Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt

No. 9 – HEIMAT

Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 9: Heimat. GB, England, 1985: Eine Gruppe junger Backpackerinnen wartet am Flughafen. Symbolbild für das Aufbrechen, Suchen und Ankommen. Heimat ist Ort, Sehnsucht und Bedürfnis. Foto: Eve Arnold / Magnum Photos / Agentur Focus
© Eve Arnold / Magnum Photos / Agentur Focus

Editorial

Die ersten Erfahrungen, der vertraute Raum, in dem wir laufen und sprechen lernten; die Freunde und Nachbarn, das Essen, die Feste, die Sicherheit der Familie; das Paradies der Erinnerung, aus dem wir angeblich nicht vertrieben werden können. Was Heimat wirklich bedeutet, erfahren wir oft erst dann, wenn wir sie verlassen oder verlieren.

Heimat, dieses urdeutsche Wort, in andere Sprachen schwer übersetzbar und oft missbraucht, liegt wieder im Trend. Und doch tun wir uns damit schwer. Es waren die Nazis, die mit ihrer mörderischen Ideologie dafür sorgten, dass der Begriff Heimat entwürdigt wurde. Die nachfolgenden Generationen wollten davon nichts mehr wissen. Bis heute wieder einmal die Rechten Heimat als Kampfbegriff missbrauchen.

Aber die „Sehnsucht nach Heimat dürfen wir nicht denen überlassen, die Heimat konstruieren als ein ‚Wir gegen die‘, als Blödsinn von Blut und Boden“, sagt unser Bundespräsident. Wir sollten einen offenen Zugang finden. Denn ist es nicht so: Da, wo ich einen Wert habe, wo ich mich einbringen kann und wohlfühle, da ist Heimat. Und: Alle Menschen sollten die Chance haben, sich verankern zu können.

Mit Heimat verbinden wir das Gefühl von Ankommen, Dazugehören, Geborgenheit und Glück. Das sollten wir uns nicht nehmen lassen. Deshalb nähern wir uns diesem so schwierigen Thema in der aktuellen Ausgabe unseres Magazins aus unterschiedlichen Perspektiven.

Susanne Anger

Sprecherin der Initiative
„Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum"

Menschen

Nach Hause gehen

Seit 30 Jahren lebt der Journalist, Autor und Dramatiker Jörn Klare in Berlin. Als er überlegt, dort eine Wohnung zu kaufen, stellt er fest, dass er sich in der Stadt nicht wirklich heimisch fühlt. Zu Fuß macht er sich auf den Weg an den Ort seiner Kindheit und Jugend: Hohenlimburg. Welche Antworten hat er gefunden auf die Frage nach der Heimat?

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Nach Hause gehen: Drohnenflug über eine Dorfstraße, links Bäume, rechts vereinzelte Hausdächer. Autor Jörn Klare ging zu Fuß von Berlin nach Hohenlimburg. Die Frage nach der Heimat ließ ihn nicht los. Ein Gespräch über sein Buch „Nach Hause gehen“. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Radu Bercan / photocase.de

Impulse

Wo und was
ist Heimat?

Heimat ist eine Sehnsucht und ein Bedürfnis. Doch der Begriff hat seine Unschuld verloren. Kann es eine Heimat geben, ohne andere auszuschließen? Ist Heimat ohne Ort möglich? Zeit für ein neues Heimat-Konzept. Damit lässt sich nicht weniger als die Zukunft unserer Gesellschaft aushandeln.

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Wo und was ist Heimat: Fliegende Kohlmeise auf weißem Hintergrund. Symbolbild. Heimat ist eine Sehnsucht und ein Bedürfnis. Doch kann es eine Heimat geben, ohne andere auszuschließen? Zeit für ein neues Heimat-Konzept. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Bachkova Natalia / Shutterstock.com

Wissenswertes

Ein Dorf erfindet sich neu

Das sächsische Nebelschütz ist ein blühender Ort. Eine Heimat, in der Menschen bleiben, statt abzuwandern. Es gibt einen Babyboom und eine Warteliste für junge Leute, die bauen wollen. Während andernorts die Dörfer veröden, ist die sorbische Gemeinde schon immer einen etwas anderen Weg gegangen. Mit Ideen, Tradition und Gemeinsinn.

