiner Heimatstadt zu tun.

Es war seine Witwe, die Valentin Ostertags Willen geschickt in den neuen Zeiten umsetzte. In den ersten Versionen ihres Testaments entwarf Margareth noch eine religiöse Almosenstiftung. Die Empfänger sollten danach für das Seelenheil der Stifter beten. Doch die kluge und selbstbewusste Frau nahm noch einmal Änderungen vor. Das letzte Testament 1529 war schließlich vom aufkommenden Humanismus geprägt und bestimmte Studienstipendien für Arme sowie eine Aussteuer für bedürftige Hochzeitspaare. Die Dürkheimer dankten es ihr. Durch ihre Spenden wirkt die Valentin-Ostertag-Stiftung bis heute im Sinne des Gründungspaares.

4.088.680

Die Zahl

Wer kümmert sich um alles, wenn ich dazu nicht mehr in der Lage bin? Wer entscheidet dann zum Beispiel über eine lebensgefährliche Operation? Welche lebensverlängernden Maßnahmen will ich überhaupt? Fragen, die man rechtzeitig klären sollte. Doch: Eine Vorsorgevollmacht, eine Betreuungs- oder eine Patientenverfügung kann nur umgesetzt werden, wenn sie schnell gefunden wird. Über vier Millionen Deutsche haben deswegen ihre Urkunden beim Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer angemeldet – und schon heute für den Notfall vorgesorgt.

Schon gewusst?

Digitales Erbe

Ob E-Mails, soziale Netzwerke, Shopping oder Cloud-Dienste, unsere Daten sind an vielen Orten im Netz gespeichert. Aber was passiert mit ihnen, wenn jemand stirbt? Der Bundesgerichtshof hat das 2018 klargestellt: Der „digitale Nachlass“ ist Teil des Gesamterbes und muss wie ein vererbter Gegenstand behandelt werden. Alle Rechte und Pflichten des Verstorbenen an Online-Diensten gehen auf die Erben über. Um zum Beispiel laufende Verträge, Abos und Mitgliedschaften kündigen zu können, ist es für sie hilfreich, einen Überblick über alle Konten zu haben und die Passwörter zu kennen. Daher sollte man zu Lebzeiten eine Vertrauensperson bestimmen und eine entsprechende Liste anlegen. Noch verbindlicher ist eine Vollmacht „über den Tod hinaus“. Und auch in einem Testament lässt sich der digitale Nachlass regeln.

Michael Beuger, Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE

DAS TUT GUT

Das tut gut: Lebensmittel in einer Mülltonne, Illustration. Die Deutsche Umwelthilfe sagt Lebensmittelverschwendung den Kampf. Die DUH ist Mitglied der Initiative

Fasten statt Verschwenden

Jedes Jahr landen in Deutschland 18 Tonnen Lebensmittel nicht auf dem Teller, sondern im Müll. Mehr als ein Drittel der Lebensmittelabfälle entstehen in Privathaushalten. Wer nichts verschwenden will, sollte daher im eigenen Kühlschrank anfangen. Die Deutsche Umwelthilfe ruft zur Fastenzeit zum „Verschwendungs-Fasten“ auf und unterstützt mit hilfreichen Tipps. Wer teilnehmen will, sammelt und dokumentiert die eigenen Lebensmittelabfälle, um sie dann zu vermeiden. So kann man zeigen, Lebensmittel in der Tonne müssen nicht sein.

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Das tut gut: Tierärztin Dr. Anca Tomescu rettet ein Kälbchen nach einer Überschwemmung im indischen Chennai. Die Tiernothilfe-Teams von VIER PFOTEN sind weltweit im Einsatz. Die Stiftung ist Mitglied der Initiative

Tiere retten, Menschen helfen

Der Hurrikan in Puerto Rico, das Erdbeben auf Lombok, der Bürgerkrieg in Syrien: Bei Naturkatastrophen und in Krisen- oder Kriegsgebieten geraten auch viele Tiere in Gefahr. VIER PFOTEN hat zwei Nothilfe-Teams aus Tierärzten, Rettungskräften und Katastrophenmanagern weltweit im Einsatz. Sie versorgen die Tiere in Notgebieten mit Wasser, Nahrung und Medizin, und helfen damit auch den Menschen. Die Rettung von Nutztieren sichert vielen Betroffenen die Existenzgrundlage. Haustiere geben Trost und helfen, in die Normalität zurückzukehren.

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Das tut gut: Die 19-jährige Sheela präsentiert lachend ihre Lehrbücher. Sie ist eine der jungen Frauen, die ChildFund in Indien dabei unterstützt, eine höhere Bildung zu erlangen. Das Kinderhilfswerk ist Mitglied der Initiative „Mein Erbe tut Gutes“. Foto: Jake Lyell / ChildFund

Frauen gestalten Zukunft

Sheela möchte Krankenschwester werden, doch ihre Familie kann die Ausbildung nicht bezahlen. In Indien geht es vielen Mädchen so, traditionell werden vor allem Söhne gefördert. Mit der Initiative „Gesichter der Hoffnung“ unterstützt ChildFund begabte Mädchen. Das Kinderhilfswerk übernimmt alle Kosten während des Studiums oder der Ausbildung und stellt den Mädchen Berater zur Seite. Eine wichtige Investition in die Zukunft, denn gebildete Frauen heiraten später, sind besser vor Armut geschützt und gestärkt für ein selbstbestimmtes Leben.

