Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt

No. 22 – NOSTALGIE

No. 22 – NOSTALGIE

Nostalgie tut gut: Ein Paar auf einer „Schwalbe“, einem in der DDR produzierten Kleinkraftrad.
© Harald Hauswald / Ostkreuz

Editorial

Manchmal wird Zeit sichtbar. Es ist verblüffend, wenn man zu einem Klassentreffen fährt und nach 20, 30 Jahren wieder in die altbekannten Gesichter schaut. Die ehemaligen Schulfreunde sind nicht mehr die aus der Erinnerung. Sie sind wie wir – ergraut und faltig. Bei dem einen oder anderen ist ein neuer Gesichtszug dazugekommen, etwas müder, vielleicht etwas sorgenvoller. Doch auch wenn die Zeiten ihre Spuren hinterlassen haben, im Kern blickt einem derselbe Mensch entgegen. Das wohlbekannte Blitzen in den Augen, das alte Lächeln sind geblieben. Und ganz schnell ist man gemeinsam in den alten Zeiten: „Weißt Du noch…?“

Es stimmt, nicht jede Erinnerung an damals ist schön. Dennoch ist die Zeit wie ein freundlicher Weichzeichner. Auch schmerzvollere Erlebnisse verlieren meist an Schärfe. Über manche Feindschaft oder Rivalität von damals können wir heute gemeinsam lachen. Verklärt blicken wir zusammen zurück auf die Schulzeit, tauschen Anekdoten aus und helfen unserem Gedächtnis gegenseitig auf die Sprünge.

Solche nostalgischen Momente tun gut. Sie geben uns ein Gefühl der Geborgenheit, zeigen uns, wo wir herkommen und wer wir einmal waren. Für einen Moment fallen wir aus der Zeit und schauen von oben, aus der Vogelperspektive auf das pralle Leben und uns selbst. Und können erkennen, was uns schon immer angetrieben hat und was uns wirklich wichtig ist im Leben. Was wir schützen und bewahren wollen – über die Zeit hinaus.

Susanne Anger

Sprecherin der Initiative "Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum"

Zum Titelbild

Als einer wichtigsten Fotografen der DDR hat Harald Hauswald den sozialistischen Alltag festgehalten, voller Witz und Empathie. Das Titelbild hat er 1986 in Eythra aufgenommen. Das Dorf südlich von Leipzig musste Anfang der 80er Jahre dem Braunkohleabbau weichen.

Menschen

"Wenn ich Benny Goodman höre, kommen mir manchmal die Tränen."

Ihre Auftritte sind wie eine Reise mit der Zeitmaschine. Andrej Hermlin und seine Band The Swingin' Hermlins spielen die Swing Musik aus dem Amerika der 30er Jahre. Die Instrumente, Mikrophone, Pulte, Anzüge und Frisuren, alles ist im Stil der Zeit. Ein Gespräch über die Faszination der 30er Jahre, zwischen Eleganz und Katastrophe.

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Andrej Hermlin möchte „schöne Dinge ins Heute teleportieren“.

Wissenswertes

Die Vorratskammer im Kopf

Nostalgie galt noch im frühen 20. Jahrhundert als Krankheit. Inzwischen weiß man: Wir wärmen uns an schönen Erinnerungen. Nostalgie steigert das Selbstwertgefühl, zeigt uns, was im Leben wirklich wichtig ist, und verbindet uns mit anderen Menschen. Der verklärte Blick zurück kann sogar körperliche Schmerzen lindern.

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Ein Straßenbild: Die gleiche Straße – früher und heute

Impulse

Früher war alles besser? Von wegen!

In den 80er Jahren gab es das Waldsterben und die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl. Auch ein atomarer Weltkrieg schien jederzeit möglich. Trotzdem sagen viele Menschen, dass damals „alles“ besser war. Doch ist heute wirklich alles schlechter? Warum es sich lohnt, die Perspektive zu wechseln.

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Wir blicken anders auf die Gegenwart als auf die Vergangenheit.

Unsere Lieblinge

Lesetipp

Volker Jarck:

Eine fiktive Kleinstadt in Norddeutschland – hier treffen sich die drei Geschwister Katja, Leon und Milena nach dem Tod der Mutter, um den Haushalt aufzulösen. Zurück in dem Haus, in dem sie aufgewachsen sind, führen Erinnerungsstücke wie ein Rezept für Weihnachtskekse zurück in die Vergangenheit. Es geht um Heimat und Lebenskrisen, denn alle drei Geschwister hadern mit ihrer derzeitigen Lebenssituation. Wo kommen wir her, wo wollen wir hin? Wie viel Mut braucht es, neu anzufangen? Volker Jarck erzählt berührend und sehr ironisch von den großen und kleinen Dramen, mit einem scharfen Blick für die Details, die das Leben ausmachen.