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Heimat mit Zukunft: Der Öko-Jungbauern Ignaz Wessela hält sich ein Mohnhörnchen als lachenden Munde vor das Gesicht. Die sächsische Gemeinde Nebelschütz. Während andernorts Dörfer veröden, erlebt die sächsische Gemeinde einen Boom. Heimat durch Ideen, Tradition und Gemeinsinn. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: Antonina Gern

Unsere Lieblinge

Lesetipp

Lesetipp: Cover des Buches „Was wollen die denn hier?“ von Lucas Vogelsang und Joachim Król, erschienen bei Rowohlt. In Prinzip Apfelbaum – Magazin über das, was bleibt. Ausgabe: Heimat

Zwei Wessis, der Schauspieler Joachim Król und der Reporter Lucas Vogelsang, reisen quer durch die Republik, den Kopf voller Fragen. Die neuen Bundesländer seien ihm seltsam fremd geblieben, gesteht Król gleich zu Anfang. Er und Vogelsang lassen sich die Lebensgeschichten von zwölf ganz unterschiedlichen Menschen erzählen. Da ist der Landwirt, der seinen Acker direkt an der innerdeutschen Grenze bestellte und immer wieder zwischen die Fronten geriet. Der Betriebsleiter, der das Überwachungssystem stützte, um sein Werk zu retten. Oder die „Wossies“ aus Göttingen, die im Osten eine neue Heimat fanden. Die persönlichen Geschichten erzählen im Kleinen von den Umwälzungen im Großen. Sie zeigen, wie sehr die DDR die Biografien geprägt hat – und noch nicht vorbei ist.

Lucas Vogelsang, Joachim Król: „Was wollen die denn hier? Deutsche Grenzerfahrungen“. Rowohlt Verlag, 2019. 138 Seiten. 20 Euro.

Das Zitat

Zitat: Die Schauspielerin und Schriftstellerin Erika Mann auf einem Schiff in Finnland, fotografiert von Annemarie Schwarzenbach im Juni 1937. Prinzip Apfelbaum – Magazin über das, was bleibt. Ausgabe: Heimat. Foto: Schweizerische Nationalbibliothek, SLA-Schwarzenbach-A-5-17/060
© Schweizerische Nationalbibliothek, SLA-Schwarzenbach-A-5-17/060
Die Fremde ist herrlich,
solange es eine Heimat gibt,
die wartet.

Erika Mann

1905-1969, deutsche Schauspielerin, Kabarettistin, Schriftstellerin

Berühmte Testamente: Bildnis des jungen Franz Dominic Grassi, Öl auf Leinwand, 1820. In seinem Testament hinterließ Grassi seiner Heimatstadt Leipzig fast sein gesamtes Vermögen. Zahlreiche Bauwerke konnten damit errichtet werden. Ein Erbe für den guten Zweck. Prinzip Apfelbaum – Magazin über das, was bleibt. Ausgabe: Heimat. Foto: GRASSI Museum für Angewandte Kunst, Christoph Sandig
© GRASSI Museum für Angewandte Kunst / Christoph Sandig

BERÜHMTE TESTAMENTE

Franz Dominic Grassi

Seine Familie stammte aus Italien. Seine Heimat aber war Leipzig, wo er 1801 geboren und 1829 eingebürgert wurde. Franz Dominic Grassi fühlte sich der Stadt so stark verbunden, dass er ihr am Ende seines langen Lebens fast sein gesamtes Erbe hinterließ: über 2,3 Millionen Mark. Zu diesem beachtlichen Vermögen hatte es der geschickte Kaufmann durch den Handel mit russischen Produkten, Indigo und Südfrüchten gebracht. Zu einem geachteten Bürger wurde er durch seinen Gemeinsinn: Obwohl selbst sparsam, bot er vielen Leipzigern in Notsituationen spontane Hilfe oder Darlehen an. Als der Junggeselle 1880 starb, bedachte er Patenkinder, entfernte Verwandte und Bedienstete. Mit dem größten Teil seines Vermögens machte er aber allen Leipzigern ein bleibendes Geschenk, um es für „Annehmlichkeiten und Verschönerungen unserer Stadt zu verwenden“, wie Grassi in seinem Testament formulierte. Damit konnten unter anderem das Gebäude der Stadtbibliothek, das Grassimuseum, der Mendebrunnen und das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Gewandhaus in der heutigen Grassistraße errichtet werden. So ist Grassi bis heute eng mit seiner Heimat verbunden.

56 %

Die Zahl

Über die Hälfte der Deutschen leben – immer noch oder wieder – am Ort ihrer Kindheit oder in der nahen Umgebung. Das ergab eine Yougov-Umfrage im Mai 2017. Umgekehrt bedeutet das auch: Vier von zehn Deutschen leben nicht mehr an ihrem Herkunftsort. Sie haben eine neue Heimat gefunden, suchen noch oder betrachten vielleicht sogar mehrere Orte als ihre Heimat. Nicht berücksichtigt wurden in der Umfrage die rund 9,4 Menschen, die in Deutschland leben, aber keine deutsche Staatsbürgerschaft haben.

Schon gewusst?