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Das tut gut: Eine Schwarze Köhler-Sandbiene an einer weißen Blüte. Wildbienen sind in Gefahr. Die Heinz Sielmann Stiftung zeigt, wie man sie schützen kann. Die Heinz Sielmann Stiftung ist Mitglied der Initiative

Auf Bienen verzichten?

Die Zahl der Wildbienen nimmt dramatisch ab. Mehr als die Hälfte der Arten in Deutschland sind in ihrem Bestand gefährdet. Dabei schaffen Bienen als fleißige Bestäuber die Lebensgrundlage von Pflanzen und Tieren. Gegen den Verlust von Lebensräumen können alle etwas tun. Warum nicht den eigenen Balkon oder Garten zum naturnahen Biotop mit Nisthilfen und pollenliefernden Blumen gestalten? Die Heinz Sielmann Stiftung zeigt, was Bienen brauchen, und setzt auf jede Unterstützung, um den Verlust der Artenvielfalt zu stoppen.

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Das tut gut: Vertreterinnen vom Förderverein des Kinderladens

Gegen rosa und blaue Klischees

Mädchen lernen leichter Sprachen und Jungs besser Mathe? Noch immer stecken solche Klischees in vielen Köpfen. Rollenmuster beeinflussen Kinder und Jugendliche, auch bei der Berufswahl. Mit dem Förderpreis „Verein(t) für gute Kita und Schule“ zeichnet die Stiftung Bildung daher Projekte aus, die zeigen, dass es auch anders geht. Prämiert werden Kita- und Schulfördervereine, die junge Menschen ermutigen, ihren Neigungen und Talenten zu folgen, statt Rollenerwartungen zu entsprechen. Nachahmung ist ausdrücklich erwünscht.

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Das tut gut: Ein Gruppe junger Tischler im syrischen Arbin. In der Werkstatt der Johanniter lernen 25 Jugendliche das Tischlerhandwerk. Die Johanniter-Unfall-Hilfe ist Mitglied der Initiative „Mein Erbe tut Gutes“. Foto: EPDC/JUH

Junge Tischler in Syrien

Die syrische Stadt Arbin in der Region Ost-Ghuta war einst berühmt für die kunstvollen Möbel mit Perlmutt, die hier hergestellt wurden. An diese Tradition knüpft nun die Johanniter-Auslandshilfe beim Wiederaufbau an. Zusammen mit der Partnerorganisation St. Ephrem Patriarchal Development Committee wurde eine Tischlerwerkstatt wieder aufgebaut. 25 Jugendliche erlernen hier einen Beruf, der ihnen auch in Zukunft ein Einkommen sichert: Sie bauen Türen, Fenster und Möbel, die in der kriegszerstörten Stadt dringend benötigt werden.

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Das tut gut: Kleinbauern in Simbabwe schauen gemeinsam auf ein Smartphone. Mit der App Kurima Mari der Welthungerhilfe Kleinbauern lernen sie Anbaumethoden zu verbessern. Die Welthungerhilfe ist Mitglied der Initiative „Mein Erbe tut Gutes

Kurima Mari, eine App fürs Feld

Bei den Kleinbauern in Simbabwe sind die Straßen schlecht und die Wege lang. Wichtige Informationen, dass etwa heftige Regenfälle bevorstehen oder eine Tierseuche sich in der Region ausbreitet, kommen nur langsam bei ihnen an. Deswegen hat die Welthungerhilfe eine spezielle Smartphone-App entwickelt. Neben aktuellen Meldungen und Kontaktdaten finden sich darauf auch Schulungsvideos und Handbücher für verbesserte Anbaumethoden und Viehzucht. Kurima Mari heißt die App, „mit Landwirtschaft Geld verdienen“, und genau das ist das Ziel.

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Ausblick Mai 2019 ERINNERUNG

Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 8: ERINNERUNG. Der zweijährige Isaac Towell wird von seiner älteren Schwester Naomi vorsichtig in den Sydenham River getragen, um ihn das erste Mal mit dem Wasser in Berührung zu bringen. Ontario, 1996. Foto: © Larry Towell / Magnum Photos / Agentur Focus

Erzähl doch mal! Eine Anregung zum Dialog zwischen Alt und Jung.

Verdrängt, verschwiegen, vererbt. Wie Kriegsenkel glücklich werden können.

Ein Puzzle aus Erinnerungen. Die Gründerin des Deutschen Tagesbucharchivs im Gespräch.

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