Volker Jarck: „Robuste Herzen“. S. Fischer Verlag, 2022. 363 Seiten. 22 Euro

Der Beginn von Handicap International: Hilfe für Minenopfer in Kambodscha

Ideen, die bleiben

Handicap International

In thailändischen Flüchtlingslagern liegen Anfang der 1980er Jahre Hunderte von Geflüchteten aus Kambodscha, die durch Minen schwer verletzt worden sind. Vier französische Ärztinnen und Ärzte, Jean-Baptiste und Marie-Eve Richardier, Marie Roux und Claude Simonnot, sehen die Not und wollen helfen. 1982 gründen sie die Hilfsorganisation Handicap International. Ein wichtiger Grundsatz ist dabei Selbstständigkeit. Für die Betroffenen entwickeln sie Prothesen aus Bambus, Leder und Holz, die vor Ort günstig hergestellt und repariert werden können.
Doch die Zahl der Minenopfer steigt in den darauffolgenden Jahren weiter an. Handicap International beschließt, über die humanitäre Hilfe hinaus zu handeln, und startet zusammen mit fünf weiteren Organisationen eine internationale Kampagne. Mit Erfolg: 1997 wird das Ottawa-Abkommen unterzeichnet, das Anti-Personen-Minen verbietet. Die Beteiligten der Kampagne werden mit dem Friedensnobelpreis geehrt.
Aus der lokalen Hilfe für Minenopfer ist mittlerweile eine große, internationale Hilfsorganisation geworden. Handicap International setzt sich heute in rund 60 Ländern für Menschen mit Behinderungen ein – für eine Welt der Solidarität und Inklusion.

Handicap International ist Mitglied der Initiative „Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum“. Mehr lesen

10–30

Die Zahl

Die Gedächtnisforschung spricht von einem Erinnerungshügel oder „reminiscence bump“. Bezeichnet wird damit der große Haufen an Erinnerungen, die sich zwischen unserem 10. und 30. Lebensjahr ereignet haben und an die wir uns auch in hohem Alter noch erinnern können. Denn was auch immer es war – der erste Kuss, eine gefährliche Situation, kleinere und größere Schicksalsschläge – was sich in diesem Lebensalter ereignet, brennt sich in unser Gedächtnis ein. Auch wenn später die allgemeine Gedächtnisleistung langsam nachlässt, diese Erinnerungen bleiben.

Schon gewusst?

Anspruch auf den Pflichtteil

Nahe Verwandte wie Ehepartner und Kinder erben normalerweise selbst dann, wenn sie im Testament nicht erwähnt wurden. Im Fall, dass sie im Testament explizit von der Erbschaft ausgeschlossen oder zu gering bedacht werden, haben sie zumindest einen Anspruch auf den Pflichtteil. Dieser Pflichtteil entspricht der Hälfte des gesetzlichen Erbes, den Ehepartner und Kinder erhalten würden, wenn es kein Testament gäbe. Er richtet sich damit zum einen nach dem Wert des Nachlasses, zum anderen nach dem ehelichen Güterstand und der Anzahl der Kinder. Im Fall, dass die Kinder nicht mehr leben, geht der Anspruch auf einen Pflichtanteil über auf die Enkel und Urenkel oder auf die Eltern der verstorbenen Person. Der Anspruch für Ehepartner entfällt bereits, sobald ein Scheidungsantrag eingereicht wurde. Nur in seltenen Fällen kann der Pflichtteil auch entzogen werden – etwa, wenn man sich eines schweren Vergehens gegen die verstorbene Person oder ihr Nahestehende schuldig gemacht hat. Die gute Nachricht: Wer das Geld für einen guten Zweck hinterlassen möchte und sich mit seinen Erben und Erbinnen einig ist, kann noch zu Lebzeiten mit diesen einen Verzicht auf die Pflichtteile vereinbaren und dies notariell beglaubigen lassen.

Das tut gut

Mit Spendengeldern versorgt Action Medeor unterernährte Kinder in Somalia.

Nothilfe in Somalia

Der Krieg in der Ukraine hat die Getreidepreise extrem in die Höhe getrieben. Für ein Land wie Somalia verschärft sich dadurch die Ernährungssituation. Hinzu kommen vier Missernten in Folge durch Dürre und Heuschreckenplagen. Über 300.000 Kinder sind schwer unternährt. Mit einem Nothilfeprojekt versorgen action medeor und die Partnerorganisation WARDI nun besonders bedürftige Familien. Unterernährte Kleinkinder, Schwangere und stillende Frauen erhalten therapeutische Nahrung, um das Schlimmste zu verhindern.

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Die Stiftung Bildung unterstützt Firmengründungen von Schüler und Schülerinnen – gefördert auch durch Testamentsspenden.

Nachhaltiges Gründen fördern

Mit nachhaltigen Firmen die Welt verändern! Die spendenfinanzierte Stiftung Bildung unterstützt mit ihrem neuen Förderprogramm youstartN junge Menschen dabei, bereits in Schule und Ausbildung eine nachhaltige Firma zu gründen. Schülerinnen und Schüler sowie Auszubildende, die eine kreative Gründungsidee haben oder sich schon in der Startphase befinden, können sich bis zum 15. Dezember um Fördergelder von bis zu 5.000 Euro bewerben. Das Team der Stiftung Bildung berät Interessierte in jeder Gründungsphase.

