Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt

No. 12 – BEWAHREN

No. 12 – BEWAHREN

Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 12: BEWAHREN. Frankreich. Paris. Jardin des Planes. 1991: Schulkinder bestaunen ein Dinosaurier-Modell. Symbolbild. Was lohnt sich zu erhalten? Wie nutzt das Bewährte der Zukunft? Was können wir tun, damit etwas bleibt? Foto: Richard Kalvar / Magnum Photos / Agentur Focus
© Richard Kalvar / Magnum Photos / Agentur Focus

Editorial

Schaut man in ein Wörterbuch, findet man viele Bedeutungen für das Bewahren. Bewahren heißt erhalten, schützen und retten, sichern und konservieren. Bewahren heißt aber auch verteidigen. Oft benutzen wir das Wort zusammen mit „Es lohnt sich…“.

Und tatsächlich, es lohnt sich, lieb gewordene Dinge aufzuheben. Das zerfledderte Fotoalbum oder die schöne Rosentasse, aus der Oma nur am Sonntag den Kaffee trank. Was für andere nur ein belangloser Gegenstand ist, ist für uns mit Erinnerungen aufgeladen. Sie zu bewahren, stützt unsere eigene Geschichte, unsere Identität. Es lohnt sich, das zu retten und zu schützen, was unser Planet an Schönheit und Vielfalt bietet. Deshalb ist das Naturkundemuseum ein spannender Ort. Die Sammlungen bewahren nicht nur Schätze unserer Natur, sie befördern auch das Nachdenken über die Zukunft. Es lohnt sich genauso – und besonders in den gegenwärtig schwierigen Zeiten – unsere Liebe und Zuneigung zu anderen Menschen zu bewahren. Die Zuversicht zu behalten, dass es wieder besser werden wird. Und unsere Werte zu verteidigen: Gemeinsinn und Mitgefühl. Zusammenhalt. Die Achtung von Wahrheit und Meinungsfreiheit.

Ja, es lohnt sich, zu bewahren, was uns schon immer wichtig war und auch in Zukunft Bestand haben soll. Sei es die Kaffeetasse, eine vielfältige Natur oder eine solidarische Welt. Was wollen Sie bewahren? Lassen Sie sich von unserer neuesten Magazin-Ausgabe inspirieren.

Susanne Anger

Sprecherin der Initiative
„Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum“

Menschen

Bewahren für die Zukunft

Johannes Vogel, 57, ist einer, der seinen eigenen Weg geht. Der Professor der Botanik leitet seit 2012 das Museum für Naturkunde Berlin. Das Museum bewahrt eine fantastische Sammlung von über 30 Millionen Objekten, darunter Tristan Otto, das Originalskelett eines T. rex. Doch Johannes Vogel will mehr: Das Museum ist für ihn der ideale Ort, um die Zukunft auszuhandeln.

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Bewahren für die Zukunft: Ein im Sprung nach einem Ara jagender Jaguar, Präparate des Museums für Naturkunde Berlin. Das Museum bewahrt eine Sammlung von über 30 Millionen Objekten und ist zugleich ein Ort, um die Zukunft auszuhandeln. Im Gespräch mit Direktor Johannes Vogel. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Carola Radke/MfN

Wissenswertes

Geschichte wird gemacht

Zeitgeschichte spiegelt sich gerade in den vermeintlich kleinen Dingen und ganz persönlichen Erlebnissen. Umso wichtiger ist es, das Erlebte weiterzutragen, in die Öffentlichkeit oder die eigene Familie. Denn nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und verantwortungsbewusst handeln.

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Geschichte wird gemacht: Öffnung im deutsch-deutschen Grenzzaun zwischen Ullitz (Bayern)/Blosenberg (Bezirk Karl-Marx-Stadt, heute Sachsen), November 1989. Nur wer die Geschichte kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten. Wie helfen Zeitzeugen dabei, die Vergangenheit zu bewahren und für heute zu nutzen? In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Hans Hermann Hoyer/CC BY-NC-ND

Impulse

Die Dinge unseres Lebens

Einen Haushalt aufzulösen, ist mehr als nur eine Sperrmüllaktion. Die Dinge des Alltags, die Lieblingssachen der Verstorbenen, die Fotos und Briefe, auf die man beim Aufräumen stößt: All das weckt Erinnerungen, auch Überraschungen sind möglich. Ein Nachlass ist immer eine Reise in die Vergangenheit – in die der Verstorbenen und oft genug auch in die eigene.

