Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt

No. 1 – GLÜCK

Prinzip Apfelbaum. Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 1: GLÜCK. Russland, 1988: Eine ältere Frau im Badeanzug und mit Schwimmhaube steigt nach dem Eisbaden im russischen St. Petersburg in der Dämmerung lächelnd aus dem Fluss. Ein Glücksmoment, der bleibt. Ausgabe eins des Magazins „Prinzip Apfelbaum“ gibt Antworten zum Glück: Was macht ein erfülltes Leben aus? Wie finde ich ein Ehrenamt im Ruhestand? Wie kann mein Erbe Gutes tun? – Foto: Carl De Keyzer / Magnum Photos / Agentur Focus
© Carl De Keyzer / Magnum Photos / Agentur Focus

Editorial

Glück, das ist genau das, was wir in unseren schönsten Momenten im Leben fühlen. Dummerweise kann man es nicht einfangen, um es für schlechte Zeiten aufzuheben. Aber man kann durchaus was tun, für’s Glück. So kann Lesen und Nachdenken beim Glück-Finden helfen. Deshalb widmet sich die erste Ausgabe unseres neuen „Magazin über das, was bleibt“ in vielen Facetten diesem schier unerschöpflichen Thema.

Und manchmal findet man Glück auch völlig unverhofft. Zum Beispiel in der Bahn. Ein ICE von Hamburg nach Leipzig an einem trüben Freitagnachmittag. Plötzlich steht da eine Frau mit Kindern, im Arm einen Korb voll Rosen. „Entschuldigen Sie die Störung!“, bittet sie die Reisenden. „Mein Vater, unser Opa, ist der Lokführer dieses Zuges. Das ist seine letzte Fahrt, bevor er in Rente geht. Er hat seine Fahrgäste immer gemocht, obwohl er sie in 45 Jahren fast nie gesehen hat. Heute wollen wir das ändern. Falls Sie mögen, könnten Sie meinem Vater eine Rose schenken?“

Ankunft in Leipzig: In einer nicht enden wollenden Schlange stellen sich Geschäftsreisende, Familien, Bundeswehrsoldaten, Wochenendausflügler an, um dem Lokführer mit einem Dankeschön ins offene Lokfenster eine Rose zu reichen. Niemand ist ungeduldig. Keine Hektik. Alle lächeln. Ein Lokführer mit tränennassen Wangen in einem Berg von Rosen. Jede und jeder spürt: Das ist Glück! So einfach. So schön. Ein Glücksmoment für alle. Ein Moment, der bleibt.

Susanne Anger

Sprecherin der Initiative
"Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum"

Menschen

Was bleibt,
Christine Westermann?

20 Jahre lang moderierte sie die Sendung „Zimmer frei“. Dann war es vorbei. In ihrem neuen Buch erzählt Christine Westermann von kleinen und großen Abschieden. Wir sprachen mit ihr über ihre Erfahrungen, Glück und das, was bleibt.

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Was bleibt, Christine Westermann? Porträt der Moderatorin Christine Westermann an einem Holztisch sitzend, im Bildvordergrund unscharf bunte Lesebrillen. Die Journalistin erzählt in ihrem neuen Buch über das Abschiednehmen. Foto: Ben Knabe / Networks

Impulse

Warum Schenken
glücklich macht

Wirtschaftlich gesehen ist Schenken zwecklos. Wer aber anderen aus vollem Herzen eine Freude macht, fühlt sich selbst auch glücklicher. Warum schenken glücklich macht, haben Forscher unlängst in einem Experiment untersucht.

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Glücksforschung - Warum schenken glücklich macht: Nahaufnahme zweier Hände. Die eine überreicht der anderen eine einzelne weiße Blume. Im Hintergrund unscharf Wolken, Berge und Grün. Wer anderen selbstlos eine Freude macht, fühlt sich selbst glücklicher. Foto: Evan Kriby on Unsplash

Wissenswertes

Zurückschauen,
Zufriedenheit gewinnen

Mit dem Älterwerden kommt für viele die Zeit, zurückzuschauen. Das hat etwas Gutes. Mit der richtigen Technik gelingt nicht nur die Lebensbilanz. Sie macht auch den Blick frei für das, was noch kommt.