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Dank der Spenderinnen und Spender der Christoffel-Blindenmission konnte die kleine Shalom in der CoRSU-Klinik in Uganda operiert werden.

Hilfe, um gehen zu können

Die dreijährige Shalom wird bald laufen und sogar seilspringen können – dank einer Operation an der CoRSu-Klinik in Uganda. Weil ihre Beine sich immer weiter nach außen gekrümmt hatten, fiel Shalom das Gehen zunehmend schwerer. Nun haben die Ärzte ihr Metallplatten eingesetzt, die Shaloms Beine wieder gerade wachsen lassen. Die CoRSU-Klinik ist eine der zahlreichen Partnerkliniken der Christoffel-Blindenmission. Mit Hilfe von Spenderinnen und Spendern wurden 2021 insgesamt über 22.000 orthopädische Operationen durchgeführt.

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Mit Hilfe von Spendengeldern entmint Handicap International fünf Regionen in Kolumbien, für eine sichere Zukunft.

Zukunft ohne Minen

Über 50 Jahre Bürgerkrieg haben in Kolumbien gefährliche Spuren hinterlassen: Zehntausende Minen und Blindgänger bedrohen die Menschen. In den letzten 25 Jahren gab es über 11.500 Minenopfer. Handicap International versorgt deshalb nicht nur die Überlebenden, sondern organisiert auch die Entminung. In ehemaligen Guerillagebieten suchen und entschärfen die Teams von Handicap International die Sprengsätze – als wichtige Grundlage für ein sicheres Leben und die wirtschaftliche Entwicklung.

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Mit einer ChildFund Patenschaft und einem Vermächtnis ist die Ausbildung der Äthiopierin Sintayehu gesichert.

Erbschaft für ein Studium

Die Äthiopierin Sintayehu war ein Kind, als Margarete L. aus dem hessischen Haiger ihre Patin wurde. Über ein Jahrzehnt dauerte die ChildFund Patenschaft an, durch die Sintayehu Schulmaterialen, ebenso wie Bettzeug oder Hygieneartikel erhielt. Zusätzlich schickte Frau L. immer wieder auch kleine Geschenke nach Äthiopien, die beiden tauschten Bilder und Briefe aus. Als Frau L. vor wenigen Monaten starb, ging ein Vermächtnis an ChildFund – mit dem Auftrag, der inzwischen 21-jährigen Sintayehu eine gute Ausbildung zu ermöglichen.

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Mit Hilfe von Testamentsspenden zeichnet der Right Livelihood Award Menschen aus, die sich für eine bessere Welt einsetzen.

Preis für eine bessere Welt

Der Right Livelihood Award wird an Menschen verliehen, die sich in besonderer Weise für Frieden, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit einsetzen. In diesem Jahr geht der Preis an die Friedensaktivistinnen Fartuun Adan und Ilwad Elman aus Somalia, an die ukrainische Menschenrechtsaktivistin Oleksandra Matwijtschuk, die venezolanische Kooperative Cecosesola und die Klimaschutzinitiative AFIEGO aus Uganda. Ihre Erfolge zeigen, wie wir Gesellschaften auf Grundsätzen von Gerechtigkeit statt Ausbeutung aufbauen können, so die Begründung.

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Die Heinz Sielmann Stiftung schafft mit Hilfe von Testamentsspenden neue Biotope für effektiven Artenschutz.

Neue Biotope verbinden

Sie wirken wie ein Rettungsnetz für die Natur: Biotopverbünde. Denn Tiere und Pflanzen benötigen nicht nur einzelne Lebensräume, in denen sie sich entfalten können. Die Biotope müssen auch miteinander verbunden sein und durchwandert werden können. Mit Hilfe von Spenden und Erbschaften kauft die Heinz Sielmann Stiftung große Flächen, um sie in wertvolle Biotopverbünde umzuwandeln. Wo die Natur dauerhaft geschützt wird, können sich Tier- und Pflanzenbestände erholen und weiter ausbreiten: das beste Mittel, um bedrohte Arten zu retten!

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Gefördert durch Spendengelder werden im CARE Krankenhaus bei Aleppo Geflüchtete versorgt.

Ein Krankenhaus im Krieg

Samah wurde durch den Krieg aus ihrer Heimatstadt im Nordwesten Syriens vertrieben: „Wir sind ins Ungewisse geflohen“, sagte sie. Heute arbeitet die 40-jährige als Krankenpflegerin im Al-Amal-Krankenhaus nördlich von Aleppo, wo sie sich um die Neugeborenen von vertriebenen Frauen kümmert. „Wir helfen denjenigen, die als Geflüchtete nirgendwo sonst Hilfe bekommen würden.“ Das Krankenhaus wird von einer syrischen Partnerorganisation von CARE betrieben und durch Spendengelder mit Geräten, Medikamenten und Trainings unterstützt.

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