Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt

No. 19 – GEMEINSCHAFT

No. 19 – GEMEINSCHAFT

Wir brauchen andere Menschen. Das hat zuletzt die Corona Pandemie gezeigt.
© Mads Nissen / Picture Alliance

Editorial

Als wir nicht mehr zusammenkommen durften, spürten wir schmerzlich, wie sehr wir die Gemeinschaft mit anderen Menschen brauchen. Das hat uns Corona bitter gezeigt. Wir brauchen die Verbundenheit: das gemeinsame Frühstück mit den Liebsten, den Plausch am Arbeitsplatz oder das Treffen mit Freundinnen und Freunden, selbst die Familienfeiern brauchen wir, obwohl die ja nicht immer nur lustig sind. Denn jede Begegnung mit anderen Menschen aktiviert das Belohnungssystem in unserem Gehirn. Ohne sozialen Austausch verlieren wir unsere Lebensfreude. Ohne gemeinsame Erlebnisse werden wir trübsinnig.

Zudem funktioniert vieles nur durch gegenseitige Unterstützung: Weil eben für manche Dinge vier Hände besser sind als nur zwei. Weil ein guter Rat nicht vom Himmel fällt. Oder weil wir ganz konkrete Hilfe benötigen, wenn wir krank werden.

Unzählige Menschen zeigen Verantwortung für die Gemeinschaft, indem sie verlässlich einfach da sind, wenn Familie, Freunde oder Kollegen sie brauchen, indem sie eine Firma leiten, in der es nicht nur um Profite, sondern auch um Gemeinwohl geht, indem sie sich ehrenamtlich engagieren oder eine gemeinnützige Organisation unterstützen.

Es ist viel von Polarisierung und Spaltung der Gesellschaft die Rede. Wir dagegen sprechen über Gemeinschaft!

Susanne Anger

Sprecherin der Initiative "Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum"

ZUM TITELBILD

Die erste Umarmung nach fünfmonatiger Corona-Isolation: Die 85-jährige Brasilianerin Rosa Luzia Lunardi wird von ihrer Pflegerin Adriana Silva da Costa Souza durch eine Plastikplane umschlungen. Das Foto des dänischen Fotografen Mads Nissen war das World Press Photo 2020.

Menschen

Mehr Nähe, mehr Reibung

Zu allen Zeiten waren Menschen auf Gemeinschaft angewiesen. Alleinsein bereitete den meisten sogar Angst. Heute dagegen lebt rund jeder Fünfte in Deutschland allein. Die Historikerin Prof. Eva Schlotheuber regt dazu an, sich von der Geschichte inspirieren zu lassen. Aus alten Ideen kann etwas Neues entstehen.

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Eine Menschenmenge auf einem Konzert – keine Gemeinschaft ohne Konflikte.

Impulse

Profit und Gemeinwohl

Sie nennen es Verantwortungseigentum – Unternehmer, die ihre Firma in die Hände der Belegschaft übergeben. Ihnen geht es nicht nur um Profite und Rendite, sie wollen auch etwas für das Gemeinwohl tun.

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Firmenkapital als Schirm – zum Schutz vor rein profitorientierten Investoren

Wissenswertes

Das Gehirn will Gemeinschaft

Warum haben Menschen Mitgefühl, warum suchen sie das Miteinander und verhalten sich häufig sozial, statt für sich selbst den größeren Vorteil zu suchen? Unser Gehirn ist ein soziales Organ. Es spiegelt die Handlungen der anderen und setzt Glücksbotenstoffe frei, wenn wir kooperieren. Ist das menschliche Gehirn deswegen so groß?

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Eine Gruppe trägt das Dach eines Hauses: Wir sind auf Kooperation programmiert.

Unsere Lieblinge

Lesetipp

Jeder brüllt, doch keiner hört zu. Und während man wutentbrannt übereinander herzieht, fühlen sich alle als Opfer, verletzt und beleidigt. Was darf man überhaupt noch sagen? Mit entlarvenden Geschichten, teils erfunden, teils aus seinem Bühnenalltag, beschreibt Kabarettist Florian Schröder, wie wir einem Schwarz-Weiß-Denken verfallen sind, bei dem man mit einer Äußerung schnell auf diese oder die andere Seite gestellt wird, dazwischen scheint kein Platz mehr. Und er erinnert daran, worauf es bei einem guten Streit ankommt: sich auf die Perspektive des anderen einzulassen. Ein gut gelauntes Plädoyer für die Meinungs- und Kunstfreiheit, gegen moralische Selbstgewissheit.
Florian Schröder: „Schluss mit der Meinungsfreiheit! Für mehr Hirn und weniger Hysterie.“ dtv, 2021. 368 Seiten. 16 Euro.