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So gelingt die Lebensbilanz: Ein Fuchs sitzt auf einer Wiese und blickt nach hinten. Mit dem Älterwerden kommt für viele die Zeit, zurückzuschauen. Mit der richtigen Technik gelingt nicht nur die Lebensbilanz und macht den Blick frei für das, was noch kommt. Foto: Nathan Anderson on Unsplash

Unsere Lieblinge

Lesetipp

Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 1: Glück - Lesetipp: Cover des Buches

Seit vielen Jahren besucht Karsten Thormaehlen Hundertjährige auf der ganzen Welt. Er nimmt ihr Porträt auf und lässt sie über ein langes und erfülltes Leben erzählen. In seinem neuen Bildband „100 Jahre Lebensglück – Weisheit, Liebe, Lachen“ stellt der preisgekrönte Fotograf 52 weise und lebensfrohe Menschen vor. Mit seinen reduzierten, persönlichen Fotografien und kurzen Texten voller Humor und Herz ist das Buch eine beeindruckende Hommage an das Alter.

Karsten Thormaehlen: „100 Jahre Lebensglück – Weisheit, Liebe, Lachen“.
Knesebeck Verlag, 120 Seiten, 60 farbige Abbildungen, 24,95 Euro

Prinzip Apfelbaum - Magazin über das, was bleibt. Ausgabe 1: Glück - Berühmte Vermächtnisse: Außenansicht des Städel Museum in Frankfurt. Im Vordergrund: die Wiese mit den Lichtkuppeln des unterirrdischen Erweiterungsbaus. Im Hintergrund: die Skyline der Stadt Frankfurt. Das Museum machte Johann Friedrich Städel mit seinem Testament möglich. Sein Erbe für die Bürgerschaft lebt bis heute weiter. Foto: Städel Museum
© Städel Museum

Berühmte Vermächtnisse

Johann Friedrich Städel

„Zum Besten hiesiger Stadt und Bürgerschaft“, so schrieb es Johann Friedrich Städel 1815 in sein Testament. Ein echter Glücksfall für Frankfurt! Denn mit seinem Erbe gründete der Bankier und Händler die erste bürgerliche Museumsstiftung in Deutschland – heute bekannt als Städel Museum. Städel selbst lebte zurückgezogen, blieb unverheiratet und kinderlos. Als Mensch der Aufklärung galt seine Leidenschaft der Kunst und der Bildung. So wurde „Kunst für alle“ zum Motto seines Letzten Willens. Dabei bewies Städel Mut und Fantasie, sein Erbe einer Stiftung zu hinterlassen, die es noch gar nicht gab. Sein Vermögen und sein Besitz sollten allein der Bürgerschaft gehören. Das war bahnbrechend – und sorgte für Wirbel vor Gericht. Mehr als ein Jahrzehnt dauerte der Rechtsstreit. Erst 1896 wurde im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt, dass auch noch nicht existierende juristische Personen erbberechtigt sind. Auch heute wäre das Städel ohne privates Engagement nicht denkbar. Die beschenkten Bürger halten das Erbe lebendig.

61.000

Die Zahl

Also doch! Geld kann glücklich machen. Jedenfalls solange es nicht zu viel ist. Gut 61.000 Euro netto im Jahr beträgt das optimale Haushaltseinkommen. Wer mehr hat, empfindet weder mehr Glück noch weniger Stress. Das haben die Forscher Angus Deaton und Daniel Kahneman herausgefunden. Warum? Das können auch die Wirtschaftsnobelpreisträger nur vermuten. Vielleicht, so schreiben sie, sei dies eine Schwelle, über der es nicht mehr möglich sei, das zu tun, was am meisten für das emotionale Wohlbefinden zähle: Zeit mit der Familie verbringen, Krankheit und Schmerz vermeiden oder die freie Zeit genießen.

Schon gewusst?