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Dinge unseres Lebens: Eine Auswahl von Vintage-Sammlerstücken. Einen Nachlass aufzulösen, ist mehr als nur eine Aufräumaktion. Beim Stöbern macht man Entdeckungen, die die eigenen Erinnerungen neu ordnen und den Blick auf die Vergangenheit verändern. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Rabie Madaci on Unsplash

Unsere Lieblinge

Lesetipp

Lesetipp: Cover des Buches „Wunderkammer der deutschen Sprache“, Hg.: Thomas Böhm, Carsten Pfeiffer, erschienen bei Das Kulturelle Gedächtnis, 2019. In Prinzip Apfelbaum – Magazin über das, was bleibt. Ausgabe: Bewahren

Dieses Wörter-Buch schwelgt in der Vielfalt und Fülle der deutschen Sprache, mal historisch, mal poetisch, mal witzig, mal alles zusammen. Eine Einladung, sich Wörter auf der Zunge zergehen zu lassen und ihrem Hintersinn zu begegnen. Kuriose Ortsnamen stehen neben Wortschöpfungen von Luther, den Namen deutscher Punkbands und Goethes Liebesbekundungen. Vom ständigen Wandel der Sprache zeugen fast ausgestorbene Wörter wie Kaltmamsell. Mancher Versuch, die Sprache von Fremdwörtern reinzuhalten, scheiterte: Aus dem Journal wurde zwar das Tagebuch, doch das Lotterbett konnte das Sofa nicht verdrängen. Die Wunderkammer ist eine Entdeckungstour – durch einen Reichtum, den es allemal zu bewahren lohnt.

Thomas Böhm und Carsten Pfeiffer (Hrsg.) Die Wunderkammer der deutschen Sprache. Sachbuch. Verlag Das kulturelle Gedächtnis, 2019. Gebunden. 304 Seiten. 28 Euro.

Das Zitat

Zitat: Porträtfoto von Willy Brandt, SPD-Politiker und ehemaliger Bundeskanzler, 1983. Prinzip Apfelbaum – Magazin über das, was bleibt. Ausgabe: Bewahren. Foto: picture alliance / AP Images
© picture alliance / AP Images
Gerade wer das Bewahrenswerte bewahren will, muß verändern,
was der Erneuerung bedarf.

WILLY BRANDT

1913-1992, deutscher Politiker, 4. Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland

Berühmte Testamente: Robert Bosch mit einem Fahrrad, um 1890. Der verantwortungsbewusste Unternehmer spendete seinen Gewinn teils gemeinnützig ein und gründete die Robert Bosch Stiftung. Ein Testament für den guten Zweck. Prinzip Apfelbaum – Magazin über das, was bleibt. Ausgabe: Bewahren. Foto: Robert Bosch GmbH, Unternehmensarchiv
© Robert Bosch GmbH, Unternehmensarchiv

BERÜHMTE TESTAMENTE

Robert Bosch

Er ist seiner Zeit in vielem voraus: 1861 als eines von 12 Geschwistern auf der Schwäbisch Alp geboren, studiert Robert Bosch nie an einer Hochschule. Dennoch richtet er seine 1886 gegründete „Werkstätte für Feinmechanik konsequent auf technische Innovationen aus, unter anderem für die gerade aufkommenden Automobile. Bosch ist ein erfolgreicher ebenso wie verantwortungsbewusster Unternehmer. Schon 1906 führt er den Acht-Stunden-Tag ein und ermöglicht seinen Mitarbeitern die Aus- und Fortbildung: „Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne zahle.“ Regelmäßig spendet der „rote Bosch“ großzügige Teile seines Gewinns für gemeinnützige Zwecke. Als Robert Bosch 1942 stirbt, widmet er seinen Nachlass, „neben der Linderung von allerhand Not vor allem auf die Hebung der sittlichen, gesundheitlichen und geistigen Kräfte des Volkes hinzuwirken.“ Die Robert Bosch Stiftung erhält 92 Prozent der Anteile am Unternehmen und fördert damit bis heute Gesundheit, Völkerverständigung, Bildung und Erziehung, Kunst und Wissenschaften.