Mit dem Ziel neue Spielplätze zu bauen, wurde 1972 das Deutsche Kinderhilfswerk gegründet.
© Deutsches Kinderhilfswerk

Ideen, die bleiben

Deutsches Kinderhilfswerk

Sie wollten dem Trübsal aus Rutsche, Schaukel, Sandkasten etwas entgegensetzen und moderne Spielplätze schaffen, auf denen Kinder sich wohlfühlen und ausgiebig spielen können. Mit diesem Ziel gründeten drei Münchner Geschäftsleute im Februar 1972 das Deutsche Kinderhilfswerk. Zunächst wurde mit der Spendendose gesammelt. Bald folgten größere Aktionen, wie beispielsweise die mit der Bild-Zeitung initiierte Spendengala „Ein Herz für Kinder“. Auch die Tätigkeitsbereiche weiteten sich aus und das Deutsche Kinderhilfswerk setzte ab Beginn der 90er-Jahren die Kinderrechte in den Mittelpunkt seiner Arbeit, so wie sie in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschrieben sind. Dazu gehört z.B. dass Kinder bei Fragen, die sie selbst betreffen, beteiligt werden und sie sich kindgerecht informieren können. Ein weiteres wichtiges Anliegen ist es, Kinderarmut zu bekämpfen und sozial benachteiligte Kinder zu unterstützen. Kindgerechte Spielplätze waren der Anfang. Heute, 50 Jahre später, geht es darum, kinderfreundliche Lebenswelten zu schaffen – in jeder Hinsicht.

97

Die Zahl

Eine gute Nachricht: 97 von 100 Menschen in Deutschland haben eine konkrete Bezugsperson, die sie um Hilfe bitten können, wenn es darauf ankommt. Bei einer „Leben in Europa“-Befragung gaben die Teilnehmenden an, nicht nur auf die nähere Familie zählen zu können. Auch von Freunden, Nachbarn und Verwandten konnten sie die nötige Unterstützung erwarten. Selbst wenn der Notfall niemals eintritt, ist das wichtig. Denn Menschen, die sich fremder Hilfe sicher sein können, sind gut in ihr Umfeld eingebunden und leben in Gemeinschaft.

Schon gewusst?

Zweckfrei oder zweckgebunden?

Wer sein Erbe einem gemeinnützigen Zweck zukommen lassen möchte, sollte die konkrete Verwendung bzw. Organisation in seinem Testament festhalten. Die bloße Angabe, dass das Geld „für einen guten Zweck“ gespendet wird, genügt nicht. In diesen Fällen spricht man von einer Auflage, die zwar bindend ist, bei der aber die Erben entscheiden können, welche Organisation das Geld erhält. Auch für die jeweilige Organisation kann ein konkreter Verwendungszweck festgelegt werden, der bestimmt, wie genau das Geld genutzt werden soll. Die Bedingung, mit der man die Spende verbindet, sollte dem von der Organisation verfolgten gemeinnützigen Zweck entsprechen. Der Wohltätigkeitsorganisation dagegen die freie Verwendung über das Erbe oder Vermächtnis zu überlassen, hat den Vorteil, dass es flexibel dort eingesetzt werden kann, wo es benötigt wird. Das empfiehlt sich, wenn Projekte zeitlich begrenzt sind. Denn Achtung: Ist das bedachte Projekt nach dem Tod bereits beendet und die Zweckbindung zu eng formuliert, kann das Geld nicht verwendet werden.

Das tut gut

Mit einem Stipendium von Childfund macht Sheela die Ausbildung zur Krankenschwester, unterstützt auch durch Testamentsspenden.

Stipendien für Mädchen

In kaum einem anderen Land der Welt werden Mädchen und Jungen so ungleich behandelt wie in Indien. Besonders auf dem Lande und in den Armutsvierteln der Städte ist Bildung ein Luxus, der vielen Mädchen versagt bleibt. Nur 39 Prozent der Inderinnen haben einen weiterführenden Schulabschluss. ChildFund vergibt Stipendien an begabte junge Frauen und finanziert ihnen damit einen Schulabschluss, eine Ausbildung oder ein Studium. Die gut ausgebildeten Frauen brechen alte Denkmuster auf und tragen so zu nachhaltigen Veränderungen bei.

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Fatchima war Mitglied der ersten CARE-Spargruppe im Niger. Ihre Enkelin will Lehrerin werden.

