Editorial

Vielleicht ist es eine gute Idee, sich noch einmal einen Klassiker der Weltliteratur vorzunehmen und Krieg und Frieden von Leo Tolstoi zu lesen. Der Roman beschreibt den siegreichen „Vaterländischen Krieg“ Russlands gegen Napoleon als das, was er war: Chaos, Schrecken und Tod. Und er zeigt, welche Auswirkungen der Krieg auf das Leben der Menschen auch fern der Front hat.

Tolstoi hat als Offizier selbst den Krieg erlebt, erst im Kauskasus, dann auf der Krim. Seine Erfahrungen machten ihn zum entschiedenen Gegner von Kriegsideologie und Gewalt. Krieg und Frieden ist vor mehr als 150 Jahren erschienen. Doch die Menschheit scheint leider immer noch nicht klüger geworden zu sein. Im Gegenteil, die bewaffneten Konflikte nehmen weltweit zu. Was also tun? Wie umgehen mit Sorgen und Ängsten?

In dieser Ausgabe sprechen wir mit dem SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner über die „Verteidigung westlicher Werte“ und seine Ideen, wie „Frieden zu schaffen“ sei. Und wir riskieren ein Experiment: Wir lassen den überzeugten Pazifisten Albert Einstein, den verdienten Friedensnobelpreisträger Willy Brandt, den alle Gewalt ablehnenden Mahatma Gandhi und den stolzen Sieger Winston Churchill in einem fiktiven Streitgespräch über Krieg und Frieden aufeinandertreffen.

Aber nicht nur den globalen Blick suchen wir, sondern schauen auch auf das Eigene: Wie man auch im eigenen Umfeld Frieden schaffen kann, was etwa eine Mediation bringen kann und welche Vorkehrungen wir treffen sollten, um am Lebensende in Frieden gehen zu können.

Wir wünschen eine anregende Lektüre!

Susanne Anger

Sprecherin der Initiative "Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum"

Zum Titelbild

Im Nordwesten der Ukraine übt die fünfjährige Alina mit ihren Freundinnen Fahrradfahren. Im Hintergrund steigt Rauch aus einem Öllager auf, das in der Nacht zuvor von einer Drohne in Brand gesetzt wurde. Das Foto stammt von dem polnischen Fotografen und Dokumentarfilmer Patryk Jaracz, der seit 2022 den Krieg in der Ukraine dokumentiert. Seine Aufnahme wurde von UNICEF zum Foto des Jahres 2023 gekürt.

Menschen

“Mir missfällt, wie wir in Rekordmanier aufrüsten”

Ralf Stegner vertritt eine differenzierte Friedenpolitik. Seit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine setzt sich der SPD-Politiker für Verhandlungen mit Russland ein. Zudem wendet er sich gegen eine Erhöhung der Rüstungsausgaben.

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Ralf Stegner – oft zwischen Stühlen

Wissenswertes

"Die Balance zwischen Verteidigung und Entspannung"

Europa steht erneut vor großen Fragen von Krieg und Frieden. Was würden kluge Köpfe wie Albert Einstein, Mahatma Gandhi, Winston Churchill und Willy Brandt dazu sagen? Wir wagen ein Experiment: Aus Reden und Schriften der vier haben wir ein fiktives Streitgespräch zusammengestellt – anregende Gedanken zu Krieg und Frieden.

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Vier kluge Köpfe zur Frage von Krieg und Frieden

Impulse

Wenn die Trauer ausbleibt

Manchmal fühlen Angehörige nach einem Todesfall keine Trauer. Stattdessen stellen sich gemischte Gefühle oder sogar Erleichterung ein. Wie geht man mit den Erwartungen um, wenn keine Trauer da ist?

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Mancher Todesfall löst keine Trauer aus

Unsere Lieblinge

Lesetipp

Zwölf Erzählungen über Krieg und Frieden: In der deutschen Nachkriegszeit steht Herr Büchner einem britischen Soldaten gegenüber, der seine jüdisch-deutsche Verwandtschaft sucht. 1962 fürchtet Frank Green kurz vor der Hochzeit seiner Tochter den Atomkrieg. Ein junger Brite wird von seinen Erinnerungen an den Irak-Krieg verfolgt. Und der bereits pensionierte Dr. Cole fährt während der Pandemie durch leere Straßen zu seiner Schicht im Krankenhaus. In kleinen, prägnanten Momentaufnahmen trifft Privates auf Politisches. Die Figuren erinnern sich und reflektieren ihr Leben, in dem Krieg, Terror oder gesellschaftlicher Ausnahmezustand Spuren hinterlassen haben.