173.876

Die Zahl

Die Biodiversity Heritage Library ist eine Schatzkiste: Hier werden naturhistorische Bücher über Tiere und Pflanzen, die weltweit verstreut in Bibliotheken stehen, digitalisiert und Forschenden zur Verfügung gestellt. Viele der Schriften sind über 100 Jahre alt, manche stammen sogar aus dem 15. Jahrhundert. Das Beste: Über 170.000 Illustrationen gibt es jetzt online zum Staunen und freien Herunterladen – beeindruckende Zeichnungen etwa von Blumen, Kraken und sogar einer Meerjungfrau. Sie helfen, die Folgen der Klimakrise zu erforschen – und zeigen, welche Vielfalt in Gefahr ist.

Schon gewusst?

Was darf in den Reißwolf?

Sie schlummern in vielen Aktenordnern: alte Kontoauszüge, Rechnungen, Verträge, Urkunden. Welche Unterlagen können weg und welche sollte man besser aufbewahren? Das fragen sich vor allem Erben, die die Dokumente genauso wie die Rechte und Pflichten des Verstorbenen übernehmen. Eine verbindliche erbrechtliche Vorgabe gibt es dafür nicht, aber Orientierung: Für private Unterlagen gelten – anders als viele meinen – so gut wie keine Aufbewahrungspflichten. Sie sollten jedoch so lange aufgehoben werden, bis die Angelegenheit erledigt bzw. die Verjährungsfrist abgelaufen ist. Nur von einigen Dokumenten wie wichtigen Urkunden sollte man sich niemals trennen. Anders sieht es aus, wenn der Erblasser z.B. ein Handelsgewerbe betrieben hat. Dann müssen Handelsbücher, Inventare, Eröffnungsbilanzen und Jahresabschlüsse zehn Jahre, Steuerunterlagen sechs bzw. zehn Jahre aufbewahrt werden. Der Rat in diesem Fall: Fallstricke vermeidet, wer sich rechtlich beraten lässt.

Michael Beuger, Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE

Das tut gut

Das tut gut: Ugandische Frauen bei der Sirupproduktion. An den Green Colleges der Welthungerhilfe lernen Jugendliche umweltfreundliche Berufe, die Zukunft haben. Die Welthungerhilfe ist Mitglied der Initiative

Grüne Jobs mit Zukunft

In Uganda sind rund 70 Prozent der Bevölkerung jünger als 25 Jahre, die Mehrheit davon ist arbeitslos. An den Green Colleges der Welthungerhilfe erlernen junge Frauen und Männer daher umweltfreundliche Berufe, die Zukunft haben. Rund 1.500 Jugendliche und junge Erwachsene werden zu „Ökopreneuren“ ausgebildet, etwa in nachhaltigem Gemüseanbau, sensiblem Ökotourismus, in Handyreparatur oder Sirupherstellung, um reife Früchte haltbar zu machen. Die Absolvent*innen erhalten nach ihrem Abschluss ein Startpaket für das eigene Unternehmen.

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Das tut gut: Blick auf den Heinz-Sielmann-Weiher. Um den Artenschwund aufzuhalten, schafft die Heinz Sielmann Stiftung im Landkreis Ravensburg einen weiteren Biotopverbund. Die HSS ist Mitglied der Initiative

Korridore für Artenvielfalt

Die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten nimmt weltweit dramatisch ab. Um den Artenrückgang aufzuhalten, schafft die Heinz Sielmann Stiftung im Landkreis Ravensburg einen weiteren Biotopverbund: natürliche Lebensräume aus Wiesen, Hecken und Gewässern, die durch grüne Korridore miteinander verbunden werden. So können Vögel, Insekten oder Amphibien wandern und sich in neuen Regionen ausbreiten. Das Modellprojekt ist ein weiterer Baustein zu einem landesweiten Biotopverbund und wird unter anderem aus Testamentsspenden finanziert.

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Das tut gut: Um einer Corona-Infektion vorzubeugen, wäscht sich ein Mann an einer Handwaschstelle. action medeor verschafft Menschen in armen Regionen Zugang zu sauberem Wasser und Seife. action medeor ist Mitglied der Initiative

Corona-Hilfe – global und lokal

Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen: In der Corona-Krise hat action medeor auch das Behelfskrankenhaus in Duisburg mit medizinischer Ausrüstung unterstützt. Normalerweise beliefert das Medikamentenhilfswerk Krankenhäuser und Hilfsdienste im globalen Süden. Derzeit ist die Sorge groß, dass die Pandemie die ärmeren Länder mit aller Härte treffen wird. Umso wichtiger ist die Vorbeugung. Gemeinsam mit lokalen Partnern werden etwa Handwaschstellen errichtet, um gerade jetzt die Ärmsten der Welt nicht alleine zu lassen.