Schenkung

Schenken, Geschenk, Schenkung – das klingt für Laien ähnlich. Sprechen Experten aber von einer Schenkung, meinen sie die Übertragung von Vermögen zu Lebzeiten. Ein größerer Geldbetrag zum Beispiel, ein Haus oder der Familienschmuck. Schenker und Beschenkter schließen dabei einen Vertrag, der notariell beurkundet sein muss. Der eine gibt, der andere nimmt – und zwar ohne Gegenleistung. Das hat Vorteile: So lässt sich etwa die Verteilung des Vermögens beeinflussen und die Erbschaftssteuer reduzieren. Aber Achtung! Der Schenker verliert das Eigentum an der verschenkten Sache. Wer sicher gehen möchte, sollte sich daher bestimmte Rechte, wie etwa das Wohnrecht, oder Rückforderungsrechte vorbehalten. Denn: Wiederholen ist in aller Regel gestohlen und nur in Ausnahmefällen möglich.

Michael Beuger, Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE

Ratgeber

Den Nachlass regeln: Hand einer Frau beim Schreiben des Testaments. Wer sein Testament schreibt und seinen Letzten Willen macht, entledigt sich einer großen Last. Foto: Green Chameleon on Unsplash

Den Nachlass regeln:
Das Glück der letzten Entscheidung

Antje F. Weiser ist Anwältin für Erb- und Familienrecht. Sie berät Menschen dabei, Ihren Nachlass zu regeln. Aus ihrer Erfahrung kann sie sagen: Wer sein Testament verfasst, entledigt sich einer großen Last. Ihr Rat an alle: Warten Sie nicht zu lange!

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Den Nachlass regeln: Hand einer Frau beim Schreiben des Testaments. Wer sein Testament schreibt und seinen Letzten Willen macht, entledigt sich einer großen Last. Foto: Green Chameleon on Unsplash
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Den Nachlass regeln:
Das Glück der letzten Entscheidung

Antje F. Weiser ist Anwältin für Erb- und Familienrecht. Sie berät Menschen dabei, Ihren Nachlass zu regeln. Aus ihrer Erfahrung kann sie sagen: Wer sein Testament verfasst, entledigt sich einer großen Last. Ihr Rat an alle: Warten Sie nicht zu lange!

Den Nachlass regeln: Nahaufnahme einer älteren Frau mit weißem, halblangem Harr, die am Fenster steht und zufrieden lächelnd in die Ferne schaut. Wer seinen Nachlass regelt, entleidgt sich einer großen Last.Foto: Initiative

Frau Weiser, was ist die erste Frage, die Ihnen neue Klienten stellen?

Viele Menschen, die zu mir kommen, sind erst einmal verunsichert, was sie überhaupt regeln müssen oder was sie mit ihrem Testament erreichen können. Oder sie fragen grundsätzlich, ob ein Testament zum derzeitigen Zeitpunkt nötig ist. Meine Klienten sind in der Regel zwischen 50 und 80 Jahre alt. Tatsächlich findet das Erstgespräch immer früher statt. Oft sind es Krankheiten, die einen Menschen, der noch mitten im Arbeitsleben steht, dazu bewegen, so früh eine Beratung in Anspruch zu nehmen. Früher hat man diese Fragen eher verdrängt, was nach einem kommt. Heute ist man offener, eventuell auch besser informiert.

Wie kann man sich solch ein Erstgespräch über das Regeln des Nachlasses vorstellen?

Zuerst ist zu überlegen, was passiert, wenn man gar keine Nachlassregelung trifft und kein Testament verfasst. Der Gesetzgeber sieht eine gesetzliche Erbfolge vor, die zunächst den Ehepartner und die Kinder begünstigt. Wenn diese nicht vorhanden sind bzw. nicht mehr leben, folgen die Enkelkinder, die nächsten Generationen der Verwandtschaft. Ich zeichne dann einen Stammbaum auf und spezifiziere die möglichen Begünstigten, um meinem Klienten die Situation so transparent wie möglich darzustellen. Wenn der Tod schon eingetreten ist, sind dagegen die Behörden gefragt. Das ist die Aufgabe des Nachlassgerichts.

Wie viel Emotion liegt im ersten Gespräch?

Je nachdem, was die Menschen gerade selbst erlebt haben – zum Beispiel Todesfälle in der unmittelbaren Umgebung –, kann eine Menge Emotion im Spiel sein. In erster Linie herrscht große Verunsicherung. Es ist selten, dass jemand bereits mit einer klaren Meinung zur Tür hereinkommt. Das hat zur Folge, dass oft mehrere Entwurfsfassungen des Testaments erarbeitet werden. Der Druck ist groß, wenn plötzlich die Kinder fragen, wann sie denn endlich erben werden.