Über Grenzen hinweg

Vererben über Landesgrenzen hinweg – eine manchmal komplizierte Situation. Ein Beispiel: Ein deutscher Staatsangehöriger lebt seit Jahren auf seinem spanischen Weingut. Als er dort verstirbt, hinterlässt er das Weingut sowie ein Haus in Köln. Welches nationale Recht gilt nun? Welches Gericht ist zuständig? Und wie lässt sich Erbenstellung nachweisen? Innerhalb der EU regelt all das die EU-Erbrechtsverordnung. Sie legt fest, dass ein und derselbe Erbfall vor den Gerichten nur eines Staates nach dem dort geltenden Recht abgewickelt werden soll. Grundsätzlich gilt das Recht des Landes, in dem der Erblasser zum Zeitpunkt seines Todes seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte. Im Fall des Weingutbesitzers wäre spanisches Recht anwendbar und spanische Gerichte wären zuständig. Aber: Der Erblasser hätte auch die Möglichkeit gehabt, in seinem Testament festzulegen, dass sein Heimatrecht angewendet wird.

Ratgeber

Haus vererben ohne Streit: Einfamlienhäuser an einer Straße bei Abendstimmung. In jeder zweiten Erbschaft wird auch eine Immobilie vererbt. Worauf sollte man achten? Rat vom Erbrechtsexperten. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: micharoth / photocase.de

Das Haus vererben: Immobilien ohne Streit weitergeben

Bei fast jeder zweiten Erbschaft wird auch eine Immobilie weitergeben. Nicht selten sind sie der entscheidende Teil des Vermögens. Doch das eigene Haus oder die eigene Wohnung ist oft mehr als nur eine Wertanlage. Was soll aus dem langjährigen Zuhause einmal werden? Wie lässt sich eine Immobilie gerecht vererben? Welche Fallstricke gibt es? Antworten von unserer Erbrechtsexpertin.

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Haus vererben ohne Streit: Einfamlienhäuser an einer Straße bei Abendstimmung. In jeder zweiten Erbschaft wird auch eine Immobilie vererbt. Worauf sollte man achten? Rat vom Erbrechtsexperten. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: micharoth / photocase.de
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Das Haus vererben: Immobilien ohne Streit weitergeben

Bei fast jeder zweiten Erbschaft wird auch eine Immobilie weitergeben. Nicht selten sind sie der entscheidende Teil des Vermögens. Doch das eigene Haus oder die eigene Wohnung ist oft mehr als nur eine Wertanlage. Was soll aus dem langjährigen Zuhause einmal werden? Wie lässt sich eine Immobilie gerecht vererben? Welche Fallstricke gibt es? Antworten von unserer Erbrechtsexpertin.

Glückliche Stunden, das Gefühl von Geborgenheit: An den eigenen vier Wänden hängen oft viele Erinnerungen und Erlebnisse. Da ist es nur verständlich, dass mit dem Vererben eines Hauses oder einer Wohnung viele Emotionen verbunden sind. Wer ein Haus gebaut und darin seine Kinder großgezogen hat, träumt nicht selten davon, dass es auch nach seinem Tod in der Familie bleibt. Etwa jeder Zweite geht davon, ein selbstbewohntes Haus oder die eigene Wohnung zu vererben. Dabei sind Konflikte zwischen den künftigen Erben vorprogrammiert. Vermeiden lässt sich Streit ums Erbe, indem man rechtzeitig und offen über Wünsche und Bedürfnisse spricht.

Ein Haus, viele Erben

„Viele Menschen, die ein Haus oder eine Wohnung an mehrere Kinder vererben wollen, sorgen sich, keine gerechte Lösung zu finden“, berichtet Cornelia Rump, Hamburger Fachanwältin für Erbrecht, aus ihrer beruflichen Erfahrung. Die vermeintliche Herausforderung: Eine Immobilie lässt sich in aller Regel nicht teilen, sie kann selten von mehreren Erben in gleichem Maße genutzt werden. Doch die Realität sieht ohnehin meist anders aus, wie Rump weiß: „Dass Geschwister allesamt ins Haus der Eltern ziehen möchten, kommt selten vor.“ Meist leben die erwachsenen Kinder nicht mehr am gleichen Ort. Hinzu kommt: Menschen, deren Eltern sterben, sind heutzutage oft schon um die sechzig Jahre alt. So mancher verfügt dann bereits selbst über Wohneigentum. Auch das Elternhaus ist möglicherweise in die Jahre gekommen – und nicht selten renovierungsbedürftig. So läuft es häufig auf einen Verkauf der Immobilie hinaus. Doch auch dann gibt es einige Entscheidungen, die die Erblasser rechtzeitig treffen sollten.

Testament & Immobilien

Viele wichtige Fragen zum Thema Testament beantwortet die Initiative „Mein Erbe tut Gutes“ auf ihrer Internetseite. Die Expertinnen und Experten der Mitgliedsorganisationen sind auch gerne persönlich für Sie da.