Graham Swift: Nach dem Krieg. dtv 2025. 296 Seiten, 25 Euro

Ideen, die bleiben

Christoffel-Blindenmission

Als der junge deutsche Pastor Ernst Jakob Christoffel ins Osmanische Reich reist, um die Leitung zweier Waisenheime zu übernehmen, berührt ihn vor allem das Elend der blinden Menschen. Zurück in der Heimat sammelt er Geld bei Unterstützerinnen und Unterstützern. 1908 reist er erneut ins Osmanische Reich und gründet die „Christliche Blindenmission im Orient“. Im Osten der heutigen Türkei baut er ein Heim für blinde, körperlich beeinträchtigte und verwaiste Kinder auf. Sein Engagement in Malatya muss Christoffel 1919 beenden, weil er als Deutscher ausgewiesen wird. Doch er gibt nicht auf und gründet einige Jahre später zwei neue Heime für Kinder mit Behinderungen, diesmal in Persien. Wieder kommt ihm der Krieg dazwischen: 1943 wird Christoffel als Deutscher von den Alliierten gefangen genommen. Erst 1951 kann er zurückkehren. Er ist bereits 75 Jahre alt, als er noch einmal in Isfahan eine Schule für blinde und anders behinderte Menschen gründet. Als er stirbt, droht auch die Blindenmission zu enden. Doch 1961 übernehmen in Deutschland Magdalena und Siegfried Wiesinger die Leitung der Organisation, die nach Christoffels Tod in Christoffel-Blindenmission umbenannt wird. Dem Ehepaar gelingt es, Christoffels Arbeit in Isfahan auszubauen, augenmedizinische Hilfe anzubieten und den Spenderkreis enorm zu erweitern. Ab 1967 entstehen Hilfsprojekte auch in anderen Ländern – mit Erfolg: Heute ist die Christoffel-Blindenmission eine international anerkannte Fachorganisation, die sich für die Belange von Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern einsetzt.

Mehr lesen: „Ideen, die bleiben“

86%

Die Zahl

Jung gegen Alt, Gen Z gegen Boomer? Diese vermeintlichen Konflikte spielen – zumindest in Familien – offenbar keine große Rolle. In einer Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge berichteten 86 Prozent der Großeltern von einem guten bis sehr guten Verhältnis zu ihren Enkelkindern. Ebenso wird von jungen Erwachsenen das Verhältnis zu ihren Großeltern überwiegend positiv bewertet. Danach gefragt, was eine gute Beziehung zwischen den Generationen ausmache, nannten Jung und Alt vor allem Respekt und Verständnis (67 %), Unterstützung (55 %), die Weitergabe von Wissen (54 %) sowie die Vermittlung von Werten (51 %). Mit anderen Worten: Die Großeltern und ihre Enkel in Deutschland haben ein ziemlich friedliches Verhältnis.

Schon gewusst?

Schenkungen verringern Pflichtteile

Ein Testament lässt sich grundsätzlich frei gestalten. Zu beachten ist allerdings der gesetzliche Pflichtteil: Ehepartner, Kinder und – wenn keine Kinder da sind – auch die Eltern haben einen Anspruch auf eine Mindestbeteiligung am Erbe. Der Pflichtteil berechnet sich danach, wieviel die Erbmasse am Todestag wert ist. Wer also mit seinem Nachlass andere Pläne hat, kann den Pflichtteil der ungeliebten Erben verringern, indem er sein Vermögen schon zu Lebzeiten verschenkt, beispielsweise an eine Hilfsorganisation. Dieser Trick hat allerdings einen Haken: den sogenannten Pflichtteilsergänzungsanspruch. Eine Schenkungen, die erst kurz vor dem Tod gemacht wird, zählt weiter zum Erbe. Erst nach einer Frist von zehn Jahren ist eine Schenkung nicht mehr für die Erbschaft relevant. Ausgenommen sind außerdem Schenkungen unter Eheleuten. Wer eine Schenkung machen will, um Pflichtteile zu veringen, sollte dies also gut planen.