Wie viel muss man über das Leben wissen, um Menschen beim Regeln ihres Nachlasses zu beraten?

Als Juristin bin ich eine Art Dolmetscherin, die die Wünsche der Klienten in eine rechtlich einwandfreie Schriftversion übersetzt. Die Leute fangen auch mal an zu weinen. Darauf muss man vorbereitet sein. Es sollten also nicht nur Taschentücher bereit liegen. Es ist auch eine große Portion Einfühlungsvermögen gefragt. Man muss erfassen, was die Menschen wirklich bewegt. Dazu braucht man Fingerspitzengefühl. Das hat man oder man hat es nicht. Erstaunlicherweise wird in der Ausbildung zum Erbrechtsanwalt überhaupt nicht auf sogenannte Social Skills Wert gelegt.

Es gibt auch Kollegen, die ihre Beratung in sachlicher Form in knapp zwanzig Minuten abschließen. Ich halte das nicht nur für äußerst unsensibel, sondern auch für nicht ausreichend. Für ein Erstgespräch nehme ich mir immer mindestens eine Stunde Zeit. Bei den Folgeterminen entstehen die Entwürfe, die gewissen Formvorschriften folgen müssen.. Bei bestimmten Regelungen braucht man einen Notar und man legt fest, wo das endgültige Dokument sicher aufbewahrt wird. Darauf weise ich natürlich hin.

Nun ist das Testament fertig und die Arbeit getan. Wie glücklich sind die Menschen danach?

Die Klienten kommen ja mit einer gewissen Last zu mir. Die Überlegung ist immer: Was bleibt von mir, wenn ich nicht mehr da bin? Verschwindet einfach alles – oder bleibt etwas übrig, was anderen nutzt, meiner Familie, meinen Mitmenschen oder der Umwelt? So wie am Anfang die Verunsicherung herrscht, spürt man immer die Erleichterung, wenn das Testament am Ende fertig auf dem Tisch liegt. Man merkt das durchaus auch physisch, wenn die Last von einem abfällt. Als sei ihnen eben ein Stein vom Herzen gefallen. Der große Seufzer, er ist oft deutlich zu vernehmen.

Haben Sie schon Ihren eigenen Nachlass geregelt und Ihr Testament gemacht?

Nein, noch nicht. Eigentlich ist es überfällig. Man sollte es schon beizeiten regeln. Gerade dann, wenn wie in meinem Fall Kinder da sind oder man in einer Patchwork-Familie lebt.

Macht Sie Ihre Arbeit glücklich?

Ja. Auch wenn es das Ende des Lebens ist, womit ich mich als Anwältin beschäftige, bedeutet es immer einen neuen Anfang. Der Nachlass wirkt weiter. Es ist eine beratende Tätigkeit, die mich sehr erfüllt. Ein Testament nimmt Last von den Menschen. Und es ist eine juristisch eher nicht klassische Tätigkeit, wo man ja eher mit Fällen zu tun hat, wo das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Wir betreiben Vorsorge.

Zum Weiterlesen

Alles über das Schenken, Erben und Vererben sowie eine vergünstigte Erstberatung bietet die DVEV Deutsche Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge e.V. unter www.erbrecht.de

Alles Wichtige zum Verfassen eines Testaments für den guten Zweck finden Sie auf einen Blick: www.mein-erbe-tut-gutes.de

FOTOS: Green Chameleon on Unsplash, Initiative „Mein Erbe tut Gutes“

Ehrenamt im Ruhestand: Eine ältere deutsche Frau zeigt drei pakistanischen Frauen Fotos auf ihrer Kompaktkamera. Ehrenamtliches Engagement im Alter vermittelt u.a. der Senior Expert Service, Freiwilligenagenturen oder gemeinnützige Organisatonen und Stiftungen. Foto: SES Bonn

Engagiert im Ruhestand:
So glückt der Weg ins Ehrenamt

Ehrenamt statt Ruhestand. Für viele ist das eine Glücksformel, wenn es beruflich nichts mehr zu tun gibt. Bei der Suche nach der passenden Tätigkeit helfen Freiwilligenagenturen, der Senior Expert Service oder Mehrgenerationenhäuser.