Eine Person entscheidet

„Je eher geklärt ist, wer sich um den Verkauf kümmert und wie schnell das gehen soll, umso besser.“ erläutert Rump. Ein Testament kann solche Aspekte regeln: Wird kein Alleinerbe bestimmt, sondern die Immobilie an mehrere Nachkommen weitergegeben, kann einer von ihnen bestimmt werden, der die Befugnis zur Entscheidung erhält und den Verkauf regelt. „Das kann aus freier Hand oder in einem testamentarisch festgelegten Rahmen erfolgen“, so Rump. „Der finanzielle Erlös aus dem Verkauf wird dann – entsprechend der im letzten Willen genannten Quoten – an die Erben ausgezahlt, wie dies auch bei anderen Vermögenswerten üblich ist.“ Um Konflikte von vornherein zu verhindern, empfiehlt sich das Gespräch mit allen Erben, noch bevor ein Testament verfasst wird. Denn vielleicht möchte jemand entgegen den Erwartungen doch in das Haus ziehen – oder es vermieten. Je klarer die Erben in spe ihre Vorstellungen äußern, desto passgenauer kann das im Testament berücksichtigt werden.

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Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 9: Heimat. GB, England, 1985: Eine Gruppe junger Backpackerinnen wartet am Flughafen. Symbolbild für das Aufbrechen, Suchen und Ankommen. Heimat ist Ort, Sehnsucht und Bedürfnis. Foto: Eve Arnold / Magnum Photos / Agentur Focus

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Bleibt alles in der Familie?

„Nicht selten übertragen Eltern ihren Kindern schon zu Lebzeiten das eigene Haus oder die Eigentumswohnung und nehmen dabei den Nießbrauchvorbehalt in Anspruch“, sagt Rump. „Das Eigentum wird in so einem Fall zwar übertragen, doch die Schenkenden behalten sich das verbriefte Recht vor, selbst darin wohnen zu bleiben oder auch die Immobilie zu vermieten.“ Wer Haus oder Wohnung zu Lebzeiten weitergibt, sollte dabei einige Unwägbarkeiten bedenken, rät die Anwältin: „Für bestimmte Eventualitäten empfiehlt sich eine Widerrufsmöglichkeit.“ Damit kann man sich für den Fall einer Insolvenz oder Zwangsvollstreckung bei den Kindern schützen. Außerdem lässt sich die Schenkung widerrufen, wenn die Kinder vor den Eltern sterben, bei einem Zerwürfnis oder wenn es zu einer Trennung kommt und Konflikte mit den Schwiegerkinder vermieden werden sollen.

Bekommen alle das gleiche?

In manchen Fällen werden einigen der Erben schon zu Lebzeiten Vermögenswerte wie etwa eine Wohnung übertragen. Um dennoch eine angemessene Aufteilung unter den Erben zu gewährleisten, kann eine so genannte Anrechnungsbestimmung ins Testament aufgenommen werden. Damit werden die Geschenke, die zu Lebzeiten gemacht wurden, auf den jeweiligen Anteil am Erbe angerechnet. Umgekehrt lässt sich die Anrechnungsbestimmung auch bei Pflegeleistungen einsetzen. Hat sich beispielsweise eines der Geschwister um die Eltern gekümmert, erhält es nach deren Tod entsprechend mehr.

Für den guten Zweck

Auch das ist möglich: Wer mit seinem Erbe einen guten Zweck unterstützen möchte, kann auch sein Haus oder die Wohnung einer gemeinnützigen Organisation oder Stiftung vermachen. Man sollte davon ausgehen, dass diese die Immobilie verkauft und den Erlös für ihre gemeinnützigen Aktivitäten einsetzt. Nur in seltenen Fällen ist Wohneigentum geeignet, um von einer Hilfsorganisation weitergenutzt zu werden. „Größere Institutionen sind mit der Abwicklung solcher Transaktionen vertraut“, weiß Rump. Von Vorteil sei dennoch auch in diesem Fall ein persönliches Gespräch mit der gemeinnützigen Organisation im Vorfeld: „Beide Seiten können sich unverbindlich darüber austauschen, wer welche Vorstellungen hat und wie man dabei zusammenkommt.“ Und ein bereits aufgesetztes Testament lässt sich jederzeit ändern.