Christian Solmecke, Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE

Das tut gut

Mit Hilfe von Spenden fördert die Herzstiftung schnelle Hilfe beim plötzlichen Herztod.

Eine App für Ersthelfer

Über 65.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland an einem plötzlichen Herztod. Das Problem: Meist dauert es im Nofall kostbare Minuten, bis der Rettungsdienst eintrifft. In dieser Zeit können Ersthelfer Leben retten. Die Deutsche Herzstiftung fördert deshalb eine Studie des Freiburger Universitäts-Notfallzentrums, bei dem per App geschulte Ersthelfer alamiert werden, die sich in der Nähe des Notfalls aufhalten. So können sie sofort mit der Reanimation beginnen. Das System könnte bei Erfolg in vielen Städten eingesetzt werden.

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Mit Hilfe von Spenden und Nachlässen rettet VIER PFOTEN Tiere aus einem verwahrlosten ehemaligen Zoo.

Notfalleinsatz im Zoo

Es ist die bisher größte Rettungsaktion von VIER PFOTEN: Im Sommer 2025 baten die argentinische Regierung und die Geschäftsführung des ehemaligen Zoos der Stadt Luján die Tierschutzorganisation um Hilfe. Die Gesundheit und das Wohl von über 60 Großkatzen und zwei Bären waren in Gefahr. Die Tiere wurden gesundheitlich versorgt, Wunden behandelt. Nun werden artgerechte Unterbringungen gesucht. So werden zwei Bären nach Bulgarien transportiert. Ein Kraftakt, der sich lohnt: Gordo und Florencia werden künftig in einem Bärenwald leben.

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Unter anderem mit Testamentsspenden fördert die Stiftung Bildung die Teilhabe junger Menschen.

Psyche junger Menschen

Viele junge Menschen leiden an Stress, Erschöpfung, Selbstzweifeln und Antriebslosigkeit. Studien zeigen, dass sie psychisch stärker belastet sind als andere Generationen. Das Jugendforum youpan fordert darum, das Thema psychische Gesundheit an Schulen und anderen Bildungsorten mehr zu berücksichtigen. Dazu sollten Sensibilisierungskonzepte eingeführt und über psychische Erkrankungen aufgeklärt werden. Youpan ist das Jugendforum der Nationalen Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung, es wird durch die Stiftung Bildung umgesetzt.

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Dank großzügiger Spenden konnte der NABU besseren Schutz von Vögeln an Strommasten durchsetzen.

Schutz an Stromleitungen

Millionen von Vögeln sterben jedes Jahr an Stromleitungen. Vor allem Großvögel wie Störche, Greifvögel, Eulen und Rabenvögel sind betroffen, weil sie durch ihre Körpergröße und Flügelspannweite leichter zwei stromführende Teile berühren. Der NABU setzt sich seit Jahren für eine Verbesserung ein – mit Erfolg: Gemeinsam mit Netzbetreibern und Behörden wurde eine neue technische Richtlinie erarbeitet, die bessere Schutzmaßnahmen für neue und bestehende Mittelspannungsmasten vorsieht. So werden viele tödliche Stromschläge künftig verhindert.

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Dank Spenden kann SOS-Kinderdörfer vertriebenen Kindern in der Ukraine helfen.

Vertriebene Kinder in der Ukraine

Der 11-jährige Sascha und seine Großmutter sind aus ihrem Heimatort Bachmut nach Kiew geflohen. Dort wurde ihr Wohnhaus bei einem Angriff zerstört, während der Junge sich im Gebäude befand. Seine Großmutter musste ihn aus dem Haus retten. Saschas Eltern sind weit weg, beide arbeiten als Sanitäter an der Front. Unterstützung haben der Junge und seine Großmutter in dem Sozialzentrum der SOS-Kinderdörfer in Kiew gefunden, das vertriebenen Familien hilft. Hier erhält Sascha psychologische Betreuung und Sprachtherapie.

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Mit Hilfe von Spenden unterstützt Menschen für Menschen Kleinbauern in Äthiopien.