Gemeinsam sparen

Eine einfache Idee mit großer Wirkung: Mehrere Frauen geben jede Woche einen kleinen Betrag in eine gemeinsame Kasse. Von dem ersparten Geld darf sich jede der Frauen einen Kredit nehmen, um ein eigenes Geschäft, ein Stück Land oder alte Schulden zu bezahlen. In der starken Gemeinschaft unterstützen sich die Frauen in wirtschaftlichen ebenso wie in privaten Fragen. Vor 30 Jahren erfand eine CARE-Mitarbeiterin im Niger die Kleinspargruppen. Gefördert durch Spenden gibt es sie mittlerweile in 45 Ländern.

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Mit Hilfe von Spendengeldern errichtet action medeor in Tansania eine Produktionsstätte für Laborreagenzien.

Lokale Medizinprodukte

Verbrauchsmaterialien, die bei der Nutzung von medizinischen Geräten benötigt werden, sind in Tansania ein reines Importgut. Während der Covid-19 Pandemie brachen Lieferketten zusammen und die Preise im internationalen Handel stiegen dramatisch an. Die Folge: Die ohnehin unzureichende Gesundheitsversorgung im Land verschlechterte sich weiter. action medeor errichtet nun eine lokale Produktionsstätte, wo künftig kostengünstig Laborreagenzien hergestellt werden können – für eine nachhaltige Verbesserung des Gesundheitssystems.

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Die Winterhilfe der Johanniter versorgt – finanziert durch Spenden – geflüchtete Familien in Kabul mit dem Nötigsten.

Winterhilfe in Kabul

Als ihr Dorf in der Provinz Kapisa von den Taliban angegriffen wurde, floh das Mädchen Maria mit ihren Eltern nach Kabul. Dort lebt sie in einer der rund 50 informellen Siedlungen, die rund um die afghanische Hauptstadt entstanden sind. Die Dächer der Hütten sind aus Blech oder Planen und halten der Schneedecke kaum stand. Ohne Schutz vor der Kälte leiden vor allem die Kinder unter Atemwegs- und Durchfallerkrankungen. Die Winterhilfe der Johanniter hilft den Vertriebenen mit Kleidung, Decken, Heizmaterial und medizinischer Versorgung.

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Die Deutsche Herzstiftung ist eine wichtige Anlaufstelle für Menschen mit angeborenem Herzfehler – finanziert u.a. durch Testamentsspenden.

Leben mit Herzfehler

In Deutschland kommen jährlich ca. 8.700 Kinder mit Herzfehler zur Welt. Immerhin 90 Prozent von ihnen erreichen heute – dank des medizinischen Fortschritts – das Erwachsenenalter. Die Kinderherzstiftung der Deutschen Herzstiftung informiert über die große Bandbreite der Herzfehler und wie man trotzdem ein weitgehend unbeschwertes Leben führen kann. Auch deshalb gehört sie zu den wichtigsten Anlaufstellen für Menschen mit angeborenem Herzfehler, insbesondere für Eltern herzkranker Kinder.

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Die Christoffel-Blindenmission hat mit Hilfe von Spendengeldern über 15 Millionen Augenoperationen unterstützt.

Bessere Zukunft dank Augenlicht

Shalom aus Uganda hatte Grauen Star auf beiden Augen, eine Erblindung, die behandelbar ist: Die getrübten Augenlinsen können durch künstliche ersetzt werden. Die OP dauert nur 15 bis 20 Minuten, doch ihre Mutter Ajiyo hätte sie sich niemals leisten können. Die Christoffel-Blindenmission hat mit Hilfe von Spendengeldern seit 1996 über 15 Millionen Augenoperationen unterstützt. Auch Shalom wurde operiert und erhielt anschließend eine Brille. Jetzt kann sie wieder zur Schule gehen.

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Im albanischen Kutë stattet EuroNatur mit Spendengeldern öffentliche Gebäuden mit Solarpaneelen aus, für naturverträglichen Strom.

Solarenergie statt Wasserkraft

Die Vjosa ist einer der letzten großen Wildflüsse in Europa. Doch die unberührte Flusslandschaft ist bedroht durch Staudamm-Projekte. EuroNatur und Partnerorganisationen zeigen, dass eine zukunftsfähige Energiegewinnung anders aussieht. Mit Hilfe von Spendengeldern statteten sie das Dorf Kutë mit Solarpaneelen aus – als Alternative zur Wasserkraft. Ein wichtiges Zeichen: Die Gemeinde, die durch einen geplanten Staudamm überflutet werden würde, entwickelt sich zu einem wirtschaftlich tragfähigen Solardorf.

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Ausblick Mai 2022 Menschlichkeit

Menschenrechte vor Gericht

Jede Tat hat eine Wirkung

Human Enhancement – Koppelung von Mensch und Maschine

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