Tipps zum Vererben von Immobilien

  • Besitzen Sie Immobilien, sollten Sie ein Testament aufsetzen und festlegen, wer Haus oder Wohnung erben soll.
  • Sprechen Sie beizeiten mit Ihren Erben darüber, ob und wie sie die Immobilie nutzen wollen.
  • Ein Testament benötigen Sie vor allem dann, wenn Sie Ihrem Ehepartner über Ihren Tod hinaus ein lebenslanges Wohn- oder Nießbrauchsrecht sichern wollen.
  • Eine Schenkung zu Lebzeiten kann eine Alternative sein. Der Steuerfreibetrag kann alle zehn Jahre erneut ausgenutzt werden.
  • Lassen Sie sich bei einer Schenkung einen Nießbrauch eintragen, können Sie Haus oder Wohnung zu Lebzeiten nutzen oder vermieten.
  • Wichtig: Benötigen Sie Ihre Immobilie für die Altersvorsorge, sollten Sie das Eigentum nicht zu Lebzeiten übertragen.
  • Lassen Sie sich erbrechtlich beraten.

Text: Lars Klaaßen
Fotos: micharoth / Photocase

Heimat fürs Alter: Ein älterer Mann streicht die Fassade seines Hauses. Symbolbild: Wer im Alter selbstbestimmt wohnen möchte, sollte sich informieren, wie sich Wohnung oder Haus barrierefrei machen lassen. Ein Ratgeber. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: MayFayStudio / Twenty20

Heimat fürs Alter: Die richtige Wohnform finden

Wer im Alter so lange wie möglich selbstbestimmt zuhause wohnen bleiben möchte, sollte sich rechtzeitig damit befassen, wie sich Wohnung oder Haus an die veränderten Bedürfnisse anpassen lassen. Aber auch wer nicht mehr alleine leben will oder kann, findet attraktive Wohnkonzepte. Barrierefreies Umbauen, Betreutes Wohnen, Senioren-WG, Mehrgenerationenhaus: ein Überblick über die Angebote.

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Heimat fürs Alter: Ein älterer Mann streicht die Fassade seines Hauses. Symbolbild: Wer im Alter selbstbestimmt wohnen möchte, sollte sich informieren, wie sich Wohnung oder Haus barrierefrei machen lassen. Ein Ratgeber. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: MayFayStudio / Twenty20
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Heimat fürs Alter: Die richtige Wohnform finden

Wer im Alter so lange wie möglich selbstbestimmt zuhause wohnen bleiben möchte, sollte sich rechtzeitig damit befassen, wie sich Wohnung oder Haus an die veränderten Bedürfnisse anpassen lassen. Aber auch wer nicht mehr alleine leben will oder kann, findet attraktive Wohnkonzepte. Barrierefreies Umbauen, Betreutes Wohnen, Senioren-WG, Mehrgenerationenhaus: ein Überblick über die Angebote.

Heimat fürs Alter: Eine Gruppe Senioren schaut gemeinsam ein Fußballspiel im TV. Wer im Alter nicht alleine leben will, findet attraktive Alternativen zum Pflegeheim. Eine Übersicht über Senioren-WG, Mehrgenerationenhaus, Betreutes Wohnen. – In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: beachbumledford / Twenty20

Die eigenen vier Wände sind der Ort, an dem wir uns geborgen fühlen. Gerade wenn wir älter werden, wird die Wohnung oder das Haus immer wichtiger. Mehr als die Hälfte der Menschen in höherem Alter halten sich mindestens 20 Stunden pro Tag dort auf. Was aber, wenn dieser liebgewonnene Lebensraum den Bedürfnissen im Alter nicht mehr gerecht wird? Um zu wissen, wie das eigene Zuhause künftig aussehen muss, braucht man eine realistische gesundheitliche Perspektive. Ein guter Grund, regelmäßig zum Arzt zu gehen. Hausärzte kennen den Gesundheitszustand ihrer Patienten und wissen, mit welchen Einschränkungen ein Mensch künftig rechnen muss. Sein Eigenheim rechtzeitig altersgerecht zu planen, lohnt sich auch in anderer Hinsicht: Barrierefreie Häuser lassen sich besser verkaufen als Häuser mit Hindernissen.

Barrierefrei: Kleine Eingriffe, große Erleichterung

Schwellen, Treppenstufen, zu schmale Türen, rutschige Böden: Mieter sollten größere Eingriffe im Vorfeld mit dem Vermieter absprechen. Kleine Änderungen wie einen Haltegriff im Bad können sie zwar auch unabhängig von seiner Zustimmung umsetzen. Beim Auszug kann der Eigentümer allerdings verlangen, dass die Einbauten wieder rückgängig gemacht werden. In den meisten Fällen wird der Vermieter offen für altersgerechte Umbauten sein. Schließlich steigern diese den Wert der Wohnung. Daher kann auch vereinbart werden, dass der Eigentümer sich an den Kosten beteiligt oder diese sogar ganz übernimmt und später auf die Miete umlegt.

Beratung in der Nähe

Über das altersgerechte Anpassen von Wohnungen informiert die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnanpassung. Hier findet sich auch eine Liste mit Wohnberatungsstellen bundesweit.