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Ehrenamt im Ruhestand: Eine ältere deutsche Frau zeigt drei pakistanischen Frauen Fotos auf ihrer Kompaktkamera. Ehrenamtliches Engagement im Alter vermittelt u.a. der Senior Expert Service, Freiwilligenagenturen oder gemeinnützige Organisatonen und Stiftungen. Foto: SES Bonn
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Engagiert im Ruhestand:
So glückt der Weg ins Ehrenamt

Ehrenamt statt Ruhestand. Für viele ist das eine Glücksformel, wenn es beruflich nichts mehr zu tun gibt. Bei der Suche nach der passenden Tätigkeit helfen Freiwilligenagenturen, der Senior Expert Service oder Mehrgenerationenhäuser.

Wer sich aus dem Berufsleben in die Rente verabschiedet, empfindet nicht selten eine Leere im Alltag. Plötzlich ist da viel freie Zeit, Wissen und Tatendrang, während die täglichen Herausforderungen und der Austausch fehlen. Kein Wunder, dass viele Ruheständler nach neuen Aufgaben suchen und sich im Alter aktiv für den guten Zweck einsetzen möchten.

Damit sind sie in guter Gesellschaft. Fast die Hälfte der 65- bis 85-Jährigen engagiert sich bereits unentgeltlich. Und noch ein Ergebnis liefert die aktuelle Generali Altersstudie: Ältere Menschen sind mehrheitlich optimistisch, aktiv und motiviert. Sie fühlen sich meist deutlich jünger als sie sind. Hier schlummert eine Menge Energie, die in gemeinnützigen Einrichtungen, Vereinen oder Projekten dringend gebraucht wird.

Der Gewinn ist dabei alles andere als einseitig. Auch wer Gutes tut, bekommt eine Menge zurück. Anderen zu helfen und Erfahrungen weiterzugeben, macht Spaß. Es führt Menschen zusammen, bringt Anerkennung und neues Wissen. Nicht ohne Grund betonen Ehrenamtliche oft, wie glücklich sie ihre Aufgabe macht. Auch neue Studien der Glücksforschung belegen, dass Schenken glücklich macht.

Ehrenamt im Ruhestand: Älterer Mann inmitten von Schülerinnen und Schülern bei der PC-Nachhilfe. Der SES-Experte KLaus Berger, ehemaliger IT-Projektmanager, zeigt Viertklässlern, wie man sich im Internet bewegt. Foto: SES-Bonn

Das richtige Ehrenamt finden

Die Angebote für aktive Rentner und Pensionäre sind zahllos: Sie können Kindern vorlesen, Computer-Nachhilfe geben, durchs Museum führen, in der Kleiderkammer aushelfen, Pflegebedürftige besuchen, Behördengänge für Ältere erledigen oder Sprachkurse für Flüchtlinge anbieten.  Damit der Weg in Ehrenamt glückt, sollte sich Sie sich zunächst fragen: Was treibt mich an? Was mache ich gerne? Möchte ich Menschen anleiten, anderen helfen oder lieber mit Technik arbeiten? Möchte ich Erfahrungen einbringen oder etwas Neues lernen? Bin ich ein Vereinsmensch oder ein Einzelkämpfer? Und nicht zuletzt: Wie viel Zeit möchte ich aufwenden? Eine gute Starthilfe dafür gibt die Aktion Mensch mit dem Engagement-Finder.

Für den Einstieg

Wer noch nicht weiß, welches Ehrenamt zu ihm passt, kann es mit dem Engagement-O-Mat herausfinden. Dazu gibt es gleich konkrete Vorschläge, wo man sich einbringen kann.

Ehrenamtsbörsen vermitteln Angebote im Internet

Die meisten Ruheständler finden direkt in ihrer Umgebung eine Menge Möglichkeiten, sich einzubringen. Auf dem Dorf und in kleinen Städten, ist der Kontakt leicht geknüpft. Andernorts hilft ein Blick ins Internet. Fast jeder Landkreis und jede größere Stadt, aber auch Wohlfahrtverbände oder Kirchengemeinden bieten online Freiwilligenbörsen oder Ehrenamtsportale. Angebote aus ganz Deutschland führt die Freiwilligen-Datenbank zusammen.