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Das tut gut: Buchenurwälder in Rumänien gehören zum Unesco-Welterbe. Nach einer Beschwerde von EuroNatur hat die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Rumänien eingeleitet. EuroNatur ist Mitglied der Initiative

Rettung der EU-Urwälder

Ein großer Teil der letzten europäischen Naturwälder befindet sich in Rumänien. Doch die mehr als 500.000 Hektar ursprünglicher Alt- und Primärwälder, in denen noch Bären, Wölfe, Luchse und viele andere Wildtiere leben, sind in Gefahr. Enorme Flächen fallen jedes Jahr dem illegalen Holzeinschlag zum Opfer. Weil die rumänischen Behörden die Wälder nicht ausreichend schützen, legte EuroNatur eine EU-Beschwerde ein. Mit Erfolg: Die EU-Kommission hat inzwischen ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Rumänien eingeleitet.

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Das tut gut: Ein Kind lernt zuhause am Laptop. Für das Lernen und Homeschooling in Corona-Zeiten hat die Stiftung Bildung eine Webseite für Eltern und Kinder eingerichtet. Die Stiftung Bildung ist Mitglied der Initiative

Tipps fürs Home-Schooling

Lernen trotz Corona-Krise? Die Stiftung Bildung hat eine spezielle Webseite geschaltet, voller Tipps für Kinder und Jugendliche sowie für ihre Eltern. Wie lernt es sich gut zu Hause? Wie hilft mir ein Wochenplan, wann mache ich Pause? Wer üben möchte, findet kostenlose Angebote zum Selbstlernen. Außerdem bietet die Seite zahlreiche Links zu guten, kindergeeigneten Webseiten, auf denen es viel zu entdecken gibt: von spannenden Experimenten bis hin zu virtuellen Museumsbesuchen. Die Seite wird laufend aktualisiert.

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Das tut gut: Radfahren auf einer gekennzeichneten Fahrspur. In der Corona-Krise werden auf vielen Straßen temporäre Radwege eingerichtet. Die Deutsche Umwelthilfe setzt sich in über 200 Städten dafür ein. Die DUH ist Mitglied der Initiative

Mit dem Fahrrad durch die Krise

Bogotá und Berlin-Kreuzberg als Vorbild: In der Corona-Krise werden auf vielen Straßen temporäre Radwege eingerichtet. Denn viele Menschen sind von öffentlichen Verkehrsmitteln aufs Fahrrad umgestiegen. Gerade jetzt sind sichere Radwege wichtig, um Unfälle und unnötige Krankhausbehandlungen zu verhindern. Die Deutsche Umwelthilfe hat daher Vorschläge von über 4.000 Bürgerinnen und Bürgern für weitere Fahrrad-Straßen gesammelt und in 203 Städten entsprechende Anträge gestellt – gemeinsam für klimaverträgliche Mobilität und sichere Wege.

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Das tut gut: Ausschnitt der Netzwerkkarte mit mehrsprachigen Beratungsangeboten für Menschen mit Demenz. Ein Angebot der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Die DAlzG ist Mitglied der Initiative

Info zu Demenz in Muttersprache

Wer an Demenz erkrankt, ist häufig verunsichert und fühlt sich unverstanden, vieles gelingt nicht mehr. Bei Menschen mit Migrationshintergrund sind diese Gefühle sogar noch stärker ausgeprägt. Sie empfinden oft eine „doppelte Fremdheit“. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft bietet auf ihrer Webseite Informationen für mehr Verständnis und einen besseren Zugang zu diesen Menschen sowie Wissen auf Türkisch, Polnisch und Russisch. Die frisch aktualisierte Netzwerkkarte hilft bei der bundesweiten Suche nach mehrsprachigen Beratungsangeboten.

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Ausblick August 2020 STERBEN

Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 13: STERBEN. USA. Brooklyn, NY. 2016: Eine weiße Gardine weht im Luftzug in einem Appartment. Symbolbild. Was wissen wir über das Sterben? Wie wollen wir sterben? Wie können wir uns vorbereiten? Was zählt am Ende wirklich und was bleibt, wenn wir nicht mehr sind? Foto: David Alan Harvey / Magnum Photos / Agentur Focus

Einmal noch ans Meer. Alexander Krützfeldt über letzte Wünsche.

So sterben wir. Erst geht der Geruch, am Ende das Hören.

Letzte Hilfe. Wie wir Sterbende begleiten können.

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