Ob Haus oder Wohnung, Eigentum oder Miete: Vor dem Umbauen sollten sich Betroffene gut beraten lassen. Reha-Kliniken, Ärzte oder Pflegeeinrichtungen verweisen bei Bedarf an entsprechende Stellen. Die Experten erklären, was möglich, nötig und angemessen ist, was mit Blick auf die Kosten beachtet werden sollte und ob es dafür eine Förderung gibt. „Oft schaffen schon kleine Eingriffe eine große Erleichterung“, erläutert Anja Schwarz, Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung und Wohnberaterin in Stuttgart. „Handläufe und Griffe an den richtigen Stellen mindern zum Beispiel das Sturzrisiko enorm.“ Wichtig sei auch, Stolperfallen zu beseitigen, die Wohnräume hell genug auszuleuchten und vor allem Stufen und Schwellen durch farbliche Kontraste sichtbar zu machen.

Betreutes Wohnen: Selbstständig und sicher

Soviel Selbständigkeit wie möglich, so viel Hilfe wie nötig – das ist der Grundsatz des Betreuten Wohnens. Das kann eine Alternative sein, wenn man nicht in eine Wohneinrichtung für Senioren ziehen möchte, die eigene Wohnung sich aber nicht barrierefrei gestalten lässt. Der Vorteil: Man lebt auch im Alter in den eigenen vier Wänden und bewahrt sich Unabhängigkeit und Privatsphäre. Bei Bedarf ist aber Hilfe vor Ort. Aber Achtung: Der Begriff „Betreutes Wohnen“ ist nicht geschützt. Darunter werden sehr verschiedene Versorgungs-, Betreuungs- und Pflegeleistungen angeboten. Je nach Träger und Anbieter können das altersgerechte Wohnungen in normalen Wohngebieten sein, in denen das Betreuungspersonal Hausbesuche durchführt. Es gibt aber auch ganze Wohnanlagen, die auf die Bedürfnisse im Alter angepasst sind.

Länger zuhause leben

Das Service-Portal „Zuhause im Alter“ bietet vielfältige Informationen. Darunter einen ausführlichen Wegweiser für das Wohnen im Alter oder eine Checkliste, die zeigt, welche Anforderungen die Wohnung im Alter erfüllen sollte.

Senioren-WG: Zusammen statt alleine

Den Wohnort zu wechseln und noch mal etwas Neues zu wagen, das kann nicht nur Barrierefreiheit schaffen, sondern auch sozial ein großer Gewinn sein. Laut einer Forsa-Umfrage halten zwei von drei Senioren die Wohngemeinschaft für das optimale Konzept, weil sie dabei weder allein noch im Heim leben. Wenn man sich mit Gleichgesinnten auf die Suche nach geeigneten Räumen macht, sollte man auch das Umfeld berücksichtigen: Gibt es Einkaufsmöglichkeiten, Kultureinrichtungen und Grünanlagen in der Nähe? Wie weit ist der Weg zu Arzt und Apotheke? Auch die Verkehrsanbindung ist relevant. Vorsicht ist in rechtlichen Fragen angebracht. Die WG-Bewohner sollten klare Regelungen treffen für den Fall, dass jemand auszieht oder die Miete nicht zahlen kann. Idealerweise schließen alle Senioren der Gemeinschaft einen separaten Mietvertrag ab.

Gemeinsam Wohnen

Informationen rund um Wohnkonzepte und konkrete Projekte listet das Forum Gemeinschaftliches Wohnen auf. Wer eine Wohngemeinschaft oder ein Mehrgenerationenhaus sucht, kann auf der kostenfreien Plattform Nummer50.de fündig werden.

Mehrgenerationen-Wohnen: Jung und Alt unter einem Dach

„Aus unserer Erfahrung ist es besser, wenn ältere und alte Menschen nicht isoliert leben“, sagt Anna Florenske, Sprecherin des Verbands Wohneigentum. „Wir sehen daher das Mehrgenerationen-Wohnen als ideale Form des Zusammenlebens an.“ Die Idee: Jung und Alt leben unter einem Dach oder in unmittelbarer Nachbarschaft und unterstützen sich gegenseitig. „Es ist nicht nur ein Kostenfaktor, wenn man sich im Alter auf eine gewachsene Nachbarschaft verlassen kann und nicht ausschließlich auf Pflegedienste angewiesen ist.“ So findet in vielen Häusern ein reges Gemeinschaftsleben statt, in das sich jeder mit seinen Erfahrungen und Fähigkeiten einbringen kann. Auch baulich ergänzen sich die Bedürfnisse unterschiedlicher Generationen zum Teil sehr gut. Ältere Menschen, deren Bewegungsfähigkeit oder Gesichtssinn eingeschränkt ist, sind darauf angewiesen, nicht durch Barrieren behindert werden. Der Abbau von Barrieren im Wohnumfeld kommt aber auch jungen Familien zugute, zum Beispiel, wenn Wohnungen leicht mit einem Kinderwagen zu erreichen sind. Von einem guten Zusammenleben profitieren alle Beteiligten.