Engagement-Finder

Die Freiwilligen-Datenbank enthält Engagement-Angebote aus allen Teilen der Republik. Einfach Postleitzahl eingeben und Tätigkeitsfelder wählen. Fertig.

Freiwilligenagenturen beraten persönlich

Wer sich lieber persönlich beraten lassen möchte, wendet sich an eine Freiwilligenagentur in seiner Nähe. Es gibt sie nahezu überall. Sie heißen Freiwilligenbörse, Ehrenamtszentrum, Tatendrang oder BürgerAktiv. Sie kennen die Angebote vor Ort genau und helfen dabei, Fähigkeiten und Ideen an der richtigen Stelle einzubringen. Freiwilligenagenturen beraten, geben Antwort auf alle Fragen zu Versicherungsschutz oder Kostenerstattung und helfen, wenn es einmal Probleme gibt.

Freiwilligenagenturen in der Nähe

Lokale Freiwilligenagenturen in Ihrer Nähe helfen bei der Suche. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen kennt über 500 Adressen in ganz Deutschland und nennt Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner – leicht auffindbar im Agenturatlas.

Mehrgenerationenhäuser sind offen für alle

In vielen Orten in Deutschland gibt es Mehrgenerationenhäuser, die Begegnungsstätten für die ganze Nachbarschaft sind. Hier helfen Jüngere den Älteren und umgekehrt. Für die verschiedensten Angebote – Sprachtandems, Kochkurse, Nachhilfe, Werkstätten, Nachmittagsbetreuung, Kreativprojekte – werden freiwillige Helfer jeden Alters gesucht. Der so genannte Offene Treff macht den Einstieg ins Ehrenamt leicht. Wer Berührungsängste hat, kann erst einmal vorhandene Angebote nutzen, Kontakte knüpfen und dann schauen, wie er sich einbringen kann.

Offener Treff für alle

Mehrgenerationenhäuser sind Begegnungsorte für Menschen jeden Alters und laden alle dazu ein, sich einzubringen. Bei der Suche nach einem Haus in Ihrer Nachbarschaft hilft das Bundesfamilienministerium auf mehrgenerationenhaeuser.de.

Gemeinnützige Organisationen setzen auf ehrenamtliche Helfer

Häufig vergessen: Auch viele große Organisationen setzen auf helfende Hände. Schlägt ihr Herz also für eine gute Sache, dann schauen Sie auf die Internetseiten des gemeinnützigen Vereins oder der Stiftung ihrer Wahl. Egal ob Nothilfe, nachhaltige Entwicklung, Bildung, Umweltschutz, Menschenrechte, Wissenschaft, Kultur, Gesundheit oder Sport – engagierte Menschen mit Berufs- und Lebenserfahrung werden zum Beispiel zum Spendensammeln, für Mitmachaktionen und Infostände gesucht.

Senior Expert Service vermittelt Fachkräfte im (Un-)Ruhestand

Wer weiterhin aktiv am beruflichen Leben teilhaben, kann sich an den Senior Expert Service wenden. Der SES vermittelt ehrenamtliche Fach- und Führungskräfte im Ruhestand in alle Teile der Welt und in Deutschland. Mit Ihrem Expertenwissen können Sie zum Beispiel kleinere Unternehmen, Behörden, Krankenhäuser oder Schulen unterstützen oder den Nachwuchs hierzulande fördern. Zurzeit besonders gesucht: Fachleute aus dem Handwerk, aus Ausbildung, Elektrotechnik, Kunststoff, Maschinenbau oder Medizin.

Für Fachkräfte im Ruhestand

Der Senior Expert Service mit Sitz in Bonn entsendet Fach- und Führungskräfte im Ruhestand ins In- und Ausland. Die Aufnahme in die Datenbank ist kostenlos. Registrierung und Informationen gibt es auf www.ses-bonn.de.