Hoffnung wagen in Äthiopien

Die Eheleute Fayisa und Tadelu haben viele Jahre von der Hand in den Mund gelebt. Die äthiopischen Kleinbauern bauten Mais und Getreide an, die Erträge reichten gerade zum Überleben. Seit 2020 engagiert sich Menschen für Menschen in der Region und schenkt neue Hoffnung. Dank einer Starthilfe konnte Fayisa anderes Saatgut kaufen und Gemüse und Kaffee anbauen. Von den zusätzlichen Einnahmen erwarb die Familie außerdem Hühner, deren Eier Tadelu auf dem Markt verkauft. Fayisa und Tadelu hoffen nun, endlich aus der Armut auszubrechen.

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Dank Spenden setzt sich das Deutsche Kinderhilfswerk für Kinderrechte ein.

Kinderrechte erklären

Kinder haben Rechte! Doch die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen ist noch immer viel zu wenig bekannt. Darum gibt das Deutsche Kinderhilfswerk eine PIXI-Buchreihe zu den Kinderrechten heraus. In der aktuellen Ausgabe „Alle machen mit!“ geht es um Inklusion: Ein Gruppe befreundeter Kitakinder entdeckt verschiedene Barrieren im Garten der Kita und setzt sich für dessen Umgestaltung ein – eine kleine Geschichte über Teilhabe und Mitgestaltung. Pädagogische Fachkräfte können die PIXI-Bücher im Gruppensatz kostenlos bestellen.

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Mit Hilfe von Testamentsspenden vermittelt die DKMS Stammzellspenden weltweit.

Globale Match-Suche

Alle 27 Sekunden erhält weltweit ein Mensch die Diagnose Blutkrebs. Eine Chance auf Überleben gibt es für viele nur mit einer Stammzellspende – wenn ein passender Spender bzw. eine passende Spenderin gefunden wird. Die DKMS ist deswegen Teil eines globalen Netzwerkes und als internationale Organisation in sieben Ländern auf fünf Kontinenten vertreten, mit einer stetig wachsenden Spenderdatei. Rund 75 Prozent der Stammzellspenden werden ins Ausland vermittelt, bisher in rund 60 Länder.

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Auch dank Testamentsspenden konnte die Johanniter-Auslandshilfe eine neue Gesundheitsstation in Afghanistan einrichten.

Gesundheitsstation bei Kabul

Hina ist eines der ersten Babys, das in der neuen Gesundheitsstation der Johanniter-Auslandshilfein Farza Bostan, nordwestlich von Kabul, geboren wurde. Hier leben vor allem intern Vertriebene und Familien, die zurückgekehrt sind. Wie in vielen Regionen Afghanistans gibt es keine ausreichende Gesundheitsversorgung, die Sterblichkeitsrate bei Geburten ist hoch, Unterernährung verbreitet. In der neuen Gesundheitsstation können nicht nur Frauen sicher gebären, es werden auch Impfkampagnen durchgeführt und häufige Krankheiten behandelt.

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Mit Hilfe von Testamentsspenden engagiert sich die Deutsche Umwelthilfe für ein Böllerverbot.

Über 1 Mio. Unterschriften

Wäre das nicht schön? Eine Silvesternacht, in der mit einer Lasershow oder einem großen, professionellen Feuerwerk gefeiert wird und keiner Angst haben muss? Eine Silvesternacht, in der niemand verletzt wird, in der die Luft sauber bleibt und Tiere ihre Ruhe haben? Mittlerweise sind 59 Prozent der Menschen in Deutschland für ein Verbot von privatem Feuerwerk. Die Deutsche Umwelthilfe hat mit der Böllerfrei-Kampagne über eine Million Unterschriften gesammelt und die entsprechende Petition im Januar dem Bundesinnenministerium überreicht.

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Mit Hilfe großzügiger Spenden setzt sich EuroNatur für den Schutz von Zugvögeln in Europa ein.

Schutz für Zugvögel

Viele Zugvögel sind auf ihren Flugrouten in Gefahr. Denn in vielen europäischen Ländern werden sie – legal und illegal – gejagt. In Montenegro ist jetzt CZIP, einer Partnerorganisation von EuroNatur, die sich schon lange gegen die Vogeljagd engagiert, ein wichtiger Erfolg gelungen: Die montenegrinische Regierung hat einen Nationalen Aktionsplan gegen die illegale Tötung, den Fang und den Handel mit Zugvögeln bis 2030 verabschiedet. Ein wichtiger Schritt für den Vogelschutz – weitere Länder wie Serbien und Kroatien sollen folgen.

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