Mehr Rat und Tipps?

Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 9: Heimat. GB, England, 1985: Eine Gruppe junger Backpackerinnen wartet am Flughafen. Symbolbild für das Aufbrechen, Suchen und Ankommen. Heimat ist Ort, Sehnsucht und Bedürfnis. Foto: Eve Arnold / Magnum Photos / Agentur Focus

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Text: Lars Klaaßen
Fotos: MayFayStudio / Twenty20, beachbumledford / Twenty20

Engagement unter Nachbarn: Eine Frau gießt die Balkonblumen ihrer Nachbarn. Tatsächlich können wir selbst auch viel dafür tun, uns zuhause zu fühlen und uns eine Heimat zu schaffen, meint Henning von Vieregge. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: nebenan.de

Unter Nachbarn: Wer sich engagiert, fühlt sich zuhause

Je unübersichtlicher die Welt, desto mehr wünschen wir uns einen Ort, der uns vertraut ist. Tatsächlich können wir selbst auch viel dafür tun, uns zuhause zu fühlen, meint Henning von Vieregge. Der Sozialwissenschaftler und Botschafter der Nachbarschaftsplattform nebenan.de ist überzeugt: Bürgerschaftliches Engagement schafft Vertrauen und Vertrauen schafft Heimat.

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Engagement unter Nachbarn: Eine Frau gießt die Balkonblumen ihrer Nachbarn. Tatsächlich können wir selbst auch viel dafür tun, uns zuhause zu fühlen und uns eine Heimat zu schaffen, meint Henning von Vieregge. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: nebenan.de
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Unter Nachbarn: Wer sich engagiert, fühlt sich zuhause

Je unübersichtlicher die Welt, desto mehr wünschen wir uns einen Ort, der uns vertraut ist. Tatsächlich können wir selbst auch viel dafür tun, uns zuhause zu fühlen, meint Henning von Vieregge. Der Sozialwissenschaftler und Botschafter der Nachbarschaftsplattform nebenan.de ist überzeugt: Bürgerschaftliches Engagement schafft Vertrauen und Vertrauen schafft Heimat.

Herr von Vieregge, was bedeutet Heimat für Sie?
Es hat mit Angenommensein und mit Ankommen zu tun. Wenn man sich das vor Augen führt, kommt man zu zwei Überlegungen: Erstens, dass es nicht eine Heimat, sondern mehrere Heimaten gibt. Und zweitens, dass das auch in der eigenen Biographie immer ein Prozess ist. Ich fühle mich mal mehr, mal weniger angenommen. Ich kann Kreise ziehen zu all denen, von denen ich mir wünsche, angenommen zu werden – von Familie über Freunde hin zu Nachbarn, Vereinen, Kirche und Kultur. Elektrisiert hat mich die Überschrift der Ausstellung des Deutschen Pavillons auf der Architekturbiennale 2016: Making Heimat. Heimat ist nicht einfach da, sondern in einer fortlaufenden Veränderung.

„Making Heimat – die Überschrift hat
mich elektrisiert.“


Reichen nicht gute soziale Kontakte aus, um sich angenommen zu fühlen?
Ja, das ist schon richtig. Für die einen sind es die Beziehungen oder nur die Familie, die Heimat ausmachen. Für andere ist es das Umfeld und der Herkunftsort. Wenn man nachfragt, was das Wort auslöst, dann kommen häufig Kindheitsbeschreibungen. Viele denken auch an die Kirche oder an ein Gebäude, in dem sie sich behaust gefühlt haben.

Auf dem Weg in eine engagierte Bürgergesellschaft lautet der Untertitel Ihres Buches „Wo Vertrauen ist, ist Heimat“. Was hat bürgerliches Engagement mit Heimat zu tun?
Der Spagat dazwischen ist in der Tat recht groß. Aber ich hatte einfach das Gefühl, dass es eine Verbindung gibt. Wichtig sind soziale Beziehungen, weil sie Vertrauen schaffen können. Vertrauen ist ein zentraler Begriff. Ich habe Vertrauen zu dem, wo ich gerade bin, vertraue aber auch in die Zukunft.