FOTOS: SES Bonn

Ein Erbe für den guten Zweck: Ein Foto der Erblasserin Ilse Vormann auf der Kommandobrücke des Motorseglers Beluga II. Darunter eine Gedenktafel mit der Inschrift:

Mit dem Erbe etwas Gutes tun: Darauf kommt es an

Immer mehr Menschen möchten mit ihrem Erbe auch einen guten Zweck unterstützen. Vor allem wer keine Kinder hat, denkt darüber nach, etwas an eine gemeinnützige Organisation oder eine Stiftung zu vererben. Wir erklären, worauf es ankommt.

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Ein Erbe für den guten Zweck: Ein Foto der Erblasserin Ilse Vormann auf der Kommandobrücke des Motorseglers Beluga II. Darunter eine Gedenktafel mit der Inschrift:
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Mit dem Erbe etwas Gutes tun: Darauf kommt es an

Immer mehr Menschen möchten mit ihrem Erbe auch einen guten Zweck unterstützen. Vor allem wer keine Kinder hat, denkt darüber nach, etwas an eine gemeinnützige Organisation oder eine Stiftung zu vererben. Wir erklären, worauf es ankommt.

Ein Erbe für den guten Zweck: Der Motosegler Beluga II auf hoher See. Foto: Daniel Müller / Greenpeace

Beginnen wir mit einem guten Beispiel: Ilse Vormann, nämlich, hat alles richtig gemacht. Rechtzeitig wollte sie ihren Nachlass regeln und nach dem Tod ihres Mannes selbst für den Ernstfall vorsorgen. Eigene Kinder hatte das Paar nicht. Ihr Vermögen wollte die Witwe dennoch an die nächste Generation weitergeben. Ilse Vormann ließ sich beraten. Ihr wurde klar: „Mit meinem Beitrag möchte ich der Natur etwas zurückgeben und der Zerstörung der Umwelt entgegenwirken.“

In ihrem Testament bestimmte sie schließlich vier Umwelt- und Naturschutzverbände zu ihren Erben. Gemeinsam mit ihnen verfügte sie, wie ihr Vermögen sinnvoll und nachhaltig für die gute Sache eingesetzt werden sollte. Unter anderem schickte sie posthum einen neu, speziell nach den Bedürfnissen der Organisation gebauten Motorsegler auf Umweltmission. Noch heute, gut fünfzehn Jahre nach ihrem Tod, wirkt das Erbe von Ilse Vormann in ihrem Sinne weiter. An Bord der Beluga II erinnert ein Foto und eine Gedenktafel an die großzügige Spenderin.

Jeder Zehnte würde mit dem Erbe einen guten Zweck unterstützen

So wie Ilse Vormann wollen immer mehr Menschen mit ihrem Erbe nicht nur diejenigen versorgen, die ihnen nahestehen. Bereits jeder zehnte Deutsche über 60 Jahre kann sich vorstellen, einen Teil des Nachlasses einem guten Zweck zugutekommen zu lassen. Bei Menschen ohne Kinder ist es sogar jeder Dritte. Das ergab eine repräsentative GfK-Umfrage. Auch viele Angehörige unterstützen demnach den Wunsch der Erblasser. Soweit das Grundsätzliche.

Wer sich indes konkret damit beschäftigt, was vom eigenen Leben einmal bleiben soll, dem kommen viele Fragen: Wie kann ich einen Teil meines Nachlasses an einen Verein, eine Stiftung oder einen Verband vermachen? Geht das auch mit einem kleinen Betrag? Woher weiß ich, dass mein Erbe in meinem Sinne eingesetzt wird? All diese Fragen sind berechtigt. Umso erfreulicher die Nachricht: Viel gibt es nicht zu beachten! Das Wichtigste gleich vorweg:

Wer gemeinnützig Vererben möchte, braucht ein Testament

Die gesetzliche Erbfolge berücksichtigt allein Blutsverwandte, Adoptivkinder, Ehepartner und den Staat. Nur ein Testament oder ein Erbvertrag setzen diese Regelung außer Kraft und ermöglichen individuelle Gestaltungsfreiheit.