„Aus dem freundlichen Miteinander
entstehen kleine Hilfen.“

Engagement unter Nachbarn: Ein Mann mit einem Gartenschlauch gießt die Beete seiner Nachbarn. Kleine Hilfen sorgen dafür, dass wir uns zuhause zu fühlen und uns eine Heimat zu schaffen, meint Henning von Vieregge. In: Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Foto: MIRAHNEVA via Twenty20

Wie entsteht daraus Engagement?
In einem Dreierschritt. Der erste Punkt ist, dass ich mich in einem Umfeld befinde, das mir freundliche Signale gibt. Ich habe einmal eine Frau gefragt, wann sie sich nach einem Umzug wieder beheimatet gefühlt hat. Der eine Moment war, als sie bei ihrem Lieblingsitaliener nach einer Reise gefragt wurde, wo sie denn die ganze Zeit gewesen wäre. Der zweite Moment war, als eine Nachbarin klingelte und sagte: „Unsere Kinder besuchen den gleichen Kindergarten. Ich wollte dich mal kennenlernen“. Zweimal sind also Leute auf sie zugegangen, als sie noch nicht angekommen war und haben Signale gesendet: „Wir freuen uns, dass du da bist und würden gerne den Kontakt vertiefen.“ Punkt zwei: Aus dem freundlichen Miteinander entstehen kleine Hilfen, die noch unverbindlich sind. Hier ist die nachbarschaftliche Hilfe besonders wertvoll, weil sie nicht wie bei der Familie oder bei Freunden vorgegeben ist. Und der dritte Punkt ist dann die institutionalisierte Hilfe. Bürgerschaftliches Engagement geht oft von Organisationen oder Vereinen aus, als verlässliche Hilfe im Nahraum.

„Es reichen eigentlich sehr wenige
Menschen, um etwas in Gang zu setzen.“


Können Sie ein Beispiel nennen, wo bürgerschaftliches Engagement geholfen hat, die Beziehungen in einer Nachbarschaft zu verbessern?
Mir fallen die „Öcher Frönnde“ ein, also die Aachener Freunde. Das ist eine Nachbarschaftshilfe auf Gegenseitigkeit. Hier sind 130 Leute engagiert, die sich gegenseitig helfen. Wer Zeit mit einem „Öcher Frönnd“ verbringt, bekommt diese Stunden gutgeschrieben. Man sammelt Bonuszeit, kann sie abrufen oder auch an andere verschenken. In einem solchen System nimmt man leichter Hilfe an. Wenn ich mir etwas erspart habe und die Leute aus dem Umfeld ein bisschen kenne, dann nehme ich die Hilfe tatsächlich an. Und auch sehr wichtig ist, dass jeder mal Helfer und mal Geholfener ist.

Vernetzte Nachbarn

Eine gute Nachbarschaft kann die Lebensqualität erheblich verbessern. Leihen, tauschen, helfen, verabreden und feiern: Digitale Netzwerke wie nebenan.de und nextdoor.de versprechen mehr Gemeinschaft und weniger Anonymität unter Nachbarn.

Wie lässt sich in einer schwierigen Nachbarschaft das Miteinander verbessern?
Das ist nicht einfach. Man kann aber unter zwei Gesichtspunkten an die Frage herangehen: In einigen Häusern gibt es so etwas wie Kümmerer. Ihre Rolle sollte man stärker hervorheben, zum Beispiel auch in Reportagen. Oft reicht eine Familie, die anfängt zu grüßen, Pakete anzunehmen und Nachbarn zu besuchen.
Der zweite Punkt sind technische Lösungen. An der TU Chemnitz wird erforscht, wie sich in Hochhäusern Nachrichten auf medialen Wegen übermitteln lassen: Herr X im dritten Stock hat heute Geburtstag oder ähnliches. Das klingt banal, aber solche elektronischen Bretter können die Atmosphäre verändern. Weil die Leute sorgfältiger mit Eigentum umgehen, sich wohler fühlen und sich mehr mit ihrer Umgebung identifizieren.

Was kann ich tun, wenn ich an einen fremden Ort ziehe und mich allein fühle?
Sie können versuchen, Augenkontakt zu Menschen herzustellen, zu grüßen und nachzufragen, wenn es passt. Eine meiner Töchter war in ein Haus mit zehn Parteien gezogen und hatte die Nachbarn zu sich eingeladen. Es meldeten sich nur zwei, einer sagte ab, einer sagte zu. Sie hat sich aber nicht entmutigen lassen. Weil sie Parterre wohnte, übernahm sie die Paketannahme-Stelle. Als sie nach einiger Zeit auszog, war im Haus ein anderes Klima entstanden, Kinder wurden gehütet und Kindersachen ausgetauscht. Es reichen eigentlich sehr wenige Menschen, um etwas in Gang zu setzen. Das war auch die Botschaft meines Buches: den bürgerschaftlich Engagierten deutlich zu machen, welche große Bedeutung es hat, wenn sie zum Beispiel einem Kind beim Lesen lernen helfen oder einen Chor unterstützen.

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Interview: Angelika S. Friedl
Fotos: nebenan.de, MIRAHNEVA via Twenty20

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