Testament handschriftlich verfassen und sicher aufbewahren

Ein eigenhändiges Testament ist gültig, wenn es komplett mit der Hand geschrieben und mit Ort, Datum und Unterschrift versehen ist. Änderungen, Nachträge, Widerrufe sind jederzeit möglich. Wer komplexe Regelungen treffen möchte, sollte sich von einem Erbrechtsanwalt oder Notar beraten lassen. Richtig aufbewahrt ist Ihr Testament dort, wo es nicht verloren geht – und nach dem Tod schnell gefunden wird. Wer auf sicher gehen möchte, kann es beim Amtsgericht hinterlegen.

Vererben und Vermachen sind nicht dasselbe

Diesen Unterschied sollten Sie kennen: Wer zum Erben bestimmt wird, der übernimmt nicht nur Vermögen, Auto, Haus oder Mieteinnahmen, sondern auch alle Verbindlichkeiten und Schulden. Soll nur ein Teil des Vermögens zugunsten eines guten Zwecks bestimmt werden, ist ein Vermächtnis der beste Weg. Im Testament kann es einfach und konkret heißen: „Die Organisation XYZ soll ein Vermächtnis von X Euro erhalten.“ Wichtig: Informieren Sie die Organisation über die beabsichtigte Zuwendung, damit sie Ihren Wünschen nachkommen kann.

Die richtige gemeinnützige Organisation finden und prüfen

Nicht jeder engagiert sich schon seit Jahren für die eine gute Sache. Denken Sie in aller Ruhe darüber nach, was Ihnen am Herzen liegt. Umwelt und Natur, Menschenrechte, Wissenschaft, der Kampf gegen Armut oder Krankheiten? Oft prägt die eigene Geschichte das, was einmal bleiben soll. Auch ein Ehrenamt im Alter bietet einen guten Weg, eine Organisation kennenzulernen. Haben Sie sich entschieden, prüfen Sie ob die Organisation Ihrer Wahl transparent arbeitet und die Mittel gewissenhaft einsetzt. Sicherheit darüber geben u.a. ein Blick in den Jahresbericht und ein persönliches Gespräch.

Zum Weiterlesen

Rat und Orientierung zum gemeinnützigen Vererben gibt die Initiative „Mein Erbe tut Gutes“ auf Ihrer Internetseite. Hier erfahren Sie auch, wie Sie Ihr Testament für den guten Zweck verfassen.

Mit den Angehörigen offen sprechen

Wer mit seinem Erbe eine gute Sache unterstützen möchte, tut dies meist mit einem Teil seines Nachlasses. Viele Angehörige unterstützen den Wunsch. Das offene Gespräch über den Letzten Willen gibt allen Beteiligten die nötige Sicherheit. Zweifel der Angehörigen sind in den meisten Fällen unbegründet. Der Gesetzgeber garantiert Ehe- und eingetragenen Lebenspartnern, Kindern, Adoptivkindern und Eltern einen Anspruch auf den Pflichtteil.

Auch kleine Beträge können Gutes bewirken

Anders als viele denken, muss es muss nicht gleich eine eigene Stiftung sein, um Bleibendes zu hinterlassen. Auch wenn das Vermögen nicht groß ist, können Sie mit einem Testament die Arbeit gemeinnütziger Organisationen wirkungsvoll unterstützen.

Bestattung und Grabpflege können übernommen werden

Interessant für alle, die keine Angehörigen haben: Als Erben kümmern sich gemeinnützige Organisationen nach vorheriger Absprache auch um Wohnungsauflösung, Bestattung und Grabpflege.

Schenken oder Stiften sind Alternativen zum Testament für den guten Zweck

Schon zu Lebzeiten kann man Teile seines Vermögens verschenken, eine Organisation in der Lebensversicherung begünstigen oder verfügen, dass ein Bankguthaben im Todesfall übertragen wird. Auch die Stiftung von Vermögen kann interessant sein. Gemeinnützige Organisationen bieten dazu ganz verschiedene Möglichkeiten. Fragen Sie nach.

Gemeinnützige Organisationen und Stiftungen sind von der Erbschaftssteuer befreit

Der Staat würdigt gesellschaftliches Engagement, auch bei Testamenten und Schenkungen. Alle Organisationen und Stiftungen, die das Finanzamt als gemeinnützig anerkennt, sind von der Erbschafts- und Schenkungssteuer befreit. Der Nachlass kommt also der guten Sache zugute.

FOTOS: Max Seiler, Daniel Mueller / Greenpeace

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